Das Markgräfler Museum ist ein Regionalmuseum in Müllheim im Markgräflerland, einer Stadt im Markgräflerland, die zum Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg (Deutschland) gehört. Es ist das größte Museum zwischen Freiburg im Breisgau und der Agglomeration Basel/Lörrach im Dreiländereck und hat zwei Standorte: das Blankenhorn-Palais und die Frick-Mühle. Es ist Mitglied im Museumsverband Baden-Württemberg, im Netzwerk Museen sowie im trinationalen deutsch-französisch-schweizerischen Verein Museums-PASS-Musées, womit der oberrheinische Museumspass gilt.

Blankenhorn-Palais mini|Blankenhorn-Palais Müllheim mit dem Markgräfler Museum

Regionalmuseum Das Blankenhorn-Palais gegenüber des zentralen Müllheimer Marktplatzes an der Wilhelmstraße, heute eine Fußgängerzone, ist der Hauptsitz des Markgräfler Museum Müllheim: Es wurde im Mai 1974 unter dem Namen Markgräfler Wein- und Heimatmuseum durch den heutigen Markgräfler Museumsverein Müllheim e. V. und die Stadt Müllheim gegründet.

Zunächst stand ein Raum des Hauses für temporäre Ausstellungen zur Verfügung,(Museen in Baden-Württemberg. Hrsg. Museumsverband Baden-Württemberg mit Unterstützung des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, Stuttgart (2. Aufl.) 1977, S. 148–149) 1978 konnte der historische Weinkeller her- und eingerichtet und 1979 das Erdgeschoss mit einer Dauerausstellung eröffnet werden.

1991 wurde das Museum um das Obergeschoß mit knapp 500 Quadratmeter erweitert und in „Markgräfler Museum“ umbenannt;(Museen in Baden-Württemberg. Hrsg. Museumsverband Baden-Württemberg, Stuttgart (3. Aufl.) 1992, S. 263) 2003 konnte das Dachgeschoss mit Mitteln aus dem Landessanierungsprogramm für die Museumsnutzung ausgebaut und in den Folgejahren um modern gestaltete Abteilungen zur regionalen Geschichte und Literatur erweitert werden.Museen in Baden-Württemberg. Hrsg. von der Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg und dem Museumsverband Baden-Württemberg, Stuttgart (7. Aufl.) 2013, S. 301–303.

Heute nimmt die Ausstellungsfläche fünf Etagen ein: Auf insgesamt über 1.500 Quadratmetern werden neben wechselnden Sonderausstellungen in der Regel auch fünf Dauerausstellungen gezeigt, welche die Region unter fünf unterschiedlichen Aspekten behandeln.

Im historischen Gewölbekeller kann man mit Weintrotten von 1743 und 1820 oder einer kompletten Küferwerkstatt in die Geschichte des Weinbaus im Markgräflerland als einem der größten Weinbaubereiche Badens eintauchen.

Das Erdgeschoss ist der vielgestaltigen Geologie und Archäologie der Region mit Fundstücken aus der Jahrtausende zurückreichenden Besiedlungsgeschichte von der Steinzeit bis in die keltische, römische, alemannische und fränkische Periode gewidmet: Diese Dauerausstellung wurde zum Frühjahr 2023 neu gestaltet.

In der historisch eingerichteten Bel Etage im Obergeschoss wird die bürgerliche Wohnkultur mit Landschafts- und Porträtmalerei des 18. und 19. Jahrhunderts gezeigt, in den Seitenflügeln Meisterwerke der klassischen Moderne sowie Bilder und Skulpturen namhafter regionaler zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler.

Im Dachgeschoss wird die Geschichte des Markgräflerlands – im ausgehenden Mittelalter aus den Herrschaften Badenweiler, Rötteln und der Landgrafschaft Sausenberg entstandenDie Herrschaft Rötteln und die Landgrafschaft Sausenberg bildeten zusammen das Oberamt Rötteln – in einer erlebnisorientiert konzipierten Abteilung in acht Themeninseln mit Film-, Computer- und Lesestationen erzählt.

Im Dachspitz bietet die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach entstandene Literaturabteilung einen Blick auf die regionale literarische Landschaft vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, von Johann Peter Hebel bis Heinrich Hoffmann von Fallersleben, von Hermann Hesse bis Annette Kolb, von René Schickele bis Marie-Luise Kaschnitz sind hier u. a. viele zugezogene wie heimische Autorinnen und Autoren zu entdecken.Siehe Info-Faltblatt des Markgräfler Museums und die Website des Museums.

Geschichte des Blankenhorn-Palais mini|Wohnzimmer in der Bel Etage des Blankenhorn-Palais, eins der Trauzimmer der Stadt

Das Blankenhorn-Palais, ehemals „Gasthaus zur Krone“, entstand unter Einbeziehung älterer Bauten 1820 als ausgedehnte Gutshof-Anlage im frühklassizistischen Stil. Es gehört zu den herausragenden Bauwerken in Stadt und Region und wurde 2007 als Stadtpalais in das Denkmalbuch Baden-Württemberg eingetragen. Seit dem 17. Jahrhundert ist an der zentralen Stelle beim ehemaligen Allmend- und heutigen Marktplatz ein Gasthaus nachgewiesen. Französische Einflüsse prägen die Außenfassade und die Innenräume, wo im ersten Obergeschoss eine sogenannte „Enfilade“ die Prinzipien des Schlossbaus aufnimmt. An weiteren Umbauten im 19. Jahrhundert war mit großer Wahrscheinlichkeit der badische Architekt Friedrich Eisenlohr beteiligt. Bis zur Schließung 1880 genoss die „Krone“, damals im Besitz der Familie Blankenhorn, einen weithin guten Ruf.

Viele Jahrzehnte wurde es als Wohnhaus und Anwaltspraxis von Rechtsanwalt Fritz Hack genutzt. Der liberale Kommunalpolitiker machte es ab 1909 zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt mit hochkarätigen Hauskonzerten und Besuchen etwa des Heidelberger Soziologen Max Weber. Standhaft verteidigte er während des Nationalsozialismus jüdische Mandanten – das Haus wurde 1938 mit der Schriftzeile „Judenknecht“ beschmiert. In der Nachkriegszeit amtierte er 1945 und 1946–1953 als Bürgermeister. Nach seinem Tod erwarb die Stadt Müllheim das Anwesen und nutzte es 1955–1973 als Rathaus. Bis heute finden im „Blauen Salon“ standesamtliche Trauungen statt. Das Anwesen setzt sich aus dem repräsentativen, zweigeschossigen Haupthaus und den rückwärtig anschließenden zweieinhalbgeschossigen Flügelbauten zusammen, von denen der südliche vermutlich Teile des Vorgängerbaus aus dem 17. Jahrhundert oder frühen 18. Jahrhundert aufweist, der später aufgestockt wurde. Polygonale Fenster mit flachen dekorativen Putzrahmen in Sternform belichten jeweils das Attikageschoss von Hauptbau und Flügeln und geben dem Innenhof ein einheitliches Erscheinungsbild. Ein dekorativ verglaster Wintergarten mit Schmiedeeisenornamentik sowie der Schutzvorbau aus feingeschmiedeten Eisenteilen vor der rückwärtigen Tür und kunstvolle Eisengeländer prägen das Erscheinungsbild ebenso wie die nach hinten sich anschließende mächtige Scheune mit großen Einfahrtstoren. Das Innere des Hauptgebäudes wird durch eine Balustrade erschlossen. Parkettböden, Wandtäfer, Stuckdecken und ein Fayenceofen sind von der ursprünglichen Ausstattung erhalten geblieben, ebenso der großzügige ehemalige Ballsaal.Jan Merk: Vortragsmanuskript zu 200 Jahren Hausgeschichte; siehe auch: Ein historisch wertvolles Gebäude in der Region. In: Die Oberbadische vom 25. August 2020; abgerufen am 7. Dezember 2020.

Frick-Mühle mini|Frick-Mühle in Müllheim (2011)

Mühlenmuseum Neben dem Blankenhorn-Palais hat das Markgräfler Museum als zweiten Standort die Frick-Mühle in der Gerbergasse.Zweiter Standort des Markgräfler Museums, Frick-Mühle auf der Website des Markgräfler Museums; abgerufen am 3. Dezember 2020Das Mühlenmuseum ist mit einer eigenen ISIL registriert. In einem früheren Mühlengebäude des 19. Jahrhunderts wurde eine funktionstüchtige Getreidemühle rekonstruiert, das Mühlrad und die Ausstattung waren nicht mehr vorhanden und mussten nach alten Vorlagen neu erstellt werden. Die drei Mahlgänge der Getreidemühle wurden von einer stillgelegten Mühle im Riedlinger Bad – einem zum Kanderner Teilort Riedlingen gehörigen Weiler – durch die Stadt Müllheim aufgekauft. Zudem wurde ein kleines Mühlrad für eine Stampfe installiert.

Der Arbeitskreis Frick-Mühle im Markgräfler Museumsverein bietet von April bis Oktober regelmäßig öffentliche Führungen in den Mühlenräumen und im Außenbereich an. Für angemeldete Gruppen gibt es Führungen.Zweiter Standort des Markgräfler Museums, Frick-Mühle auf der Website des Markgräfler Museums; abgerufen am 3. Dezember 2020 Außerdem beteiligt sich der Arbeitskreis am jährlichen Deutschen Mühlentag, der jeweils am Pfingstmontag durchgeführt wird.

Geschichte der Frick-Mühle Urkundliche Nachrichten von der Mühle gibt es bereits von Ende des 14. Jahrhunderts. Aufgrund der Zinspflicht der Mühle gegenüber den Herren von Baden wird angenommen, dass sie in Verbindung mit dem Müllheimer Hofgut derer von Baden stand und entstand.Siehe Fritz Fischer: Die Frick-Mühle. In: Das Markgräflerland, Heft 1/1961, S. 124 Digitalisat der UB Freiburg Die Mühle war ursprünglich eine Getreidemühle und wurde im Laufe der Zeit um eine Hanfreibe und verschiedene Trotten erweitert. 1775 kam auch noch eine Sägemühle hinzu.Siehe Dorothee Philipp: Die Müllheimer Frickmühle. In: Das Markgräflerland, Band 1/2008, S. 68. Während die Existenz einer Mühle am heutigen Standort der Frick-Mühle über Jahrhunderte als gesichert gilt, so ist das Gebäude in seiner heutigen Grundform erst etwa um 1822 erbaut oder zumindest umfassend modernisiert worden, wie durch dendrochronologische Untersuchungen festgestellt wurde.Siehe Dorothee Philipp: Die Müllheimer Frick-Mühle. In: Das Markgräflerland, Band 1/2008, S. 69/70.

Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Müllheim sieben Mühlen, von denen sechs am Klemmbach standen.Siehe Dorothee Philipp: Die Müllheimer Frick-Mühle. In: Das Markgräflerland, Band 1/2008, S. 64 Von dieser Vielzahl an Mühlen leitet die Stadt Müllheim ihren Namen ab. Die letzte der Mühlen stellte 2009 den Betrieb ein. Die Frick-Mühle wurde bereits 1912 stillgelegt. Nachfolgend wechselte das Gebäude durch Erbgang und Verkauf vielfach den Eigentümer. Etwa ab den 1980er-Jahren diente das Haus der Stadt Müllheim zur Unterbringung ärmerer Familien. Nachdem die Stadt zunächst als Generalmieter auftrat kaufte sie die Liegenschaft 1993 und nutzte den Bau bis 2000 weiter für Sozialwohnungen.Siehe Dorothee Philipp: Die Müllheimer Frick-Mühle. In: Das Markgräflerland, Band 1/2008, S. 69

Auf Initiative des Markgräfler Museumsvereins Müllheim wurde im Jahr 2000 damit begonnen, das ursprüngliche Erscheinungsbild und die Funktionsweise der Mühle wieder herzustellen, wobei zunächst die An- und Einbauten aus den 1960er-Jahren entfernt und das Innere weitgehend „auf den Rohbauzustand zurückgebaut“ wurde.Siehe Dorothee Philipp: Die Müllheimer Frick-Mühle. In: Das Markgräflerland, Band 1/2008, S. 70 Neben der Stadt Müllheim wurde der Verein dabei auch durch das Land Baden-Württemberg unterstützt, das Mittel aus dem Stadtsanierungsprogramm zur Verfügung stellte. Nachdem das neu gefertigte große Mühlrad aus Lärchen- und Eichenholz mit einem Durchmesser von fast 6 Metern im Jahr 2007 einsatzbereit war, konnte der zweite Standort des Museums 2008 eröffnet werden. Im März 2012 wurden ein kleines Mühlrad und eine Stampfe in Betrieb genommen.Siehe Dorothee Philipp: Ein neues Exponat für die Müllheimer Frick-Mühle. In: Das Markgräflerland, Band 2/2012, S. 139–143.

Sammlungen mini|Merowingischer Muschelkalk-Sarkophag aus dem 12. Jhdt. n. Chr., vermutlich des Stifter-Paares der Martinskirche (Müllheim), heute im Erdgeschoss des Markgräfler Museums Müllheim in der Dauerausstellung Regionale Archäologie und Geologie: Ca. 2,00 m lang, am Kopfende ca. 1,00 m hoch und 60 cm breit