Der 63. Eurovision Song Contest fand vom 8. bis zum 12. Mai 2018 in der Altice Arena in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon statt. Die portugiesische Rundfunkanstalt Rádio e Televisão de Portugal (RTP) war zum ersten Mal mit der Ausrichtung des Eurovision Song Contests beauftragt, nachdem Salvador Sobral mit dem Lied Amar pelos dois für Portugal den Eurovision Song Contest 2017 in Kiew (Ukraine) gewonnen hatte.
Den Wettbewerb gewann für Israel Netta mit dem Beitrag Toy, der von Doron Medalie und Stav Beger geschrieben wurde. Israel erreichte 529 Punkte und damit den vierten Sieg in seiner Geschichte beim Eurovision Song Contest.
Österreich gewann das Juryvoting und wurde in der Gesamtwertung Dritter mit 342 Punkten. Nach den beiden Siegen durch Udo Jürgens und Conchita Wurst war der dritte Platz zu diesem Zeitpunkt die erfolgreichste Platzierung Österreichs in der Geschichte des Eurovision Song Contest.
Deutschland konnte nach Jahren des Misserfolgs einen vierten Platz (340 Punkte) einfahren und sich somit das erste Mal seit 2012 in den Top 10 platzieren. Es ist das beste deutsche Ergebnis seit 2010. Die Schweiz schied zum vierten Mal in Folge im Halbfinale aus. Zypern (2. Platz) und Tschechien (6. Platz) erzielten in diesem Jahr ihr jeweils bestes Ergebnis.
Austragungsort
Folgende Anforderungen wurden an den Austragungsort gestellt: Die austragende Arena sollte Platz für mindestens 10.000 Zuschauer bieten. Ein Pressezentrum für mindestens 1500 Journalisten sollte auf dem Gelände vorhanden sein. Die Gastgeberstadt sollte in der Nähe eines Verkehrsflughafens gelegen sein. Der Austragungsort sollte über entsprechenden öffentlichen Personennahverkehr verfügen, um die Innenstadt, die Arena und Hotels erreichen zu können. Im Umkreis des Austragungsortes müssen genügend Hotels und Hotelzimmer für den Zeitraum der Veranstaltung zur Verfügung stehen.
Auf der Sieger-Pressekonferenz 2017 verkündete der Executive Supervisor des Eurovision Song Contest, Jon Ola Sand, dass es ähnlich wie in den Vorjahren einen Bewerbungsprozess für die Auswahl des Austragungsortes in Portugal geben werde. Am 15. Mai 2017 nannte eine Nachrichtensendung der ausrichtenden Rundfunkanstalt RTP die portugiesische Hauptstadt Lissabon als Austragungsort des Eurovision Song Contest 2018, ehe am Folgetag gemeldet wurde, dass der Austragungsort noch nicht feststehe. Neben Lissabon bekundeten folgende Städte ihr Interesse an der Austragung des Eurovision Song Contest 2018: Braga, Espinho, Faro, Gondomar, Guimarães und Santa Maria da Feira.
Am 13. Juni 2017 trafen sich Vertreter der portugiesischen Rundfunkanstalt RTP mit der sogenannten Reference Group des ESC in Genf, um sich über Erfahrungen bei der Wahl des Austragungsortes und Organisatorisches auszutauschen. Bei diesem Treffen stellte RTP die ersten Konzepte und potenzielle Austragungsorte vor.
Am 25. Juli 2017 gab RTP Lissabon und die Altice Arena als Austragungsort sowie das Datum für den ESC 2018 bekannt. Zur Altice Arena, mit der sich die Stadt beworben hatte, hätte es keine Alternativen in der Hauptstadt gegeben. Folgende Städte hatten sich in der engeren Auswahl befunden und wurden von RTP besucht:
Stadt Austragungsort Maximale Kapazität(bei Konzerten) Bemerkungen Braga Parque de Exposições de Braga 15.000 Nach Renovierung des Gebäudes sollten dort Messen und Veranstaltungen stattfinden. Momentan beträgt die Kapazität maximal 3.000 Zuschauer. Mit der Fertigstellung des Umbaus sollte die Veranstaltungsstätte Platz für 15.000 Zuschauer bieten. Gondomar Multiusos Gondomar 8.000 Austragungsort der Futsal-Europameisterschaft 2007, diverser Sportveranstaltungen und Konzerte. Die Stadt Gondomar verfügt nicht über genügend Hotels und ein entsprechendes öffentliches Verkehrsnetz. Außerdem besteht wenig Platz für den Aufbau des Pressezentrums. Guimarães Multiusos de Guimarães 10.000 Austragungsort des Festival da Canção 2018, diverser Konzerte, Sportveranstaltungen und Messen. Lissabon Altice Arena 20.000 Austragungsort der Expo 98, der U-19-Basketball-Weltmeisterschaft 1999, der MTV Europe Music Awards 2005 und einiger Konzerte. Es handelt sich um die größte Mehrzweckhalle Portugals. Eigentümer der Arena ist Ritmos e Blues. Santa Maria da Feira Europarque de Santa Maria da Feira 11.000 Austragungsort des Festival Da Canção 2001 und diverser Konzerte. Es handelt sich um die größte Veranstaltungsstätte in der Metropolregion Porto und sie befindet sich 35 Minuten vom Stadtzentrum Portos entfernt. Die Stadt verfügt nicht über genügend Hotelkapazität und müsste daher auf Hotels in den Städten Porto und São João da Madeira zurückgreifen.
Weitere Orte Eurovision Village mini|250px|Eingang der Eurovision Village mini|250px|Ort der Eurovision Village Die Eurovision Village (dt. Eurovision-Siedlung) befand sich im Praça do Comércio. Sie war für zwei Wochen die offizielle Gegend für Fans und Sponsoren. Dort wurden im Laufe der Woche verschiedene Events veranstaltet, wie zum Beispiel Auftritte verschiedener ESC-Teilnehmer oder DJs sowie Public Viewings zu den drei Live-Sendungen. Geöffnet wurde der Ort am 4. Mai 2018.
EuroClub Der EuroClub ist der offizielle Klub für den Eurovision Song Contest 2018. Hier werden Aftershow-Partys sowie private Auftritte von den ESC-Teilnehmern stattfinden. Anders als die Eurovision Village haben hier nur registrierte Fans, Delegationen und die Presse Zutritt. Gelegen ist dieser im Klub Lust in Rio in Cais do Sodré, was in der Nähe der Eurovision Village ist.
Eröffnungszeremonie mini|250px|Ort der Eröffnungszeremonie Der rote Teppich, der dieses Jahr blauer Teppich hieß, da er direkt am Meer lag, fand am 6. Mai 2018 um 17:00 Uhr Ortszeit (18:00 Uhr CET) am Museum für Kunst, Architektur und Technologie im Stadtteil Belém statt. Hier haben sich die Künstler und ihre Delegationen der Presse und den Fans vorgestellt. Dieser blaue Teppich stellte dabei auch die offizielle Eröffnungszeremonie des Eurovision Song Contests 2018 dar. Diese Zeremonie fand allerdings nah am blauen Teppich, also im Elektrizitätsmuseum statt. Moderiert wurde dieses Event von Cláudia Semedo, Inês Lopes Gonçalves, Pedro Granger und Pedro Penim. RTP1 übertrug außerdem das Event live im Fernsehen.
Format Am 16. Oktober 2017 gab der CEO von RTP, Gonçalo Reis, bekannt, dass der Eurovision Song Contest 2018 der günstigste aller Zeiten werden solle. Darüber hinaus bezeichnete er den ESC als eine tolle Chance für Portugals Tourismus und Image.
Motto und Logo Das Logo sowie das Motto für 2018 wurden am 7. November 2017 auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Das Motto des diesjährigen Eurovision Song Contests lautet All Aboard! (dt.: Alle an Bord!). RTP wählte dieses Motto, da Portugal den Rest der Welt mit Europa über den Ozean verbindet und Portugal vor 500 Jahren das Zentrum vieler zentraler Seerouten war. Außerdem soll das Motto auch die Einwohner aller Länder dazu einladen, zusammenzukommen.
Das Hauptlogo besteht aus einer Muschel, die aber nicht das einzige Logo für 2018 darstellt. Insgesamt gibt es zwölf verschiedene Logos für 2018, die für die Vielfalt im Ozean und auch für die Vielfalt in Europa stehen. Gonçalo Madaíl, Creative Manager von RTP, charakterisiert Lissabon als eine bunte Stadt, die ein großer Hafen für kulturelle Vielfalt ist und alle Besucher der Stadt willkommen heißt. Dazu ergänzte RTP, dass die zwölf verschiedenen Logos für 2018 alle in der Show zur Geltung kommen werden und auch in den Straßen von Lissabon wiederzufinden sein sollen.
Moderation Am 8. Januar 2018 kündigte RTP Filomena Cautela, Sílvia Alberto, Daniela Ruah und Catarina Furtado als Moderatorinnen an. Damit war es das zweite Mal nach 2015, dass vier Frauen den Wettbewerb moderieren sollten.
Bühnendesign mini|Die Bühne im Aufbau Am 5. Dezember 2017 stellte RTP das Bühnendesign für 2018 vor. Entworfen wurde es vom deutschen Bühnendesigner Florian Wieder, der bereits die Bühnen vom ESC 2011, 2012, 2015 und 2017 entwarf.
Wieder selbst sagte, dass ihn vier Faktoren beim Bühnendesign beeinflusst haben. Er benannte diese als Navigation, die See, Schiffe und eine Karte. Mit der Navigation spricht er von einer Armillarsphäre, die in Portugals Wappen enthalten ist. Sie ist das Hauptelement des Bühnenkonzepts. Die See steht, laut Wieder, für Freiheit und ist damit einer der friedlichsten Plätze der Erde. Die Bühne zeigt dabei eine moderne Interpretation von einer Welle in ihrer organischen Form. Da die Portugiesen viele Schiffe bauten und damit die Welt besegelten, wurde die Bühne auch von einem Teil des Schiffbaus inspiriert. Die Karte repräsentiert Meer und Land zugleich, wobei sich Linien in alle Himmelsrichtungen ausbreiten und Orte miteinander verbinden. Lissabon wird zum Zentrum, in welchem alle Linien zusammenlaufen.
Am 9. Dezember 2017 wurde bekannt, dass es 2018 weder LED-Hintergründe noch andere Projektionen geben werde. Man wolle neue Technologien für 2018 ausprobieren und den Fokus mehr auf die Interpreten und deren Lieder legen. Inspiriert wurde dieses Konzept von Salvador Sobrals Sieg, der mit einer einfachen Bühnenperformance den Wettbewerb 2017 gewinnen konnte. Der Greenroom wird sich wieder in der Arena befinden, so wie es schon 2012 und seit 2014 der Fall ist.
Der Bühnenaufbau begann am 4. April 2018. Die ersten technischen Proben mit der Bühne fanden am 23. April 2018 statt.
Live-Shows und Karten Die ersten Tickets wurden am 30. November 2017 verkauft. Allerdings wurden an diesem Tag nur Karten für das Finale verkauft. Weiterhin konnten auch Tickets für das Jury Finale am 11. Mai 2018 erworben werden sowie für die Generalprobe vor dem Finale am 12. Mai 2018. Der offizielle Ticketpartner ist das portugiesische Ticketunternehmen Blueticket. Die Preise sollen zwischen 35 und 299 Euro liegen.
Die Eintrittskarten für die beiden Halbfinale sowie für die jeweiligen Jury Shows und Proben wurden am 30. Januar 2018 verkauft.
Die OGAE-Fanclubs erhielten ein Ticketkontingent von 1700 Tickets. Damit standen etwa 700 Tickets mehr als 2017 zur Verfügung.
Show Halbfinale 1 Halbfinale 2 Finale Jury-Show Mo. 7. Mai, 21 Uhr Mi. 9. Mai, 21 Uhr Fr. 11. Mai, 21 Uhr Generalprobe Di. 8. Mai, 15 Uhr Do. 10. Mai, 15 Uhr Sa. 12. Mai, 14 Uhr TV-Show Di. 8. Mai, 21 Uhr Do. 10. Mai, 21 Uhr Sa. 12. Mai, 21 Uhr
„Postkarten“ Am 22. Oktober 2017 gab RTP-Programmdirektor Daniel Deusdado bekannt, dass die sogenannten „Postkarten“ – kleine Filme, die in den ESC-Sendungen als Einstimmung auf die jeweiligen Künstler gezeigt werden – für 2018 in Portugal gedreht werden. Dabei reisten alle Delegationen nach Portugal, um dort verschiedene Attraktionen zu besichtigen.
Nationale Jurys Die nationalen Jurys vergeben die Hälfte aller Punkte beim Eurovision Song Contest. Dafür werden sich die Mitglieder eines Landes treffen und gemeinsam die Generalprobe der Shows anschauen. Jedes Mitglied erstellt daraufhin, basierend auf Stimme, Komposition und Originalität des Liedes, eine Rangliste aller Beiträge des Abends. Dabei soll dies jeder unabhängig von den anderen tun. Sobald alle Listen fertiggestellt sind, werden sie von der EBU überprüft und in Punkte umgerechnet. In den deutschsprachigen Ländern sitzen folgende Juroren in der Jury:
+ Belgien Land Mitglieder Bekannt als Bob Savenberg Sänger Wouter Vander Veken Musikproduzent Lady Linn Sängerin Laura Tesoro Sängerin, Teilnehmerin 2016 Tom Dice Sänger, Teilnehmer 2010 + Deutschland Land Mitglieder Bekannt als Mary Roos Sängerin, Teilnehmerin 1972 und 1984 Max Giesinger Sänger Mike Singer Sänger Sascha Stadler Musikproduzent Lotte Sängerin+ Österreich Land Mitglieder Bekannt als Nathan Trent Sänger, Teilnehmer 2017 Monika Ballwein Sängerin Hannes Tschürtz Musikmanager Ink Music Ina Regen Sängerin Florian Cojocaru Musikproduzent + Schweiz Land Mitglieder Bekannt als Georg Schlunegger Musikproduzent Alizé Oswald Sängerin Michael Kinzer Eva Bellomo Sängerin Nickless Sänger
Neue Regeln für das Juryvoting