mini|Inschrift auf der Portalsäule von St. Johannes im Lateran
Die Lateranbasilika, italienisch Basilica San Giovanni in Laterano, ist die Kathedrale des Bistums Rom, eine der sieben Pilgerkirchen und ranghöchste der vier Papstbasiliken Roms. Ihre lateinische Bezeichnung lautet („Erzbasilika des allerheiligsten Erlösers, der heiligen Johannes des Täufers und Johannes des Evangelisten im Lateran“).Die ganze lateinische Bezeichnung lautet: Papalis archibasilica patriarchalis maior cathedralis arcipetralis Sanctissimi Salvatoris et Sanctorum Ioannis Baptistae et Evangelistae apud Lateranum, omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput.
Die Basilika an der Piazza di San Giovanni in Laterano gehört zum Gebäudekomplex des Lateran im Stadtteil Monti im Zentrum Roms, der seit der Zeit Kaiser Konstantins I. der offizielle Sitz der Päpste ist. Zur Lateranbasilika gehört ein antikes Baptisterium.
Erzpriester ist seit Oktober 2024 Baldassare Kardinal Reina. Das Amt des Ehrenkanonikers von San Giovanni in Laterano steht dem Präsidenten von Frankreich zu.
Geschichte
Vorkonstantinische Zeit Das Grundstück wurde benannt nach den ursprünglichen Eigentümern, der römischen Familie der Plautii Laterani. Es wurde offenbar 65 von Nero aufgrund der Beteiligung des Plautius Lateranus an der Pisonischen Verschwörung konfisziert. Im Jahr 161 baute Marcus Aurelius dort einen Palast. Kaiser Septimius Severus gab Ende des 2. Jahrhunderts einen Teil der Besitzungen an Titus Sextius Magius Lateranus zurück.
Entwicklung unter Kaiser Konstantin mini|hochkant|Erhalten gebliebene Säule aus der Basilika Konstantins Über die eigentliche Gründung der Kirche durch Konstantin den Großen gibt es verschiedene Versionen, über die sich die Historiker streiten.Roberta Vicchi: Die Patriarchalbasiliken Roms. Scala, Antella (Florenz), 1999, S. 64–65. Erwiesen ist, dass sich Anfang des 4. Jahrhunderts an der Aurelianischen Mauer das Quartier der Elitetruppen, der equites singulares Augusti des Kaisers Maxentius, befand. Nachdem Konstantin Maxentius 312 besiegt hatte, befahl er, die Kasernen der Reiter im Zuge einer damnatio memoriae schleifen zu lassen, und an dieser Stelle ließ er für die christliche Gemeinde und „als Zeichen seiner Wertschätzung für seinen himmlischen Beschützer“Pedro Barceló: Das Römische Reich im religiösen Wandel der Spätantike. Kaiser und Bischöfe im Widerstreit. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7917-2529-1, S. 47. eine monumentale Basilika und ein dazugehöriges Baptisterium bauen.
Nach einer anderen Version besaß Fausta, Konstantins Frau und Schwester des Maxentius, ein Haus mit einer domus ecclesia (einer christlichen Versammlungs- und Gebetsstätte) auf demselben Grundstück, das sie bereits 313 dem Bischof von Rom, Miltiades, für ein Bischofskonzil übergeben habe.
Von welchem Zeitpunkt an der Lateran die Residenz der römischen Bischöfe war, ist in der Forschung bis heute umstritten. Er lag gleich neben dem im 3. Jahrhundert errichteten Kaiserpalast Sessorium, Wohnsitz von Konstantins Mutter Helena, der in Teilen in der Kirche Santa Croce in Gerusalemme weiterexistiert. Von den drei konstantinischen Großkirchen lag die Lateranbasilika innerhalb der Stadtmauern und diente somit als Kathedrale. Die Petersbasilika und Sankt Paul vor den Mauern befanden sich über den Gräbern der Apostel außerhalb der Stadt.
Darum ist die Kirche noch immer die Bischofskirche des Papstes und trägt als solche den Ehrentitel Omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput („Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises“), weswegen sie die ranghöchste Patriarchalbasilika ist. Die Lateranbasilika wurde ursprünglich von Papst Silvester I. Christus, dem Erlöser (), geweiht und später zusätzlich dem Patronat des heiligen Johannes des Täufers () unterstellt, daher lautet ihr italienischer Name San Giovanni in Laterano.
Mittelalter und Frühe Neuzeit Im 5. Jahrhundert wurden die Gebäude auf dem Lateran wiederholt von Germanen geplündert und 896 durch ein Erdbeben schwer beschädigt, jedoch immer wieder instand gesetzt. 897 fand hier die sogenannte Leichensynode statt, bei der Papst Stephan VI. seinen Vorgänger Formosus postum aburteilen, die Leiche schänden und schließlich in den Tiber werfen ließ. mini|Der Lateranpalast (links) und Fontanas Benediktionsloggia
Folgende Konzile fanden im Lateran statt: Erstes Laterankonzil (1123) Zweites Laterankonzil (1139) Drittes Laterankonzil (1179) Viertes Laterankonzil (1215) Fünftes Laterankonzil (1512–1517)
Im 14. Jahrhundert wurde San Giovanni durch zwei Feuersbrünste schwer beschädigt und beide Male wieder aufgebaut und erneuert.Roberta Vicchi: Die Patriarchalbasiliken Roms. Scala, Antella (Florenz), 1999, S. 66. Neben der Kirche befand sich bis 1309 der Papstpalast, dessen Reste in der Kapelle Sancta Sanctorum und der Heiligen Treppe, der Scala Santa, fortbestehen. Nachdem die Päpste ihre Residenz zunächst nach Avignon und später in den Vatikan verlegt hatten, wurde die Lateranbasilika vernachlässigt.
1586 wurde der heutige an die Kirche angebaute Lateranpalast als päpstliche Sommerresidenz wiedererrichtet. Dabei errichtete der Architekt Domenico Fontana die Benediktionsloggia, vor dem Seiteneingang ins Querschiff.
Die baufällig gewordene Kirche wurde ab 1646 von Francesco Borromini für das Heilige Jahr 1650 stabilisiert und barockisiert. Dabei blieb die ursprüngliche Gestalt als fünfschiffige Basilika auf Wunsch von Innozenz X. bestehen, aber die Seitenschiffe mussten abgerissen und komplett neu erbaut werden.Roberta Vicchi: Die Patriarchalbasiliken Roms. Scala, Antella (Florenz), 1999, S. 69. Im Hauptschiff ließ er die ursprüngliche Gestaltung mit 14 Arkaden über enormen spätantiken Säulen auf 5 Bögen pro Seite mit dazwischenliegenden Wandfeldern reduzieren. In den vermauerten Nischen ließ er große Ädikulä errichten, in denen bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts kolossale Marmorstatuen der elf Apostel, ohne Judas Iskariot, sowie als zwölfte Statue Paulus von Tarsus Aufstellung fanden.Roberta Vicchi: Die Patriarchalbasiliken Roms, Scala, Antella (Florenz), 1999, S. 74.
Die Hauptfassade war schmucklos und wurde deshalb für besondere Festlichkeiten mit einer ephemeren Schaustaffage verkleidet.Zum Beispiel im Jahr 1729 anlässlich der Heiligsprechung Johannes Nepomuks. Diese Schaufassade ist auf einem Kupferstich dargestellt, den die Albertina in Wien besitzt: Einzug Papst Benedikts XIII. zur Heiligsprechung des Johann Nepomuk in S. Giovanni in Laterano von Ferdinand Reiff (Entwurf) und Andrea Rossi de Rubei (Ausführung). In den 1730er-Jahren wurde die Hauptfassade von Alessandro Galilei errichtet.
Neuzeit Noch bis zum 19. Jahrhundert wurden die Päpste im Lateran gekrönt.
Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts fanden außerdem umfangreiche Umbauten und Restaurierungen statt, die erheblich in die bis dahin noch erhaltene mittelalterliche Bausubstanz des Chorraums mit seinen Mosaiken eingriffen.Roberta Vicchi: Die Patriarchalbasiliken Roms. Scala, Antella (Florenz), 1999, S. 78–79.
1929 sicherten die Lateranverträge der Vatikanstadt die Staatlichkeit und u. a. dem Lateran und Castel Gandolfo den Status einer exterritorialen Besitzung des Heiligen Stuhls.
Baubeschreibung Äußeres Die von Domenico Fontana um 1586 errichtete Benediktionsloggia an der Nordfassade des Lateranpalastes ist eine eindrucksvolle Doppelarkade mit hohem Bogen von großer Spannweite.
Die monumentale Hauptfassade von Alessandro Galilei wird von bis zu sieben Meter hohen Kolossalfiguren bekrönt. In der Mitte ist Jesus zu sehen, links steht Johannes der Täufer, rechts der Evangelist Johannes, daneben sind Statuen der bedeutendsten Kirchenlehrer angebracht.
Die Türen des Hauptportals stammen von der antiken Kurie auf dem Forum Romanum; sie demonstrieren als Spolien Übergang und Kontinuität der Herrschaft in Rom im Papsttum.
Hauptschiff mini|Innenansicht der Basilika Die fünfschiffige Säulenbasilika geht in ihrem Kern noch auf Konstantin im 4. Jahrhundert zurück. Die Kirche wurde jedoch wie erwähnt im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und renoviert und spiegelt in ihrer heutigen Form besonders die Überarbeitungen des 16. und 17. Jahrhunderts; der Chorraum mit Apsis und Mosaiken stammt aus dem späten 19. Jahrhundert.Roberta Vicchi: Die Patriarchalbasiliken Roms. Scala, Antella (Florenz), 1999, S. 79–80.
Das Hauptschiff ist Ergebnis der Barockisierung durch Borromini. Es wird durch kannelierte Pilaster von Kompositordnung und je fünf große Arkaden gegliedert. Über den Arkaden öffnen sich rechteckige Fenster. Die breiten Wandpfeiler zwischen den Bögen sind im unteren Bereich mit den monumentalen Figuren der Apostel geschmückt; diese wurden von barocken Bildhauern wie Camillo Rusconi (1658–1728), Pierre Legros (1666–1719) und Pierre Monnot (1657–1733) geschaffen. Darüber im mittleren Wandbereich Reliefs von Alessandro Algardi (1595–1654) und seinen Schülern, und ganz oben zwischen den Fenstern ovale, stuckgerahmte Fresken mit Darstellungen von alttestamentlichen Propheten. Sie stammen von einigen der bekanntesten Maler des italienischen Hoch- und Spätbarock, darunter Sebastiano Conca, Pier Leone Ghezzi, Luigi Garzi, Francesco Trevisani, Giuseppe Chiari, Giuseppe Nasini und Marco Benefial.
mini|links|Fußboden in einem Seitenschiff der Lateranbasilika Aus der Zeit vor Borromini stammt die prächtige manieristische Kassettendecke, die in den 1560er Jahren entstand und Ende des 18. Jahrhunderts unter Pius VI. restauriert wurde.Roberta Vicchi: Die Patriarchalbasiliken Roms. Scala, Antella (Florenz), 1999, S. 73. Der Fußboden des Hauptschiffs im Cosmatenstil geht ursprünglich zurück auf das Pontifikat von Martin V. (1417–31) und wurde später u. a. durch Borromini restauriert, wogegen er für die Seitenschiffe einen neuen Fußboden mit optischen Täuschungen schuf.
Auf der Rückseite des ersten Pfeilers rechts befindet sich das Fragment eines Freskos, das Giotto zugeschrieben wird und Papst Bonifatius VIII. bei der Verkündung des Heiligen Jahres 1300 zeigt. Eine Kopie des vollständigen Freskos ist in der Biblioteca Ambrosiana erhalten.
Chor und Apsis Der im Mittelalter erweiterte Chorraum mit den 1288 bis 1292 von Jacopo Torriti und Jacopo da Camerino im Auftrag Nikolaus’ IV. geschaffenen Mosaiken, wurde 1884 unter Papst Leo XIII. komplett abgerissen und durch Virginio Vespignani (1808–1882) als historistische Rekonstruktion wiederaufgebaut. Die aktuellen Mosaiken sind zwar in Anlehnung an Torritis Originale entstanden, aber ein eher mittelmäßiges und etwas starres Werk des späten 19. Jahrhunderts, das an die Vielschichtigkeit mittelalterlicher Mosaikkunst nicht heranreicht. Neben den monumentalen Figuren der Jungfrau Maria und Johannes des Täufers sowie der Apostel Petrus, Paulus, Johannes und Andreas wurden in kleinerem Format auch die Figuren der hll. Franz von Assisi und Antonius von Padua und des ursprünglichen Auftraggebers Nikolaus IV. (kniend) eingefügt, weil dieser dem Franziskanerorden angehörte. Ebenfalls in der Apsis befindet sich die päpstliche Kathedra, sie ist mit Mosaiken im Cosmatenstil verziert. An der Seitenwand sieht man ein Fresko aus dem 19. Jahrhundert von Francesco Grandi.
Das Ziborium mini|links|hochkant|Querschiff mit Ziborium und Papstaltar, im Hintergrund der Sakramentsaltar und Cavalier d’Arpinos Fresko Himmelfahrt Christi (1600)