Miniatur, speziell Prosa-Miniatur und lyrische Miniatur, bezeichnet als Gattung in der Literatur ganz allgemein einen sehr kurzen Text, und wird – undifferenziert und je nach thematischem Zusammenhang – als Synonym für Begriffe wie Kurzgeschichte, Novelle, Fragment, Anekdote, Vignette, Microfiction, Nanofiction oder Flash Fiction verwendet.

Die literarisch präzisere Definition von Miniatur – der Begriff wurde, wie auch Vignette, analog zu dem Begriff in der Malerei gewählt – ist „bildhafte Beschreibung, kurzer Text mit zahlreichen, mit Wörtern gemalten Bildern“.

Definitionen und Beispiele Miniatur ist bis auf die relative Kürze des Textes nicht einheitlich definiert. Eine sehr allgemeine Definition versteht Miniatur aufgrund der Kürze als Synonym von Kurzgeschichte, Novelle, Fragment, Anekdote, Vignette, Microfiction, Nanofiction und Flash Fiction.

Eine weitere Definition bezieht sich auf die Analogie des Begriffs zur Malerei, wobei die literarische Miniatur mit Worten ein Bild zeichnet.

Prosa-Miniaturen Prosa-Miniatur ist eine literarische Gattung der Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, die besonders mit bildhafter Beschreibung arbeitet: „Texte, die sich zahlreicher – mit Wörtern gemalter – Bilder bedienen“.Niedersächsischer Bildungsserver: Prosa-Miniatur; abgerufen am 13. März 2017. In dieser Bedeutung verwendet Christina NiemInstitut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz: ; abgerufen am 15. März 2017. den Begriff: „Indem Tetzner Miniaturen gesellschaftlicher Zustände der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, der Wirtschaftskrise und Inflation zu Beginn der Weimarer Republik zeichnete, führte sie ganz unprätentiös und ohne besondere Kommentierung soziale Realität vor.“Christina Niem: Lisa Tetzners Märchenwanderungen. Eine Miniatur zum Thema „Licht und Schatten“. in &. Zeitschrift für Kulturanthropologie/Volkskunde, Nr. 13 (2009), S. 13–19.

Stefan Zweig (1881–1942) spezifizierte sein 1927 erschienenes Werk Sternstunden der MenschheitStefan Zweig: Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1964, ISBN 3-10-097051-9. mit dem erklärenden Zusatz Vierzehn historische MiniaturenMichaela Slaná: Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit, Philosophische Fakultät der Masaryk-Universität, Brünn (2014); abgerufen am 16. März 2017. und zeichnet darin 14 Geschichtsbilder aus seiner ganz persönlichen Sicht.

August Strindberg (1849–1912) verwendete bereits den Begriff Miniaturen (miniatyrer) für die beiden Bände Historische Miniaturen (20 Texte, 1912) und Schwedische Miniaturen (17 Texte, 1909).

Weitere Prosa-Miniaturen finden sich in den Werken von Robert Walser (1878–1956), Franz Kafka (1883–1924) und Robert Musil (1880–1942) und werden aufgrund ihrer Kürze und Intensität als von „großer poetischer Kraft und Konzentration“ wahrgenommen.Bernhard Böschenstein,: Die Sprengkraft der Miniatur. Zur Kurzprosa Robert Walsers, Kafkas, Musils, mit einer antithetischen Eröffnung zu Thomas Mann, Hildesheim: Olms (2013) (= Germanistische Texte und Studien, Band 91).

Lyrische Miniaturen Bekannte Formen lyrischer Miniaturen sind Haiku (jap. 俳句;), japanischen Kurzgedichte, und Haiku enthaltende Haibun (jap. 俳文 für possenhafte SchilderungNach Matsuo Bashōs Literaturtheorie sollte ein gelungenes Haibun auch Anspielungen auf Gedankenbilder berühmter Dichter, Gelehrter, Mönche usw. enthalten.), sowie sich an Haiku orientierende kurze Gedichte wie das oft zitierte In a Station of the Metro (In einer Station der Metro) von Ezra Pound (1885–1972), das ausschließlich „ein Bild“ hervorruft und „keine Handlung“ (kein Verb) hat:

Zu den lyrischen Miniaturen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts werden Gedichte von Erich Kästner (1899–1974) und Kurt TucholskyKlaus Hammer: Fünf Finger einer Hand, Das Blättchen, 10. Jahrgang (Berlin), 3. September 2007, Heft 18; abgerufen am 18. März 2017. (1890–1935) gezählt: „Die lyrische Miniatur, das schnell zu konsumierende, leicht zu verstehende Gedicht war durch Erich Kästner und Kurt Tucholsky zum zeittypischen Muster geworden...“, sowie Werke der späten Lyrik Bertolt Brechts (1898–1956) und die des Mongolen Daschdordschiin Natsagdordsch (1906–1937), des „Meisters der lyrischen Miniatur“.

Vor dieser Periode erfährt Friedrich Hölderlin (1770–1843), danach Elena Andreevna Švarc (Jelena Schwarz) (1948–2010) Erwähnung.

Siehe auch Miniaturen (Walentin Pikul)

Einzelnachweise und Erläuterungen

Kategorie:Literaturgattung