Die 70. Internationalen Filmfestspiele von Cannes fanden vom 17. bis 28. Mai 2017 statt. Sie standen zum vierten Mal unter der Leitung von Präsident Pierre Lescure, während Thierry Frémaux als Generaldelegierter für die künstlerische Leitung verantwortlich war.
mini|hochkant|Moderatorin der Auftakt- und Abschlusszeremonie: Monica Bellucci Jurypräsident des Internationalen Wettbewerbs, in dem unter anderem die Goldene Palme für den besten Film des Festivals vergeben wird, war in diesem Jahr der spanische Filmemacher Pedro Almodóvar. festival-cannes.com, 31. Januar 2017; abgerufen am 17. März 2017. Mit dem Hauptpreis wurde das satirische Drama The Square des Schweden Ruben Östlund ausgezeichnet.
Als Eröffnungsfilm wurde der außer Konkurrenz laufende französische Spielfilm Ismaëls Geister von Arnaud Desplechin ausgewählt. Moderatorin der Auftaktzeremonie und der abschließenden Preisgala war die italienische Schauspielerin Monica Bellucci, die 2016 Jurymitglied war.Monica Bellucci, Mistress of Ceremonies 2017. festival-cannes.com, 20. März 2017; abgerufen am 23. März 2017.
Das offizielle Programm, darunter die Filmbeiträge für den internationalen Wettbewerb um die Goldene Palme, wurde am 13. April 2017 vorgestellt festival-cannes.com, 13. April 2017; abgerufen am 17. April 2017. und am 27. April 2017 um weitere Filme ergänzt.Addings to the selection of the 70th Festival de Cannes. festival-cannes.com, 27. April 2017; abgerufen am 28. April 2017. Zum 70. Jubiläum wurde die Preistrophäe mit 167 kleinen Diamanten besetzt, die sich „wie Sternenstaub“ über das goldene Palmblatt legen. Zeit Online, 25. April 2017, AFP; abgerufen am 26. April 2017.
Festivalplakat
Für das Festivalplakat stand ein Pressefoto aus dem Jahr 1959 Pate, das die italienische Schauspielerin Claudia Cardinale bei einem Tanz über den Dächern von Rom zeigt. Der Fotograf ist nicht namentlich bekannt.The official poster of the 70th Festival sets the tone! festival-cannes.com, 29. März 2017; abgerufen am 5. April 2017. Für Kritik im Internet und in den Sozialen Medien sorgte der Umstand, dass das Foto nachträglich retuschiert wurde, um Cardinale schlanker erscheinen zu lassen.Retuschiertes Plakat für Filmfest in Cannes: Der Cardinale-Fehler. Spiegel Online, 29. März 2017; abgerufen am 5. April 2017. Die Schauspielerin selbst bezeichnete den Eklat später als „falsche Kontroverse“: „Ich habe nichts gegen die künstlerische Bearbeitung des Bilds einzuwenden. Es ist ein Poster, das, neben mir, einen Tanz, einen Flug darstellt. Dieses Bild wurde retuschiert, um die Wirkung der Anmut zu betonen und mich in einen Traum zu verwandeln; es ist Sublimation. Die Sorge hier um den Realismus muss nicht sein, und als überzeugte Feministin sehe ich keine Respektlosigkeit gegenüber den Frauen. Es gibt wichtigere Dinge auf der Welt, die man bereden sollte. Lasst uns nicht vergessen, dass es nur Kino ist!“, so Cardinale.Concerning the 2017 poster. festival-cannes.com, 29. März 2017; abgerufen am 5. April 2017.
Offizielle Auswahl Internationaler Wettbewerb Wettbewerbsjury mini|hochkant|Pedro Almodóvar bei der César-Verleihung 2017
Als Nachfolger des letztjährigen Jurypräsidenten George Miller wurde Ende Januar 2017 Pedro Almodóvar präsentiert. Er gilt als der weltweit bekannteste spanische Filmemacher seiner Generation, mit 20 Regiearbeiten bei Spielfilmen seit den 1980ern. Seine Filme zeichnen sich durch einen „konsequent-eigenwilligen filmischen Stilmix aus schrill-schrägen oder kitschigen Elementen, einen hemmungslosen Zitatstil und surrealistische Einfälle sowie extravagante Kostüme und eine ausgefallene Gestaltung des Ambientes“ aus und machten unter anderem Antonio Banderas, Javier Bardem, Carmen Maura, Victoria Abril und Penélope Cruz (Darstellerpreis in Cannes 2006 für Almodóvars Volver – Zurückkehren) zu Stars.Pedro Almodóvar. In: Internationales Biographisches Archiv 32/2014 vom 5. August 2014, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 31/2016 (abgerufen via Munzinger Online). Die Fachkritik lobte Almodóvar als Erben von Luis Buñuel und als Säulenheiligen des europäischen Autorenkinos, als radikalen, unerbittlichen Künstler mit Marotten. „Mein Ideal einer Geschichte ist eine Frau, die sich in einer Krise befindet“, so der Filmemacher. Almodóvar konkurrierte zwischen 1999 und 2016 fünfmal im Wettbewerb um die Goldene Palme und erhielt 1999 den Regiepreis für Alles über meine Mutter und 2006 den Drehbuchpreis für Volver – Zurückkehren. 2004 eröffnete er mit La mala educación – Schlechte Erziehung außer Konkurrenz das Filmfestival und war 1992 unter Gérard Depardieu bereits Jurymitglied. Auch zierte Almodóvar zur 60. Auflage des Festivals von Cannes gemeinsam mit anderen Filmschaffenden das offizielle Festivalplakat.
Dem Jurypräsidenten standen bei der Vergabe der Festivalpreise mehrere Jurymitglieder zur Seite, die am 25. April 2017 bekanntgegeben wurden:The 70th Festival de Cannes Jury unveiled! festival-cannes.com, 25. April 2017; abgerufen am 25. April 2017. Maren Ade, deutsche Regisseurin, Drehbuchautorin und Filmproduzentin (Teilnehmerin am Wettbewerb 2016) Jessica Chastain, US-amerikanische Schauspielerin und Filmproduzentin (Juryteilnahme war bereits ab Mitte April bekanntAlix Fourcade: Jessica Chastain, membre du jury au Festival de Cannes 2017. lefigaro.fr, 14. April 2017; abgerufen am 20. April 2017.) Fan Bingbing, chinesische Schauspielerin und Filmproduzentin Agnès Jaoui, französische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin (Drehbuchpreis 2004) Park Chan-wook, südkoreanischer Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent (dreimaliger Wettbewerbsteilnehmer, Großer Preis der Jury 2004 und Preis der Jury 2009) Will Smith, US-amerikanischer Schauspieler, Filmproduzent und Musiker Paolo Sorrentino, italienischer Regisseur und Drehbuchautor (sechsmaliger Wettbewerbsteilnehmer, Preis der Jury 2008) Gabriel Yared, französisch-libanesischer Komponist
Spielfilme Statistik (Stand: 2017) * = ehemaliger Gewinner der Goldenen Palme Regisseur/-in Einladungen Michael Haneke* 7 Naomi Kawase 5 Hong Sang-soo 4 Jacques Doillon, Todd Haynes, Michel Hazanavicius, Sergei Loznitsa, Kornél Mundruczó, François Ozon, Andrei Swjaginzew 3 Fatih Akin, Sofia Coppola, Yorgos Lanthimos, Lynne Ramsay 2 Noah Baumbach, Bong Joon-ho, Robin Campillo, Ruben Östlund, Josh und Benny Safdie 1
Eine Übersicht über die 19 Spielfilme, die um die Goldene Palme konkurrierten (der später mit dem Hauptpreis ausgezeichnete Beitrag The Square von Ruben Östlund wurde nachnominiert):
Nachdem kurz vor Beginn des Filmfestivals Gerüchte aufgekommen waren, dass die überwiegend vom Video-on-Demand-Anbieter Netflix finanzierten Wettbewerbsbeiträge The Meyerowitz Stories (New and Selected) von Noah Baumbach und Okja von Bong Joon-ho aufgrund fehlender Kinostarts in Frankreich von der Teilnahme ausgeschlossen werden könnten, veröffentlichte die Festspielleitung am 10. Mai 2017 eine Richtigstellung auf ihrer Webseite. Beide Filme nahmen am Festival teil, auch wenn mit Netflix bis dahin keine Vereinbarung über einen Kinostart in Frankreich getroffen war. Streitpunkt waren die strengen Verwertungsregeln in Frankreich, die vorschreiben, dass ein Kinofilm erst drei Jahre später als Stream bereitgestellt werden darf. Darüber hinaus gab die Leitung ab 2018 eine neue Regel aus, die besagt, dass zukünftige Wettbewerbsbeiträge über einen französischen Kinoverleih verfügen müssen.Press release of the Festival de Cannes. festival-cannes.com, 10. Mai 2017; abgerufen am 11. Mai 2017. Pedro Almódovar verlas bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der internationalen Jury eine Protestnote, in der er die Haltung der Festivalleitung unterstützte.Hannah Pilarczyk: Cannes-Tagebuch 1: Noch mal mit Gefühl. Spiegel Online, 18. Mai 2017; abgerufen am 19. Mai 2017.
Film Regie Land Darsteller (Auswahl) 120 BPM (120 battements par minute) Frankreich Nahuel Pérez Biscayart, Adèle Haenel, Antoine Reinartz Auguste Rodin (Rodin) Frankreich Vincent Lindon, Izïa Higelin, Séverine Caneele Der andere Liebhaber (Amant Double) Frankreich Marine Vacth, Jérémie Renier, Jacqueline Bisset Aus dem Nichts (In the Fade) Deutschland Diane Kruger, Denis Moschitto, Numan Acar Die Verführten (Les Proies) Vereinigte Staaten Colin Farrell, Nicole Kidman, Elle Fanning, Kirsten Dunst Geu-Hu (그 후) (Le Jour d’après / The Day After) Hong Sang-soo Südkorea Kim Min-hee, Kwon Hae-hyo Good Time Josh Safdie Vereinigte Staaten, Luxemburg Robert Pattinson, Jennifer Jason Leigh, Barkhad Abdi Happy End Frankreich, Deutschland, Österreich Jean-Louis Trintignant, Isabelle Huppert, Mathieu Kassovitz Radiance (Hikari 光 / Vers la lumière) Japan, Frankreich Masatoshi Nagase, Ayame Misaki, Tatsua Fuji Jupiter’s Moon (Jupiter holdja) Ungarn, Deutschland Zsombor Jéger, Merab Ninidze, György Cserhalmi, Mónika Balsai The Killing of a Sacred Deer (Mise à mort du cerf sacré) Irland, Vereinigtes Königreich Colin Farrell, Nicole Kidman, Alicia Silverstone Die Sanfte (Une femme douce / A Gentle Creature) Frankreich, Deutschland, Niederlande, Litauen Wassilina Makowzewa, Valeriu Andriuta, Sergei Kolessow The Meyerowitz Stories (New and Selected) Vereinigte Staaten Dustin Hoffman, Adam Sandler, Ben Stiller Nelyubov (Нелюбовь) (Faute d’amour / Loveless) Russland, Frankreich, Belgien, Deutschland Marjana Spiwak, Alexei Rosin, Matwei Nowikow Okja Bong Joon-ho Südkorea, Vereinigte Staaten Ahn Seo-hyeon, Tilda Swinton, Jake Gyllenhaal Le Redoutable (Redoubtable) Frankreich Louis Garrel, Stacy Martin, Bérénice Bejo The Square Schweden, Deutschland, Frankreich, Dänemark Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West Wonderstruck Vereinigte Staaten Oakes Fegley, Millicent Simmonds, Julianne Moore, Michelle Williams A Beautiful Day (You Were Never Really Here) Vereinigtes Königreich Joaquin Phoenix, Ekaterina Samsonov, Alessandro Nivola
Außer Konkurrenz und Sonderaufführungen Außer Konkurrenz wurden im Rahmen des offiziellen Programms folgende Filme vorgestellt: Nach einer wahren Geschichte (D’après une histoire vraie) – Regie: Roman Polański (Frankreich, Polen, Belgien), mit Emmanuelle Seigner, Eva Green, Vincent Perez Ismaëls Geister (Les fantômes d’Ismaël, Frankreich, Eröffnungsfilm) – Regie: Arnaud Desplechin (Frankreich), mit Marion Cotillard, Charlotte Gainsbourg, Louis Garrel, Mathieu Amalric How to Talk to Girls at Parties – Regie: John Cameron Mitchell (Vereinigtes Königreich), mit Elle Fanning, Nicole Kidman, Ruth Wilson Mugen no jūnin (無限の住人, Blade of the Immortal) – Regie: Takashi Miike (Japan), mit Takuya Kimura, Hana Sugisaki, Sōta Fukushi, Hayato Ichihara Augenblicke: Gesichter einer Reise (Visages, villages) – Regie: Agnès Varda (Frankreich), Dokumentarfilm
Mitternachtsaufführungen („Séances de minuit“) Ak-Nyeo (, The Villainess) – Regie: Jung Byung-gil (Südkorea) Bulhandang (, The Merciless) – Regie: Byung Sung-hyun (Südkorea), mit Sol Kyung-gu, Siwan A Prayer Before Dawn – Regie: Jean-Stéphane Sauvaire (Frankreich), mit Joe Cole
Sonderaufführungen („Séances Spéciales“) 12 Jours (12 Days) – Regie: Raymond Depardon (Frankreich), Dokumentarfilm Carré 35 (Plot 35) – Regie: Éric Caravaca (Frankreich), Dokumentarfilm Demons in Paradise – Regie: Jude Ratman (Frankreich), Dokumentarfilm An Inconvenient Sequel: Truth to Power – Regie: Bonni Cohen und Jon Shenk (Vereinigte Staaten), Dokumentarfilm Keul-Le-Eo-Ui-Ka-Me-La (클레어의 카메라, Clair’s Camera) – Regie: Hong Sang-Soo (Südkorea), mit Isabelle Huppert, Kim Min-hee, Jeong Jin-yeong Napalm – Regie: Claude Lanzmann (Frankreich), Dokumentarfilm Nos années folles (Golden Years) – Regie: André Téchiné (Frankreich), mit Pierre Deladonchamps, Céline Sallette, Grégoire Leprince-Ringuet, Michel Fau Promised Land – Regie: Eugene Jarecki (Vereinigte Staaten, Deutschland, Frankreich), Dokumentarfilm Sea Sorrow – Regie: Vanessa Redgrave (Vereinigtes Königreich), mit Emma Thompson, Ralph Fiennes