Walter Josef Haupt (* 28. Februar 1935 in München; † 17. Mai 2023Traueranzeige auf sueddeutsche.de, 23. Mai 2023 ebenda) war ein deutscher Komponist, Dirigent, Regisseur, Klangarchitekt, Experimentator. Er war langjähriger Leiter der von ihm gegründeten Experimentierbühne an der Bayerischen Staatsoper München. Seine Arbeiten reichen von der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1972 in München bis hin zur Weltausstellung in Vancouver. Mit seiner Erfindung der „Klangwolke“, die europaweit fünf Millionen Zuschauer erreichte, erlangte er internationale Popularität. Seine Oper „Marat“ wurde zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution vor 150.000 Zuschauern aufgeführt. Die Carmina Burana Monumental Opera schuf er zum 100. Geburtstag von Carl Orff. Von der Musik für eine Landschaft bis hin zur Linzer Klangwolke, von den Mach-Mit-Konzerten bis zu The Sky is The Limit in Jerusalem experimentierte er mit den inszenatorischen Bausteinen Feuer, Wasser, Laser, Licht, Raum, Musik und schuf ein Musiktheater neuer Dimension, das sämtliche Publikumsschichten unter dem Begriff „Kultur für alle“ verbindet.

Leben und Werk Walter Haupt wollte ursprünglich Theologie studieren, um Priester zu werden. Während der Schulzeit an einem humanistischen Gymnasium in München erhielt er den ersten Musikunterricht und lernte Harmonika zu spielen, wo er sehr bald im Wettbewerb zum bayerischen Akkordeonmeister avancierte. 1952 war sein Abschluss des Musikstudiums an der Städt. Musikfachschule München als bester Schüler mit Auszeichnung. Als Jazz-Pianist und Akkordeon-Spieler verdiente sich Haupt 1952 sein Studiengeld in Ami-Clubs.

1953 nahm er Schauspielunterricht bei Otto Kustermann. An der Musikhochschule in München studierte er bei Maria Landes-Hindemith Klavier, bei Ludwig Porth Pauke und Schlagzeug, außerdem bei Kurt Eichhorn Dirigieren und bei Roland Häfner Komposition.

1955 produzierte er regelmäßig am Bayerischen Rundfunk in München Sendungen und Aufnahmen eigener Kompositionen mit seinem „Walter Haupt Ensemble“.

1957 wurde Walter Haupt als stellvertretender erster Pauker an das Württembergische Staatstheater Stuttgart engagiert und in gleicher Funktion wechselte er 1960 an die Bayerische Staatsoper München. In freundschaftlicher Verbundenheit zu Generalmusikdirektor Ferdinand Leitner lernte Walter Haupt in Stuttgart die Kunst des Dirigierens und war auch als Komponist aktiv.

Um sein kompositorisches Wissen zu erweitern, studierte er 1967 als Meisterschüler bei Hans Werner Henze am Mozarteum in Salzburg.

1968 gründete er das Ensemble: „Neue Musik der Bayerischen Staatsoper“ und in weiterer Folge 1969, zusammen mit dem Intendanten Günther Rennert, die „Experimentierbühne der Bayerischen Staatsoper“, die er 16 Jahre leitete. In dieser Zeit entstanden neue Musiktheaterwerke, wie Aufführungen in einem Kuppel-Projektionsraum, oder in einem beweglichen Spiegelraum. Viele dieser experimentellen Projekte fanden ab 1972 in dem heute noch existierenden „Theater im Marstall“ statt, das Walter Haupt für seine Experimentalwerke an der Bayerischen Staatsoper in München initiierte.

Er war auch Mitbegründer und Leiter des seit den 1970er Jahren in München stattfindenden „New Dance Festivals“.

1972 realisierte Haupt zur Eröffnung der Olympischen Spiele in München ein audiovisuelles „Laser-Light-Environment“ mit imaginären Licht-Räumen und holographischen Imaginationen, das bei einem Festakt vor 2.000 internationalen Staatsgästen auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters aufgeführt wird. Haupt war der erste Theatermann, der sich zur damaligen Zeit mit dem Medium Laser auf einer Opernbühne auseinandersetzte und hierfür Gestaltungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit seiner Komposition „Laser“ erfand. Die eineinhalbstündige Produktion wurde vom Zweiten Deutschen Fernsehen aufgezeichnet.

Es folgten 1973 und noch einmal wegen des Interesses 1980 zum Theaterfestival München synästhetische Kuppel-Projektionsräume in einem eigens konzipierten Kuppel-Projektions-Raum mit dem Titel Sensus. Die Zuschauer lagen in dieser Kuppel auf einer Schaumstoff-Landschaft, hörten individuell über Kopfhörer eine Raum-Klang-Komposition und sahen bewegliche Licht-, Laser- und Filmereignisse, die nahtlos den durch Luftüberdruck aufgeblasenen, unendlich erscheinenden Kuppel-Raum bespielten. Zu den optischen und akustischen Komponenten wurden in Übereinstimmung verschiedenartige Düfte und thermische Veränderungen eingespielt. Etwa 300 ausverkaufte Vorstellungen an der Staatsoper München markierten diesen Trend und schon damals war „virtual reality“ für Haupt bereits ein Thema.

Räumliche Gestaltungen und Projekte folgten in variablen Spiegelräumen mit Aufführungen unter anderem an der Staatsoper München, für das Festival Pro musica nova an der Bremer Kunsthalle 1974, an der Victoria State Opera Melbourne, im Roundhouse London.

An diesen vielfältigen Projekten ist erkennbar, wie sich im Schaffen dieses Komponisten und Regisseurs der rote Faden seiner synästhetischen Ambitionen durchzieht.

1974 komponierte Haupt auf der Suche nach neuen musikalischen Hörerlebnissen im offenen Raum eine Musik für eine Landschaft.

Zusammen mit Carl Orff realisierte Walter Haupt 1978 dessen mehrchörige Orchesterkomposition „Entrata“ als Klangwolke über die Münchner Innenstadt. Das war gleichzeitig der Beginn von Open-Air-Inszenierungen unter dem Titel „Klangwolke“ (u. a. existiert seit 1979 seine Erfindung, die „Linzer-Klangwolke“, als das größte Kulturereignis der Stadt Linz, das alljährlich zum Internationalen Brucknerfest stattfindet). Mit diesen multimedialen „Klangwolken“, einem neuartigen Hörerlebnis und Schau-Spiel aus Feuer, Wasser, Licht und Musik, inmitten der Landschaft, die europaweit bereits 5 Millionen Zuschauer erlebten, erreichte Walter Haupt internationale Popularität.

Im Jahre 1980 war er Gründungsmitglied der „Ars electronica“ in Linz. 1984 erhielt er vom Staatstheater Kassel den Kompositionsauftrag für die Oper Marat, die – neben Inszenierungen an den Theatern Aachen, Heidelberg, Kassel und Coburg – als Open-air-Neuinszenierung 1989 zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution vor 150.000 Zuschauern auf dem Münchner Königsplatz gegeben wurde. 1986 befreite er sich von seiner festen Anstellung als Leiter der Experimentierbühne der Staatsoper München, da ihn neue Projekte im Open-Air-Bereich faszinierten und er fortan auf Einladung von Festivals international tätig werden wollte. 1987 erfolgte als Beitrag zur „documenta 8“ ein zweiter Auftrag vom Staatstheater Kassel und Haupt komponierte das Musiktheater-Werk „Pier Paolo Pasolini“. Priorität hatte aber auch immer sein eigenes kompositorisches Schaffen. So komponierte er für internationale Opernhäuser 24 Ballettwerke und einige Kammermusikwerke.

Mit seiner großdimensionierten Inszenierung der „Carmina Burana“, Premiere zum 100. Geburtstag von Carl Orff 1995 vor 40.000 Zuschauern auf dem Münchner Königsplatz, im Gedenken an seinen väterlichen Freund Carl Orff, gelang ihm ein großer Erfolg. Er reiste mit dieser Carmina Burana Monumental Opera, die er auch selbst dirigierte, 14 Jahre lang durch 48 Länder. U.a. erhielt er hierfür den „Luna Award“ des Auditorio Nacional von Mexiko-Stadt. Die letzte Vorstellung fand 2009 in der O2-Arena in London statt. Seine Tätigkeit an der Bayerischen Staatsoper München beendete Walter Haupt mit der Auftragskomposition eines abendfüllenden Requiems – im Gedenken an die Opfer kriegerischer Verbrechen. Darin arbeitet Haupt mit Orchester und Chor auf verschiedenen Klang- und Tonebenen, darüber hinaus mit Fernorchestern und Bandzuspielungen. Das Werk wurde 1997 unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten auf der Bühne des Nationaltheaters in München mehrmals aufgeführt.

Ab 1997 war Walter Haupt vorwiegend als Dirigent, Komponist und Opernregisseur weltweit tätig. So entstanden 1998 das Fantasy Musical Dracula und die Aida Monumental Opera, 1999 folgte die Eröffnungsveranstaltung des Munich Airport Centers, 2006 dirigierte er Aida on Fire und 2007 die Carmen Monumental Opera. Haupt galt als führender Künstler für Open-Air-Musik-Theater. Er war Mitglied des Deutschen Komponistenverbandes, der Musikalischen Akademie München, der GEMA und der Dramaturgischen Gesellschaft. Walter Haupt war seit 1996 mit seiner langjährigen Mitarbeiterin Rosemarie Nistler-Haupt verheiratet. Sie organisierte neben künstlerischen Aufgaben das Management, nebst den Tourneen, und übernahm bei allen Theater- und Open-Air-Veranstaltungen die Abendspielleitung. Haupt lebte zuletzt in Aschheim bei München, dort fand er auch seine letzte Ruhe.

Auszeichnungen und Ehrungen 2015 erfolgte die Verleihung des „Großen Goldenen Ehrenzeichens der Stadt Linz“ an Walter Haupt. Die Laudatio hielt der Oberbürgermeister der Stadt Linz. 2014 Bayerischer Verdienstorden. Die Laudatio hält der Bayer. Ministerpräsident Horst Seehofer 2009 Ehrenring des Linzer Brucknerhauses (Österreich) anlässlich „30 Jahre Linzer Klangwolke“ 2004 „Luna-Award“ im Auditorio Nacional in Mexiko-Stadt für seine Inszenierung und sein Dirigat der „Carmina Burana“ als „weltweit beste und erfolgreichste Klassik-Produktion“ 2003 Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Die Laudatio würdigte die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten und neuartigen Darstellungsformen seiner „Kunst im offenen Raum“. 2000 Verleihung der Ehrendoktorwürde „Dr. honoris causa“ der Universität Klausenburg 1995 Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland 1995 bekommt er vom Schott-Verlag als erster Künstler die „Carl Orff Medaille“ überreicht. 1991 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Überreicht vom Bundespräsidenten der Republik Österreich in großer Anerkennung für seine außerordentlichen kulturellen Leistungen 1990 wird ihm für seine alljährlich stattfindenden Klangwolkeninszenierungen, die Hunderttausende begeisterte Besucher jedes Jahr in den Linzer Donaupark locken, und für das weltweite kulturelle Ansehen, das damit Walter Haupt der Stadt Linz verschafft, die „Kultur-Medaille der Stadt Linz“ verliehen. 1989 erhält Haupt als besondere Auszeichnung für kulturelle Verdienste von dem legendären Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, den „Kultur-Löwen“ überreicht. 1987 „International Koussevitzky Record Award“ für „Requiem für ein Mädchen“ 1986 Ehrung für „Sylvia Plath“ bei der Weltausstellung in Vancouver 1986 Schwabinger Kunstpreis der Stadt München, den er für das Zustandekommen der Münchner Biennale unter der Leitung seines Lehrers Hans Werner Henze stiftete. Zum damaligen Zeitpunkt war die von Hans Werner Henze geplante Münchener Biennale zum Scheitern verurteilt. Haupt richtete an die Kulturbeauftragten den dringenden Aufruf und die Bitte, dieses Biennale-Projekt als ständige Münchner Einrichtung unbedingt zu realisieren und dafür stiftete er seinen Kunstpreis. 1985 Grand Prix des Belgrader BITEF (für die Musik zu „Sylvia Plath“) 1980 wird Haupt als Erfinder der Linzer Klangwolke, „einem international anerkannten Modell exemplarischer Kultur-Animation mit bisher nicht gekannten Stellenwert“, von der österreichischen Presse mit der „Medien-Rose“ ausgezeichnet. 1974 würdigt ihn die Landeshauptstadt München mit dem Förderpreis für Musik. 1971 Großer Preis der Münchner Opern-Festspiele 1970 Ernennung zum Bayerischen Kammermusiker

Münchner Presseauszeichnungen mini|Gedenktafel am Geburtshaus in der Dreimühlenstraße 14 f in München mini|Tordurchgang mit Gedenktafel in der Dreimühlenstraße 14 f (Sicht vom Tordurchgang aus der Thalkirchner Straße 41) 1970–1986 für Projekte erhielt Haupt von der Münchner Presse u. a. 5 „TZ-Rosen“ und 7 „AZ-Sterne“, den „TZ-Rosenstrauss des Jahres“ und wurde als „Künstler des Jahres“ und als „Regisseur des Jahres“ ausgezeichnet.

Gedenktafel am Geburtshaus