Das Locarno Film Festival (bis 2016 , 2017 bis 2018 Locarno Festival) findet seit 1946 in Locarno statt, seit 1971 jährlich im August. Als Hauptpreis für den besten Film des Internationalen Wettbewerbs wird der Goldene Leopard verliehen. Die 77. Auflage fand vom 7. bis zum 17. August 2024 statt.Das sind die Jurys von Locarno77. In: locarnofestival.ch, 18. Juli 2024 (abgerufen am 16. August 2024). Locarno78 fand vom 6. bis 16. August 2025 statt.Rithy Panh Will Serve as Jury President at Locarno78. In: locarnofestival.ch, 15. Mai 2025 (abgerufen am 24. Mai 2025).
Charakteristik des Festivals Während elf Tagen werden hunderte Filme in diversen Reihen, Retrospektiven und im Wettbewerb um den Goldenen Leoparden und weitere Spezialpreise gezeigt. Jeden Abend finden Filmvorführungen als Freiluftveranstaltung auf der Piazza Grande in der Altstadt Locarnos auf einer Grossleinwand (26 × 14 m) statt. Etwa 8000 Zuschauer finden dort Platz. Das Locarno-Filmfest hat eine lange Tradition im Autorenfilm. Es zählt zu den Filmkunstfestivals mit einem Spielfilmwettbewerb nach den Vorgaben der Filmproduzentenvereinigung FIAPF (A-Kategorie-Festival).
Geschichte mini|Die traditionelle Bestuhlung beim Locarno Film Festival Das Locarno Film Festival gehört nach den Filmfestspielen von Venedig und dem Moskauer Filmfestival, die beide bereits in den 1930er Jahren gegründet wurden, und neben den Filmfestspielen von Cannes und dem Filmfestival Karlovy Vary (beide 1946 gegründet) zu den ältesten Filmfestspielen der Welt.
Am 2. Juni 1946 hatte die Stadt Lugano in einer Volksabstimmung das Projekt zum Bau eines Amphitheaters im Parco Ciani für die Schau des internationalen Films, welche die Stadt in den vorangegangenen Jahren beherbergt hatte, abgelehnt. Im Grand Hôtel Locarno fanden die Organisatoren einen geeigneten Ersatzort für das Filmfestival, das zum ersten Mal vom 22. August bis 1. September 1946 durchgeführt wurde. Im Park des Hotels fanden die abendlichen Open-Air-Vorführungen statt; projiziert wurde auf eine Leinwand von 8 × 7 m (ab 1949 9,10 × 6,85 m). 1200 Zuschauer konnten im Park sitzen – anfangs auf Bänken ohne Rückenlehne, später auf Stühlen. Eröffnet wurde das Festival mit O sole mio von Giacomo Gentilomo, einem der frühesten Filme des italienischen Neorealismus. An der Schlussvorstellung wurde Roma città aperta von Roberto Rossellini gezeigt.
In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre geriet das Festival in eine Krise. Kritisiert wurden seine schlechte Organisation und seine angeblich politisch links orientierte Leitung. Zudem flossen die staatlichen Subventionen nur spärlich: 30'000 CHF vom Bund, 25'000 CHF vom Kanton Tessin und 8'000 CHF von der Stadt Locarno. 1968 bis 1970 wurde das Festival statt wie bisher im Sommer im Herbst durchgeführt, und folglich wurde auch auf Open-Air-Vorführungen verzichtet.
1971 markierte einen Kurswechsel. Ein neues Management entschied sich für die Rückkehr zum ursprünglichen Konzept, d. h. für ein Sommerfestival mit der Vorführung anspruchsvoller Filme in Kinos und die abendliche Präsentation leichterer Filmkost vor einem breiten Publikum unter freiem Himmel. Das Festival tritt nun insgesamt moderner auf, zeigt zum Beispiel 1973 Rosa von Praunheims Film Berliner Bettwurst als «Pionierfilm zu LGBTIQ-Themen». Die Open-Air-Filmvorstellungen wurden auf die Piazza Grande mit 8000 Sitzplätzen verlegt. Die Leinwand hatte nun eine Grösse von 22 × 10 m.
Nachhaltig geprägt wurde das Festival in den Jahren 1981–1991 unter der Leitung von David Streiff, vorher Leiter des Schweizerischen Filmzentrums, später Direktor des Bundesamts für Kultur. Er führte das Logo des Leoparden für das Festival ein.
Seit 1988 steht dem Festival das FEVI, eine Mehrzweckhalle mit 3200 Sitzplätzen westlich des Stadtzentrums zur Verfügung. 2017 wurde der PalaCinema in einem umgebauten historischen Bau am westlichen Zugang zur Altstadt eröffnet.
Die 73. Ausgabe, die vom 5. bis zum 15. August 2020 stattfinden sollte, wurde wegen der Pandemie COVID-19 abgesagt; an ihrer Stelle fand die Sonderausgabe «Locarno 2020 – Für die Zukunft des Films» hybrid online und in lokalen Kinos statt.
Mit der Jubiläumsausgabe 2022 (Locarno75) kehrte das Festival wieder zu seinem normalen Veranstaltungsprogramm zurück mit Publikumsvorstellungen und unbeschränktem Zugang.
Vergebene Auszeichnungen Concorso Internationale – Internationaler Wettbewerb Seit 1968 wird als Hauptpreis für den besten Wettbewerbsfilm der Pardo d’oro, der Goldene Leopard, verliehen. Das mit der Auszeichnung verbundene Preisgeld von 90'000 Schweizer Franken (Stand : Euro) geht zu gleichen Teilen an den Regisseur und an die Produzenten des Siegerfilms.
Preis Originalbezeichnung Verliehen seit Goldener LeopardHauptpreis des Festivals, übergeben von der Stadt und Region Locarno, für den besten Film aus dem Wettbewerb(Gleichmässig aufgeteilt auf Regisseur und Produzent) Pardo d’oro 1968(1946) Spezialpreis der JuryJurypreis für den zweitbesten Film (Gleichmässig aufgeteilt auf Regisseur und Produzent) Premio speciale della giuria 1949 Leopard – Beste RegiePreis, übergeben von der Stadt und Region Locarno, für den Film mit der besten Regie Pardo per la miglior regia 1946 Leopard – Beste schauspielerische Leistung Pardo per la migliore interpretazione 2023
Bis 2022 wurden Schauspieler in den nicht-genderneutralen Kategorien Leopard – Beste Darstellerin und Leopard – Bester Darsteller geehrt.
Weitere Wettbewerbspreise Concorso Cineasti del Presente – Preise Pardo d’oro Cineasti del presente. Wird seit 2006 an den besten Film aus der Kategorie concorso Cineasti del presente verliehen. Premio speciale della giuria Ciné+ Cineasti del presente (Spezialpreis der Jury). Die französische Fernsehstation Ciné+ Club garantiert dem Film, der mit dem Spezialpreis ausgezeichnet wird, dessen Ankauf durch Ciné+ Club und damit seine Ausstrahlung über den Sender. Pardo per la migliore opera prima. Der Preis wurde zwischen 2006 und 2009 an das beste Erstlingswerk aus den Wettbewerben concorso internationale und concorso Cineasti del presente verliehen. Pardo per il miglior regista emergente – Città e Regione di Locarno. Der Preis zeichnet den besten aufstrebenden Regisseur aus.
Concorso Pardi di Domani – Preise (Kurz- und Mittellangfilme) Pardino d’oro per il miglior cortometraggio internazionale – Premio SRG SSR. Auszeichnung für den besten internationalen Kurzfilm aus der Kategorie concorso internationale dei Pardi di domani. Der Pardino 2016 ging an L’immense retour von Manon Coubia. Pardino d’oro per il miglior cortometraggio svizzero – Premio Swiss Life. Auszeichnung für den besten Schweizer Kurzfilm des Wettbewerbs concorso nazionale dei Pardi di domani. Der Pardino 2016 ging an Die Brücke über den Fluss von Jadwiga Kowalska. Pardino d'argento Swiss Life per il Concorso svizzero. Auszeichnung für einen Schweizer Film aus der Kategorie concorso nazionale Pardi di domani. Der Pardino 2016 ging an Genesis von Lucien Monot. Pardino d'argento SSR SRG per il Concorso internazionale. Auszeichnung für einen Film aus der Kategorie concorso internationale Pardi di domani. Der Pardino 2016 ging an Cilaos von Camilo Restrepo. Nomination di Locarno agli European Film Awards – Premio Pianifica. Auszeichnung für einen Kurzfilm eines europäischen Regisseurs, der in den beiden Wettbewerben des concorso dei Pardi di domani gezeigt wird. Der Preis beinhaltet die Nominierung für die Kurzfilm-Kategorie der European Film Awards und wird von Studio Pianifica zur Verfügung gestellt. Premio per la miglior speranza svizzera. Auszeichnung für das beste Schweizer Nachwuchstalent. Der Preis besteht aus technischen Leistungen, die von Cinegrell, Visuals SA, Freestudios SA, Taurus Studio e Avant-première SA/Film Demnächst AG zur Verfügung gestellt werden. Premio Medien Patent Verwaltung AG. Auszeichnung für die Untertitelung, bereitgestellt von der Medien Patent Verwaltung AG. Dem Gewinner-Film wird eine Untertitelung in drei europäischen Sprachen angeboten. Der Preis 2016 ging an Valparaiso von Carlo Sironi.
First Feature Awards Swatch First Feature Award. Für Erstlingswerke, die in den Kategorien concorso internazionale, concorso Cineasti del presente, Fuori concorso, Signs of Life und Piazza Grande laufen. MUBI Award – Debut Feature. Geht an einen Erstlingsregisseur oder eine Erstlingsregisseurin von einem Film, der als Welt- oder internationale Premiere in der offiziellen Auswahl auf dam Festival gezeigt wird.
Spezialpreise Pardo d’onore (Ehrenleopard) Der Pardo d’onore Manor zeichnet zeitgenössische Filmemacher aus, die jenes Filmschaffen repräsentieren, welches das Festival seit seiner Gründung in den Mittelpunkt stellt. Die Gewinner der letzten Ausgaben des Pardo d’onore Swisscom waren Manoel de Oliveira, Bernardo Bertolucci, Ken Loach, Jean-Luc Godard, Terry Gilliam, Aleksandr Sokurov, Hou Hsiao-hsien, William Friedkin, Alain Tanner, Jia Zhangke, Leos Carax, Werner Herzog, Agnès Varda und Michael Cimino. 2016 wurde Alejandro Jodorowsky als Preisträger ausgewählt, 2018 Bruno Dumont, 2019 John Waters, 2021 John Landis, 2022 Kelly Reichardt, 2023 Harmony Korine, 2024 Jane Campion, 2025 Alexander Payne und 2026 Darren Aronofsky.
Excellence Award Der Excellence Award (seit 2021 umbenannt in Excellence Award Davide Campari) würdigt aussergewöhnliche Schauspieler der internationalen Filmszene. Seit 2004 hat das Festival del film Locarno Persönlichkeiten wie Oleg Menschikow, Susan Sarandon, John Malkovich, Willem Dafoe, Carmen Maura, Michel Piccoli, Toni Servillo, Chiara Mastroianni, Victoria Abril, Sir Christopher Lee, Juliette Binoche, Giancarlo Giannini und Edward Norton mit dem Excellence Award geehrt. 2016 wurde Bill Pullman als Preisträger ausgewählt, 2017 Mathieu Kassovitz, 2018 Ethan Hawke, 2019 Song Kang-ho, 2021 Laetitia Casta, 2022 Aaron Taylor-Johnson, 2023 Riz Ahmed, 2024 Mélanie Laurent und Guillaume Canet und 2026 Isabella Rossellini.
Raimondo Rezzonico Preis Der Premio Raimondo Rezzonico (gestiftet von der Gemeinde Minusio) für den besten unabhängigen Produzenten. Die Gewinner der letzten Ausgaben des Preises waren Paulo Branco, Ruth Waldburger, Karl Baumgartner, Jeremy Thomas, Lita Stantic, Christine Vachon, Martine Marignac, Menahem Golan, Mike Medavoy, Arnon Milchan, Margaret Ménégoz, Nansun Shi und Office Kitano. 2016 wurde David Linde als Preisträger ausgewählt, 2017 Michael Merkt, 2018 Ted Hope, 2019 Maren Ade, Janine Jackowski und Jonas Dornbach (Komplizen Film)Filmfestival Locarno: Maren Ade soll mit Sonderpreis ausgezeichnet werden. Artikel vom 4. Juni 2019, abgerufen am 5. Juni 2019., 2022 Jason Blum, 2023 Marianne Slot, 2024 Stacey Sher und 2025 die Produktionsfirma Abbout Productions des Produzentenduos Georges Schoucair und Myriam Sassine aus Beirut. 2026 wurde der Preis dem isländischen Produzenten Sigurjón Sighvatsson zuerkannt.
Vision Award Diese neue Auszeichnung möchte Persönlichkeiten auszeichnen, die mit ihren Kreationen und ihrer Arbeit hinter den Kulissen dazu beitragen, den Horizont des Kinos zu erweitern. 2013: Douglas Trumbull 2014: Garrett Brown 2015: Walter Murch 2016: Howard Shore 2017: José Luis Alcaine 2018: Kyle Cooper 2019: Claire AthertonVision Award Ticinomoda, abgerufen am 20. August 2019. 2022: Laurie Anderson 2023: Pietro Scalia 2024: Ben Burtt 2025: Milena Canonero 2026: Rick Baker
Premio Cinema Ticino Seit 2009 wird der Preis alle zwei Jahre an Persönlichkeiten aus der Filmbranche verliehen, die ursprünglich aus dem Tessin kommen oder seit mindestens fünf Jahren in dem Schweizer Kanton wohnhaft sind.
Leopard Club Award Der Leopard Club Award, benannt nach der Vereinigung, die das Festival unterstützt, ehrt jedes Jahr eine Figur der internationalen Filmszene, die mit ihrer Arbeit die Vorstellungswelt der Zuschauer geprägt hat. 2013: Faye Dunaway 2014: Mia Farrow 2015: Andy García 2016: Stefania Sandrelli 2017: Adrien Brody 2018: Meg Ryan