mini|Prinz Charles bei einem Besuch in Hohenlohe: in der Mitte Xenia Prinzessin zu Hohenlohe-Langenburg, rechts Rudolf Bühler mit einem Schwäbisch-Hällischen Ferkel im Arm (2013) Rudolf Bühler (* 29. Juli 1952 in Schwäbisch Hall) ist ein deutscher Öko-Landwirt und Pionier für ländliche Regionalentwicklung.
Ausbildung Nach der Ausbildung zum Landwirt und dem Erwerb eines Diploms als Agraringenieur an der Fachhochschule Nürtingen studierte Rudolf Bühler Tropische Landwirtschaft an der Universität Hohenheim und Agrarsoziologie an der University of Reading im Vereinigten Königreich.
Nach fünfjähriger Tätigkeit in der bäuerlichen Regionalentwicklung in Sambia, Syrien und Bangladesch übernahm er 1984 in 13. Generation den elterlichen Sonnenhof in Wolpertshausen. Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage kleinerer Agrarbetriebe übertrug er die in Afrika und Asien gewonnenen Erfahrungen auf seine Heimatregion Hohenlohe und initiierte die Gründung der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Ziel war es, durch regionale Vermarktungsstrukturen und gemeinschaftliche Organisation die wirtschaftliche Basis der bäuerlichen Betriebe zu stärken und deren Unabhängigkeit zu sichern.
Aktivitäten Rettung des Schwäbisch-Hällischen Landschweins 1984 sicherte Bühler die alte, als ausgestorben geltende Landrasse Schwäbisch-Hällisches Landschwein. Aus sieben Sauen und einem Eber eröffnete er gemeinsam mit anderen Bauern ein neues Zuchtbuch und gründete 1986 die Züchtervereinigung Schwäbisch-Hällisches Landschwein. Er gilt deshalb auch als der Retter der alten Landrasse. Die Revitalisierung des Schwäbisch-Hällischen Landschweins wurde als Projekt der Expo 2000 anerkannt.
Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall Zur Vermarktung des Fleisches – unter anderem des Schwäbisch-Hällischen Landschweins – rief Bühler 1988 mit sieben Bauern aus der Region die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) ins Leben. Er überzeugte Einzelhändler, Gastronomen und Metzgereien aus der Region vom Fleisch der Erzeugergemeinschaft. Später baute die BESH eigene Regional- und Bauernmärkte in Wolpertshausen, Schwäbisch Hall und Stuttgart auf.
Als der städtische Schlachthof in Schwäbisch Hall mangels Wirtschaftlichkeit geschlossen werden sollte, kaufte die BESH den Betrieb auf und sanierte ihn. Die verknüpften Organisationen für Erzeugung, Verarbeitung und Handel sollten Erzeugerpreise über dem Durchschnitt garantieren. 2015 eröffnete die BESH neben dem Erzeugerschlachthof eine Wurstmanufaktur, um die Verwertung der Schlachttiere zu vertiefen. Die Zahl der Mitglieder stieg auf rund 1500, der Umsatz im Jahr 2017 betrug 120 Millionen Euro. Bühler ist Aufsichtsratsvorsitzender der Aktiengesellschaft, sein Sohn Christian und seine Schwiegertochter Nadine Bühler sitzen im Vorstand.
Die BESH gehört zum Trägerkreis der Bewegung „Wir haben es satt!“.
Erzeugerschlachthof Kurhessen Nachdem sich tegut im Herbst 2018 nach dem Verkauf an Migros aus dem Besitz und auch als Handelspartner beim Schlachthof Fulda zurückgezogen hatte, wurde der Schlachthof von Bühler in eine Kleine Aktiengesellschaft umgewandelt, der er unentgeltlich als Aufsichtsratsvorsitzender vorstand.Schlachthof jetzt Erzeuger AG - "kein Industriefleisch von sonstwoher" In: Osthessen News, 13. Oktober 2018, abgerufen am 1. Oktober 2024- Der Weiterbetrieb konnte 2019 gesichert werden, weil fast 500 Aktien zum Nennwert von je 500 Euro größtenteils an die anliefernden Bauern verkauft werden konnten.Norbert Lehmann: Bauern und Bürger retten Schlachthof Fulda In: Agrarheute, 30. April 2019, abgerufen am 1. Oktober 2024. 2022 folgte auf Rudolf Bühler als Aufsichtsratsvorsitzender sein Sohn Sebastian Bühler, der im nahen Frankenheim/Rhön als Geschäftsführer der Wurst- und Schinkenmanufaktur der BESH tätig ist. Das Unternehmen schreibt seit 2022 wieder schwarze Zahlen.JensBrehl: Hauptversammlung am Fuldaer Schlachthof – Mission gut erfüllt. In: FuldaInfo, 26. November 2022, abgerufen am 1. Oktober 2024. In der Zwischenzeit sind auch Schafschlachtungen wieder am Erzeugerschlachthof möglich – nach zehn Jahren Pause. In der Röhn als Grünlandregion spielt das Schaf eine wichtige Rolle.
Rettung der Dorfkäserei Geifertshofen Nach Insolvenz der traditionellen Dorfkäserei Geifertshofen (2014) initiierte Rudolf Bühler eine Rettungsaktion, übernahm ehrenamtlich den Vorsitz des Aufsichtsrats der Auffanggesellschaft und organisierte eine Bauern- und Bürgergesellschaft in der Rechtsform einer Kleinen Aktiengesellschaft namens Dorfkäserei Geifertshofen AG. Damit konnte diese regionale Bio-Dorfkäserei erhalten und den beteiligten Bauern eine Abnahme- und Preisgarantie für ihre Heumilch garantiert werden. Die Kühe sind ganzjährig auf der Weide.
Der Geschäftsbetrieb wurde unter Bühlers Leitung neu aufgestellt und stabilisiert. 2022 belegte die Dorfkäserei Geifertshofen den zweiten Platz beim Landespreis für junge Unternehmen, der vom Land Baden-Württemberg und der L-Bank vergeben wird.
Agrarpolitische Aktivitäten 2008 initiierte Bühler das Festival „Rock for Nature“ auf dem Air Field Hohenlohe. Das „Öko-Open-Air“ warb für eine Welt ohne Gentechnik. Es traten Künstler wie Joe Cocker, Nena, Ich + Ich, Wir sind Helden und die Scorpions auf.
Im Oktober 2016 demonstrierte Rudolf Bühler gemeinsam mit Vertretern der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Aktion Agrar und 40 Schwäbisch-Hällischen Landschweinen vor der Konzernzentrale der Bayer AG in Leverkusen. Die Proteste richteten sich gegen die Fusion des Chemiekonzerns mit dem US-amerikanischen Konzern Monsanto. 2022 kam der Film Und es geht doch... Agrarwende JETZT des Filmemachers Bertram Verhaag, der Bühlers Aktivitäten begleitet hatte, in die Kinos. 2023 wurde die Dokumentation außer Konkurrenz beim SWR-Doku-Festival gezeigt. Der Beitrag wurde im selben Jahr mit dem zweiten NaturVision-Filmpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die Auszeichnung von NaturVision gemeinsam mit den drei baden-württembergischen Ministerien für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Umwelt, Klima und Energiewirtschaft und Verkehr würdigt das Filmschaffen rund um das Thema Biodiversität in den Natur- und Kulturlandschaften des Bundeslandes.
Ökologischer Anbauverband Ecoland Im Jahr 1997 gründete Bühler mit vier Hohenloher Bio-Bauern den ökologischen Anbauverband Ecoland, dessen Präsident er seit 2000 ist. Er baute ein Beraterteam auf, das landwirtschaftlichen Betrieben hilft, auf Biolandbau umzustellen. Ecoland ist Mitglied im Dachverband Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und im internationalen Dachverband der ökologischen Anbauverbände Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM).
Seeds of Hope Von 2002 an initiierte Bühler landwirtschaftliche Entwicklungshilfeprojekte für Bio-Gewürzbauern im Süden der Welt. Ecoland Herbs & Spices ist der Träger für ökologische Projekte unter dem Namen „Seeds of Hope“. Projekte existieren im indischen Bundesstaat Kerala, in Serbien und auf der Gewürzinsel Sansibar.
Stiftung Haus der Bauern Im Jahr 2012 gründete Bühler die gemeinnützige Stiftung „Haus der Bauern“, die sich laut Eigenaussage für Freiheit, Selbstbestimmtheit und soziale Gerechtigkeit der Bauern engagiert. 2015 kaufte die Stiftung das Schloss Kirchberg an der Jagst und gründete darin die Akademie Schloss Kirchberg/Jagst. Alljährlich veranstaltet die Akademie hier den Kongress „World Organic Forum“ sowie „Öko-Marketingtage“, wo Bühler auch als Redner auftritt.
Im Jahr 2017 initiierte die Stiftung den „Global Peasants Rights Congress“ in Schwäbisch Hall. Auf dem internationalen Bauernkongress kamen mehr als 400 Bauern aus der ganzen Welt zusammen, um sich für einen stärkeren rechtlichen Schutz einzusetzen. Die Kongressteilnehmer verabschiedeten ein Manifest zu den Rechten von Kleinbauern, das die Presse als „Haller Erklärung“ betitelte. Beim High-Level Political Forum 2025 der Vereinten Nationen im Juli 2025 sprach sich Rudolf Bühler für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele aus. Er betonte die Grundrechte der Bauern, die in der „Declaration of Global Peasants Rights“ niedergeschrieben wurden.
Zentrale Thesen In verschiedenen Publikationen beschreibt Bühler die neue soziale Frage der Kleinbauern und ruralen Gesellschaften als Konflikt um Land und Erfahrungswissen. Er verurteilt Land Grabbing, da hier Kleinbauern enteignet oder in abhängige Arbeitsverhältnisse gedrängt werden. Parallel dazu entwickelt er den Begriff des „Knowledge Grabbing“: Wissensraub finde durch Erforschung und gentechnische Patentierung indigenen Erfahrungswissens statt. Bäuerliches Wissen und die Ergebnisse traditioneller Züchtung seien großen Konzernen schutzlos ausgeliefert, obwohl ansonsten geistiges Eigentum über internationale Abkommen und Institutionen umfassend gesichert und einklagbar seien. Mit Blick auf die Saatgut- und Gentechnikbranche fordert er, das Verursacherprinzip strikt anzuwenden, solange ökologische Risiken gentechnischer Verfahren nicht ausreichend geklärt sind.
Preise und Auszeichnungen 2005: Pro Tier Förderpreis für Artgerechte Nutztierhaltung von BUND, Deutscher Tierschutzbund, Bundesverband Verbraucherzentrale und Schweisfurth-Stiftung 2017: Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg 2021: Walter Scheel Medaille für Genusskultur und Lebensart 2025: Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg
Publikationen Öko for Future. Weiterentwicklung des Ökolandbaus zu einer klimafreundlichen Land- und Ernährungswirtschaft – wie kann das gelingen? In: Der kritische Agrarbericht. ABL Verlag, Hamm 2024, ISBN 978-3-930413-76-8. Agrarkultur und Bäuerliche Selbsthilfe, in: Landkreis Schwäbisch Hall. Ein Landkreis – Viele Erfolgsgeschichten. neomedia-Verlag in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Schwäbisch Hall, Lilienthal 2023, ISBN 978-3-931334-98-7. Mit Bernulf Schlauch: Die Tradition der Hohenloher Hausmetzger. Eigenverlag, ISBN 978-3-00-054021-9. Mit Josef Thaller: Das Beste vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein. Gmeiner-Verlag, ISBN 978-3-89977-400-9. Ein Leben für die Schweine in Schwäbisch Hall. In: Gutes säen, Gutes essen. Die Erfolgsrezepte der Landwirtschaftlichen Rentenbank, Frankfurt 2025.
Filme/Fernsehdokumentationen Markenartikel Schwein. Das Hohenloher Agrarwunder. Zeichen der Zeit. SWR Fernsehen, 8. Mai 2001Markenartikel Schwein. Das Hohenloher Agrarwunder., deutsche-digitale-bibliothek.de Zauber des Geschmacks – von alten Gewürzen und neuen Pfeffersäcken. Essgeschichten. SWR Fernsehen, 22. Dezember 2007Essgeschichten, Folge 45, Zauber des Geschmacks – von alten Gewürzen und neuen Pfeffersäcken, fernsehserien.de Es geht um die Wurst. ZDFinfokanal, 2008 Leber, Herz und Niere: Die vergessenen Genüsse. Essgeschichten. SWR-Fernsehen, 1. Dezember 2010Essgeschichten, Folge 71, Leber, Herz und Nierle – die vergessenen Genüsse, fernsehserien.de Die schönsten Bauernhöfe: Der Sonnenhof, Wolpertshausen. Der Südwesten von oben. SWR Fernsehen, 30. Mai 2014 Unterwegs im Kochertal. Expedition in die Heimat. SWR Fernsehen, 29. August 2014Expedition in die Heimat, Folge 69, Unterwegs im Kochertal, fernsehserien.de Wie regional sind unsere Lebensmittel? Planet e., ZDF, 16. Juli 2017Planet e, Folge 190, Wie regional sind unsere Lebensmittel?, fernsehserien.de Hohenlohe – von wegen Provinz! Expedition in die Heimat, SWR-Fernsehen, 20. März 2018Expedition in die Heimat, Folge 172, Hohenlohe – von wegen Provinz!, fernsehserien.de Die Saat der Gier: Wie BAYER mit MONSANTO die Landwirtschaft verändern will. Lokalzeit. WDR Fernsehen, 2018Wie Bayer mit Monsanto die Landwirtschaft verändern will, WDR Lokalzeit, 17. Januar 2018, verfügbar bis 30. Dezember 2099, 3:05 Minuten Der Bankenrebell Fritz Voigt. Im Gespräch mit Rudolf Bühler. Regie: Bertram Verhaag. Denkmal Film, 5. August 2020.