Der Elbtower ist ein unvollendetes Hochhaus im Osten der Hamburger HafenCity, geplant von David Chipperfield Architects. Finanziert und realisiert werden sollte das nach damaligen Planungen rund 950 Mio. Euro teure BauvorhabenInterne Zahlen: Elbtower wird deutlich teurer als geplant, Der Spiegel 34/2022 auf spiegel.de, 19. August 2022: „In einer internen Unterlage mit dem Titel »Grüne Finanzierung Elbtower« von diesem Juli veranschlagt der Bauherr Signa die »Gesamtinvestitionskosten« mit rund 950 Millionen Euro.“ durch die Signa Prime Selection AG, eine Tochtergesellschaft der Signa Holding, des Österreichers René Benko. Die Signa meldete im April 2024 nach österreichischem Recht Konkurs ohne Sanierungsplan an. Benko sitzt seit Januar 2025 in Untersuchungshaft in Wien.Ulrich Gaßdorf: Altbürgermeister Ole von Beust berät Elbtower-Entwickler, abendblatt.de vom 29. August 2018

Bis zum Baustopp im Herbst 2023 entstanden für die Signa Baukosten von rund 400 Millionen Euro. Der Rohbau hatte zu diesem Zeitpunkt eine Höhe von 100 Metern erreicht. Nach dem früheren Bürgermeister und Fürsprecher des Projekts Olaf Scholz wird der Elbtower im Volksmund „der kurze Olaf“ genannt.Julian Staib: Die vergessene Veddel. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. März 2025, S. 3.

Nach der Signa-Pleite gab es Verhandlungen mit diversen kaufwilligen Investoren. Im Dezember 2024 gab der Insolvenzverwalter des Hamburger Elbtowers Torsten Martini bekannt, dass die Verhandlungen nun exklusiv mit dem Becken-Konsortium geführt werden. Zu der Investorengruppe des Hamburger Immobilien-Unternehmers Dieter Becken (Becken Gruppe) gehörte auch der verstorbene Milliardär Klaus-Michael Kühne. Im April 2025 wurde bekannt, dass der Elbtower durch Mitnahmesetzungen gravierende Schäden am Bahnhof Hamburg Elbbrücken verursachtSpiegel:Hamburger Bauruine: Elbtower macht S-Bahnhof kaputt, abgerufen am 10. April 2025 und deswegen ein Weiterbauverbot für den Elbtower bis mindestens März 2026 besteht. Der für den Herbst 2025 geplante Weiterbau war deswegen nicht möglich, zudem muss der Bauträger vor dem etwaigen Weiterbau für die Schadensbeseitigung aufkommen. Zuvor hatte das Becken-Konsortium mit einer Fertigstellung im Jahr 2030 und weiteren Kosten von 700 Millionen Euro gerechnet.

Mit einer Höhe von 245 Metern wäre der Elbtower formal ein „Wolkenkratzer“ mit 64 Etagen und das höchste konventionelle Gebäude Hamburgs.

Von der Signa Gruppe geplante Umsetzung

Standort Die Baustelle steht an einem städtebaulich markanten Standort am Nordufer der Norderelbe und markiert somit den Zugang zur inneren Stadt. Sie wird durch die Freihafenelbbrücke und die Eisenbahnbrücken im Westen und die Billhorner Brücke und die Neue Elbbrücke im Osten eingefasst. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt die S- und U-Bahn-Haltestelle Hamburg Elbbrücken.

Ursprüngliche Planung Der fertige Elbtower hätte eine Grundfläche bedeckt, die annähernd die Form eines gleichschenkligen, rechtwinkligen Dreiecks hat, wobei die Hypotenuse dieses Dreiecks parallel zum Ufer des Oberhafenkanals im Nordosten liegt, während die Katheten im Westen und Süden liegen. Der Entwurf wurde von Christoph Felger vom Büro des englischen Architekten David Chipperfield erarbeitet, der mit dem Empire Riverside Hotel früher ein Großprojekt in Hamburg erfolgreich verwirklicht hatte.

mini|links|Musterfassade des Elbtowers (2020), Leuchtdioden hätten sie nachts illuminieren sollen Der Entwurf bestand aus einem vergleichsweise flächengreifenden, vier- bis fünfgeschossigen Sockel, aus dem sich zunächst sechs bis sieben weitere, fließend zurückgestaffelte Geschosse entwickeln, die sich wiederum im Südosten des Gebäudes zu einer schlanken, geschwungenen rund vierundsechziggeschossigen Turmfigur entwickelt hätten. Die obersten acht Geschosse des Turms hätten das Motiv der fließenden Abstaffelung wieder aufgegriffen, indem sie nach und nach in nordöstliche Richtung zurückweichen. Durch die komplexe Form des Bauwerks ergeben sich je nach Betrachtungsort unterschiedliche städtebauliche Wirkungen. Die Fassade sollte nachts durch außen befestigte Leuchtdioden illuminiert werden. Oberbaudirektor Franz-Josef Höing erklärte am 23. November 2018, dass das Gebäude nun 245 Meter hoch werden soll. Die zusätzlichen Meter hätten sich durch die Planung eines Restaurants in 200 Metern Höhe und einer Aussichtsplattform in der 55. Etage ergeben. Das Gebäude war zu diesem Zeitpunkt mit 64 Etagen geplant.Elbtower: So schnell wächst der umstrittene Wolkenkratzer Hamburger Abendblatt am 12. Mai 2023

Ursprüngliche Nutzungspläne Die Bruttogeschossfläche hätte etwa 160.000 m² betragen sollen, ca. 122.000 m² davon oberirdisch. Davon waren 77.000 Quadratmeter für Büroflächen vorgesehen, die sich auf 48 Stockwerke verteilt hätten. Die kleinste mietbare Büroeinheit bot eine Fläche von 1300 m².

Geplant war auch, dass ein Nobu-Hotel und ein zugehöriges Restaurant auf mehreren Etagen in den Elbtower einziehen sollten„Großartige Stadt“: Robert De Niro zieht in den Hamburger Elbtower Hamburger Morgenpost am 24. Februar 2021. Auch sollten für Besucher drei Etagen mit Wein- und Feinkostgeschäften, Galerien, Cafés und Bistros sowie Gym und Spa zur Verfügung stehen, nebst Aussichtsplattform in der 55. Etage.

In den Planungen war ein mischgenutzter Elbtower mit einer Kapazität von rund 3000 Arbeitsplätzen vorgesehen, für die allerdings nur 560 Parkplätze in der Tiefgarage geplant wurden. Man hätte darauf gesetzt, dass Beschäftigte wie Besucher über den benachbarten S- und U-Bahnhof Elbbrücken an- und abreisen. Als Mieter für die 90.400 m² Büroflächen gab es zeitweise Vorverträge mit der Hamburg Commercial Bank, dem Versicherungsmakler AON und dem Medizindienstleister Eterno.

Geschichte mini|hochkant=0.7|Elbtower im HafenCity-Stadtmodell

Der Hamburger Senat unter dem ersten Bürgermeister Olaf Scholz stellte das Vorhaben im März 2017 auf der französischen Immobilienmesse MIPIM vor. Am 15. März 2017 wurde das Projekt als Bauauftrag im Wege einer „freiwilligen Ex-ante-Transparenzbekanntmachung“ im EU-Amtsblatt veröffentlicht. In der Bekanntmachung wurde der „Gesamtwert der Beschaffung“ mit 120 Millionen Euro angegeben, die Baukosten sollten 700 Millionen Euro betragen. Am 27. März 2019 beschloss die Hamburgische Bürgerschaft den Verkauf des Grundstückes für 122 Millionen Euro an den Investor. Dabei wurden mehrere Zusatzbedingungen beschlossen, die verhindern sollten, dass der Investor den Bau nicht vollendet und der Stadt dadurch Kosten entstehen. Der Bauantrag wurde im Dezember 2020 eingereicht und der Bebauungsplan im Januar 2021 genehmigt. Am 30. September 2021 wurde der Auftrag für den Rohbau an das Unternehmen Adolf Lupp aus Nidda vergeben. Die Arbeiten an der Baugrube und den Gründungsbauteilen waren im November 2022 abgeschlossen. Als Termin der Fertigstellung des Baus wurde zu diesem Zeitpunkt das Jahr 2025 angegeben. Im August 2022 beteiligte sich die Commerz Real AG, eine Tochter der Commerzbank, über ihren Immobilienfonds Hausinvest mit 25 Prozent an dem Projekt. Zeitgleich wurden die erwarteten Baukosten auf 950 Millionen Euro erhöht. Laut Signa seien nicht gestiegene Materialkosten, sondern „die erhebliche Vergrößerung der geplanten Baufläche“ die Ursache für die Steigerung um ca. 35 % gegenüber der ursprünglichen Kostenangabe. Im November 2022 war das Fundament für den Neubau fertiggestellt, die Arbeiten lagen drei Wochen vor dem Zeitplan.

Ende Oktober 2023 stellte das Bauunternehmen Lupp die Bauarbeiten am Elbtower ein, weil die Signa Prime fällige Rechnungen in Höhe von 37 Millionen Euro seit dem Sommer nicht mehr bezahlte. Auch mehreren weiteren Firmen schuldete die Signa jeweils fünf- oder sechsstellige Beträge. Der Rohbau erreichte eine Höhe von etwa 100 m. Am 19. Januar 2024 beantragte die Projektgesellschaft und Grundstückseigentümerin Hamburg Elbtower Immobilien GmbH & Co. KG die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Die Gläubiger der Signa Prime entschieden am 18. März 2024, dass die Gesellschaft in einem Treuhandverfahren nach österreichischem Recht abgewickelt werden soll, das bis 2029 dauern kann. Mitte April 2024 wurden fünf der sieben Baukräne abtransportiert.

Die Stadt Hamburg stellte im Sommer 2024 klar, dass der Elbtower ein „privatwirtschaftliches Projekt“ sei und sie weder den Bau fortführen noch bei finanziellen Engpässen einspringen werde. Zuvor hatte sie beim Insolvenzverwalter ihr Wiederkaufsrecht für das Grundstück angemeldet, ließ die bis Ende Januar 2025 laufende Frist aber ungenutzt verstreichen.

Aufgrund der Senkungsschäden an den benachbarten Bahnanlagen verhängte das Hamburger Amt für Bauordnung und Hochbau im März 2025 ein Weiterbauverbot für den Elbtower, „vorläufig“ bis zum 23. März 2026. Eine anschließende Baufortführung wäre möglich, falls der Bauträger bis zum 23. März 2027 „Kompensationsmaßnahmen“ an den Bahnbauten auf seine Kosten vorgenommen und deren „ausreichende Wirksamkeit“ nachgewiesen hat. Die Deutsche Bahn legte bereits im Herbst 2021 Widerspruch gegen eine Baugenehmigung für den Elbtower ein, weil sie durch das Gewicht des Wolkenkratzers Schäden an ihren Anlagen sowie Betriebsstörungen befürchtete. Sie ließ sich vertraglich zusichern, dass der Eigentümer des Elbtowers für allfällige Schäden an den Bahnanlagen aufkommt.

Im Oktober 2025 gab der Hamburger Bürgermeister bekannt, dass die Stadt bis 2029 ein geplantes Naturkundemuseum für 595 Mio. Euro in dem Gebäude unterbringen will, womit der Weiterbau eventuell möglich wäre. Gleichzeitig soll die Höhe des Turmes von 245 auf 199 m und die Nutzfläche von 190.000 auf 100.000 m² reduziert werden.

Nach dem Rückzug der Luxusmarke Nobu stand im Januar 2026 der nächste Hotelbetreiber für den Hamburger Elbtower fest. Die Primestar Group plante ein Fünfsternehaus mit 195 Zimmern, das Hilton Hamburg Elbtower. Den Zuschlag für das Projekt hatte Primestar von dem Investorenkonsortium um Immobilieninvestor Dieter Becken erhalten. Die Eröffnung des Hilton Hamburg Elbtower war für spätestens 2029 geplant.

+ Zeitleiste Datum Geschehnis 15.03.2017 Vorstellung des Projekts durch die Stadt Hamburg 27.03.2019 Kauf des Grundstücks durch den Investor von der Stadt Hamburg 01.12.2020 Bauantrag gestellt 01.01.2021 Bauantrag genehmigt 05.10.2021 Baubeginn 01.11.2022 Fertigstellung des Fundaments 30.10.2023 Baustopp Jan. 2024 Hamburg Commercial Bank storniert Mietvertrag über 11000 m² 19.01.2024 Insolvenzantrag der Elbtower Immobilien GmbH & Co. KG 15.04.2024 Abbau der Baustelle 15.05.2024 Stadt Hamburg meldet Rückkaufsrecht an 31.01.2025 Ablauf des Rückkaufsrechts der Stadt Hamburg 01.03.2025 Wahl einer neuen Bürgerschaft 03.03.2025 Weiterbauverbot wegen Setzungsschäden 14.10.2025 Geplante Einrichtung eines künftigen Naturkundemuseums und Reduzierung der Bauhöhe von 245 auf 199 m 22.01.2026 Das Investorenkonsortium Becken, Kühne, Roßmann, u. a. plante ab Sommer 2026 wieder zu bauen. 24.08.2026 Investor und Milliardär Kühne stirbt.

Stellungnahmen von Politikern und aus der Bevölkerung Das Projekt erfährt sowohl Unterstützung als auch Widerspruch durch Öffentlichkeit und politische Vertreter. Die regierende Hamburger SPD und die oppositionellen Parteien CDU Hamburg und FDP Hamburg begrüßten die Pläne.

Die Grünen äußerten sich als Koalitionspartner der SPD skeptisch. Kritiker verwiesen darauf, dass die Sanierung und Entwicklung bestehender Bauwerke wie des Heinrich-Hertz-Turms (Hamburger Fernsehturm) und des Bismarck-Denkmals in den Wallanlagen Vorrang vor neuen Prestigeprojekten haben sollten. Der Senat reagierte auf diese Kritik mit der Ankündigung eines transparenten Bauvorhabens und insbesondere einer rein privatwirtschaftlichen Finanzierung des Vorhabens. Weitere Kritik bezieht sich auf die grundsätzlichere städtebauliche Frage, ob ein Hochhaus des geplanten Bauvolumens in die Hamburger Bautradition passe.