mini|hochkant=1.5|Dom St. Blasien, die ehemalige Klosterkirche des Stiftes St. Blasien, erbaut 1771 bis 1781 mit Buntsandstein aus Unteralpfen
Das Kloster St. Blasien war eine Benediktinerabtei in Sankt Blasien im Südschwarzwald und befindet sich im Landkreis Waldshut. Als Abteikirche diente der Dom St. Blasien; seit 1934 beherbergen die Gebäude das Kolleg St. Blasien.
Geschichte 9. bis 12. Jahrhundert mini|Denkmal für Fürstabt Martin Gerbert „Während die Albzelle im Albgau, offenbar eine kleine Siedelung um die Mitte des 9. Jahrhunderts, zur Förderung der Marienverehrung von Sigemar gestiftet wurde, wurde das eigentliche Kloster St. Blasien, eine kleine Zelle zu Ehren des hl. Blasius, inmitten der Schwarzwaldeinsamkeit ums Jahr 948 gegründet und mit dem Flußgebiet der Alb und der Schwarza dotiert.“
Noch zu Zeiten des Fintan und des Rheinauer Erneuerer und Abtes Wolfenus (858 bis 878) „wurde der Leib des hl. Blasius von Rom nach Rheinau übertragen und verschaffte dem Kloster nicht geringen Ruhm; ein Teil davon wurde 866 oder 870 nach der Albzelle verbracht, aus der sich 100 Jahre später St. Blasien entwickelte.“Zitate im Abschnitt: Josef Sauer: Die Anfänge des Christentums und der Kirche in Baden. Neujahrsblätter der Badischen Historischen Kommission, Neue Folge 14. Carl Winters Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1911, S. 67.
Um 900 fanden die Ungarneinfälle statt, in denen Reiterheere auch entlang von Bodensee und Hochrhein zogen, 917 Basel, 926 das Herzogtum Schwaben und zuletzt noch 954 Süddeutschland verheerten, auch Stadt und Kloster St. Gallen. Auch das Kloster Säckingen wurde 926 oder 954 zerstört. Den Magyaren wird auch die Albzelle zum Opfer gefallen sein. Vernichtet wurden auch Archive, sodass es aus dem Zeitraum kaum Urkunden gibt.„Das Versiegen der schriftlichen Quellen, das sich schon für die Zeit bald nach 900 bemerkbar macht, läßt für das 10. Jahrhundert kaum mehr als Vermutungen zu.“ H. Maurer: Der Klettgau im frühen und hohen Mittelalter in: Der Klettgau, (Hrsg.: Bürgermeister Franz Schmidt, Tiengen/Hochrhein 1971, S. 94). Maurer nennt nicht die Ursache: die Ungarneinfälle, die auch in der übergreifenden Heimatforschung nördlich des Hochrheins seltsam verschwiegen sind, während sie auf Schweizer Seite oft genannt werden: „... vom Bodensee bis herab in die Ebenen des Rheinlandes, alles verödend mit Brennen, Rauben und Morden. Den Klettgau und Albgau verließen sie ganz verwüstet. [… Einwohner] sind in die Einöden des Schwarzwaldes geflüchtet und kehren nicht mehr auf ihre Brandstätte zurück. Zu Hunderten sind sie in den Kämpfen mit den wilden Scharen erlegen. Not und Elend haben die Weiber und Kinder dahingerafft.“ (Hrsg.: Anton Pletscher: Altes und Neues vom Randen, Buchdruckerei Stamm, Schleitheim 1911, S. 44).
Der dann in der Überlieferung als eigentlicher „Stifter“ genannte Reginbert von Seldenbüren war ein Freund von Otto dem Großen (912–973), der die Ungarn 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld besiegte. Reginbert sei als Eremit in den Schwarzwald gegangen, er habe sich in der Cella Alba niedergelassen, dem Kloster große Schenkungen gemacht und sei selber Benediktinermönch geworden. Seitdem galt er als hoch angesehener Gründer, Stifter und Wohltäter der Abtei. Reginbert starb 964. Unter dem ersten Abt Beringer wurde 948 die Regel des Hl. Benedikt angenommen.
Der Nachfolger und Sohn Ottos I, Otto II. bestätigte die Schenkungen Reginberts im Jahr 983. Die erste schon steinerne Kirche war um 950 gebaut worden, die Weihe erfolgte durch den Bischof von Konstanz, Gaminolf. Vermutlich 983 schenkte dann Kaiser Otto II. die Hochtäler Bernau und Menzenschwand, dazu die Vogtei Blasiwald und die Dörfer Urberg und Höchenschwand dem Kloster. Diese Gebiete nannte man „Zwing und Bann“. Im Jahr 1013 entstand die dreischiffige Münsterkirche Das alte Münster; die Bauzeit dauerte bis 1036. Unter Abt Uto von Kyburg entstand 1084 ein Neues Münster, die Stephanskirche, die 1085 vom späteren Papst, Urban II. eingeweiht wurde. Uto erweiterte die Klosteranlagen von 1068 bis 1086, eine Urkunde durch König Heinrich IV., ausgestellt in Basel am 8. Juni 1065, immunisiert die nicht immatrikulierte Stiftung von 983. Hier wird erstmals die cellam in silva Svvarzvvalt a Sancto Reginberto constructam, ab Ottone autem imperatore … deo et sancto Blasio … traditam … genannt.Johann Wilhelm Braun (Bearb.): Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahr. 1299, S. 30.
St. Blasien war während des Investiturstreits auf Seiten des Papstes, es nahm die Regeln der Abtei Cluny an. Zwischen 1070 und 1073 sind Kontakte zum cluniazensischen Reformkloster Fruttuaria in Oberitalien anzunehmen. Folge dieser Kontakte waren der Anschluss St. Blasiens an die fruttuarische Reformrichtung, die Einführung von Laienbrüdern und wohl die Gestaltung St. Blasiens als Doppelkloster von Mönchen und Nonnen; die Nonnen sollten dann vor 1117 das Kloster Berau besiedeln.
Der Historiograf Bernold von Konstanz stellt St. Blasien neben dem Kloster Hirsau und dem Kloster Allerheiligen als führende schwäbische Reformklöster dar. Von St. Blasien aus wurden unter anderem reformiert und als Priorat oder Propstei gegründet: Kloster Muri (1082), die spätere ebenfalls Reichsabtei Ochsenhausen (1093), Stift Göttweig (1094), Stift Garsten, Fürststift Kempten, Kloster Wiblingen, Kloster Seeon und Kloster Engelberg, umstritten war Kloster Muri, das vom Kloster Einsiedeln gegründet wurde, Kloster Trub hingegen St. Blasien zugehörig. Stein am Rhein (vor 1123), Prüm (1132) und Maursmünster (vor 1166). Bischof Otto II. von Konstanz entscheidet in einer Urkunde vom 17. Februar 1170, gefertigt im Kloster Allerheiligen in Schaffhausen, zugunsten St. Blasiens im Rechtsstreit um Ebringen.
1113 schenkt Walcho von Waldeck dem Kloster St. Blasien zahlreiche Besitzungen. Dies ist für zahlreiche Dörfer und Weiler im Wiesental und Darunter werden auch Güter in Riehen und der Wenkenhof erwähnt.Nils Widmer: Erste Erwähnung Riehens. In: Gemeinde Lexikon Riehen. Stephan Maurer: Die Herren von Waldeck. In: Das Markgräflerland, Band 2013, S. 121–138 Am 8. Januar 1125 bestätigt Kaiser Heinrich V. eine bereits im Mai 1074/77 gemachte Schenkung des Gutes Schluchsee, welches zugleich großen Landbesitz umfasste. Als Schenker werden genannt: Rudolf von Rheinfelden, Graf Otto und sein Sohn Friedrich (von Dießen-Andechs ?), Graf Ekbert von Sachsen, Ita von Sachsen und Birkendorf (eine Verwandte des Kuno von Öhningen), Tuto von Wagenhausen, (Vogt des Klosters Wagenhausen in Wagenhausen) und Hezelo, Vogt der Abtei Reichenau. Damit war der zentrale Landbesitz rund um das Klostergebiet gesichert. Der Meierhof in Schluchsee unterstand bis in das 15. Jahrhundert direkt dem Kloster.
An Kommunitäten im Schwarzwald beeinflusste St. Blasien die Klöster Alpirsbach (1099), Kloster Sankt Ulrich und Afra Augsburg, Kloster Ettenheimmünster (1124) und Sulzburg (um 1125) sowie seine Dinghöfe Steinen (um 1100), Schloss Bürgeln (vor 1130) und Sitzenkirch (um 1130), Kloster Heilig Kreuz in Donauwörth.
Eine um 1150 erstellte Liste von Gebetsverbrüderungen zeigt die Weitläufigkeit der Beziehungen zwischen St. Blasien und anderen Frauen- und Männerklöstern. Die Schutzvogtei der Bischöfe von Basel durch Adalgoz von Wehr konnte durch eine Urkundenfälschung abgeschüttelt werden, die der vermutlich in die Irre geführte Kaiser Heinrich V. anschließend durch die Urkunde vom 8. Januar 1125 bestätigte, so dass dem Kloster dann tatsächlich Königsschutz und freie Vogtwahl zugestanden wurde. Neuer Vogtherr wurde der Bischof von Konstanz, St. Blasien wählte die Zähringer zu Schirmvögten. Nach Aussterben der Zähringer übernahm 1218 wieder der Kaiser das Vogtrecht, bis 1250 der römisch-deutsche König Konrad IV. das Vogtrecht an Rudolf von Habsburg und damit an die Habsburger übertrug. König Karl IV. bestätigt 1353 nochmals die freie Vogtwahl. Die Abtei erkannte zwischen 1369 und 1371 Herzog Albrecht als erblichen Vogtherrn an, Österreich wurde Landesherr.
Im Verlauf des 12. Jahrhunderts erlahmte indes der Eifer der Schwarzwälder Mönche, die Aktivitäten wurden vom Ausbau einer umfangreichen Grundherrschaft dominiert. So ist 1166 die Schenkung einer Kirche von Gersbach schriftlich belegt, wodurch der Einfluss des Klosters in der Region weiter wuchs. Auch jenseits des Hochrheins erwarb man Gelände und Güter. So tauschte im Jahr 1241 Abt Arnold I. von Berau mit Ulrich von Klingen das Gelände, worauf dieser das Städtlein Klingnau erbauen ließ. Klingnau wurde Propstei von St. Blasien. Später kam das dortige Wilhelmiten Kloster Sion dazu. 1113 wurde die Propstei Wislikofen gegründet, 1120 die Kirche in Schneisingen erworben, 1150 kam Kirchdorf (Gem. Obersiggenthal) dazu.
Am 1. Mai 1322 vernichtete ein Großbrand die gesamten Anlagen. Man begann umgehend mit dem Wiederaufbau, nach alter Vorlage, bereits 1348 waren die im Stil der Gotik erneuerten Klosterbauten fertiggestellt. 1464 kamen im Waldshuter Krieg die Eidgenossen in die Nähe und brannten in der Umgegend Höfe nieder, Abt Christoph von Greuth ging ihnen entgegen und ließ sie bewirten, er konnte so das Kloster retten.
Verwaltung des Klosterbesitzes Neben dem in nächster Umgebung liegenden Territorium, dem Zwing und Bann, den Vogteien Höchenschwand, Bernau, Menzenschwand und Oberibach und im 17. Jahrhundert auch Blasiwald, wurde die Verwaltung der weitverzweigten Besitzungen schon früh in Ämter, officium eingeteilt, es bestanden: Officium silve (Waldamt) Officium an der Wuta Wutenamt Officium Bare (Baaramt) auch Villinger Amt Officium Schoenow (Amt Schönau) Officium Brisaugye (Breisgauamt) später auch Krozinger Amt genannt Officium Alsatie (Elsaßamt) Officium Basliea (Baselamt) Officium Thuricence (Zürichamt) und Amt Stampfenbach mini|St. Blasier Amtshaus Stampfenbach mit Trotte, Abbruch Officium Clingnau (Amt Klingnau) Officium in Nallingen (Amt Nallingen) mini| Propstei in Nellingen Officium camere in Schlegelsberg (Amt Schlegelsberg) Officium in Frickingen (Amt Frickingen)
13. Jahrhundert bis 18. Jahrhundert mini|Ansicht des Klosters um 1562 mini|Grenzstein zum Fürstentum Fürstenberg (1767) mini|Das Untere Kanzleigebäude, heute Amtsgericht St. Blasien. Im Auftrag von Fürstabt Meinrad Troger von Johann Caspar Bagnato entworfen und 1755 bis 1757 erbaut
In der Folge der Entscheidung von Weihnachten 1124Johann Wilhelm Braun (Bearb.): Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahr 1299. Teil II: Einführung, Verzeichnisse, Register, Stuttgart 2003, S. 142–143. etablierten sich die Zähringer als Klostervögte, nach deren Aussterben 1218 wurde die Vogtei unter Kaiser Friedrich II. (1212/1215–1250) Reichslehen. Da der Kaiser Vogtherr über die Abtei war, bedeutete dies die Reichsunmittelbarkeit für St. Blasien. Der Mönch Otto von St. Blasien schildert in seiner Chronik die Ereignisse von 1146 bis 1209. Mit der Verpfändung an das Hochstift Konstanz bzw. Bistum Konstanz fiel diese Unmittelbarkeit des Kaisers wieder weg.