mini|Nerzmantel aus DDR-Produktion (1954) Der Brühlpelz VEB Leipziger Rauchwarenindustrie fasste im Jahr 1966 folgende DDR-Betriebe zusammen: VEB Stadtpelz, VEB Edelpelz, VEB Sachsenpelz, VEB Pelzkonfektion Schkeuditz und Adolf Arnhold KG Naunhof. Dieser Verbund war wiederum vereint im Kombinat Kunstleder und Pelzverarbeitung mit der VEB Sachsenpelz Naunhof, der VEB Edelpelz Schkeuditz, der VEB Pelzhandel am Brühl und der VEB Brühlpelz Leipzig sowie weiteren Betrieben der Pelzwirtschaft.

Allgemein Der Brühl war durch den dort betriebenen Pelzhandel einmal die bedeutendste Straße von Leipzig. Die Unternehmen des Pelzhandelszentrums Leipziger Brühl waren ihr wesentlichster Steuerzahler. Die Weltbedeutung verlor sich nach 1933 unter der Herrschaft der Nationalsozialisten, durch die Judenverfolgung und endgültig durch den Zweiten Weltkrieg und die Teilung Deutschlands. Die nach der Besetzung Leipzigs durch die Amerikaner noch in größerer Zahl vorhandenen Rauchwarengroßhandlungen wanderten zumeist nach dem Krieg aus wirtschaftlichen Erwägungen aus dem kommunistischen Teil Deutschlands in das kapitalistische Westdeutschland ab, in Frankfurt am Main entstand neu das Pelzhandelszentrum Niddastraße, noch jahrzehntelang in der Pelzbranche als „Brühl“ bezeichnet.

Um Leipzig herum hatten sich als Zuarbeiter Pelzzurichtereien und Pelzfärbereien angesiedelt, die im Krieg weitgehend unzerstört geblieben waren. Diese führten ihre Betriebe, bald meist verstaatlicht, weiter. Kaum einem Unternehmer gelang es, seine teils großen Maschinen und Gerätschaften in die Bundesrepublik zu überführen. Daneben gab es im Ostteil Deutschlands eine große Anzahl von Kürschnern und Produzenten von Pelzhalbfabrikaten (Felltafeln). Die in Leipzig verbliebenen Händler sammelten sich in den Nebenstraßen des durch den Krieg zerstörten Brühl, so dass im Raum Leipzig dort weiterhin die bedeutendste Ansammlung von Unternehmen der Pelzbranche der DDR bestand. Die verbliebenen Firmen konnten nach der Besetzung die am Lager vorhandenen, vielfach größeren Bestände noch absetzen. Meist gingen sie an Kürschner der Besatzungszone, aber auch begrenzt an ausländische Firmen. Auch Angehörige der Roten Armee haben bei zahlreichen Firmen gekauft, insbesondere fertig sortierte Mantelbunde.

Entsprechend dem neuen System bestanden in der Wirtschaft als Betriebe nebeneinander unter anderem Kombinate, Volkseigene Betriebe (VEB), halbstaatliche Unternehmungen, Produktionsgenossenschaften (PGH) sowie begrenzt private Unternehmen. Entsprechend wurden die Betriebe der Leipziger Pelzwirtschaft umgestellt. Die Umstellungen erstreckten sich über mehrere Jahre, bis man die vermeintlich rationellste Form für die einzelnen Unternehmungen gefunden hatte. Als erste wurden einige Großbetriebe der Rauchwarenveredlungs-Industrie volkseigen, des Weiteren „Stadtpelz“, ein Großbetrieb der Pelzbekleidungsindustrie. Jedoch wurden diese Betriebe bald in einem Kombinat vereint: „Brühlpelz“, „VEB Leipziger Rauchwarenindustrie“, Betrieb des VEB „Kombinats Kunstleder- und Pelzverarbeitung“ mit der Geschäftsleitung Leipzig, Brühl 42-50.

Am 20. Februar 1958 wurde als neues Unternehmen die Firma „Deutsche Rauchwaren-Export und -Import GmbH“ gegründet. Gegenstand des Unternehmens waren die Einfuhr und Ausfuhr von Rauchwaren sowie die Veranstaltung von Rauchwarenauktionen. Generaldirektor in den ersten beiden Jahren war Herr Herscher. Unter seiner Leitung wurde ein Jahr nach Gründung, zur Frühjahrsmesse 1959, als Test der erste Tenderverkauf roher Fuchs- und Nerzfelle aus DDR-Aufkommen für eine Auktion durchgeführt. Später wurde das Geschäftsgebiet erweitert und die Firma umbenannt in „Interpelz“, Export-Import GmbH, Häute – Rauchwaren – Lederwaren – Schuhe, Geschäftsräume Nikolaistraße 15-23. 1960 fand die erste Leipziger Rauchwarenauktion nach dem Zweiten Weltkrieg statt, seit April 1961 mit Angeboten der UdSSR und der Mongolischen Volksrepublik. Von 1968 bis 1980 waren die Auktionen im Brühlzentrum, anschließend nicht mehr im dortigen Oelßners Hof, sondern auf dem agra-Gelände der Landwirtschaftsausstellung agra in Markkleeberg. Damit verschwand auch der letzte Hinweis auf das ehemalige Pelzzentrum. Ab 1963 hatte die Leitung des Unternehmens Helmut Kindler übernommen, von 1977 bis 1982 Generaldirektor Fritz Gohlisch die Leitung des Außenhandelsbetriebes, seit dem 1. September 1982 Generaldirektor Karl-Heinz Dankert. Neben den Außenmärkten vertrat er die DDR-Kombinate Schuhe, Kunstleder- und Pelzverarbeitung, Lederwaren sowie Aufbereitung tierische Rohstoffe und Pelztierproduktion. Daneben gab es spezielle Aufgabengebiete, wie die Abwicklung und Gestaltung der Salamander-Gestattungsproduktion. In acht DDR-Schuhfabriken durften pro Jahr bis zu fünf Millionen Paar Salamander-Schuhe für den Bedarf in der DDR hergestellt werden. Außerdem sicherte die DDR den Kauf von 500.000 Paar Salamander-Schuhen pro Jahr aus westlicher Fertigung zu.Michael Heller: DDR-Lizenzproduktion von Salamander: Für den Ost-Lurchi war der Westen tabu. Stuttgarter Zeitung, 12. Oktober 2014. Abgerufen am 26. November 2021.

Nach der Umstellung der Wirtschaft auf das sozialistische System war ein Rauchwarenhandel im früheren Sinn nicht mehr möglich. Auf freier Basis konnten weder Waren-Importe noch Exporte getätigt werden. Auch inländische Felle durften vom privaten Großhandel nicht mehr angekauft werden, die aber, gemessen an dem Vorkriegsvolumen, ohnehin nur sehr gering anfielen. Die mit meist verringertem Personal verbliebenen Leipziger Firmen arbeiteten unter anderem für den Brühlpelz, von wo sie Ware in Lohnarbeit bekamen. Eigene Verkäufe, zum Beispiel an Kürschner, konnten nicht mehr ausgeführt werden. Das später gegründete Unternehmen „Absatzkontor für Rauchwaren“ diente vor allem der Versorgung des Inlands mit Rauchwaren durch hierfür ermächtigte Firmen. Insbesondere waren dies Kürschnerfachgeschäfte, die jedoch nicht unmittelbar beliefert wurden, sondern über ihre Genossenschaft. Die erste Genossenschaft der Kürschner war, noch auf privater Grundlage, am 16. September 1946 in Leipzig gegründet worden. Soweit die selbständigen Kürschner sich ihr Material, vor allem Felle, nicht freihändig beschaffen konnten, erhielten sie es von der Genossenschaft zugeteilt. Den Genossenschaften wurden die Felle durch übergeordnete Stellen zugeleitet, im Rahmen der vorhandenen Menge (Volkswirtschaftsplan). Auf das Ausmaß der Planung hatten die Genossenschaften keinen Einfluss. Je nach Umfang der erfolgten Zuteilung in Bezug auf Fellart und Fellmenge erfolgten die Lieferungen (Quoten) an die Mitglieder der Genossenschaft.

Zu „Diskussionen innerdeutscher Art“ gab die erstmalige Zulassung der Interpelz als Aussteller auf der Frankfurter Pelzmesse Anlass. Nach der Einschaltung örtlicher Instanzen wurde dann erstmals im Jahr 1970 die DDR-Flagge neben denen der übrigen Staaten und Länder gehisst, die auf der Messe vertreten waren.Willi Treusch: Messe- und Verbands-Chronik von 25 Jahren … Undatierter Entwurf (vor 29. Oktober 1972), S. 40 (Sammlung G. & C. Franke).

1995, fünf Jahre nach der Wiedervereinigung, gab es laut einer Leipziger Zeitungsmeldung keinen Fellhändler oder Kürschner mehr am Leipziger Brühl.In: Winckelmann Pelzmarkt: Keine Pelze mehr am Leipziger Brühl (identisch mit der Überschrift in der Lokalpresse). 20. Oktober 1995. Die volkseigenen und genossenschaftlichen Betriebe sowie die Einkaufs- und Liefergenossenschaft (ELG) waren zuvor bereits abgewickelt beziehungsweise aufgelöst worden.Ohne Autorenangabe: Die Neugründung der Innung 1990. In: 1423-1998. 575 Jahre Kürschner-Innung zu Leipzig. August 1989.

»Brühlpelz« VEB Leipziger Rauchwarenindustrie mini|VEB Rauchwarenkombinat Leipzig (Webetikett)

Das VEB Rauchwarenkombinat Leipzig, gebildet am 1. Januar 1961,Rolf Kistner: Das Kombinat – und die Perspektive der Rauchwarenwirtschaft. In: Der Brühl, Januar/Februar 1964, S. 1. Anmerkung: Nach Fellmann und persönlicher Auskunft (Dr. Claus J. Gerd Rohde; Günter Kümmel) war der Kombinatsleiter Joachim Kistner (und nicht wie dort angegeben, Rolf Kistner) ab 1966 »Brühlpelz« VEB Leipziger Rauchwarenindustrie, wurde anfangs jahrelang von Joachim Kistner geleitet. Die Struktur des Zusammenschlusses ging auf eine im Jahr 1982 getroffene Entscheidung zurück, mit der die Eigenverantwortlichkeit der Betriebe gestärkt werden sollte. Das Kombinat war zuständig für Zurichtung und Veredlung, Halbkonfektion und Pelzkonfektion. Vor 1989 beschäftigte es 1450 Mitarbeiter und verarbeitete jährlich 5,5 Millionen Felle. Das meiste davon wurde letztlich zur Devisenbeschaffung exportiert, der Hauptteil in die Bundesrepublik. Nach der Wiedervereinigung, im Oktober 1990, beklagten die Leipziger Kürschner in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister, vor allem wegen der zunehmenden Konkurrenz westdeutscher Konfektionäre mit asiatischer Billigware: „[…] daß gerade ihre mittelständische Entwicklung für den Fiskus längerfristig gesehen die lukrativere sei: durch Einnahmen aus Körperschafts- und Gewerbesteuer, Lohn- und Einkommensteuer sowie Umsatzsteuern. Kaufkraft käme in die Stadt, der bereits um sich greifenden Arbeitslosigkeit – bei Brühlpelz z. B. – würde Einhalt geboten“.Angelika Raulien: Offener Brief an Leipzigs OBM – Stirbt Tradition bald aus? Zeitungsausschnitt, wahrscheinlich Leipziger Volkszeitung, 23. Oktober 1990.

VEB Sachsenpelz Naunhof mini|Messestand der VEB Rauchwaren-Zurichterei und Färberei Naunhof (1951) Der sogenannte volkseigene Betrieb VEB Sachsenpelz Naunhof entstand 1946 aus der Lohse Rauchwarenfärberei und -zurichterei GmbH, gegründet 1932 in Markranstädt, die 1933 ihren Sitz nach Naunhof verlegt hatte. Trotz Materialknappheit waren Anfang der 1990er Jahre hier wieder 326 Mitarbeiter beschäftigt. Das bekannteste Naunhofer Erzeugnis waren Schaffellplatten für Autoschonbezüge. Außer Lammfell und Persianer wurden vor allem die einheimischen Felle und Häute von Ziegen, Zickel, Wildschwein, Reh und Hirsch verarbeitet.

VEB Edelpelz Leipzig-Schkeuditz mini|Schriftzug edel-PELZVEB Edelpelz Leipzig-Schkeuditz Der VEB Edelpelz Schkeuditz in der Angerstraße geht auf das, in Westdeutschland weitergeführte, Unternehmen Theodor Thorer zurück, dessen Stammsitz bereits 1946 in einen staatseigenen Betrieb umgewandelt worden war. 1952 wurden der VEB Edelpelz Leipzig-Schkeuditz die ehemaligen Firmen Müller und Gründling in Schkeuditz sowie das Wahrener Werk der Firma Thorer angegliedert. 1989 beschäftigte das Unternehmen etwa 500 Mitarbeiter. Es wurde eigenständig die Rohware eingekauft, zugerichtet, gefärbt, Halbfertigware und auch Konfektionsteile hergestellt. Die Kapazität betrug nach einer Umstrukturierung in jenem Jahr 2,8 Millionen Felle.

Als charakteristisch für diesen Betrieb wurde angegeben: 1. Zurichtung und Färbung von Edelfellen erfolgen auf dem Gebiet der DDR ausschließlich im VEB Edelpelz. 2. Der Betrieb setzt die weltweit bekannte Tradition des Leipziger Raumes in der Kaninveredlung fort. 3. Gute Leipziger Tradition drückt sich auch in der Vielseitigkeit aus; Felle aus Zucht und freier Wildbahn stehen etwa im Verhältnis 50 : 50 (ohne Kaninfelle).

1988 wurden unter anderem etwa 100.000 Katzenfelle zugerichtet, die meisten wurden als sogenannte „Rheumakatzen“ zu Katzenbandagen verarbeitet. Allerdings erzielten erstklassige Kürschnersortimente der Hauskatzenfelle in Sorten wie Müller-Katze eine kurze Zeit lang höhere Preise als Nerzfelle durchschnittlicher Qualität.

VEB Pelzhandel am Brühl Der VEB Pelzhandel am Brühl mit der Abteilung VEB Pelzzubehör versorgte um 1989 die insgesamt 400 einschlägigen Betriebe der DDR mit veredelten Fellen und mit Pelzzubehör, darunter im Leipziger Raum 106 private Kürschnermeister und zwei leistungsstarke Produktionsgenossenschaften.

VEB Stadtpelz mini|links|hochkant=0.5|Lammfellmütze, gearbeitet in Schkeuditz im Werk II des VEB Stadtpelz