mini|Spielmodul Pole Position 1979 bis Ende 1983

Zu den frühen Shoot-’em-up-Spielen wie etwa Star Raiders oder der Brettspieleumsetzung 3-D Tic-Tac-Toe kamen nur wenig später weitere Actionspiele, Adventures und Arcade-Umsetzungen hinzu. Unter den publizierten Titeln befanden sich jedoch auch viele „schlechte“ Portierungen von beispielsweise Apple-II-Spielen ohne den unverwechselbaren „Atari-Look“, nämlich eine Mischung verschiedener farbenprächtiger und weich scrollender Grafiken, ergänzt um die typische POKEY-Musik nebst Geräuscheffekten.Jeffrey Stanton, Robert P. Wells, Sandra Rochowansky, Michael Mellin: Atari Software 1984. The Book Company, 1. Auflage 1984, S. 12.

Unter den für Atari 400 und 800 veröffentlichten Spielen befinden sich viele, die bereits zu ihrer Zeit als Videospieleklassiker galten: Star Raiders (vermutlich 1979), Asteroids (1981) und Pac-Man (1982). Insbesondere das 3D-Spiel Star Raiders galt vielen Spieledesignern der damaligen Zeit als prägendes Erlebnis und Grund, sich für einen Atari-Computer und nicht etwa einen Apple II oder Commodore PET zu entscheiden. In der Folge entstandene Werke wie Miner 2049er (Bill Hogue, Big Five Software, 1982), Eastern Front (1941) (Chris Crawford, APX, 1982), Capture the Flag (Paul Edelstein, Sirius Software, 1983), Archon (John Freemann, Electronic Arts, 1983) und M.U.L.E. (Daniel Bunten, Electronic Arts, 1983) zählen zu den herausragenden Titeln ihrer Zeit und ermöglichten Softwarehäusern wie beispielsweise Microprose und Electronic Arts den raschen Aufstieg zu Branchenriesen.Winnie Schäfer: Spielkonsolen und Heimcomputer. Gameplan, 3., erweiterte Auflage, 2009, S. 34.

1984

Im Laufe des Jahres 1984 begann sich eine völlig neue Qualität bei Computerspielen im Allgemeinen abzuzeichnen. Atari selbst forcierte diese Entwicklungen beispielsweise durch die Zusammenarbeit mit Lucasfilm, ein Unternehmen, das durch die seinerzeit sehr populären Star-Wars-Filme mit ihren vielen tricktechnischen Sequenzen weltweite Bekanntheit erlangte.Michael Ciraolo: Lucafilm Ltd. & Atari. Antic Magazine, August 1984, S. 40–42. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit erschienen 1984 erste Vorabversionen für Titel wie Ballblazer und Rescue on Fractalus, die völlig neue Maßstäbe in puncto Grafik und Dichtigkeit der Spielatmosphäre setzten. Im Adventure- und Rollenspielbereich bahnte sich währenddessen eine immer weiter gehende Verschmelzung von bislang für sich allein stehenden Spieletypen und technischen Verbesserungen hin zu deutlich komplexeren und realistischer anmutenden Spielen an.Michael Ciraolo: Adventure Trends. Antic Magazine, November 1984, S. 22–26. Insbesondere das Ende 1984 angekündigte Rollenspiel Alternate Reality – The City mit seiner dreidimensionalen und teilweise animierten Visualisierung der Spielumgebung versprach das gesamte Genre auf die nächste Stufe zu heben, ebenso wie Synapses Graphic Novels (Mindwheel, Brimstone, Essex) mit ihrem überlegenen interaktiven Eingabesystem (Parser) und einem für Textadventures literarisch vergleichsweise anspruchsvollem Inhalt.Michael Ciraolo: Coming Adventures. Antic Magazine, November 1984, S. 29 f. Zu den am häufigsten empfohlenen Spielen des Jahres 1984 zählen The Mask of the Sun (Brøderbund), The Seven Cities of Gold (Electronic Arts), Boulder Dash (First Star), Archon II: Adept, Bruce Lee (Datasoft), Montezuma’s Revenge (Parker Brothers, Ultrasoft), Skyfox (Broderbund), Flight Simulator II (Sublogic).Lenhardts Spielejahr 1984Linda Tapscott: Games. Antic Magazine, Dezember 1984, S. 42–45.James Delson: Games – 84s finest. Family Computing, Januar 1985, S. 26–28.

1985

Entgegen dem allgemein nachlassenden Engagement in Nordamerika verzeichneten die europäischen Länder im Jahr 1985 Zuwächse bei den Softwareherstellern und neuen Spielen. Auch in Westdeutschland begannen sich neue Anbieter zu etablieren. Die von ehemaligen Atari-Mitarbeitern gegründete Axis Komputerkunst veröffentlichte mit Cavelord, Atlantis, Slotmachine, Cromwell House und Mythos zahlreiche Spiele verschiedenster Genres.Peter Finzel: Neue Spiele für Atari. Computer Kontakt, Dezember/Januar 1985/1986, S. 68 f. Nicht nur mit der Präsentation in deutscher Sprache ging man dabei neue Wege, sondern auch mit der für Computerspiele unüblichen Langspielplattenverpackung.Siehe entsprechende Einträge in der Atari-Software-Datenbank unter www.atarimania.com Hinzu kamen Mike’s Slot Machine und Pyramidos vom AMC-VerlagLothar Neff: AMC-Verlag – Veteran auf neuen Wegen. Atari Magazin, Oktober 1988, S. 10. und diverse Kassettenspiele des Europa Computer Club. Dennoch blieb die Auswahl neuer und hochwertiger Spiele für die Atari-Computer im Vergleich zum Marktführer Commodore 64 Ende 1985 gering.Heinrich Lenhardt: Welcher Computer spielt am besten? Happy Computer, Dezember 1985, S. 158. Es folgten zusätzliche Einschränkungen der Erhältlichkeit von Spielen durch Indizierungen der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften – beliebte Spiele wie etwa Blue Max, Beach Head, Raid over Moscow und River Raid durften in Westdeutschland nicht länger öffentlich beworben und verkauft werden.Heinrich Lenhardt: Spiele auf der Schwarzen Liste. Happy Computer, November 1985, S. 160. Zu den Favoriten des Jahres 1985 gehörten nach Meinung des international auflagenstärksten Atari-Magazins Antic die Spiele Ballblazer und Rescue on Fractalus von Lucasfilm Games, Spy vs. Spy von First Star Software, The Great American Cross-Country Road Race von Activision, Trivia Quest von Royal Software, F-15 Strike Eagle und Kennedy Approach von MicroProse Software.Fourth Annual Antic Shopper’s Guide. Antic Magazine, Dezember 1985, S. 37–39.

1986

Einen großen Teil der Veröffentlichungen des Jahres 1986 bildeten Spiele, die in Großbritannien produziert und zu günstigen Preisen angeboten wurden.Die Preise für diese kassettenbasierte Spiele lagen in Großbritannien bei etwa 3 britischen Pfund, in Westdeutschland bei etwa 10 bis 15 DM. Darunter befanden sich Titel von Mastertronic (Crystal Raider, Kikstart, Ninja, Spellbound, Storm, Vegas Jackpot), Americana (Nuclear Nick, Scooter), Code Masters (BMX Simulator), Firebird Software (Micro Rhythm, Warhawk) und Creative Sparks (Java Jim), die die auflagenstarke englische Atari-Zeitschrift Page 6 1989 in ihre Allzeit-Empfehlungen aufnahm.Kirk Ruebottom: The A–Z of Golden (and not so Golden) Oldies. Page 6, Juni/Juli 1991, S. 12–17; Kirk Ruebottom: The A–Z of Golden (and not so Golden) Oldies continued. Page 6, August/September 1991, S. 16–19; Kirk Ruebottom: The A–Z of Golden (and not so Golden) Oldies continued. Page 6, Oktober/November 1991, S. 26–29; Kirk Ruebottom: The A–Z of Golden (and not so Golden) Oldies continued. Page 6, Dezember/Januar 1991/1992, S. 12–15; Kirk Ruebottom: The A–Z of Golden (and not so Golden) Oldies continued. Page 6, Februar/März 1992, S. 20–23; Kirk Ruebottom: The A–Z of Golden (and not so Golden) Oldies continued. Page 6, April/Mai 1992, S. 20–23. Einige dieser vielfach nur auf Kassette erhältlichen „Low-Budget“-Spiele erschienen 1986 auch auf den westdeutschen Markt.Heinrich Lenhardt: Neues Billigspiele-Label. Happy Computer, November 1986, S. 14.Der Großteil der bereits 1986 in Großbritannien erhältlichen Spiele kam erst im Folgejahr in Westdeutschland in den Verkauf. Anknüpfend an die Vorjahreserfolge kamen dort weitere Spiele aus einheimischer Produktion wie die der deutschen Axis Komputerkunst hinzu, darunter Schreckenstein,Heinrich Lenhardt: Schreckenstein. Happy Computer, Februar 1986, S. 160. Sereamis und Null Grad Nord.Peter Finzel: AXIS legt los. Computer Kontakt, Februar 1986, S. 58. Die deutsche Zeitschrift Aktueller Software Markt empfahl ihren Lesern 1986 jedoch hauptsächlich Vollpreisspiele wie International Karate von System 3 Software, Colossus Chess 4.0 von English Software, Topographie Deutschland von Radarsoft, Leader Board von US Gold und Infiltrator von Mindscape.ASM-Jahresrückblick. Aktueller Software Markt, Januar 1987, S. 70–73. Die zeitgenössischen Spielempfehlungen in den USA galten ebenso fast ausschließlich Vollpreisspielen wie Star Raiders II von Atari, Karateka von Broderbund, Hacker von Activision, Ultima IV von Origin Systems, The Eidolon und Koronis Rift von Lucasfilm Games, Colossus Chess von English Software, Silent Service von Microprose, diversen Titeln von Infocom und SSI aber auch Sportspielen wie Microleague Baseball von MSA und Hardball von Accolade.Fifth Annual Antic Shopper’s Guide. Antic Magazine, Dezember 1986, S. 19–26.

1987

Im Jahr 1987 kamen in Europa viele weitere im niedrigen und mittleren Preissegment angesiedelte Spiele in den Handel. Zu den besten zählte die auflagenstarke Atari-Zeitschrift Page 6 die Produkte der Hersteller Alligata (Loco), Rhino Marketing (Astromedia), Mastertronic (180, Amaurote, Despatch Rider, Gridrunner, Henry’s House, L.A. Swat, The Last V8, Milkrace, Molecule Man, Panther, Powerdown, Red Max), Bulldog (Colony), Firebird Software (Druid, Spiky Harold), Domark (The Living Daylights), Tynesoft (Mirax Force), Players Software (Dizzy Dice, Excelsor) und diverse Spiele von Red Rat Software. Der prosperierende Markt für Atari-Billigspiele zog mit Atlantis Software einen weiteren bekannten britischen Hersteller an, in dessen Folge schließlich Titel wie Pothole Pete, Spooky Castle und Daylight Robbery erschienen.Welcome to the Lost Continent. Page 6, Juli/August 1987, S. 7.; 8-Bit-Games. Page 6, Dezember/Januar 1987/1988, S. 47–49. Der westdeutsche AMC-Verlag bereicherte das Softwareangebot mit Bilbo und Tales of Dragons and Cavemen,Neues für den Gabentisch. Computer Kontakt, Dezember/Januar 1986/1987, S. 66; R. Knorre: Tales of Dragons & Cavenmen. Computer Kontakt, April/Mai 1987, S. 55. ab Ende 1987 legte R+E Software Alptraum und Der leise Tod auf.Alptraum und Der Leise Tod. Atari Magazin, Mai 1987, S. 5. Daneben erschienen 1986 und 1987 auch zahlreiche preisreduzierte Neuauflagen (englisch re-releases) beliebter älterer aber häufig nicht mehr erhältlicher Spiele. Dazu zählten beispielsweise Bounty Bob Strikes Back von US Gold, Caverns of Khafka von Top Ten, Decathlon und Space Shuttle von Firebird Software sowie Adventure International’s Preppie von Americana. Die neu aufgekommene käuferfreundliche Preisgestaltung konnte jedoch den allgemeinen Trend nicht aufhalten: Die Atari-8-Bit-Computer waren – wohl aufgrund schlechtgehender Verkäufe begleitet durch illegales Kopieren – mittlerweile von den meisten namhaften Spieleentwicklern fallengelassen worden.Heinrich Lenhardt: Messe Trends. Happy Computer, Dezember 1987, S. 12; Heinrich Lenhardt: Spielgefährten, Spaß & Spannung. Happy Computer, Januar 1988, S. 163. Noch vertretene Softwarehäuser nahmen Spieleumsetzungen für den Atari 800XL großteils nur halbherzig vor, wobei besonders die schlechte Konvertierung des 1987 meistverkauften Heimcomputerspiels Gauntlet von US Gold länderübergreifend Unmut erregte.Heinrich Lenhardt: Spielgefährten, Spaß & Spannung. Happy Computer, Januar 1988, S. 163; Kirk Ruebottom: The A–Z of Golden (and not so Golden) Oldies. Page 6, August/September 1991, S. 19 Die Empfehlungen der amerikanischen Fachpresse für 1987 bestanden hauptsächlich aus älterer Software, mit wenigen Ausnahmen wie den neu herausgebrachten The Guild of Thieves von Rainbird, Ogre von Origin und Mercenary – The Second City von Novagen Software.Sixth Annual Antic Shopper’s Guide. Antic Magazine, Januar 1988, S. 43–45.

1988