ist ein nördlicher Stadtteil von Gütersloh in Ostwestfalen-Lippe, der 1970 im Rahmen der kommunalen Neugliederung in die heutige Kreisstadt Gütersloh eingemeindet wurde.
Geografie Isselhorst liegt im Osten der Westfälischen Bucht bei 51° 57' N, 8° 25' O auf einer Höhe von 85 m ü. NN und umfasst eine Fläche von 6,76 km².
Das Kirchspiel Isselhorst, soweit es Teil der Stadt Gütersloh ist, umfasst mit den benachbarten Orten Ebbesloh, Hollen und Niehorst 23,42 km² mit 6.129 Einwohnern (Stand 1. Januar 2022). Während das Kirchspiel flächenmäßig 21 % des Stadtgebiets Gütersloh ausmacht, leben dort 6 % der Gesamtbevölkerung der Stadt. Die Einwohnerdichte beträgt im Kirchspiel 262 Einwohner/km², im gesamten Stadtgebiet Gütersloh 926 Einwohner/km². An diesen Zahlen lässt sich die dörfliche Struktur und das ländlich geprägte Umfeld Isselhorsts erkennen.
Verschiedene Fließgewässer, von denen die Lutter das größte ist, entwässern das Gebiet dem natürlichen Gefälle folgend in westlicher Richtung zur Ems hin. Nahe dem Ortskern nimmt die Lutter den Reiherbach auf, zudem führt der Krullsbach durch das Ortsgebiet.
Nachbarorte
Im Norden beginnend im Uhrzeigersinn grenzen an Isselhorst die Ortsteile Holtkamp und Ummeln des Bielefelder Stadtbezirks Brackwede sowie die Gütersloher Stadtteile Avenwedde, Nordhorn, Blankenhagen, Niehorst und Hollen.
Geschichte Urnengräber aus der Stein- und Bronzezeit, die auf dem Hollerfeld zwischen Isselhorst und Hollen gefunden wurden, belegen eine Besiedlung des Gebiets um das Jahr 2000 v. Chr.
Die Ortschaft Isselhorst wurde als „Gislahurst“ erstmals urkundlich im ältesten Heberegister des Klosters Freckenhorst erwähnt. Das Alter des Registers wird auf die Mitte des 11. Jahrhunderts datiert. Isselhorst ist damit der älteste Ortsteil Güterslohs, d. h. auch älter als die Stadt Gütersloh selbst. Vom Jahr 1050 ausgehend, feierte das Dorf im Jahr 2000 sein 950-jähriges Bestehen.
Wie die übrigen Teile der Grafschaft Ravensberg fiel Isselhorst 1346 an die Grafschaft Berg (ab 1423 Jülich-Berg). Die kirchliche Zuordnung des Ortes war über Jahrhunderte nicht unumstritten. Urkunden aus dem 15. Jahrhundert und das Ravensberger Urbar von 1556 belegen eine Zugehörigkeit zum Bistum Münster. Bis zur Reformation, teilweise auch noch darüber hinaus, zahlten die Höfe ihren Zehnten an das Kloster Marienfeld oder an das Kloster Herzebrock. Um 1600 hatte die Gemeinde in Isselhorst die reformatorisch-lutherische Lehre angenommen.
Mit der Grafschaft Jülich-Berg kam das Gebiet 1609 vorläufig und als Folge des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1666 endgültig an Brandenburg. Im Krieg hatten die Isselhorster Höfe in den Jahren 1623, 1625 und 1635 Plünderungen hinnehmen müssen. Isselhorst gehörte innerhalb der Grafschaft Ravensberg zur Vogtei Brackwede im Amt Sparrenberg. 1719 wurde die Grafschaft Ravensberg mit dem Fürstentum Minden zu Minden-Ravensberg zusammengelegt, die Regierung saß von nun an in Minden.
Bis ins 18. Jahrhundert hinein hielten die Pastoren den Schulunterricht ab. Pastor Adolf Teichmann, der von 1700 bis 1714 in Isselhorst wirkte, war der erste Pastor, der diese Aufgabe an einen Schulmeister abgab. 1804 wurde das Schulgebäude am Kirchplatz erbaut, in dem bis 1977 die Volks- bzw. Grundschule untergebracht war (die 1929 errichtete Schulturnhalle ist heute die Festhalle).
1807 musste Preußen alle linkselbischen Gebiete abtreten. Isselhorst gehörte durch (französisches) Königliches Decret vom 24. Dezember 1807 an zum Kanton Brackwede im Distrikt Bielefeld des Königreichs Westphalen, was bis Oktober 1813 existierte. Danach nahm Preußen die Grafschaft Ravensberg und damit Isselhorst wieder in seinen Besitz. Isselhorst kam 1816 zum neuen Kreis Bielefeld und wurde nach der Einführung der preußischen Landesgemeindeordnung für die Provinz Westfalen vom 31. Oktober 1841 Sitz des kurzlebigen Amtes Isselhorst. Dieses ging wenige Jahre später im Amt Brackwede auf.
mini|Flaggen der fünf ehemals selbständigen Gemeinden des Kirchspiels Isselhorst, gehisst an der Evangelischen Kirche Bereits im 16. Jahrhundert hatte man in Isselhorst mit dem Anbau von Flachs und Hanf begonnen. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in fast jedem Haus eine Spinnstube, in der Garnspinnerei und Leineweberei betrieben wurde. Auch Holzschuhmacherei war verbreitet. Außerdem zogen einige Isselhorster in den Sommermonaten in die Niederlande, um Gras zu mähen oder Torf zu stechen. Andere arbeiteten saisonweise als Grubenarbeiter oder Feldbrandziegler im Ruhrgebiet oder im Bergischen Land. Erst relativ spät kam es in Isselhorst zur Gründung von Industriebetrieben – ausgenommen die Kornbranntwein-Brennerei Elmendorf, die bereits 1689 gegründet wurde.
1892 wurde der Bahnhof Isselhorst/Avenwedde eingeweiht, der auf Avenwedder Gebiet liegt, jedoch vom Kirchspiel gefördert wurde und deshalb den Namenszusatz „Isselhorst“ erhielt.
Von (vermutlich) 1907 bis zur Auflösung im Jahr 1945 befand sich in Isselhorst eine Außenstelle des Strafgefangenenlager Oberems.
Im Jahr 1969 beschlossen die Gemeinderäte von Isselhorst, Ebbesloh, Hollen und Niehorst den Anschluss an die Stadt Gütersloh, während Holtkamp sich für Bielefeld entschied. Diese Zuordnung trat am 1. Januar 1970 in Kraft. Durch die Gebietsreform von 1973 wurde Isselhorst ein Teil des Kreises Gütersloh.
Einwohnerentwicklung Jahr Ew. nurIsselhorst Ew. Kirchsp.Isselhorst 1734 569 1799 866 2031 1818 1024 2198 1843 1168 2678 1858 1193 2579 1871 1079 2348 Jahr Ew. nurIsselhorst Ew. Kirchsp.Isselhorst 1885 1124 2344 1895 1201 2421 1905 1432 2667 1925 1573 2797 1939 1806 3011 1946 2517 4330 Jahr Ew. nurIsselhorst Ew. Kirchsp.Isselhorst 1950 2769 4646 1959 2729 4352 1969 3133 4793 1979 3498 4885 1989 3901 5272 1999 4386 5734 Jahr Ew. nurIsselhorst Ew. Kirchsp.Isselhorst 2009 4807 6008 2019 4950 6139 2022 4978 6129
mini|Katholische Kirche Maria Königin
Religionen Von den 4510 Einwohnern mit Hauptwohnsitz in Isselhorst (Stand Dezember 2000) sind 2519 oder 55,9 % evangelisch und 949 oder 21,0 % katholisch. 1042 oder 23,1 % gehören einer anderen oder keiner Religionsgemeinschaft an. Im Kirchspiel Isselhorst einschließlich Ebbesloh, Hollen und Niehorst sind 58,1 % evangelisch und 20,2 % katholisch, 21,7 % mit einer anderen oder ohne Religionszugehörigkeit.
Die kleine katholische Kirche Maria Königin ist eine Filialkirche der Gemeinde „Heilige Familie“ in Blankenhagen und entstand erst 1957, nachdem in der Folge des Zweiten Weltkriegs viele Katholiken nach Isselhorst gezogen waren.
Politik
Wappen
Parteien und Wahlen Der Isselhorster Ortsverein der SPD gründete sich 1910. 1933 wurde der Ortsverein von den Nationalsozialisten verboten, die Mitglieder zogen sich in ihr Privatleben zurück. Er gründete sich 1945 neu. Sie besteht seit Jahren und ist damit die älteste politische Partei des Ortes. Der CDU-Ortsverband Kirchspiel Isselhorst gründete sich 1969.
Die Wahlergebnisse der letzten Jahre, bezogen auf den Gütersloher Teil des Kirchspiels Isselhorst (also ohne Holtkamp):
Parteien und Wählergemeinschaften Bundestagswahl 2009 Landtagswahl 2012 Bundestagswahl 2013 Europawahl 2014 Kommunalwahl 2014CDUChristlich Demokratische Union 35,6 % 28,4 % 43,5 % 39,6 % 39,4 %SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands 27,5 % 38,6 % 29,1 % 29,4 % 30,9 %GrüneBündnis 90/Die Grünen 12,7 % 14,1 % 10,5 % 14,4 % 13,1 %FDPFreie Demokratische Partei 13,7 % 7,7 % 4,5 % 2,6 % 1,9 %LinkeDie Linke bzw. PDS bzw. Linkspartei.PDS 2,5 % 6,2 % 1,5 % 5,1 % 3,8 %PiratenPiratenpartei Deutschland 1,3 % 6,5 % 1,6 % 1,2 % –BfGTBürger für Gütersloh – – – – 9,6 %UWGUnabhängige Wählergemeinschaft – – – – 1,9 %Sonst.Sonstige Parteien 3,0 % 3,3 % 5,7 % 9,0 % –gesamt100 %100 %100 %100 %100 %
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|hochkant|Der Turm der evangelischen Kirche in Isselhorst mini|hochkant|Kriegerdenkmal mini|Im Feuerwehrmuseum Isselhorst mini|Denkmalgeschützte Fabrikantenvilla von 1886 gegenüber der Brennerei Elmendorf mini|Im Heimatmuseum Isselhorst
Evangelische Pfarrkirche Isselhorster Kirchplatz 16. Siehe Hauptartikel Evangelische Kirche Isselhorst.
Brennerei Elmendorf, Haller Straße 111 Nach der Schließung der Brennerei 2001 ist eine Umfunktionierung des Areals zu einem neuen Dorfzentrum mit Gastronomiebetrieben, Läden, einem Brennereimuseum und anderem mehr unter dem Namen BRENNEREI-HOF geplant. Siehe auch Hauptartikel Brennerei Elmendorf.
Meierhof und Meierhof-Mühle, Isselhorster Straße 422 Der Meierhof ist die Keimzelle des Dorfes und seit mindestens 1446 im Besitz der Familie Mumperow/Mumpro. An der Lutter stand bereits zur Zeit Karls des Großen ein fränkischer Vasallenhof, der später Haupthof des Amtes Isselhorst wurde. Die benachbarte Wassermühle wird heute als Café genutzt.
Gasthaus zur Linde, Isselhorster Kirchplatz 5 Das Fachwerktraufenhaus ist am Dielentor 1677 bezeichnet und gilt als älteste noch bestehende Gaststätte Güterslohs. 1752 wurde es umgebaut und erweitert. Es ist als „Historisches Wirtshaus in Deutschland“ ausgezeichnet. In NRW tragen noch zwei weitere Gebäude diese Auszeichnung.
So genannte Holtkämperei, An der Lutter 1 (hinter der ev. Kirche) Der Dreiständer-Fachwerkbau wurde vermutlich 1623 errichtet. Damit ist es das älteste Wohnhaus des Ortes. Das Gebäude war im November 2002, als erstes Baudenkmal aus dem Stadtgebiet Gütersloh überhaupt, Denkmal des Monats in Westfalen-Lippe. Siehe auch Hauptartikel Holtkämperei.
Kriegerdenkmal, Kreuzung Isselhorster Straße/Haller Straße/Haverkamp Das Kriegerdenkmal, ein sieben Meter hoher Obelisk aus rotem Mainsandstein, wurde 1898 zu Ehren der Isselhorster Gefallenen, Vermissten und in Gefangenschaft Verstorbenen in den deutschen Einigungskriegen errichtet. 1922 und 1962 wurden zusätzliche Bronzetafeln mit den Namen der Opfer des Ersten bzw. Zweiten Weltkriegs angebracht. 1987 wurde das Monument unter Denkmalschutz gestellt.
Isselhorster Stelen mini|Beispiel Isselhorster Stelen Viele dieser Bauwerke und Sehenswürdigkeiten werden durch die Isselhorster Stelen ausgezeichnet. Diese befinden sich an diversen Stellen im Dorf, welche auf vergangene oder momentane denkwürdige Merkmale und Bauwerke hinweisen. Die Stelen wurden vom Dorf- und Heimatverein Isselhorst (DHVI) aufgestellt und verwaltet.
Insgesamt stehen 38 Objekte aus Isselhorst auf der Liste der Baudenkmäler in Gütersloh.
Museen
Feuerwehr-Museum In den Nebenräumen des Gasthauses „Zur Linde“ befindet sich ein Feuerwehr-Museum, das eine seit 1960 bestehende Privatsammlung von Abzeichen, Helmen und Feuerwehr-Utensilien zeigt. Insgesamt umfasst die Sammlung mehrere Zehntausend Exponate. Zugleich fungiert das Museum auch als allgemeiner Trödelladen, in dem besonders gastronomische Gegenstände (z. B. Besteck, Geschirr, Kochutensilien) erworben werden können.
Fass-Museum Neben dem Feuerwehrmuseum steht das 2014 eröffnete Fass-Museum. Es zeigt das „große Elmendörfer Fass“, ein 1902 auf der Industrie- und Gewerbeausstellung Düsseldorf als „größtes Kornfass der Welt“ ausgestelltes Eichenfass. Es fasst 20.000 Liter. Zudem sind weitere Exponate aus der Geschichte der Brennerei Elmendorf zu sehen.
Heimatmuseum Als ein Kuriosum ist es zu bezeichnen, dass das im März 2006 eröffnete Heimatmuseum Isselhorst in Holtkamp und damit auf Bielefelder Gebiet liegt. Der Heimatverein hatte in Isselhorst selbst keine geeigneten Räumlichkeiten finden können. Das Heimatmuseum zeigt auf einem ehemaligen Bauernhof Gebrauchsgegenstände der Lebens- und Arbeitswelt um 1900, speziell aus den Bereichen Hauswirtschaft, Handwerk, Gartenbau, Imkerei und Landwirtschaft. Zu sehen sind u. a. eine Schuster-, eine Tischler- und eine Malerwerkstatt, eine Schneiderstube, Exponate zur Hausweberei, zur Hausschlachterei und zu einem Tante-Emma-Laden.
Eselweg mini|Wappen Eselweg Isselhorst