mini|hochkant=1.5|Historische Namensentwicklung des 1. FC Lok Leipzig und seiner Vorgänger Der 1. FC Lokomotive Leipzig, Verein für Bewegungsspiele e. V., kurz 1. FC Lok oder Lok Leipzig, ist ein Fußballverein aus dem Leipziger Stadtteil Probstheida. Der Verein wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als VfB Leipzig dreimal deutscher Fußballmeister. 1945 zwangsweise aufgelöst, wurde an gleicher Spielstätte die Traditionslinie durch den 1. FC Lokomotive Leipzig erfolgreich fortgesetzt. Der Verein galt als einer der erfolgreichsten Fußballvereine in der DDR. Mit der Umbenennung in VfB Leipzig im Jahr 1991 sollte an alte Vorkriegserfolge angeknüpft werden. Nach einem einjährigen Gastspiel in der Bundesliga-Saison 1993/94 folgte in den anschließenden Jahren der Abstieg bis in die viertklassige Oberliga Nordost. Nach der zweiten Insolvenz im Jahr 2004 meldete sich der Verein vom Spielbetrieb ab und der 2003 neu gegründete 1. FC Lokomotive Leipzig setzte die Vereinstätigkeit fort. Im Oktober 2021 fusionierte der VfB Leipzig mit dem Nachfolger 1. FC Lok Leipzig.„Festtag“: Lok Leipzig und VfB Leipzig machen Fusion perfekt

Die Mannschaft, welche oft die Loksche genannt wird, trägt ihre Heimspiele im Bruno-Plache-Stadion aus.

Geschichte 1893–1945: Vom Rekordmeister zum Pokalsieger

125px|mini|Das Logo des VfB bis 1945 Die Anfänge des VfB Am 11. November 1893 wurde von Johannes Kirmse und Albert Rößler die Sportbrüder Leipzig gegründet und etwa drei Jahre später wurde von Theodor Schöffler die Gründung des VfB Leipzig initiiert. Am 13. Mai 1896 wurde der Verein in Bodens Deutscher Trinkstube gegründet. Der VfB bestritt am 5. Juli 1896 sein erstes Spiel, welches mit 3:1 auf den Lindenauer Sportplatz gegen den Leipziger BC 1893 gewonnen werden konnte. Diese beiden Fußballvereine schlossen sich 1898 zum VfB Sportbrüder 1893 Leipzig zusammen und waren unter diesen Namen im Jahr 1900 Gründungsmitglied des Deutschen Fußball-Bundes. Bei der Gründungsversammlung im Leipziger Restaurant Zum Mariengarten wurden sie durch Johannes Kirmse vertreten. Im gleichen Jahr legte der Verein den Zusatz Sportbrüder ab und trat unter den Namen VfB Leipzig an.

Drei Meistertitel für Leipzig Von 1900 an explodierte das fußballerische Leistungsvermögen geradezu unter Führung des ehrgeizigen Trainers und Spielers Theodor Schöffler. In der Saison 1902/03 wurde der VfB erstmals innerhalb des Verbandes Leipziger Ballspiel-Vereine (VLBV) Leipziger Gaumeister. Dies qualifizierte ihn für die zum zweiten Mal durchgeführte Endrunde im Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine (VMBV). Nach einem 4:0-Endspielsieg gegen den Dresdner SC war der VfB Mitteldeutscher Meister und damit für das erstmals ausgetragene Finalturnier des DFB, die so genannten Bundesspiele, qualifiziert. Nach Siegen über Britannia 92 Berlin (3:1) und Altona 93 (6:3) stand der VfB am 31. Mai im Finale. Er gewann das Endspiel in Altona 7:2 gegen den DFC Prag. Der VfB Leipzig war damit 1903 Deutscher Meister und hielt als erster Verein in der DFB-Geschichte den Siegerpokal Victoria in den Händen.

Der VfB Leipzig gehörte nun zur absoluten Leistungsspitze im deutschen Fußball. In den zwölf Jahren bis zum Ersten Weltkrieg 1914 qualifizierte er sich immer für die spielstarke Endrunde um die mitteldeutsche Meisterschaft und neunmal für die DFB-Endrunde. Nur dreimal wurde die DFB-Endrunde verpasst: 1909 aus organisatorischen sowie 1908 und 1912 aus sportlichen Gründen. Während der acht DFB-Endrunden (1905 nahm man aus Kostengründen das Spielrecht nicht wahr) zog der VfB Leipzig selbst sechsmal ins Endspiel, wurde dort dreimal Deutscher Meister (1903, 1906 und 1913) und drei weitere Male deutscher Vizemeister (1904, 1911 und 1914).

Der VfB wird zu Mitteldeutschlands größtem Verein Während der Wiederaufbau einer ebenso wie in der Vorkriegszeit erfolgreichen Fußball-Mannschaft nicht gelang und sich sportliche Erfolge nur noch sporadisch einstellten, entwickelte sich der Gesamtverein bis 1923 mit über 3.300 Mitgliedern zum größten Verein in Mitteldeutschland. Seit 1893 wurden im Ur-Verein Sportbrüder schon Wandern, Radfahren oder leichtathletische Übungen angeboten. So holte 1905 Max Beckmann über 400 Meter die erste Deutsche Meisterschaft für den VfB. Georg Krach holte für die VfB-Leichtathleten 1917 die fünfte und letzte Goldmedaille im Kugelstoßen. Spätere Meisterschaften wurden noch im Gau oder in Mitteldeutschland gefeiert.

Die Tennisabteilung wurde 1900 gegründet. Den größten Erfolg für die VfB-Tennisabteilung feierte Annelies Ullstein, als sie 1937 und 1939 Deutsche Meisterin wurde. Die 1912 gegründete Hockey-Abteilung erreichte 1943 die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Eine Wassersportabteilung wurde 1920 ins Leben gerufen. Die Aktivitäten umfassten Schwimmen, Wasserspringen sowie Wasserball. 1923 schloss sich die VfB-Wassersportabteilung mit dem Schwimmverein Poseidon von 1900 zusammen. Die VfB-Mitgliederzahl schnellte durch die 1.200 Zugänge von Poseidon rasant nach oben. Obwohl die Schwimmer mehrere Deutsche Meistertitel feierten, wurde die Verbindung beider Vereine nach nur drei Jahren im Sommer 1926 wieder gelöst.

Viele weitere Sportarten waren Teil des Vereins für Bewegungsspiele: Ab 1922 wurde Feldhandball betrieben, ein Jahr später gesellten sich die Sportkegler und die Boxer dazu. Eine Berg- und Wintersportabteilung bereicherte den Klub ab 1924. Zu den vielfältigen Aktivitäten innerhalb des VfB gehörten ebenso Faust- und Schlagball (ab 1924) sowie seit 1896 bereits Cricket. Bei den Sächsischen Skimeisterschaften 1939 trugen sich Sportler des VfB in die Siegerlisten ein.

Ab 1922 wird der Leipziger Stadtteil Probstheida zur neuen Heimat der Bewegungsspieler und trug zur positiven Entwicklung des Gesamtvereins bei. Der Umzug ins neue VfB-Stadion 1922 brachte neue Zuschauerrekorde bei Spielen um die Leipziger Gaumeisterschaft. Noch fünfmal wurden die Fußball Leipziger Gaumeister sowie dreimal Mitteldeutscher Meister. Zu seiner Eröffnung war die Spielstätte mit einem geplanten Fassungsvermögen von 40.000 Besuchern das größte vereinseigene Stadion Deutschlands.

Erstklassigkeit und Tschammerpokal mini|Diagramm mit Platzierungen des VfB und weiteren wichtigen Leipziger Clubs in der Mitteldeutschen Meisterschaft und der Gauliga Sachsen zwischen 1901 und 1945 Als Mitteldeutscher Vizemeister 1933 qualifizierten sich die VfB-Fußballer für die Gauliga Sachsen. Das war die höchste Spielklasse im von den Nationalsozialisten 1933 eingeführten Spielsystem. Die Zeit bis 1944 war ohne Glanz, der VfB spielte meist im Mittelfeld oder gegen den Abstieg. Nur einmal sorgten die Fußballer des VfB in dieser Zeit für Aufsehen: 1936 erreichte die Mannschaft das Endspiel um den DFB- oder Tschammer-Pokal. Auf dem Weg dorthin mussten sieben Vereine besiegt werden, darunter vier amtierende Gaumeister. Wegen der Olympischen Spiele 1936 in Berlin ergaben sich Verzögerungen im Spielplan, die die Austragung des 1936er Finales erst Anfang des Jahres 1937 ermöglichten. In einem legendären Endspiel besiegte der VfB am 3. Januar 1937 den damals übermächtigen FC Schalke 04 im Olympiastadion Berlin vor 70.000 Zuschauern (davon 4.000 Fans aus Leipzig) mit 2:1.

1945–1963: Neubeginn als Betriebssportgemeinschaft

1946 gründeten unter anderem ehemalige VfB-Spieler auf ihrem alten Sportgelände die „SG Probstheida“ (siehe dazu auch Fußball in der DDR und ATV Leipzig 1845), wenig später hieß der Verein „BSG Erich Zeigner“ und „BSG Einheit Ost“. Unter letzterem Namen gelang den Probstheidaern 1953 der Aufstieg in die DDR-Oberliga. Um eine gezielte Entwicklung des Hochleistungssports zu ermöglichen, erfolgte im Jahr 1954 auf Beschluss des DTSB die Gründung von Bezirkssportclubs (SC). In diesem Zuge wurde die BSG Einheit Ost in die Fußballsektionen des Sportclubs Rotation eingegliedert.

1963–1991: Kein Meistertitel, aber Europacupfinalist

Konzentrierung der Kräfte, überraschender Abstieg und Wiederaufstieg 1963 wurden der SC Rotation und der in Leipzig-Gohlis ansässige SC Lokomotive zum SC Leipzig vereinigt, um eine Konzentrierung des Leipziger Hochleistungssports herbeizuführen. Der Plan der DDR-Funktionäre zur Leistungskonzentration ging nur bedingt auf: Der SC Leipzig belegte „nur“ den dritten Platz, Stadtrivale Chemie Leipzig hingegen gewann die Meisterschaft in der Saison 1963/64. Im selben Jahr erreichten die Klub-Fußballer zumindest das FDGB-Pokalfinale, das jedoch gegen den SC Magdeburg mit 2:3 verloren ging. Ein erneuter Funktionärsbeschluss sah ab Ende des Jahres 1965 die Bildung von eigenständigen Fußballclubs (FC) auf Basis der Sportclub-Sektionen vor, um bessere Rahmenbedingungen zur Förderung des DDR-Fußballs zu schaffen. Die Fußballsektion des SC Leipzig wurde am 20. Januar 1966 in den 1. FC Lokomotive Leipzig ausgegliedert.

Die Gründungsversammlung fand im Leipziger Hauptbahnhof statt, da der Trägerbetrieb des neuen Vereins die Deutsche Reichsbahn war. In der Saison 1967/67 wurde der 1. FC Lok Vizemeister, während Henning Frenzel mit 22 Toren Torschützenkönig der DDR-Oberliga wurde. 1966 machte der Verein auch erstmals international auf sich aufmerksam, als er im Messepokal Benfica Lissabon um Eusebio im Achtelfinale ausschalten konnte. Zwei Jahre später allerdings musste der Club als Tabellenletzter den Gang in die DDR-Liga antreten – der bis dahin erste Abstieg in der Vereinsgeschichte. Am letzten Spieltag der Saison 1969/70 kam es im Bruno-Plache-Stadion zum entscheidenden Spiel um den Aufstieg gegen Wismut Gera. Mit einem 1:0-Sieg gelang der sofortige Wiederaufstieg. Das Spiel sahen 30.000 Zuschauer, was den ewigen Rekord für die DDR-Liga bedeutet.

Erfolge im Pokal und im Europacup mini|Der 1. FC Lok holt seinen zweiten FDGB-Pokal nach 1957. Die 1970er Jahre markierten die Zeit, in der sich der Verein als Pokalmannschaft einen Namen machte, national wie international. 1970 stand er im ersten von insgesamt vier Pokalfinalen in den 1970er Jahren, das man jedoch relativ klar mit 2:4 gegen den FC Vorwärts Berlin verlor. Nach einem weiteren verlorenen Pokalfinale gegen den 1. FC Magdeburg in der Saison 1972/73 war es 1976 endlich soweit. Der 1. FCL gewann gegen den Vorwärts Frankfurt/Oder klar mit 3:0 und holte sich den zweiten FDGB-Pokal der Vereinsgeschichte. 1977 erreichte Leipzig noch einmal das Finale des FDGB-Pokals, verlor allerdings mit 2:3 gegen Dynamo Dresden. International machte die Loksche von sich reden, als sie 1974 bis ins Halbfinale des UEFA-Pokals vordringen konnte. Dabei bezwang sie Mannschaften wie den AC Turin, Wolverhampton Wanderers, Fortuna Düsseldorf und Ipswich Town, ehe sie an Tottenham Hotspur scheiterte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Vereine aus der DDR recht wenig Erfolg gegen englische Mannschaften. Allein das Aufeinandertreffen mit gleich drei englischen Vereinen und das Ausschalten zweier brachte dem 1. FC Lok ein hohes Ansehen in England ein. 80.000 Zuschauer zog es ins Zentralstadion, um die Partie gegen Fortuna Düsseldorf zu sehen. Bis dahin hatte auch noch nie ein Verein aus der DDR gegen eine Mannschaft aus der Bundesrepublik Deutschland gewonnen. In der nationalen Meisterschaft dagegen hingegen belegte Lok häufig nur einen Mittelfeldplatz. Die besten Ergebnisse waren 1972/73, 1975/76 und 1977/78 jeweils Platz 4.

In greifbarer Nähe: Meistertitel und Europacupsieg