mini|Begrüßung „Moin“ auf einem Stein in Fehndorf, Haren (Ems).

Moin kann zu jeder Tages- und Nachtzeit verwendet werdenMoin zu jeder Tageszeit; abgerufen am 11. Juli 2009. und ist ein vor allem im westlichen Norddeutschland verbreiteter Gruß.Gemäß einer Erhebung von 2011 ist der Gruß «beim Betreten eines Geschäfts am Nachmittag» verbreitet in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg vor; siehe Atlas zur deutschen Alltagssprache. Die Grußformel „Moin“ kommt ebenso im Süden Dänemarks (Nordschleswig/Süderjütland; dort üblicherweise mojn geschrieben),im Deutschen Nordschleswigs neben mojn auch Moin, im Südjütischen dort neben Mojn auch Møjn (veraltet auch: måjn) geschrieben. aber traditionell auch viel weiter südlich im moselfränkischen Dialektraum in Rheinland-Pfalz und Luxemburg (meist in der Form Moien),Moiën ist nach dem Luxemburger Wörterbuch, Band III, hrsg. von der Wörterbuchkommission der Großherzoglichen Luxemburgischen Regierung, P. Linden, Luxemburg 1965–1970 eine andere Schreibweise von Moin engelmann.uni.lu; Moien-Schreibweise ebenfalls üblich immer häufiger in Ostwestfalen, sporadisch bzw. veraltend in der Schweiz,Anna Zollinger-Escher: Die Grußformeln der deutschen Schweiz. C. A. Wagner Buchdruckerei, Freiburg i. Br. 1925.Nach der Studie Linguistic Politeness and greetings rituals in German-speaking Switzerland der Londoner Professorin Felicity Rash aus dem Jahre 2004 soll der Gebrauch von Moin in der Schweiz wieder zunehmen, insbesondere unter jungen Leuten als Gruß unter Kollegen und in E-Mails (Text) in den nordöstlichen Niederlanden (in Gebieten, in denen auch Niederdeutsch gesprochen wird u. a. als moi, moin, amoin, mojen) und im Norden Polens unter den Kaschuben (geschrieben mòjn) vorkommt.Bëlôk – czôrno na biôłim, Radio Kaszëbë, abgerufen am 11. Dezember 2024. Als Variante ist moins, moinz in den Räumen Bern und Chur hinzuzurechnen.siehe Eintrag bei muemmel.net, siehe auch Hinweis auf der Diskussionsseite zu diesem Artikel.

Abweichende Schreibweisen sind neben der auch von Kurt Tucholsky verwendeten Mojn-FormKurt Tucholsky in Der Preußenhimmel (1920) und Herrn Wendriners Jahr fängt gut an (unter Pseudonym 1926)Mojn wird in Nordschleswig auch im Deutschen (deutsche Minderheit) verwendet. zudem Meun (in den Werken Gorch Focks und im Plattdeutschen bei Georg Droste),in Ottjen Alldag 1914 (books.google.de) Moi’n (B. Sonntag, 1889), (gun) Moign bei Otto Mensing,Otto Mensing: Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch. Band 3, Wachholtz-Verlag, Neumünster, (1931) Otto ErnstOtto Ernst (Schmidt) u. a. in: A Comedy (1904) (books.google.de), Die Kunstreise nach Hümpeldorf (1905), Tartüff der Patriot (1909) hier, Die größte Sünde (1895) hier. Ludwig Frahm, der Moign auch als Abschiedsfloskel verwendetin: Minschen bi Hamborg rüm (1919) hier und später bei diversen anderen Schriftstellern.wie z. B. bei Uwe Johnson in Jahrestage

Beiderseits der deutsch-dänischen Grenze wird moin (bzw. mojn) heute in allen ansässigen Sprachen samt deren Varietäten und Dialekten verwendet.Hochdeutsch, Niederdeutsch, Dänisch (inkl. Sønderjysk, Sydslesvigdansk), Nordfriesisch, Petuh. Mittlerweile hat der Gruß vom Norden ausgehend auch in vielen anderen Teilen Deutschlands Verbreitung gefunden. Es gibt allerdings regional unterschiedliche Konventionen zur Verwendung, was etwa die Tageszeit, den formellen Aspekt oder die Verdopplung („moin moin“) betrifft.ein Beispiel für eine regionale Konvention siehe unter Alexander Foken (der Autor stammt aus Wilhelmshaven).

Spuren im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert Moin taucht 1924 im Hauskalender Ostfreesland auf. Dieser Hauskalender wird oft als erster schriftlicher Beleg für den Moin-Gruß gewertet. Schriftliche Spuren reichen aber weiter zurück, in Ostfriesland jedenfalls bis 1912.Jürgen Byl: Moin! Die lange Erklärung eines kurzen Grußes. In: Ostfriesland – Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, 1982, Heft 2, S. 32–37. Jürgen Byl: Nochmals: "Moin-moin!". Der Ostfriesengruß greift weiter um sich. In: Ostfriesland – Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, Aurich, Ostfriesische Landschaft 1989, Heft 1, S. 10–19 und Heft 3 S. 32. Wiederabgedruckt in Jürgen Byl: Sprachbetrachtungen. Diesel Verlag, Emden 1991.

In der Schreibweise Meun verwendete der Hamburg-gebürtige Schriftsteller Gorch Fock zu Beginn des 20. Jahrhunderts in mehreren seiner Werke (unter anderem in Hein Godenwind de Admirol vun Moskitonien 1911) das Grußwortunter anderem in Hein Godenwind de Admirol von Moskitonien (1911) unter anderem hier, Hamborger Janmooten (1913), Seefahrt ist not! (1913). und übersetzt den Gruß mit Guten Morgen.projekt-gutenberg.org Die Meun-Schreibweise verwendete auch der Bremer Georg Droste. Der Hamburger Otto Ernst und der Stormarner Ludwig Frahm bevorzugten in ihren Werken (Ernst unter anderem in Die größte Sünde 1895 und Die Kunstreise nach Hümpeldorf 1905; Frahm in Minschen bi Hamborg rüm 1919) die Schreibweise Moign. Arno Holz und Oskar Jerschke verwendeten Moin in ihrer tragischen Komödie Traumulus (1905)Arno Holz, Oskar Jerschke: Traumulus. Erstausgabe 1905, zitiert nach Digitale Bibliothek Band 95: Deutsche Dramen von Hans Sachs bis Arthur Schnitzler, S. 28929. und ebenfalls in Gaudeamus! (1908).erschienen bei J. Sassenbach (books.google.de) Holz und Jerschke lebten in dieser Zeit in Berlin, wohingegen Heinrich Bösking, der ebenfalls 1908 Moin in De Lüde von’n Diek benutzte, aus Bremen stammte.Joh[ann] Mich[ael] Ranke (= Heinrich Bösking), De Lüde von’n Diek. Bremen, Rolandverlag, 1908. Zum Autor: Bernhard Sowinski: Lexikon deutschsprachiger Mundartautoren. Hildesheim, Olms, 1997, S. 53. Für die Insel Helgoland ist 1909 neben den Grußformeln gu’n Morjen und gud Morjen auch Moin belegt.Karl Prause: Deutsche Grußformeln in neuhochdeutscher Zeit. Verlag M. & H. Marcus, Breslau 1930, S. 12 unter Berufung auf Theodor Siebs: Helgoland und seine Sprache. Beiträge zur Volks- und Sprachkunde, Cuxhaven/Helgoland 1909, S. 54 und 255. In den Norden Schleswig-Holsteins soll der Gruß um 1900 als Kurzgruß Morgen durch Handwerker, Händler und Wehrpflichtige aus Berlin importiert worden sein, nach Karen Margrethe Pedersen durch Handwerker, Händler und Dienstboten aus Berlin und brandenburgischen Städten.Karen Margrethe Pedersen: Mojn – moin. In: Mål & Mæle. September 1997, S. 5 målogmæle.dk (PDF).Anmerkung: Nach Werner Junge, unter Berufung auf Jürgen Byl, s. o., ist der Gruß in den Norden Schleswig-Holsteins hingegen aus Ostfriesland importiert worden., abgerufen am 11. Dezember 2024. Im nordschleswigschen Hovslund (deutsch: Haberslund), ca. 3 km nordwestlich von Hovslund Stationsby und nördlich der Stadt Rødekro (deutsch: Rothenkrug), sei der Gruß 1908 oder 1909 mit Arbeitskräften angekommen.Karen Margrethe Pedersen: Mojn – moin. In: Mål & Mæle. September 1997, S. 5 nach einem Zeitzeugenbericht (dänisch) målogmæle.dk (PDF). In der Folge soll der Gruß in Nordschleswig in den 1930er Jahren unter jungen Leuten derart beliebt gewesen sein, dass Kritiker ein Mojn-Verbot forderten, und noch in den 1960er Jahren hieß es im süddänischen Dialekt Sønderjysk: „Mojn er forbojn“ („Moin ist verboten“).

In einigen Städten und Regionen der Schweiz (Basel, Bern, Biel, Bündner Rheintal, Frauenfeld, Freiamt, Zürich) ist der Gruß Moin laut Anna Zollinger-Escher im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert vor allem unter Arbeitern, Schülern und Studenten belegt; in Zürich taucht er etwa 1875 auf.Anna Zollinger-Escher: Die Grußformeln der deutschen Schweiz. C. A. Wagner Buchdruckerei, Freiburg i. B. 1925, S. 43. Diese Grußformel verschwand in der Schweiz aber an den meisten Orten wieder; Ausnahmen sind das Moin in der Region Interlaken (Bödeli)Benedikt Horn: Dialekte rund um Thuner- und Brienzersee (PDF; 12 MB) S. 208 (PDF; 260 kB); siehe auch Einträge auf flightforum.ch und cosmiq.de und das Moi(n) in Graubünden. Der Berliner Germanist Richard Löwe beschreibt 1891 moin als „vulgärdeutsch“ und als „gewöhnlichste Form für guten Morgen“.Zeitschrift für Volkskunde 1 (1891), S. 56. Dieses klingt nicht nach einem räumlich eng begrenzten Bekanntheitsgrad des Moin-Grußes zu jener Zeit; der Gruß Moin findet dementsprechend auch in den 1880er und 1890er Jahren in etlichen Publikationen Erwähnung, wie beim Schweizer Ernst Tappolet 1895Ernst Tappolet: Die romanischen Verwandtschaftsnamen: mit besonderer Berücksichtigung der französischen und italienischen Mundarten; ein Beitrag zur vergleichenden Lexikologie. Verlag Karl J. Trübner, 1895, S. 30. (mit These einer Verkürzung von guten Morgen über gut-morn und gt-moin), bei Georg von der Gabelentz 1891Georg von der Gabelentz: Die Sprachwissenschaft. Verlag T. O. Weigel Nachfolger, 1891, S. 411. oder auch bei Hugo Ernst Mario Schuchardt 1885 (ebenfalls mit These einer Verkürzung von Guten Morgen nach G’Moin und G’Mo).Hugo Ernst Mario Schuchardt: Über die Lautgesetze: Gegen die Junggrammatiker. Oppenheim, 1885, S. 26.

1886 und 1887 griffen dänischsprachige Werke bereits Schuchardts Verkürzungsthese auf.In Nordisk tidsskrift for filologi. 1887, S. 224 (books.google.de);Kristoffer Nyrop: Adjektivernes kønsbøjning i de romanske sprog: med en indledning om lydlov og analogi. Verlag C. A. Reitzels, 1886, S. 20. 1889 schrieb B. Sonntag in der Gartenlaube: abgekürzter Gruß „guten Morgen“ deshalb, weil der Gruß „Guten Morgen“ selbst eine Verkürzung aus „Gott gebe euch einen guten Morgen“ ist. Ref: Für das an Ostfriesland angrenzende Ammerland (wo Oldenburger Platt, nicht Ostfriesisches Platt gesprochen wird) liegt ein Beleg aus dem Jahre 1888 vor, in dem Moin als Verkürzung des Guten Morgen-Grußes dargestellt wird.Wortkarg ist auch der Ammerländer in seinen Begrüßungen; statt „Guten Tag!“ sagt er nur „Dag!“ statt „Guten Morgen!“ – „Moin,“ statt „Guten Abend!“ – „’n Abend!“; Franz Poppe: Zwischen Ems und Weser: Land und Leute in Oldenburg und Ostfriesland. Schulzesche Hof-Buchhandlung und Hof-Druckerei, Oldenburg, Leipzig 1888, S. 66. Noch früher, nämlich 1828, sind Moin und Moin! – Moin! im Berliner Conversations-Blatt für Poesie, Literatur und Kritik (als Gruß unter Offizieren) zu finden.Br. v. Braunthal: Berliner Conversation, in den Akademiesälen. In: Berliner Conversations-Blatt für Poesie, Literatur und Kritik. 14. Oktober 1828 books.google.de (bei dem Verfasser könnte es sich um Karl Johann Braun von Braunthal handeln, der sich auch in Berlin aufhielt und dort seit 1829 lebte (books.google.de)) Auch in diesem Text wird Moin! mit Morgen! erklärt.

Nach diesem Stand existieren erste Belege für das Auftreten in Ostfriesland 1924, für das in Hovslund (Haberslund) und für das auf Helgoland 1909, wohl für das in Bremen 1908 (Heinrich Bösking), für das in Hamburg 1895 (Otto Ernst: Die größte Sünde), für das im Ammerland 1888, für das in Zürich um 1875 und für das Auftreten in Berlin bereits 1828.

Als war es zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts eine Grußformel in Lettland. Außerhalb des geschlossenen deutschsprachigen Raumes sind Moj’n! wie auch Moj’n! Moj’n! schon 1904 für die lettische Hauptstadt Riga als Gruß und Abschiedsgruß der damaligen deutschbaltischen Bevölkerung der Stadt belegt;Guido Eckardt: Wie man in Riga spricht. Eine Plauderei In: Baltische Monatsschrift, Bd. 58 (1904), S. 45–80, hier S. 49. Auch als Sonderdruck, 2. Aufl. Riga 1904, S. 5. aus Dorpat (Estland) wurde 1930 Moin als Ganztagesgruß gemeldet.Karl Prause: Deutsche Grußformeln in neuhochdeutscher Zeit. Verlag M. & H. Marcus, Breslau 1930, S. 14 (books.google.de)

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