Der Hafen Haifa () ist ein natürlicher Tiefwasserhafen in der israelischen Stadt Haifa, der ganzjährig von Passagier- und Frachtschiffen angefahren wird. Er ist der größte internationale Seehafen Israels vor den Häfen in Aschdod und Eilat und einer der Häfen mit dem höchsten Güterumschlag im östlichen Mittelmeer. Im Hafen gibt es mehrere Nutzungsbereiche. Neben einem militärischen Teil gibt es Terminals für verschiedene Ladungsarten und einen Passagierhafen. Betreiber des Hafens ist die staatliche Hafenbetreibergesellschaft Haifa Port. Es gibt mehrere Industrieunternehmen in Hafennähe.

Lage und Geschichte

Der Hafen liegt in der langgezogenen Bucht von Haifa. Geschichtlich ist der Hafen stark mit der Lage in der Bucht verbunden: außer an der Karmelküste bei Dor und weiter nördlich bei Achsiv konnte die Schifffahrt keine natürlichen Häfen nutzen.

Als die Kreuzfahrer um 1100 Haifa einnahmen, erlebte der Hafen der Stadt eine Blüte. Über Haifa führte die wichtigste Fernhandelsstraße Via Maris (Seeweg) nach Tiberias, zeitweise die Hauptstadt Galiläas. Unter der Herrschaft der Mamluken geriet der Hafen in Vergessenheit, wie der nahe gelegene Hafen Akkon, da die Mamluken diese Stadt und all ihre Anlagen schleiften und die Bevölkerung, soweit sie die Eroberung überlebten, versklavten und vertrieben. Erst in osmanischer Zeit als Fischer- und Nothafen erlebte Akkon wieder eine Funktion und blühte unter Ẓahir al-ʿUmar az-Zaidani, ein der Hohen Pforte suspekter autonomistischer Regionalpotentat, für 90 Jahre zwischen 1730 und 1820.

Der südliche und östliche Einzugsbereich der Bucht von Haifa war lange dünn besiedelt, weil ausgedehnte Sümpfe eine wirtschaftliche Nutzung und die Besiedlung stark erschwerten. Das Gebiet galt als Rückzugsraum für Freibeuter. Dies endete 1761, als al-ʿUmar az-Zaidani Haifa um 3,5 km an einen neuen, besseren Ankerplatz der Bucht verlegen ließ. Neben der seinerzeitigen regionalen Hauptstadt Akkon, das an Untiefen seines natürlichen Hafens in seinem Teil der Bucht litt, etablierte das neue Haifa sich als Wettbewerber, wobei zunächst eine Kartellabsprache beiden Städten einen Anteil des Frachtaufkommens sicherte. Anfangs wurde ab Haifa als einzige Exportware Getreide aus der Jesreelebene verschifft. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachen Haifas Kaufleute die frühere Absprache und boten die Verschiffung von Agrarprodukten aus der Jesreelebene günstiger an als ihre akkonische Konkurrenz, da bis Haifa weniger Kosten im Landtransport anfallen, als bis nach Akkon.

Haifa aber blieb Teil des zunächst von Akkon aus verwalteten Machtbereichs al-ʿUmar al-Zaidanis, ehemals als Scheich von Akko und ganz Galiläa betitelt, und schließlich – nach dem neuen Verwaltungssitz – Eyâlet Sidon genannten osmanisch-libanesischen Verwaltungsbezirks, der 1888 ans osmanische neue Vilâyet Beirut (osmanischer Libanon) kam. Der Hafen Beirut übernahm die Führung, doch ab den 1860er Jahren wurde Haifa langsam wichtigster Umschlagsort im südlichen Küstenabschnitt des Libanons.

Der Hafen von Akko versandete zunehmend und für Schiffe mit viel Tiefgang war es ab dem beginnenden 20. Jahrhundert nicht mehr möglich, ihn anzulaufen. Für die Palästinareise Kaiser Wilhelms II. im Oktober/November 1898, einziger Staatsbesuch eines ausländischen Staatsoberhaupts im Heiligen Land in der Zeit der osmanischen Herrschaft in der Levante (1516–1918), wurde entschieden, dass der Kaiser und seine Entourage statt in Jaffa in Haifa an Land gehen sollten, da der Hafen dort auch bei oktobertypischer unruhiger See eine sichere Landung ermöglichte.Alex Carmel (), Die Siedlungen der württembergischen Templer in Palästina (1868–1918), [התיישבות הגרמנים בארץ ישראל בשלהי השלטון הטורקי: בעיותיה המדיניות, המקומיות והבינלאומיות, Jerusalem: o. V., 5730 / 1970; dt.], Stuttgart: Kohlhammer, 32000 (11973), (=Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg; Reihe B, Forschungen; Bd. 77), S. 160. ISBN 3-17-016788-X. In Vorbereitung darauf beauftragte die osmanische Obrigkeit Gottlieb Schumacher, Bezirksingenieur des Sandschaks Akka, eine Pier (auf genannt, auf ) von 85 Metern Länge und acht Metern Breite zu errichten, die Wilhelm II. trotz seinem lahmen linken Arm ohne fremde Hilfe besteigen könnte. Theodor Herzl, Begründer des politischen Zionismus, der 1898 ebenfalls anreiste, um Wilhelm II. mehrfach zu treffen, für beide übrigens die einzige Reise ins Heilige Land, und in Sachen einer jüdischen nationalen Heimstatt im Heiligen Land zu sprechen, beschrieb 1902 in seinem Roman Altneuland die künftige Stadt Haifa und ihren Hafen.

In mehreren Anläufen entstand ab 1892 die Bahnstrecke Haifa–Darʿā (Jesreeltalbahn), die am 15. Oktober 1905 erstmals ein Zug durchgehend befuhr. In Haifa hatte die Strecke einen eigenen Hafenanleger, wo Bahnfahrzeuge, Schwellen, Schienen und weitere Erzeugnisse westlicher Industrieproduktion gelöscht werden konnten. Die Bahn erschloss den Hauran, eine Kornkammer Osmanisch-Syriens, und beschleunigte und verbilligte den Getreidetransport ans Mittelmeer, indem sie die Kornkarawanen auf dem Darb al-Hawarnah erübrigte. Der Betrieb entfaltete für Haifa seine wirtschaftlich belebende Wirkung, denn obwohl die Strecke mit 160,9 Kilometern bis Darʿa und insgesamt 286 Kilometern bis Damaskus doppelt so lang war wie die Libanonbahn mit 143 Kilometern, war sie doch leistungsfähiger und bot niedrigere Fahrtarife, da sie ohne zeitraubende Zahnstangenetappen und Spitzkehren auskam und durch Spenden und Zwangsabgaben und nicht durch verzinsliche Kredite finanziert war.Alex Carmel (), Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516–1918, Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, Seite wie hinter der Fußnotenzahl angezeigt. ISBN 3-447-01636-1.

Der osmanische Versuch im Ersten Weltkrieg auf Seiten der Mittelmächte, den Suezkanal zu blockieren, um so die Verbindungen zwischen den Teilen des Britischen Imperiums auf weite Umwege zu zwingen und im Falle eines Sieges das bis 1882 osmanische Chedivat Ägypten dem britischen Einfluss wieder zu entreißen, endete schließlich mit der Niederlage und Auflösung des Osmanischen Reiches. Im Ersten Weltkrieg kam dem Hafen Haifa keine Bedeutung zu, da die überlegene britische Royal Navy ihn blockierte. Logistisches Rückgrat für den Nachschub war daher die Jesreeltalbahn, der aber aus dem Hinterland über Afula an die Palästinafront gelangte, nicht aber den blockierten Hafen. Bei Neugliederung der Levante durch die siegreichen Mächte der Triple Entente kamen Haifa und sein Hinterland 1918 vom osmanischen Libanon an die britische Besatzungszone osmanischen Territoriums namens Occupied Enemy Territory Administration South, die die verbliebenen Siegermächte der Entente auf ihrer Konferenz von Sanremo dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland zusprachen, was der Völkerbund bestätigte, indem er für die Besatzungszone OETA South den Briten 1922 das Völkerbundsmandat für Palästina übertrug.

Im Kriege hatten die Britischen Militärbahnen in Palästina (Palestine Military Railways; PMR) den Bahnbetrieb im Lande übernommen, die ihre Stammstrecke, die normalspurige Sinai-Bahn über Lod hinaus verlängerten und 1920 Haifa und dessen Hafen erreichten. Am 1. Oktober 1920 übernahmen die Palestine Railways den Bahnbetrieb. Ab dieser Zeit wurde der Hafen Haifa auf britisches Betreiben ausgebaut, zunächst vor allem als Marinehafen für die Royal Navy gedacht wurde ein Hafenbecken angelegt, das vertieft und durch zwei Wellenbrecher geschützt wurde. Nach seinen Untersuchungen 1923 erarbeitete Frederick Palmer (1862–1934), seit 1909 Hauptingenieur der Port of London Authority, den Plan „Report of the Provision of Harbour Facilities in Palestine“ zum Ausbau des Hafens Haifa, den das Government of Palestine 1927 annahm.NN, "Government Engineer Arrives to Supervise Haifa Harbor Works" (23. Januar 1928), in: Jewish Telegraphic Agency; abgerufen am 10. September 2025.

mini|Blick über den Zentral­bahn­hof mit Hafenschuppen und Geschäftsviertel auf bis 1933 durch Aufschüttung vorm Mee­res­ufer gewonnenem Gelände Palmer führte ab 1928 die Bauaufsicht über die Hafenarbeiten gemäß seinem Plan. Dabei wurden Teile der Bucht von Haifa, die der Altstadt Haifas vorgelagert waren, aufgeschüttet, wodurch auf anderthalb Kilometern Länge neue Fläche von 120 bis 350 Meter Breite gewonnen wurde, worin auch die Pier von 1898 verschwand. Die Landgewinnung erbrachte ein Gelände von 340 metrischer Dunam Größe. Diese neue Fläche wurde für die Erweiterungen von Stadt und Hafen geteilt, indem die Hauptbahn Haifa–Lod (heute Naharija–Beʾer Scheva) von der alten Uferlinie in die Mitte des neugewonnenen Landstreifens verlegt wurde. Entlang der alten Uferlinie direkt vor der Altstadt Haifas entstand die neue Hauptstraße Sderot haʿAtzmaʾut (, ; seinerzeit King’s Way) und daran nordöstlich bis an die neue Bahntrasse anschließend zwei bis drei Blocks des neuen Geschäftsviertels Haifas inklusive des neuen Zentralbahnhofs Haifa – haSchmonah von 1937. Jenseits der Bahn zur neuen Wasserkante fanden Gleisanlagen und Lagerhäuser des Hafens Platz. Die Wasserkante ist seither soweit vorgeschoben, dass an den neuen Kaianlagen die Wassertiefe auch für moderne Schiffe ausreicht. Für den Bau hatte das Government of Palestine eine Anleihe im Gegenwert von einer Million US-Dollar aufgenommen.

mini|Britische Marinesoldaten tragen den bekränzten Sarg Faisals I. von Bord, 1933 Noch vor Eröffnung der Hafenerweiterung landete eine prominente Fracht an. Von Genua kommend, an Bord die sterblichen Überreste des in Bern verstorbenen irakischen Königs Faisal I.,« De Suisse à Bagdad: Le roi Fayçal est mort à Berne », in: Feuille d’Avis de Neuchâtel, 9. September 1933, S. 1 legte die HMS Despatch von 1922 am 14. September 1933 in Haifa an. Faisal I. wurde für seinen arabischen Freiheitskampf gegen die Osmanen, von der französischen Mandatsmacht 1920 aus Syrien vertrieben, dann im Exil in Haifa lebend, und für seine Karriere ab 1921 als König eines arabischen Landes (Irak) verehrt. Ein Trauerzug tausender Haifaner begleitete den Sarg bis zum Flugplatz, von wo ein Flugzeug den Sarg nach Bagdad überführte.

Am 31. Oktober 1933 weihte Arthur Grenfell Wauchope, damals britischer Hochkommissar für Palästina, den Hafen offiziell ein. Eine neue Zufahrtsstraße zum Hafen auf dem neugewonnenen Gelände wurde 1934 nach dem jüngst verstorbenen Ingenieur als Rechov Schaʿar Palmer (, seinerzeit Palmer Gate) benannt. Zudem wurde ab 1934 eine Rohölleitung der Iraq Petroleum Company von Kirkuk nach Haifa gebaut. Von 1936 bis 1939 wurde eine Erdölraffinerie erbaut, gespeist von der Pipeline, und ein Ölverschiffungsterminal.

Im Jahre 1936 hatte Haifa bereits 100.000 Einwohner. Der Hafen war eine wichtige Bedingung für die florierende Entwicklung der Stadt Haifa, war wichtigster End- und Ausgangspunkt des Schienengüterverkehrs der Palestine Railways und ist dies, an der Hauptbahn Naharija–Beʾer Scheva gelegen, für deren Nachfolgerin die Rakkevet Jisraʾel. Die Kriegskonjunktur ab dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 befeuerte die moderne Industrie Palästinas. Am 15. und 24. Juli sowie am 21. September 1940 bombardierten auf der italienischen Ägäis-Insel Rhodos stationierte italienische Flugzeuge den Hafen Haifa und die großen Erdölraffinerien. Bei den Angriffen starben am 24. Juli 50 und am 21. September 39 Menschen. Der Hafen entwickelte sich weiter zum wichtigsten Anlandungsort für Tausende von Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Palästina bzw. ab Mai 1948 nach Israel migrierten. (englisch), abgerufen am 9. Juli 2017.