mini|Grab von Sigfrid und Anna Berliner in Hannover

Siegfried Berlinero.V.: Berliner, Siegfried in der Datenbank Niedersächsische Personen (Neueingabe erforderlich) der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek in der Version vom 19. November 2010, zuletzt abgerufen am 7. März 2017 (auch: Sigfrid oder Sigfried Berliner;Vergleiche die Angaben unter der GND-Nummer der Deutschen Nationalbibliothek geboren 15. Februar 1884 in Hannover; gestorben 16. Oktober 1961 in Forest Grove, Oregon)Vergleiche die Inschriften auf dem Grabstein von Anna und Sigfrid Berliner war ein deutscher Physiker, Dozent und Hochschullehrer.

Leben Siegfried Berliner wurde in der Gründerzeit des Deutschen Kaiserreichs als Sohn des jüdischen Handelsschuldirektors Manfred Berliner (1853–1931) geboren. Er war ein Bruder von Cora Berliner und ein Neffe von Jacob Berliner, dem Gründer der Deutschen Grammophon Emil Berliner und Joseph Berliner.

Nach dem Abitur am damaligen Realgymnasium, der heutigen Tellkampfschule in Hannover, studierte Berliner an der Universität Leipzig Mathematik, Physik und Nationalökonomie. Dort wurde er Mitglied der (schlagenden) paritätischen Studentenverbindung Alsatia im Burschenbunds-Convent.Kurt Naumann: Verzeichnis der Mitglieder des Altherrenverbandes des BC München e. V. und aller anderen ehemaligen BCer sowie der Alten Herren des Wiener SC. Saarbrücken, Weihnachten 1962. Er wechselte an die Georg-August-Universität Göttingen und in die Vereinigten Staaten. 1905 wurde er bei Eduard Riecke mit der Dissertation Über das Verhalten des Gusseisens bei langsamen Belastungswechseln promoviert. 1906/07 diente er in Hannover als Einjährig-Freiwilliger im 1. Hannoverschen Infanterie-Regiment Nr. 74.Hans K. Rode: Berliner, Siegfried & Anna ベルリナー・シグフリドとアンア(1884–1961)、Hochschullehrer 大学教授 auf der Seite das-japanische-gedaechtnis.de, zuletzt abgerufen am 7. März 2017

Am 25. September 1910 heiratete Berliner die in Halberstadt geborene Anna geb. Meyer (1889–1977).Detlef Kantowsky: „Der Teekult in Japan“. Eine Erinnerung an das grundlegende Werk von Anna Berliner (PDF-Dokument). In: Internationales Asienforum, Vol. 40 (2009), No. 1–2, pp. 159–168 Nach Tätigkeiten als Lehrer an verschiedenen Handelshochschulen wurde Berliner 1912 zum Professor für Betriebswirtschaftslehre an die Universität Tokio berufen. Nach Bekanntwerden des Beginns des Ersten Weltkrieges reiste Siegried Berliner gemeinsam mit 118 anderen Reservisten und Kriegsfreiwilligen von Japan nach Tsingtao in die deutsche Kolonie Kiautschou in China als Vizefeldwebel der Landwehr I in der 7. Kompanie des III. Seebataillons in Tsingtau und Führer eines Scheinwerfers beim Infanterie-Werk II. Nach drei Monaten geriet er dort in Kriegsgefangenschaft durch die Japaner und wurde in das Lager in Marugame auf der Insel Shikoku verbracht. Dort musste er fünf Jahre verbringen.

Zeitweilig arbeitete Berliner als Lehrbeauftragter an der Handelshochschule Leipzig. Er gründete die Deutsche Lloyd Lebensversicherung und leitete sie als Direktor bis 1937. Unterdessen war er 1933 durch die NSDAP seines Lehrauftrages an der Hochschule in Leipzig entbunden worden. Im Jahr der Novemberpogrome 1938 konnte er in die USA emigrieren. Seine jüngste Schwester Cora wurde jedoch eines von Millionen Opfern des Holocaust. Berliners Asche wurde nach Hannover überführt und auf dem Jüdischen Friedhof An der Strangriede beigesetzt.

Durch einstimmigen Beschluss des Senates der Universität Göttingen vom 27. Oktober 2004 wurde Siegfried Berliner und anderen Göttinger Hochschullehrern der in der Zeit des Nationalsozialismus aberkannte Doktortitel wieder zuerkannt.Senatsbeschluß zur Entziehung von Doktortiteln während der NS-Zeit / 27. Oktober 2004 (einstimmig) auf der Seite uni-goettingen.de, zuletzt abgerufen am 7. März 2017

Schriften Siegfried Berliner veröffentlichte zahlreiche Artikel für verschiedene Zeitschriften, darunter in der Zeitschrift für Betriebswirtschaft, die Zeitschrift für Handelswissenschaft und Handelspraxis sowie die Zeitschrift für Handelswissenschaftliche Forschung, außerdem für das Weltwirtschaftliche Archiv, das Handwörterbuch der Betriebswirtschaft sowie für zahlreiche japanische Zeitschriften. Außerdem publizierte er Siegfried Berliner: Renten und Anleihen, Leipzig: C. E. Poeschel Verlag, 1912 Politische Arithmetik – Versicherungsrechnung für Nicht-Mathematiker, C.E. Poeschel Verlag, Leipzig 1912 in der Reihe Weltwirtschaftliche Abhandlungen, anfangs von der Hahnschen Buchhandlung herausgegeben, von 1925 bis 1933 durch den C. E. Poeschel Verlag: Bd. 1: Organisation und Betrieb des japanischen Importhandels, von Dr. S. Berliner, vor dem Kriege Professor der Handelstechnik an der Kaiserlichen Universität zu Tokyo, Hannover: Hahnsche Buchhandlung (sowie C. E. Poeschel Verlag), 1920 Bd. 2.: Organisation und Betrieb des Importgeschäftes in China (1920) Bd. 3: Siegfried Berliner, Kurt Meißner: Die Entwicklung der japanischen Eisenbahnindustrie während des Krieges (1920) Bd. 4: Organisation und Betrieb des Exportgeschäftes in China (1920) Bd. 6: Organisation des Indigohandels im Lande Awa (1924) Bd. 8: Der Erdnusshandel in Shantung (1926) Sigfrid Berliner: Das Geld als Kapital. Tomosaburo Kishimoto, japanisches Bankwesen (Reprint der Ausgabe aus Stuttgart, Poeschel, 1924), Heft 1, Zürich: Danowski, [circa 1998], ISBN 83-7218-328-7 Tomosaburo Kushimoto, S. Berliner: Japanisches Bankwesen. Das Geld als Kapital, 1. Auflage, Zürich: Literatur-Agentur Danowski, 2007

Literatur Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. München : Saur, 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 94 Axel Kümmel: Berliner, Siegfried. In: Harald Hagemann, Claus-Dieter Krohn (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Emigration nach 1933. Band 1: Adler–Lehmann. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11284-X, S. 45–46. Peter Mantel: Betriebswirtschaftslehre und Nationalsozialismus: Eine institutionen- und personengeschichtliche Studie. Wiesbaden: Gabler, 2010, ISBN 978-3-8349-8515-6, S. 658–662 Berliner, Siegfried, in: Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. München : Saur, 1988, ISBN 3-598-10477-4, S. 30

Weblinks

Hans K. Rode: Berliner, Siegfried & Anna ベルリナー・シグフリドとアンア(1884 – 1961)、Hochschullehrer 大学教授 auf der Seite das-japanische-gedaechtnis.de

Siehe auch Geschichte der Juden in Hannover

Einzelnachweise

Kategorie:Ökonom (20. Jahrhundert) Kategorie:Korporierter im Burschenbunds-Convent Kategorie:Hochschullehrer (Howard University) Kategorie:Sachbuchautor Kategorie:Person des Judentums (Hannover) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Tokio) Kategorie:Person (Pachtgebiet Kiautschou) Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Marineinfanterist (Kaiserliche Marine) Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Japan) Kategorie:Person (Qingdao) Kategorie:Deutscher Kriegsgefangener des Japanischen Kaiserreichs Kategorie:Person (Leipzig) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Deutscher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1961 Kategorie:Mann