mini|250x250px|Antje von Dewitz beim Klimastreik 2021 Antje von Dewitz (* 18. September 1972 in Ebingen) ist eine deutsche Unternehmerin. Sie ist seit 2009 Geschäftsführerin der familieneigenen Outdoormarke Vaude.Öffentlich zugänglicher Abschnitt im Munzinger-Archiv, 50/2016, 13. Dezember 2016, abgerufen am 6. März 2017
Leben und Karriere Antje von Dewitz wuchs in Untereisenbach bei Tettnang auf. Sie ist die mittlere der drei Töchter von Albrecht von Dewitz, der 1974 das Familienunternehmen Vaude gegründet hat,Lisa Nienhaus: Vaude-Chefin Antje von Dewitz: Die Wandersfrau, FAS, 23. August 2011, abgerufen am 6. März 2017 dessen Umsatz sich im Jahr 2023 auf 141 Mio. Euro belief.
Im Alter von siebzehn Jahren verbrachte Antje von Dewitz ein Schuljahr in der Stadt Chattanooga im US-amerikanischen Bundesstaat Tennessee.Antje von Dewitz: Mut steht uns gut! Nachhaltig, menschlich, fair – mit Haltung zum Erfolg, Salzburg und München 2020, S. 31.
Von Dewitz studierte an der Universität Passau Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien, im Jahr 1998 schloss sie mit dem Diplom ab.Georg Hohenester: Powerfrau vom Bodensee, DAV Panorama, 4/2011 (PDF, ca. 637 kB), abgerufen am 6. März 2017. Von 2002 bis 2005 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hohenheim angestellt, wo sie eine Dissertation mit dem Titel Die Gestaltung eines leistungsstarken Arbeitsverhältnisses durch ‚Talent Relationship Management‘ anfertigte. 2005 wurde sie zur Dr. oec. promoviert.
Von Dewitz wollte eigentlich eher im Bereich Umweltschutz tätig werden und hatte zunächst nicht geplant, in das Unternehmen ihres Vaters einzusteigen. Als sie ab 1998 erstmals bei Vaude beschäftigt war, baute sie den Bereich „Taschen und Reisegepäck“ auf. Von 2000 bis 2002 war sie für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, 2005 übernahm sie die gesamte Marketingleitung. Im Jahr 2009 übergab Albrecht von Dewitz ihr die Geschäftsführung.
Von Dewitz richtet seitdem immer mehr Prozesse im Unternehmen an Kriterien der Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit aus. Dies solle möglichst auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette geschehen, d. h. auch in der Logistik der Produkte und bei Zulieferbetrieben im Ausland.Kristin Lüders, Dominic Veken: Gegen den Wind. Interview mit Antje v. Dewitz In: Enorm, 05/2016, S. 43f. Unter ihrer Leitung wurden der Einsatz von Recycling- und Naturmaterialien sowie die Orientierung an Umwelt- und Sozialkriterien ausgebaut. Am Unternehmensstandort Tettnang wird dadurch seit 2012 klimaneutral produziert.
Von Dewitz wurde von der Fraktion der Grünen des Baden-Württemberger Landtages in die 16. Bundesversammlung entsandt, um im Februar 2017 den Bundespräsidenten zu wählen.
Von Dewitz veröffentlicht regelmäßig Meinungsbeiträge, unter anderem in Zeitschriften wie dem Manager Magazin. 2020 veröffentlichte von Dewitz das Buch Mut steht uns gut!.
Antje von Dewitz lebt mit ihrem Partner und den vier gemeinsamen Kindern in Tettnang.Dagmar Deckstein: , Character 1, August 2013, S. 6–15 (PDF, ca. 3,4 MB), Bethmann Bank, abgerufen am 7. November 2023. Im Juni 2025 gab sie ihre Hochzeit nach 28 Jahren Beziehung bekannt.
Wirtschaftspolitische Positionen Lieferkettengesetz Von Dewitz spricht sich für verbindliche gesetzliche Regelungen zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards in Lieferketten aus. 2020 setzte sich von Dewitz aktiv für die Verabschiedung des deutschen Lieferkettengesetzes und 2024 des EU-Lieferkettengesetzes ein. Sie arbeitete dafür mit politischen Amtsträgern zusammen, z. B. mit Gerd Müller (CSU), dem damaligen Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Laut Von Dewitz gehe das Gesetz in bestimmten Punkten nicht weit genug, z. B. weil es erst für Unternehmen ab 3000 bzw. seit 2024 1000 Mitarbeiter gelte und damit nur einen kleinen Teil der Unternehmen betreffe. Ende 2025 äußerte von Dewitz Kritik an den geplanten Änderungen der EU-Richtlinie über unternehmerische Sorgfaltspflichten (CSDDD). Diese würden zentrale Nachhaltigkeitsprinzipien abschwächen und ein negatives Signal senden, da Unternehmen benachteiligt würden, die frühzeitig entsprechende Maßnahmen umgesetzt hätten, während bislang untätige Akteure begünstigt würden.Thorsten Stark: Unbeliebtes Lieferkettengesetz. In: Bayerische Staatszeitung. 28. November 2025, S. 2.
Gemeinwohl-Ökonomie Von Dewitz setzt sich als Botschafterin dafür ein, dass die Leitlinien der Gemeinwohl-Ökonomie stärker beachtet werden. Sie kritisiert, dass in der Wirtschaft zu sehr auf Finanzkennzahlen geachtet würde. Gemeinsam mit Christian Felber erreichte sie, dass sich der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss 2015 für das Gemeinwohl-Ökonomie-Modell aussprach und dafür plädiert, dass dieses „sowohl in den europäischen als auch in die einzelstaatlichen Rechtsrahmen integriert werden“ sollte.
Textilproduktion Von Dewitz engagiert sich in branchenweiten Initiativen zur Verbesserung von Umwelt- und Sozialstandards in der Textilproduktion und ist Gründungsmitglied des Bündnis für nachhaltige Textilien. Zudem wirkte von Dewitz an der Entwicklung des staatlichen Textilsiegels Grüner Knopf mit, das 2019 eingeführt wurde und soziale sowie ökologische Mindeststandards in der Textilproduktion kennzeichnet. In diesem Zusammenhang nahm sie 2020 an einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung mit dem damaligen Bundesentwicklungsminister Gerd Müller teil.
2022 nahm von Dewitz an einem Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung im Deutschen Bundestag teil. Dort sprach sie über Möglichkeiten und Herausforderungen einer umweltfreundlichen und sozialverträglichen Textilproduktion.
Klimapolitik 2025 kritisierte von Dewitz eine Aussage des Bundeskanzlers Friedrich Merz, der Zweifel an der Wirksamkeit nationaler Klimaschutzmaßnahmen geäußert hatte. Von Dewitz widersprach dieser Einschätzung und betonte, dass auch einzelne Länder einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnten. Sie sprach sich dafür aus, dass Deutschland eine aktive Rolle übernimmt und als Vorbild handelt.
Engagement für Demokratie In einer Kolumne im Manager Magazin aus dem Jahr 2024 schrieb sie, dass demokratische Prinzipien auch im Arbeitsalltag von Unternehmen eine Rolle spielen sollten. Sie sprach sich für weniger hierarchische Strukturen, mehr Transparenz und eine stärkere Mitgestaltung der Mitarbeitenden aus. Zudem äußerte sie sich kritisch zu politischen Entwicklungen und betonte die Bedeutung demokratischer Strukturen für Wirtschaft und Gesellschaft.
Sie beteiligt sich außerdem an öffentlichen Veranstaltungen. So trat sie 2024 als Rednerin bei einer Demonstration für Demokratie und gegen Extremismus in Tettnang auf.
Initiative Bleiberecht durch Arbeit und Einwanderungsgesetz Anfang 2018 gründete Antje von Dewitz gemeinsam mit dem Brauunternehmer Gottfried Härle die Unternehmer-Initiative Bleiberecht durch Arbeit mit einem festen Arbeits- oder Ausbildungsplatz, der sich über 150 Betriebe und Verbände aus Baden-Württemberg anschlossen. Die Unternehmer-Initiative fordert ein Bleiberecht für Flüchtlinge, sofern die einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz nachweisen können. Am 19. April 2018 wurde die Initiative vom baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl empfangen. Dabei sprach sich Antje von Dewitz für die rasche Einführung eines Zuwanderungsgesetzes aus, da Unternehmen wie Vaude in bestimmten Bereichen mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen hätten, der durch Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften gedeckt werden könnte.Unternehmer-Initiative: Bleiberecht für Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit gefordert, in: , S. 6, IHK Ulm (PDF, ca. 6,8 MB).
Ämter und Funktionen (Auswahl)
Ehemalig Mitglied im Projektbeirat von Naturkapital Deutschland, einem Projekt des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Mitglied im Vorstand der European Outdoor Group Kuratoriumsmitglied der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Mitglied des Mittelstandsbeirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Aktiv seit 2017: Stiftungsratsvorsitzende der Albrecht von Dewitz Stiftung seit 2021: Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes nachhaltige Wirtschaft
Auszeichnungen (Auswahl) 2011: Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-WürttembergLeonie Müller: Antje von Dewitz, Ausstellungstafel, Erinnerungen und Geschichten von Menschen aus den 90er, Ausstellung Jungsein im Land, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (PDF; 325 kB). 2012: B.A.U.M.-Umweltpreis 2017: Hall of Fame der Familienunternehmen der Zeitung HandelsblattMartin-Werner Buchenau, Joachim Hofer: Antje von Dewitz: Die Gipfel-Stürmerin, Handelsblatt, 11. Januar 2017, abgerufen am 7. November 2023. 2017: Verdienstorden des Landes Baden-WürttembergKurzvitae der Ordensprätendenten, Staatsministerium Baden-Württemberg, 6. Mai 2017, S. 2 (PDF; 130 kB). 2018: Brand Manager of the Year, German Brand Award 2019: Trigos-EhrenpreisUnternehmerin Antje von Dewitz: Die nachhaltige Gipfelstürmerin. In: Der Standard, 31. Mai 2019, abgerufen am 31. Mai 2019. 2019: Veuve Clicquot Business Woman of the Year (Nominierung) 2020: Vanity Fair Changing Your Mind Award 2021: Chief Marketing Officer of the Year, „CMO of the Year“ Council 2021: Role Model Award der Bildungsplattform StartUpTeens, Kategorie: Familienunternehmen 2021: Wirtschaftspreis Entrepreneur Of The Year von Ernst & Young, Kategorie: Nachhaltigkeit 2021: GEM-Award, verliehen durch die Gesellschaft zur Erforschung des Markenwesens für ein „neues, zukunftsträchtiges Verständnis von Marke und Unternehmensführung“ 2023: Female Allstar Board in der Kategorie „Chief Executive Officer“ 2024: Bundesverdienstkreuz am Bande 2026: Goldene Blume von Rheydt 2026: Transformation Leader Award, ESG Transformation Awards 2026: K5 Köpfe Award in der Kategorie „Sustainability & Impact“
Veröffentlichungen und Gastbeiträge (Auswahl) Nachhaltigkeit funktioniert nicht als Top-down-Projekt. In: Initiative Verantwortung. Ausgabe 1, 2026. Warum es Zeit für eine Kreislaufwirtschaft in der Textilbranche ist. In: Manager Magazin. 4. Juli 2023. Jetzt handeln – für unsere Zukunft und unsere Kinder. In: Forbes. 28. April 2022. Wertschöpfung durch Verantwortung und Haltung, in: Alexander Herzner und René Schmidpeter (Hg.): CSR in Süddeutschland. Unternehmerischer Erfolg und Nachhaltigkeit im Einklang, Wiesbaden 2022, S. 243–253. Mut steht uns gut! Nachhaltig, menschlich, fair – mit Haltung zum Erfolg, Benevento, Salzburg-München 2020, ISBN 978-3-7109-0072-3. Die Gestaltung eines leistungsstarken Arbeitsverhältnisses durch „Talent Relationship Management“. Ein praxisorientiertes Konzept für mittelständische Unternehmen. Dissertation Universität Hohenheim, 426 Seiten, Shaker Verlag, Aachen 2006, ISBN 978-3-8322-5048-5.
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmer (Baden-Württemberg) Kategorie:Textilunternehmer (21. Jahrhundert) Kategorie:Industrieller Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg Kategorie:Träger der Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Person (Tettnang) Kategorie:Absolvent der Universität Passau Antje Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1972 Kategorie:Frau