mini|hochkant|Theodor Arldt, 1927 Theodor Karl Hermann Arldt (* 20. Januar 1878 in Leipzig; † 11. November 1960 in Arnsdorf) war ein deutscher Naturwissenschaftler (Geografie, Paläogeographie, Biogeografie), Gymnasiallehrer und Lokalhistoriker.
Leben Theodor Arldt wurde am 20. Januar 1878 in Leipzig als Sohn des Glasermeisters Wilhelm Arldt geboren. In Freiberg besuchte er das Gymnasium und bekam hier Anregungen für seinen späteren Beruf. Von 1897 bis 1901 studierte er an der Universität Leipzig. Bereits 1901 promovierte er hier zum Dr. phil.
Nach einem Jahr als Hilfslehrer in Meerane kam Arldt im März 1902 nach Radeberg als Lehrer für Naturwissenschaften und Mathematik an die „Städtische Höhere Knabenschule“, die 1904 zum Realprogymnasium und 1925 zum Realgymnasium mit Realschule erhoben wurde.Peter Schmutzler: Die Entwicklung einer höheren Schulbildung in Radeberg. In: Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte. Band 10, 2012. Hrsg. Große Kreisstadt Radeberg, S. 117–122. Der gesamte mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht an dieser Schule lag zunehmend, maßgeblich und richtungsweisend in seiner Hand. Er war als „Ständiger wissenschaftlicher Lehrer“ eingestellt und hatte 1907 den Titel Oberlehrer. 1917 ist Arldt zum Professor ernannt worden. 1927/1928, inzwischen Studiendirektor geworden, bewarb er sich um den Lehrstuhl für Geologie und Paläontologie an der Universität Greifswald, der durch den Weggang des Gründers der Paläontologischen Gesellschaft, Otto Jaekel, freigeworden war. Arldt wurde jedoch nicht eingestellt und blieb in Radeberg. Bis zu seiner Entlassung aus dem Schuldienst 1945/46 war er Konrektor des Radeberger Realgymnasiums und unterrichtete vor allem Mathematik, Physik, Chemie und Erdkunde.
Seine für die damalige Zeit neuen und modernen Auffassungen über die Einbeziehung der „Weltpolitik im Unterricht“ publizierte er in der Serie „Weltpolitische Bücherei“Weltpolitische Bücherei: Grundlegende Reihe, Hrsg. Adolf Grabowsky. im Rahmen seiner Arbeit als Mitglied der „Standesvereinigung der Höheren Lehrer“, in der er für die Lehrplanarbeit zuständig war.
mini|Familiengrabmal Theodor Arldt auf dem Friedhof Radeberg Ab 1914 war Arldt im Rahmen der überregionalen Jugendbildungs-Vereine Vorsitzender des „Ortsausschusses für die Jugend zwischen Schul- und Wehrpflicht“. Bis zum Verbot des Jungdeutschen Ordens 1933 war Arldt Großmeister der Bruderschaft Radeberg. Bei der Technischen Nothilfe war er bis zu deren Auflösung durch die Alliierten 1945 Leiter des Katastrophenschutzes für den Bereich Radeberg und erwarb sich großes Ansehen.
Arldt war verheiratet mit Elisabeth geb. Kränkel (1878–1955). Das Ehepaar hatte drei Kinder: Marianne (1903–1932),Standesamt Radeberg, Geburtsregister 296/1903 Herbert (1905–1965)Standesamt Radeberg, Geburtsregister 246/1905 und Hildegard Elisabeth (1909–1998).Standesamt Radeberg, Geburtsregister 347/1909
Theodor Arldt verstarb am 11. November 1960 im Bezirkskrankenhaus Arnsdorf und wurde auf dem Friedhof Radeberg im Familiengrab beerdigt. Sein bereits in der Jugend begonnenes, vielseitiges und umfangreiches Schaffen und seine frühe internationale Anerkennung als Wissenschaftler waren und blieben in seiner Heimatstadt Radeberg verhältnismäßig unbekannt.
Wirken Geowissenschaftliche Arbeiten Unmittelbar nach seiner Inauguraldissertation 1901 zum Thema Über den Parallelismus der Küsten von Südamerika veröffentlichte Arldt eine Vielzahl von Arbeiten, in denen er sich mit der damals in Entstehung begriffenen Tiergeografie und den daraus abgeleiteten möglichen früheren Verbindungen der heutigen Kontinente, sowie mit Wissenschaftszweigen wie Anthropologie, Paläontologie, Paläoklimatologie, Geophysik, Geologie bis hin zur Ur- und Frühgeschichte befasste. Dieses schon in der Jugend ausgeprägte universelle geowissenschaftliche Interesse führte dazu, dass Arldt sehr früh neben Lise Meitner zu den aktivsten Referenten der Zeitschrift Naturwissenschaftliche RundschauDigiZeitschriften: Naturwissenschaftliche Rundschau gehörte und allein im Jahrgang 1910 dieser Zeitschrift über 100 Publikationen ausländischer Wissenschaftler bearbeitet und veröffentlicht hat.
Im Alter von erst 29 Jahren veröffentlichte er 1907 sein erstes umfangreiches wissenschaftliches Werk Die Entwicklung der Kontinente und ihrer Lebewelt – Ein Beitrag zur vergleichenden Erdgeschichte. Diese 730-seitige Monografie baute hauptsächlich auf Tier- und Pflanzengeografie auf. Arldt begründete darin die zweifelsfrei paläontologisch bewiesenen Beziehungen vor allem der Südkontinente mit sogenannten Globalen Landbrücken. Damit reihte er sich in die Gruppe der Pioniere dieses damals neuen Wissenschaftszweiges der Paläogeografie ein, vertreten durch Wissenschaftler wie Hermann von Ihering oder Philip Lutley Sclater. Schon bevor diese Thematik als „Landbrücken-Hypothese“ formuliert worden war, setzte sich Ernst Haeckel in seiner Natürlichen Schöpfungsgeschichte (Neunzehnter Vortrag, 1868)Ernst Haeckel: Die Natürliche Schöpfungsgeschichte. 1868 (online: ) am Beispiel Indien / Madagaskar bzw. des hypothetischen (untergegangenen) Kontinentes Lemuria eingehend mit dieser Problematik auseinander. Auch Eduard Suess vertrat diese Hypothese und gab Lemuria den Namen Gondwana.Sumathi Ramaswamy: The Lost Land of Lemuria: Fabulous Geographies, Catastrophic Histories. University of California Press, Berkeley 2004, ISBN 0-520-24440-0. Parallel zu Arldt hat sich auch Franz Kossmat mit Grundfragen der Paläogeografie befasst, jedoch aus seiner Sicht als Geologe, Geophysiker und Mineraloge.
Der Geowissenschaftler, Meteorologe und Polarforscher Alfred Wegener bezog dieses und andere Werke von Arldt in seine geowissenschaftlichen Forschungen ein. Aus Arldts Werk „Die Entwicklung der Kontinente und ihrer Lebewelt...“ erfuhr Wegener auch von den bemerkenswerten Ähnlichkeiten in der erdmittelalterlichen Flora und Fauna zwischen Brasilien und Gabun, und so auch von dem Konzept der versunkenen Landbrücken, die solche Verbindungen erklären sollten. (PDF; 1,1 MB) Die Leichtigkeit des Zugreifens auf große Mengen von Informationen durch Arldts Karten in seinem Buch hat diese für Wegener so interessant gemacht und die intensive Auseinandersetzung Wegeners mit der Landbrücken-Hypothese gefördert.Wegener, Alfred: The origin of continents and oceans. Methuen & Co, London 1924, P. 212 pp. (translated by Skerl, J.G.A.) Wegener konsultierte Arldt und führte einen Gedankenaustausch, einschließlich der Übersicht und des Vergleichens von zwanzig hypothetischen interkontinentalen Landbrücken.Malte C. Ebach, Elizabeth M. Dowding: Theodor Arldt (1878–1960): Parochial Pauker and Pioneering Palaeobiogeographer. In: Zootaxa. (Online Edition). Magnolia Press, Auckland, New Zealand (PDF 5,1 MB; Abgerufen am 13. Januar 2018).
Als Wegener 1915 seine heute wieder aktuelle Schrift Die Entstehung der Kontinente und Ozeane verfasste, aber die paläontologischen Beziehungen der Kontinente nicht der von Arldt und anderen vertretenen Theorie früherer Landbrücken, sondern mit seiner neuen Theorie der Kontinentalverschiebungen begründete, die schließlich zu einer wesentlichen Grundlage des heutigen Modells der Plattentektonik wurde. Eine Korrespondenz zwischen Wegener und Arldt kann vermutet, aber heute nicht mehr belegt werden, da der überwiegende Teil des schriftlichen Nachlasses Arldts 1960 vernichtet worden ist.
Arldt hat sein erstes großes wissenschaftliches Werk ständig weitergeführt und aktualisiert. Für eine Neuauflage hatte er 2 Bände geplant. 1938 erschien Band 1 der vollständig neu bearbeiteten und erweiterten Zweiten Auflage. Das Manuskript für den zweiten Band, der nach der Biogeografie einen geologisch-kosmologischen Teil beinhalten sollte, ist mit anderen wissenschaftlich wertvollen Dokumenten Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin verbrannt. Damit blieb das eigentliche Lebenswerk Arldts, auch wenn es zu dieser Zeit aus geotektonischer Sicht bereits umstritten war, unvollendet.
In Petermanns Geographische Mitteilungen veröffentlichte Arldt 1910 Methoden und Bedeutung der Paläogeografie. In einer sehr komplexen Betrachtungsweise setzt er sich mit den Grundfragen dieses Wissenschaftsgebietes auseinander und belegt darin die biogeografischen, geologischen, paläontologischen und petrographischen Fachgebiete als Grundlagen sowie die biologische Systematik, die Entwicklungslehre, die Vergleichende Anatomie u. ä. als Voraussetzungen für Arbeiten auf diesem Gebiet. Arldts Fazit dieser Thematik war: „Die anscheinend tote Erde gewinnt vor unserem geistigen Auge Leben“.Methoden und Bedeutung der Paläogeografie. In: Petermanns Geographische Mitteilungen. Heft 5, Gotha 1910. Seit 1890 gab Hermann Joseph Klein (1844–1914) das Jahrbuch der Astronomie und Geophysik heraus, in dem auch Arldt in loser Folge Schriften veröffentlichte (z. B. 1907 über die Inselketten Ozeaniens). Die für 1913 vorgesehene Ausgabe des Jahrbuches konnte Klein selbst nicht mehr verwirklichen. Arldt übernahm diese Aufgabe für seinen Wissenschaftler-Kollegen und fungierte unmittelbar nach dessen Tod im Juli 1914 als Herausgeber des damit letzten Jahrganges XXIV.
Das nächste umfangreiche Werk Arldts ist das 1917 bis 1924 erschienene Handbuch der Paläogeografie in 2 Bänden mit insges. 1647 Seiten und ca. 100 Abbildungen. Dieses war lange Zeit das „Standardwerk“ für dieses Wissenschaftsgebiet.
In seinem Werk Parallelismus der Leitlinien in Deutschland (1912) sowie einigen anderen kleineren Veröffentlichungen versuchte Arldt, geotektonische und geomorphologische Phänomene und Strukturen mittels mathematisch-physikalischer Formeln und Gesetze zu erklären. In Wissenschaftler-Kreisen erhielt er dafür Kritik.
Arldts Verdienst war es, einer der Wegbereiter der Paläogeografie gewesen zu sein. Im Vorwort zur 1. Auflage von Die Entwicklung der Kontinente und ihrer Lebewelt 1907 legt er dazu seine Grundgedanken dar:
In der Ankündigung für die 2. Auflage schrieb er:
Landes- und heimatkundliche Arbeit Neben seiner Arbeit als Naturwissenschaftler und Lehrer hat er schon frühzeitig eine Vielzahl kleinerer Arbeiten zur Geschichte, Geografie, Geologie, Flora und Fauna der Umgebung seiner neuen Heimat Radeberg verfasst, Beschreibungen von Wanderwegen veröffentlicht sowie geführte Wanderungen und Exkursionen organisiert. Damit hat er schon vor dem Ersten Weltkrieg allen Interessierten die engere Heimat nahegebracht. mini|Mitglieder des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz – Sektion Radeberg. Exkursion zur Böhmischen Mühle Hinterdaubitz am 23./24. August 1913. Theodor Arldt hinten 3. v.r. Bereits 1910 war er Schriftführer im „Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz Sektion Radeberg“. Im Gebirgsverein hat Arldt besondere Verdienste bei der Erschließung, Markierung und Dokumentation von Wanderwegen im Großraum des Elbsandsteingebirges erworben, die z. T. noch heute in den alten Verläufen existieren. Ein Beispiel ist Arldts Erkundung und Erstbegehung des neuen Aufstieges zum Rauschenstein am 27. Juli 1911 (Arldtweg).Theodor Arldt: Ein neuer Anstieg auf den Rauschenstein. In: Zeitschrift des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz „Über Berg und Tal“, Nr. 429, Jahrg. 1913. Seite 142–143.
Er verfasste 1927 die Wander-Bücher Mit Wanderstab und Kletterseil durchs Sächsische Felsengebirge und Wanderpfade der Heimat mit Beschreibungen der von der Sektion Radeberg betreuten Routen und deren Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten.