Der Eigentliche Streifentenrek (Hemicentetes semispinosus), auch Gemeiner Streifentenrek, Streifentanrek oder Gelbstreifentanrek, ist eine Säugetierart aus der Gattung der Streifentenreks innerhalb der Familie der Tenreks (Tenrecidae). Er kommt endemisch in Madagaskar vor, wo er über weite Bereiche des östlichen Teils des Inselstaates verbreitet ist. Die bevorzugten Habitate umfassen tropische Regenwälder des Tief- und mittleren Berglands. Die Tiere sind aber auch in offenen Landschaften und in vom Menschen überprägten Gebieten anzutreffen. Namensgebend ist das schwarz-gelbe Streifenmuster des Rückens, zudem besitzt der Eigentliche Streifentenrek eine charakteristisch langgestreckte Schnauze. Das Fell besteht aus Borsten und Stacheln, die vor allem im Nackenbereich als Abwehrreaktion aufgestellt werden können. Am Hinterteil wächst eine Gruppe besonders kräftiger Stacheln, die ein Stridulationsorgan bilden, mit denen die Tiere rasselnde Geräusche zur Kommunikation erzeugen können.
Die Lebensweise des Eigentlichen Streifentenreks ist gut erforscht. Die Tiere sind tag- und nachtaktiv und weitgehend bodenlebend, wo sie unterirdische Baue graben. Das Sozialgefüge ist ausgesprochen entwickelt, während der Fortpflanzungsphase bilden sich große Familienverbände oder Kolonien, die komplexe Tunnelsysteme bewohnen. Zum Ende der Reproduktionszeit zerfallen diese Gruppenbildungen aber wieder. Die Nahrung besteht aus Wirbellosen, hauptsächlich Regenwürmer, von denen ein Individuum täglich nahezu die Menge seines Körpergewichtes verzehren kann. Wie bei vielen Tenreks ist die Körpertemperatur ebenfalls nicht stabil. Während der wenig ertragreichen Trockenzeit fallen die Tiere in einen Torpor. Weibchen bringen pro Wurf bis zu elf Jungtiere zur Welt. Die Individualentwicklung des Nachwuchses erfolgt sehr schnell, so dass die Jungen nach etwas mehr als einem Monat bereits geschlechtsreif sind.
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Eigentlichen Streifentenreks datiert in das Jahr 1798. Dafür stand eine ältere Zeichnung eines gestreiften Tenreks Pate. Die gleiche Zeichnung diente in den nächsten fünf Jahren als Grundlage für die Etablierung von zwei weiteren wissenschaftlichen Artnamen, diese sind heute aber nicht mehr gültig. Aufgrund der weiten Verbreitung und relativen Anpassungsfähigkeit gilt der Bestand des Eigentlichen Streifentenreks als nicht gefährdet.
Merkmale Habitus Der Eigentliche Streifentenrek ist ein mittelgroßer Vertreter der Tenreks, er wird etwas größer als der nahe verwandte Schwarzkopftenrek (Hemicentetes nigriceps). Seine Kopf-Rumpf-Länge beträgt 13,0 bis 19,0 cm, der Schwanz ist nur als kurzer Stummel ausgebildet. Das Körpergewicht variiert von 90 bis 220 g mit einem Durchschnittswert von 130 g. Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Tieren liegen nicht vor. Im äußerlichen Erscheinungsbild ähneln die Tiere den Igeln, die Schnauze ist lang ausgezogen und vorn spitz zulaufend. Ein charakteristisches Merkmal stellt die Fellzeichnung dar. Diese besteht am Rücken aus drei hellen, gelblich gefärbten Streifen auf schwärzlich braunem Grund. Der Nacken zeigt ebenfalls einen gelblichen Farbton, der Kopf ist schwarz, diese Grundfärbung wird aber mittig auf der Oberseite von der Stirn bis zur Nase von einem weiteren gelblichen Streifen unterbrochen. Eine ähnliche Streifenbildung auf dem Kopf fehlt beim Schwarzkopftenrek. Das Haarkleid besteht aus Borsten und Stacheln, eine Unterwolle ist ebenfalls ausgebildet, kommt aber weitgehend nur bei Jungtieren vor und verliert sich mit zunehmendem Alter der Tiere. Dadurch wirkt der Eigentliche Streifentenrek deutlich stacheliger als der Schwarzkopftenrek. Die Stacheln in den hellen Streifen sind markant größer als die in den dunklen Farbabschnitten. Die längsten kommen am Nacken vor, wo sie zwischen 22 und 30 mm messen und austauschbar sind. Echtes Haar besteht nur auf der Unterseite und ist dort kastanienbraun getönt, zusätzlich treten noch zwei dunkle Streifen auf. Eine Besonderheit besteht am Hinterteil. Hier sind 14 bis 18, durchschnittlich meist aber 14 besonders breite Stacheln ausgebildet, die in drei Reihen auf einer Fläche von circa 1 cm² stehen. Sie regenerieren nicht bei Verlust und können bei Anspannung der subdermalen Muskulatur gegeneinander gerieben werden, wodurch sie ein rasselndes Geräusch erzeugen. Die Stacheln wirken als Stridulationsorgan, es kommt auch beim Schwarzkopftenrek vor, besteht hier aber aus im Mittel weniger Stacheln.
Schädel- und Gebissmerkmale miniatur|Schädel des Eigentlichen Streifentenreks Der Schädel ist äußerst grazil gebaut, ein gemessenes Exemplar besitzt eine Länge von 41,6 mm. Das Rostrum ist lang ausgezogen und schmal, wobei die Verschmälerung etwa auf Höhe des vorletzten und letzten Prämolaren beginnt und damit im Bezug auf die Zahnstellung weiter hinten als beim Schwarzkopftenrek. Das Nasen- und Gaumenbein sind langgestreckt, der Mittelkieferknochen ist klein. Der Scheitelkamm hat nur eine schwache Ausprägung, ebenso ragt der Wulst am Hinterhauptsbein weniger prominent heraus, der gesamte hintere Schädel wirkt dadurch noch steiler als beim Schwarzkopftenrek. Der Jochbogen ist wie bei allen Tenreks nicht geschlossen. Der vordere Bogenansatz liegt im Gegensatz zum Schwarzkopftenrek enger am Schädel an und ist länger. Der Unterkiefer zeigt einen leichteren Bau als beim Schwarzkopftenrek, im Unterschied zu diesen besitzt der Kronenfortsatz eine hakenförmige Gestalt, sein vorderer Rand führt nicht ganz so steil aufwärts. Das Gebiss setzt sich aus 40 Zähnen zusammen, die folgende Zahnformel bilden: . Die gesamte untere Zahnreihe ist im Vergleich zum Schwarzkopftenrek weiter nach vorn versetzt, so dass mehr Platz zwischen dem aufsteigenden Gelenkast des Unterkiefers und dem letzten Molaren entsteht. Dadurch verschiebt sich auch die Position des Foramen mentale, das beim Eigentlichen Streifentenrek unter dem ersten Molaren, beim Schwarzkopftenrek aber unter dem letzten Prämolaren liegt. Insgesamt sind die Zähne in ihrer Größe stark reduziert und noch einmal 30 % kleiner als beim Schwarzkopftenrek. Zwischen den vorderen Zähnen und den Prämolaren liegen breite Diastemata, ihre Ausdehnung nimmt nach hinten deutlich zu. Sowohl die geringe Zahngröße als auch die weiten Zahnlücken gelten als Anpassung an die spezifische Ernährung des Eigentlichen Streifentenreks. Im oberen Gebiss sind die beiden vorderen Schneidezähne etwa gleich groß und weisen hakenförmig nach hinten. Der dritte Schneidezahn ist eher klein, der Eckzahn entspricht in Größe und Aussehen weitgehend den vorderen Incisiven. Die Schneidezähne des Unterkiefers besitzen alle etwa die gleiche Größe und haben eine schaufelartige Form. Der Eckzahn hier überragt die Schneidezähne und gleicht seinem oberen Pendant. Die Zahnkronen der vorderen Zähne sind zumeist mit zusätzlichen, manchmal aber schwach entwickelten Höckerchen ausgestattet. Entsprechend den anderen Tenreks haben die Mahlzähne ein zalambdodontes Kauflächenmuster bestehend aus drei Haupthöckern.
Verbreitung miniatur|hochkant|Verbreitungsgebiet des Eigentlichen Streifentenreks Der Eigentliche Streifentenrek kommt endemisch in Madagaskar vor. Sein Verbreitungsgebiet befindet sich im Ostteil des Inselstaates, wo es sich in einem mehr oder weniger breiten Streifen von Nord nach Süd erstreckt. Die Tiere bewohnen Tiefländer und mittlere Gebirgslagen. In der Regel reicht die Höhenverbreitung bis etwa 1550 m über dem Meeresspiegel. Die bevorzugten Habitate bestehen aus primären und sekundären tropischen Regenwäldern, darüber hinaus ist der Eigentliche Streifentenrek auch auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, in Gärten oder auf von Menschen geschaffenen Wiesen- oder Offenlandflächen (“Pseudosteppe”) anzutreffen, einzelne Tiere dringen auch in Siedlungen vor. Aufgrund dessen gilt die Art als relativ häufig. Bedeutende Fundregionen im Norden finden sich in den Bergmassiven von Marojejy und Anjanaharibe, im südlich daran anschließenden Waldgebiet von Makira sowie auf der östlich davon gelegenen Halbinsel Masoala, alle zur Provinz Antsiranana gehörig. Abseits davon wurde auch eine Population am Tsaratanana-Massiv in der Provinz Mahajanga nachgewiesen, wobei die höchsten Fundpunkte hier bei 2050 m liegen. In den zentralen Landesteilen sind die Tiere aus dem Waldgebiet von Ambatovy-Analamay-Tsorotorofotsy in der Provinz Toamasina und vom Waldkorridor von Anjozorobe-Angavo im Grenzgebiet der Provinzen Toamasina und Antananarivo belegt, zusätzlich auch vom Waldgebiet von Mahatsìnjo südöstlich von Tsinjoarivo und südlich der Hauptstadt Antananarivo in der gleichnamigen Provinz. Weiter südlich gelegene Fundregionen bilden der Nationalpark Ranomafana, das Andringitra-Gebirge und die Bergländer um Ivohibe in der Provinz Fianarantsoa. An den letzten beiden genannten Stellen tritt der Eigentliche Streifentenrek zusammen mit dem Schwarzkopftenrek auf, der aber generell höhere Gebirgslagen bis oberhalb der Baumgrenze bevorzugt. Lediglich bei Tsinjoarivo in 1550 m Höhe konnten beide Arten bisher in direkter Sympatrie nachgewiesen werden. Der Eigentliche Streifentenrek bewohnt hier Waldränder und Talgründe in Agrarflächen. Im nur 6 km entfernten Waldgebiet von Ankilahila, dessen Höhenniveau rund 150 m niedriger liegt, ist dagegen bisher nur der Eigentliche Streifentenrek belegt.
Lebensweise Territorialverhalten miniatur|Eigentlicher Streifentenrek Die Lebensweise des Eigentlichen Streifentenreks ist relativ gut erforscht, dies betrifft sowohl Freilandstudien als auch Beobachtungen in Gefangenschaft. Im Gegensatz zum Schwarzkopftenrek ist der Eigentliche Streifentenrek weniger strikt nachtaktiv, sondern kann auch tagsüber in Erscheinung treten. Die Aktivitäten beginnen meist gegen 17.00 Uhr und erreichen zwischen 18.00 und 20.00 Uhr ihren Höhepunkt, danach nehmen sie kontinuierlich ab, bilden aber im Verlauf der Nacht verschiedene kleinere Maxima. Sporadische Aktivitäten herrschen von 09.00 bis 13.00 Uhr vor, während diese dann gegen 14.00 Uhr zum Erliegen kommen. Am Boden bewegen sich die Tiere im Kreuzgang vorwärts und erreichen im Lauf eine Geschwindigkeit von 1,7 bis 2,9 km/h. Sie sind ebenfalls befähigt zu klettern und zu schwimmen, allerdings können sie nicht springen. In unbekannten Gebieten bewegen sich die Tiere langsam vorwärts, pausieren häufig und schnüffeln beständig in der Luft und am Boden. Bei unübersichtlichem Gelände stoßen sie Klicklaute mit der Zunge aus, die eine Frequenz von 11 bis 16 kHz und einer Dauer von 0,2 bis 0,7 Millisekunden aus, die einer einfachen Echoortung dienen. Zum Komfortverhalten gehören Kratzen mit den Hinterfüßen und das Bekauen der Nägel. Das typische „Gesichtwaschen“ anderer Tenreks mit beiden Vorderpfoten ist weniger stark ritualisiert und wird zumeist nur mit einer Pfote ausgeführt.