Eine Hauptarbeit der Kürschnerei ist das Pelznähen. Die Verarbeitung von Fellen zu Pelzen unterschied sich schon immer wesentlich von der Produktion textiler Bekleidung. Während in den Textil- und Lederberufen das Grundmaterial größtenteils bereits in einem Stück vorliegt, muss sich der Kürschner in der Regel die Fläche, die er zur Herstellung eines Pelzes benötigt, durch das Zusammensetzen von Fellen oder Fellteilen erst schaffen.
Soweit das Pelznähen als selbständiger Beruf ausgeübt wird, ist es ein Zwischenberuf. Das heißt, dass er nicht ohne die Mitwirkung eines Kürschners ausgeübt werden kann. Häufig wurde, auch in der beruflichen Spezialisierung, nur das Pelzmaschinennähen als Pelznähen bezeichnet, die restliche Arbeit als Handnähen. Das Handnähen umfasst vor allem das Ausfertigen des Pelzes, also das Aufbringen der Zwischenstoffe und das abschließende Füttern (gleichbedeutend mit „Staffieren“) mit den Nebenarbeiten, wie dem Anbringen der Verschlüsse. Hinzu kommt das Zusammenfügen von Fellen durch Handnähte, neben den zahlreichen Sonderarbeiten, aber auch die Arbeit an den dabei eingesetzten Nähmaschinen. In der Berufsausbildung des Pelznähers wurde immer beides gelehrt, in den ersten Jahren der anschließenden Praxis entscheidet es sich dann vielleicht, für welchen Teil eine Arbeitskraft besonders befähigt ist. Ab einer gewissen betrieblichen Größe wird der Näher oder die Näherin nun hauptsächlich Handarbeiten ausführen oder mit der Pelznähmaschine arbeiten. – Insbesondere das Handnähen wird im deutschsprachigen Raum so gut wie ausschließlich von Frauen ausgeübt.
Vor allem in kleineren Betrieben muss der Kürschner heute alle Fertigkeiten seines Handwerks in einem praxistauglichen Ausmaß beherrschen. mini|hochkant=1.6|Werkstatt mit Pelznäherinnen (Edelpelze Berger, Hamburg, um 1985)
Pelznäher, Historie mini|Der Nahthaken (1778) Für das Nähen der früher meist noch hart- und dickledrigen Pelze verwendeten die Kürschner die heute noch erhältliche dreischneidige Kürschner-, Schneide- oder Dreikantnadel, mit der sich das Leder wesentlich kraftsparender und schneller durchstechen lässt. Für die modernen Pelze mit ihrer hochwertigen Zurichtung sind diese Nadeln jedoch ungeeignet, sie dehnen das Leder nicht beim Einstechen, sondern zerschneiden es, so dass es bei Beanspruchung, von der Naht ausgehend, zerreißen kann. Beim Nähen wurde für das Zusammenhalten der beiden Fellkanten ein Nahthaken benutzt („Nehehaken oder Nathhaken“). Das war eine kleine eiserne Zange, „deren Gebiß a durch eine Hülse, oder durch den Schieber b c zusammen gepreßt“ wurde, „damit man sie bequem zwischen die Knie fassen und zusammennähen könne“ (siehe Skizze).P. N. Sprengels Künste und Handwerke in Tabellen. 2. Sammlung, 2. Auflage, Verlag der Buchhandlung der Realschule, Berlin 1782, S. 433.
Bis zum Aufkommen der Pelzkonfektion in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lagen in Europa noch alle Arbeitsvorgänge einschließlich des Nähens in der Hand des Kürschners, lediglich das Gerben der Felle hatte sich inzwischen weitgehend zu einem eigenen Handwerkszweig entwickelt. Für die Stadt Breslau lässt sich feststellen, dass Ende des 19. Jahrhunderts bereits weibliche Arbeitskräfte von den dortigen Kürschnern beschäftigt wurden. Diese nähten jedoch offenbar nur die Bezüge für die Pelzmützen, mit dem Zusammennähen der Felle waren sie noch nicht befasst.Schiller: Die Kürschnerei in Breslau S. 69. Aus: Schriften des Vereins für Sozialpolitik 7. Band (Untersuchungen über die Lage des Handwerks in Deutschland) 3. Teil Preußen, Leipzig 1896. Primärquelle Krünitz, S. 50.
mini|Von einem türkischen Pelz- und Lederverarbeiter stammen diese Nähhilfen. Ähnlich des Nährings des Kürschners wurden sie, am Finger angebunden, bei zähem Leder zum Durchdrücken der Nadel benutzt. mini|Innenverarbeitung mit Knopfleiste in einem Kaninmantel aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
Wobei Kürschner fast ausschließlich Männer waren. Ausnahmen waren die Kürschnerfrauen, die nach dem Tod ihres selbständigen Ehemannes den Betrieb allein weiterführten. Wie der Inhaber eines alten Leipziger Kürschnergeschäfts bestätigte, „gab es 1933 weibliche Kürschnergehilfen mit vollberuflicher Ausbildung auch in abhängiger Stellung verschwindend wenige, so dass damals von einem „Eindringen“ weiblicher Arbeitskräfte kaum gesprochen werden konnte“. Die Einstellung zur Aufgabe der Frau in der Arbeitswelt als Hilfskraft des Mannes war, dem bisherigen, allgemeinen Zeitgeist entsprechend, auch in der Pelzbranche tief verwurzelt. Noch 1950, in der Zeit der nachkrieglichen Umwälzung, heißt es über die zunehmenden weiblichen Kürschnerlehrlinge: „Das Kürschnerhandwerk wird gegen dieses „Eindringen“ nichts einzuwenden haben, wenn der Beruf aus innerer Überzeugung gewählt wird und zum gleichen beruflichen Nachwuchs führt wie die Erlernung durch den jungen Mann. Das Kürschnerhandwerk wird jedoch seine Zustimmung dann verweigern müssen, wenn der Beruf nicht aus innerer Neigung, sondern mehr aus Verlegenheit gewählt wird und wenn die angehende Kürschnerin nach einigen Gehilfenjahren den Beruf wechselt. Das Handwerk befürchtet, dass solche Nachwuchskräfte sich alsbald außerhalb des ordentlichen Gewerbes stellen und ihre Kenntnisse dazu benutzen, ohne Gewerbeanmeldung, also „schwarz“ zu arbeiten und Aufträge zu jedem Preis, wo sie sich bieten, auszuführen. Mit diesem Nachwuchs ist dem Kürschnergewerbe, das auf seinen auf jahrhundertealter Tradition beruhenden Ruf hält, nicht gedient“.Friedrich Lübstorff: Die Frau im Kürschnerberuf. In: Das Pelzgewerbe, Beilage zu Hermelin, XX. Jg., Heft 5/6, 1950, S. 6.
In der Inflationszeit Anfang der 1920er Jahre stellte man im Berliner Kürschnerhandwerk fest, dass die Lehrlinge immer weniger das Handnähen beherrschten, schon weil wegen der angespannten Wirtschaftslage „die Handnäherei im Rahmen der Ausbildung in letzter Zeit immer mehr vernachlässigt wird, ja, in vielen Fällen wegen der Arbeitsüberlastung der Kürschnereien vernachlässigt werden muß, weil der Lehrling tüchtig zu seinem wenn auch bescheidenen Teile an der Erledigung der zahlreichen Aufträge seines Meisters mithelfen muß“. Um diesem Mangel abzuhelfen, veranstaltete der Fachlehrer und Kürschnermeister Alfred Homuth unter den Lehrlingen einen Handnähwettbewerb. Bewertet wurde die Qualität der Arbeit, nicht die dafür aufgewendete Zeit.F. S.: Der Nähwettbewerb an der Berliner Kürschnerfachschule. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 204, Berlin, 21. September 1922, S. 1.
Die Sparte „Pelznäher“ wurde als eigener Berufszweig der Kürschnerei Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland eingeführt. Die Ausbildung dauerte zwei Jahre und schloss mit der Gesellenprüfung ab. Eine Aufstiegsmöglichkeit wie beim Kürschner zum Handwerksmeister gab es die längste Zeit nicht, also auch nicht die Möglichkeit der Selbständigkeit mit einem Verkauf an Endverbraucher.
Das war auch der Stand in der Bundesrepublik in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Gründung. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wertete man den Beruf auf, indem es im offiziellen Sprachgebrauch jetzt den Kürschner Fachrichtung Schneiden und den Kürschner Fachrichtung Nähen gab. Während der Kürschner während seiner Ausbildung immer schon die Grundlagen des Pelznähens erlernte, wurde jetzt die Näherin auch mit den Kürschnerarbeiten vertraut gemacht. Ab jetzt bestand auch für den Kürschner der Fachrichtung Nähen die Chance, die Meisterprüfung abzulegen.
Offiziell wurde in der Bundesrepublik die Berufsbezeichnung Pelznäherin im Jahr 1972 abgeschafft,berufenet.arbeitsagentur.de: Kürschner/in, Entwicklung der Ausbildung. Abgerufen am 5. Februar 2017. in den Tarifverträgen des Kürschnerhandwerks wurde sie jedoch weiterhin so aufgeführt. Die Auszubildenden mussten sich jetzt erst nach Beendigung des ersten Lehrjahres entscheiden, welche Fachrichtung sie wählen, bis dahin werden beide gelehrt, entweder das Schneiden (Fellverarbeitung) oder das Nähen (Ausfertigen und Zusammenstellen).Ohne Titel und Autor. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 126, 30. März 1972, S. 12. Die Aufgaben des Pelznähers sind heute wesentlich umfangreicher und vielseitiger als noch bis etwa in die 1980er Jahre. Er soll zusätzlich zum Pelznähen die Grundzüge der Kürschnerei beherrschen und in der Lage sein, textile Jacken und Mäntel zum Ausfüttern mit Fell herzustellen.
Seit dem 1. Januar 2004 benötigt man, neben vielen anderen gleichzeitig freigegebenen Handwerken, in der Bundesrepublik auch im Kürschnerhandwerk keine Meisterprüfung mehr um sich selbständig zu machen.www.buhev.de: Freibrief. 2004, S. 4. Abgerufen am 6. Januar 2017 (PDF).
Für die Ausbildung zum Pelznäher und Staffierer als Facharbeiter wurde 1978 in der DDR laut dem Berufsbild der Abschluss der 10. Klasse verlangt, in der Praxis und/oder nach Änderung des Schulsystems reichte auch das Absolvieren der 8. Klasse.Auskunft Charles Ahlefeld, Chemnitz vom 23. März 2017. Die Lehrzeit betrug, wie in der Bundesrepublik, zwei Jahre. Einsatzmöglichkeiten waren vor allem im Rauchwarenindustriebetrieb Brühlpelz Leipzig, in Dienstleistungskombinaten sowie in genossenschaftlichen, aber auch in privaten Handwerksbetrieben.Zentralinstitut für Berufsbildung der DDR (Hrsg.): Berufsbild für die Berufsberatung. Pelznäher und Staffierer. Berufsnummer 42 2 04. 30. September 1978. In der DDR war es bereits seit den 1950er Jahren für in der Industrie beschäftigte Näher möglich, sich an der Deutschen Kürschnerschule zu Leipzig weiterzubilden und den Abschluss eines Industriemeisters zu machen. Im Juni 1955 erhielt die erste Frau im Fachgebiet Staffiererei, nach einem viermonatigen Lehrgang, ihr Meisterdiplom.Auch der Tüchtigen gehört die Welt. „Ursel“: Eventuell fingierter Brief „an ihre Freundin in Westdeutschland“, in: Putz und Pelz, Verlag Die Wirtschaft, Berlin, Heft 3, 1955, S. 13.
In größeren Betrieben gab es auch in der Bundesrepublik den Posten einer „Direktrice“, der allerdings nicht geschützt war und besagte, dass die Pelznäherin die Leitung der Näherei mit einem höheren Tariflohn innehatte.
Im Jahr 1983 betrug der Mindeststundenlohn im Handwerk der Bundesrepublik für mini|Handstiche, Overlock-Nähmaschinen-Nähte und Druckknöpfe an einem Swakara-Karakul-Mantel selbständig arbeitende Pelznäher/innen DM 11,-. Überwiegend an der Pelzmaschine beschäftigte erhielten einen Zuschlag von 10 Pfennigen. eine Direktrice, männlich oder weiblich, mit Weisungsbefugnis gegenüber mindestens 5, höchsten 15 Beschäftigten DM 12,52 (Gehalt DM 2165,-) mit Weisungsbefugnis gegenüber mindestens 16 Beschäftigte DM 13,56 (Gehalt DM 2346,-) mit gleichzeitiger Fachhochschulausbildung oder Meisterprüfung im Kürschnerhandwerk DM 14,60 (Monatsgehalt DM 2526,-)
selbständig arbeitende Pelzwerker/innen [Industrieausbildung] DM 11.32
selbständig arbeitende Kürschner DM 12,58 Kürschnermeister mit Weisungsbefugnis, gestaffelt gegenüber zwischen mindestens 5 und mindestens 31 Beschäftigten, Gehalt DM 2647,- bis 4333,- DM.