Ein Hereditärer kombinierter Mangel an Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren (VKCFD) ist eine sehr seltene angeborene Erkrankung mit einer Blutungsneigung aufgrund verminderter und vom Vitamin K abhängender Gerinnungsfaktoren.
Synonyme sind: Faktoren II, VII, IX und X, hereditärer kombinierter Mangel; Vitamin K-Dependent Clotting Factors, Combined Deficiency Of, 1; VKCFD1
Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahre 1966 von den US-amerikanischen Ärzten Campbell W. McMillan und Harold R Roberts.C. W. McMillan, H. R. Roberts: Congenital combined deficiency of coagulation factors II, VII, IX and X. Report of a case. In: The New England Journal of Medicine. Bd. 274, Nr. 23, Juni 1966, S. 1313–1315, doi:10.1056/NEJM196606092742309, PMID 5936414.
Verbreitung Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, bislang wurde über etwa 30 Familien berichtet. Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv.
Ursache Je nach zugrunde liegender Mutation werden zwei Typen unterschieden: Typ I mit Mutationen im GGCX-Gen auf Chromosom 2 Genort p11.2, das für die Gamma-Glutamylcarboxylase kodiert. Typ II mit Mutationen im VKORCa-Gen auf Chromosom 16 Genort p11.2, das für die Untereinheit 1 des Vitamin K-2,3-Epoxidreduktase-Komplexes kodiert. Beide Proteine sind an der Aktivierung der Gerinnungsfaktoren beteiligt.
Klinische Erscheinungen Klinische Kriterien sind: sehr unterschiedlich ausgeprägte Blutungsneigung, meist Haut und Schleimhäute betroffen Beginn im Neugeborenenalter Oft finden sich zusätzlich weitere Auffälligkeiten wie punktförmige Verkalkungen der langen Knochen, verkürzte Finger-Endphalangen, Osteoporose, Pseudoxanthoma elasticum-artige Veränderungen.
Differentialdiagnose Abzugrenzen sind andere Gerinnungsstörungen, erworbene Formen der Krankheit mit Malabsorption von Vitamin K, Leberzirrhose, Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten.
Therapie Die Behandlung erfolgt durch Gabe von Vitamin K, vor geplanten Operationen werden Blutplasma und Prothrombinkomplex-Konzentrate gegeben.
Heilungsaussicht Die Prognose gilt als günstig.
Literatur S. Ghosh, J. Oldenburg, K. J. Czogalla-Nitsche: The Role of GRP and MGP in the Development of Non-Hemorrhagic VKCFD1 Phenotypes. In: International Journal of Molecular Sciences. Band 23, Nummer 2, Januar 2022, , PMID 35054981, (Review). M. Napolitano, G. Mariani, M. Lapecorella: Hereditary combined deficiency of the vitamin K-dependent clotting factors. In: Orphanet Journal of Rare Diseases. Bd. 5, Juli 2010, S. 21, doi:10.1186/1750-1172-5-21, PMID 20630065, (Review). B. W. Weston, P. E. Monahan: Familial deficiency of vitamin K-dependent clotting factors. In: Haemophilia. Bd. 14, Nr. 6, November 2008, S. 1209–1213, doi:10.1111/j.1365-2516.2008.01853.x, PMID 19141161, .
Einzelnachweise
Weblinks Rare Coagulation Disorders
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