mini|rechts|alternativtext=Foto von drei Personen|Carmen Franco y Polo in Helsinki (links, 1971)
María del Carmen Franco y Polo (* 14. September 1926 in Oviedo; † 29. Dezember 2017Spanish dictator’s only child Carmen Franco dies aged 91. In: Belfast Telegraph, 29. Dezember 2017, abgerufen am 30. Dezember 2017 (englisch). in Madrid), genannt „Nenuca“ oder „Carmencita“, war das einzige Kind des spanischen Diktators Francisco Franco und seiner Ehefrau Carmen Polo y Martínez-Valdés.
Leben María del Carmen Franco y Polos Heirat mit dem Markgrafen von Villaverde, dem Chirurgen Cristóbal Martínez Bordiú, am 10. April 1950 im El Pardo war ein gesellschaftliches Großereignis in dem damals noch stark von den Folgen des Bürgerkriegs gezeichneten Land.Paul Ingendaay: Der Generalísimo blieb dem Volk ein Rätsel. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. November 2025, abgerufen am 19. November 2025. Dieser Ehe entstammen ihre sieben Kinder, darunter María del Carmen Martínez-Bordiú y Franco, die 1972 den Infanten und möglichen Thronfolger Alfonso de Borbón y Dampierre heiratete. Sie und ihre Familie sind dadurch mit dem spanischen Königshaus verwandt. Spaniens König Juan Carlos I. verlieh ihr nach dem Tod ihres Vaters 1975 den (2022 aufgehobenen) Adelstitel „Herzogin von Franco und Grande von Spanien“.Ute Müller: Die Francos – eine schrecklich … reiche Familie. In: Die Welt, 20. November 2015, abgerufen am 30. Dezember 2017.
Um Carmen Franco Polo kursierten stets Gerüchte, sie sei nicht das leibliche Kind von Carmen Polo und Francisco Franco, der 1916 eine Unterleibsverletzung erlitten hatte. In Wirklichkeit sei sie aus einer Affäre von Ramón Franco hervorgegangen und dann von seinem Bruder und dessen Frau aufgezogen worden.Spaniens Diktator Franco verlor Hoden im Krieg. In: Die Welt, 27. Mai 2009, abgerufen am 30. Dezember 2017. Laut dem Historiker Stanley Payne handelt es sich hierbei aber um eine Zeitungsente. Payne gilt als Franco-freundlich.
Franco Polo leitete die Stiftung „Fundacion Nacional Francisco Franco“. Ihr wurde immer wieder vorgeworfen, die Jahre der Diktatur unter ihrem Vater zu verherrlichen. 2008 veröffentlichte sie eine Biografie über ihren Vater.Leo Wieland: Gut, dass der Diktator in der anderen Welt ist. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. November 2015, abgerufen am 30. Dezember 2017.Leo Wieland: Neues Buch über den „Caudillo“: Francos Frau ließ sehr viel beten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. November 2008, abgerufen am 30. Dezember 2017. Sie galt als Identifikationsfigur der Anhänger des Franquismus.Stefanie Müller: 30 Jahre danach: Francos heikles Vermächtnis. In: Handelsblatt, 19. November 2005, abgerufen am 30. Dezember 2017. Jährlich am 20. November („20-N“), dem Todestag ihres Vaters, war sie Ehrengast der Feierlichkeiten in der unterirdischen Basilika im Valle de los Caídos,Martin Dahms: In: Sächsische Zeitung. 5. September 2007. die bis 2019 die letzte Ruhestätte Francos war.Gebeine Francos aus dem Mausoleum ins Familiengrab umgebettet. In: Deutsche Welle 24. Oktober 2019, abgerufen am 19. Januar 2020.
Franco Polo und ihre Stiftung standen regelmäßig im Zentrum von Kritik. Obwohl die Stiftung z. B. den Putsch der rechtsgerichteten Militärs 1936 als „bewaffnete Volksabstimmung“ und „legitime nationale Erhebung“ bezeichnete, wurde sie unter der Regierung von José María Aznar von 2000 bis 2004 vom spanischen Ministerium für Bildung, Kultur und Sport mit jährlich 150.000 Euro finanziell gefördert. Das Ministerium begründete die Förderung damit, die Stiftung sei unkommerziell und archiviere nur private Dokumente Francos. Die Opposition sprach dagegen von einer Verherrlichung der Diktatur durch die Förderung, da ein Großteil der Dokumente sich auf die Tätigkeit Francos als Staatschef beziehe.Ralf Streck: Im Bett mit Franco. In: Telepolis 26. August 2003, abgerufen am 30. Dezember 2017.
Franco Polo sorgte auch dafür, dass das Patronatsmitglied ihrer Stiftung, der Mediävist Luis Suárez Fernández, in der spanischen Nationalbiographie Franco im gewünschten Licht erscheinen ließ: Franco taucht hier als „Generalísimo“ oder „Staatschef“, aber nicht als „Diktator“ auf, der ein „intelligenter und gemäßigter“, ein „tapferer und katholischer“ Mann gewesen sei, der eine „autoritäre, aber nicht totalitäre“ Herrschaft errichtet habe.Paul Ingendaay: Spanische Nationalbiographie: Franco, der Tapfere. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Juni 2011, abgerufen am 30. Dezember 2017.
Nach dem Tod Francos 1975 erbte Carmen Franco Polo einen Teil des Immobilienbesitzes ihres Vaters, wie es in seinem Testament sieben Jahre davor festgelegt worden war. Ihren Sommersitz Pazo de Meirás in Sada in der galicischen Provinz A Coruña samt sechs Hektar großem Waldgrundstück hatte der Diktator noch während des Bürgerkriegs im Jahr 1938 geschenkt bekommen: finanziert durch eine institutionell forcierte Spendenkampagne seiner Anhänger, zu der auch ein Gehaltsverzicht der Beamten gehört hatte. Im demokratisierten Spanien forderte die Regionalregierung, dass Carmen Franco Polo die Tore des Anwesens einmal wöchentlich für die Öffentlichkeit öffnen solle, weil es sich um ein „Bien de Interés Cultural“ handele, ein öffentliches Kulturgut, was sie aber verweigerte. Die Folge waren langjährige Rechtsstreitigkeiten, die im Dezember 2020 mit der Verurteilung der Familie Franco zur Herausgabe des gesamten Anwesens an den spanischen Staat endete. Im Oktober 2021 eröffnete im Pazo de Meirás eine Dauerausstellung, die sich kritisch mit seiner Geschichte auseinandersetzt.Xosé M. Núñez Seixas: Der Krieg der Erinnerung in Spanien. Zum Stand der Debatte. In ZfG 12/2021, S. 1005–1023, hier S. 1014.
Werke Franco, mi padre. La Esfera de los Libros, Madrid 2008, ISBN 978-84-9734-783-9.
Einzelnachweise
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