Die vorliegende Liste von Angehörigen und Anhängern der KPD, die während der Zeit der Weimarer Republik bei politischen Auseinandersetzungen gewaltsam zu Tode kamen bietet einen Überblick über Angehörige der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), ihrer Nebenorganisationen und ihrer Anhänger, die in der Zeit der Weimarer Republik aus politischen Gründen gewaltsam zu Tode kamen.
Inhalt und Organisation der Liste Verzeichnet werden Personen, die dem genannten Personenkreis angehörten, die nach der Gründung der Kommunistischen Partei im Dezember 1919 und dem Regierungsantritt der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 aufgrund ihrer politischen Gesinnung von staatlichen Ordnungskräften (Militär, Polizei) oder politischen Gegnern getötet wurden.
Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, erstrebt aber, sich einer solchen, mit der Zeit allmählich in einem immer größer werdenden Maße anzunähern.
Eine exakte Zahl der von 1919 bis 1933 im Deutschen Reich aus politischen Gründen getöteten Kommunisten ist bislang noch ein Desiderat der Forschung.
Gesichert ist jedoch, dass während der Weimarer Republik bei gewalttätigen Zusammenstößen von Kommunisten mit der Reichswehr, der Polizei und politischen Gegnern, insbesondere mit Nationalsozialisten – namentlich mit Angehörigen der SA und der SS – mehrere hundert Angehörige und Anhänger der KPD ihr Leben durch politisch motivierte Gewalt verloren.
Allein beim Spartakusaufstand im Januar 1919 kamen 156 Kommunisten zu Tode.Wolfram Wette: Gustav Noske. Eine politische Biographie. Droste, Düsseldorf 1995, S. 308. Die Niederschlagung der Münchner Räterepublik durch Freikorps kostete 233 Kämpfer der von Ernst Toller kommandierten „Roten Armee“ das Leben. Beim Blutmai 1929 starben 33 Zivilisten eines gewaltsamen Todes, die meisten Kommunisten. In den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen nach Aufhebung des SA-Verbots 1932 starben 46 Kommunisten.Sven Reichardt: Faschistische Kampfbünde. Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA. Böhlau, Köln/Wien/Weimar 2002, S. 91.
Chronologische Übersicht
1919
Datum Person Politische GruppenzugehörigkeitAnmerkung11. Januar 1919Teilnehmer am Spartakus-AufstandZugehörig zu einer Gruppe von Parlamentären, ausgeschickt von Besetzern des Vorwärts-Gebäudes zu Verhandlungen mit Regierungstruppen; von diesen erschossen.11. Januar 1919Teilnehmer am Spartakus-Aufstandsiehe Wolfgang Fernbach11. Januar 1919Teilnehmer am Spartakus-Aufstandsiehe Wolfgang Fernbach11. Januar 1919Teilnehmer am Spartakus-Aufstandsiehe Wolfgang Fernbach11. Januar 1919Teilnehmer am Spartakus-Aufstandsiehe Wolfgang Fernbach11. Januar 1919Teilnehmer am Spartakus-Aufstandsiehe Wolfgang Fernbach11. Januar 1919Teilnehmer am Spartakus-Aufstandsiehe Wolfgang Fernbach15. Januar 1919Spartakusbund/KPDWährend der revolutionären Kämpfe im Januar 1919 in Berlin verhaftet und als Gefangener von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützen-Division erschossen.15. Januar 1919Spartakusbund/KPDWährend der revolutionären Kämpfe im Januar 1919 in Berlin verhaftet und als Gefangene von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützen-Division erschossen.17. Januar 1919von LojewskiTeilnehmer am Spartakus-AufstandZu einer Gruppe von verhafteten Spartakisten gehörend, bei angeblichem Fluchtversuch während eines Gefangenentransports von Wachmannschaften erschossen.17. Januar 1919Teilnehmer am Spartakus-Aufstandsiehe von Lojewski17. Januar 1919Teilnehmer am Spartakus-Aufstandsiehe von Lojewski17. Januar 1919MilkertTeilnehmer am Spartakus-Aufstandsiehe von Lojewski23. Februar 1919KAPDNach einem Treffen in seiner Funktion als Partei-Delegierter mit den zuvor in Bottrop eingerückten Regierungstruppen auf dem Rückweg verhaftet und im Gefängnis erschossen. Quelle: Sahin Aydin: Ein Leben für die gerechte Sache; Biografischer Abriss von Alois Fulneczek (29.12.1882–23.02.1919). Kunstkreis Bottrop, 2015.10./11. März 1919 (16 Jahre alt)Verdächtigt des SpartakismusAm 10. März gemeinsam mit zwei Freunden von Regierungssoldaten verhaftet und am darauffolgenden Tag mit den beiden anderen unter ins Leichenschauhaus überführt; nachträglichen nicht verifizierbaren behördlichen Angaben zufolge bei einem Fluchtversuch erschossen. Verwundet durch Hüft- und Kopfschuss.10./11. März 1919 (16 Jahre alt)Verdächtigt des Spartakismussiehe Kurt Friedrich. Wies ebenfalls zwei Schusswunden auf (eine an der Stirn), zusätzlich aber Schlagverletzungen, der Leiche waren zahlreiche Kleidungsstücke abgenommen worden.10./11. März 1919 (18 Jahre alt)Verdächtigt des Spartakismussiehe Kurt Friedrich. Zahlreiche Schusswunden in Gesicht und am Arm.
1921
Datum Person Politische GruppenzugehörigkeitAnmerkung27. März 1921 Kommunistische Aufständische Im Zuge der Niederschlagung des von Kommunisten getragenen Mitteldeutschen Aufstandes ließ die Düsseldorfer Polizeihundertschaft unter Hans Ramshorn als Teil der Polizeigruppe Eisleben am 27. März 1921 in Bischofrode mehrere Zivilisten von einem Polizeierschießungskommando hinrichten. Vor dem Preußischen Landtag deklarierte Ramshorn die Männer später zu Aufständischen.Daniel Schmidt: Der SA-Führer Hans Ramshorn. Ein Leben zwischen Gewalt und Gemeinschaft (1892–1934), in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 60. Jg. (2012), H. 2, S. 215.28. März 1921 Kommunistische Aufständische Im Zuge der Niederschlagung des von Kommunisten getragenen Mitteldeutschen Aufstandes stellte die Düsseldorfer Polizeihundertschaft unter Hans Ramshorn als Teil der Polizeigruppe Eisleben am 28. März 1921 bei Querfurt eine Gruppe von 70 aufständischen Arbeitern, die im offiziellen Bericht als „Bande“ gekennzeichnet wurden. Diese wurden ausnahmslos exekutiert.Daniel Schmidt: Der SA-Führer Hans Ramshorn. Ein Leben zwischen Gewalt und Gemeinschaft (1892–1934), in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 60. Jg. (2012), H. 2, S. 215.
1929
Datum Person Politische GruppenzugehörigkeitAnmerkung7. März 1929KommunistJohannes Stürzenbecher wurde bei einer Massenschlägerei von Nationalsozialisten und Kommunisten auf der Großen Straße in Wöhrden am 7. März 1929 () getötet. (nach: Horst Ploog: Geschichte der Gemeinde Wöhrden, Wöhrden 1997, S. 221–224); Christian M Sörensen: Politische Entwicklung und Aufstieg der NSDAP in den Kreisen Husum und Eiderstedt, 1918-1933, Neumünster 1995, S. 284 f. und 571.
1930
Datum Person Politische GruppenzugehörigkeitAnmerkung28. Juni 1930Gumbel: Auf der Suche nach der Wahrheit, 1991, S. 69.KommunistRasek wurde auf dem Heimweg von einer Versammlung der Laubenkolonie bei Pankow von den Nationalsozialisten Aschbrenner, Stender, Nimmert, Dietz, Wienicke und Zilinski überfallen und niedergestochen. Durch einen tiefen Rückenstich durch die Lunge getötet.8. Dezember 1930Gumbel: Auf der Suche nach der Wahrheit, 1991, S. 71.Kommunist, JungarbeiterHermann Krämer wurde, als er am 8. Dezember 1930 in Köln auf dem Heimweg vor einem nationalsozialistischen Verkehrslokal vorbeikam, von dem vor dem Lokal stehenden Nationalsozialisten Hans Hoffmann ohne Anlass niedergeschossen.
1931
Datum Person Politische GruppenzugehörigkeitAnmerkung21. Januar 1931Emil Julius Gumbel: Auf der Suche nach der Wahrheit, 1991, S. 74; Westdeutscher Beobachter vom 22. Januar 1931.KommunistMonteur in Köln. Vater von fünf Kindern. Bei einem Zusammenstoß mit Nationalsozialisten in der Pallanzerstraße in Köln-Sülz von Nationalsozialisten durch Herzschuss getötet.24. Januar 1931Ulrike Puvogel: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, 1999, S. 472; Scheer: Blut und Ehre, S. 224.KommunistDähmlow (* 1900), ein kommunistischer Arbeiter und Vorsitzender der Ortsgruppe des Kampfbundes gegen den Faschismus in Stralsund, wurde bei einem Überfall von SA-Angehörigen auf das kommunistische Versammlungslokal Eldorado von dem SA-Mann Karl Lange niedergestochen. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus.1. Februar 1931Arbeiter (Kommunist)Otto Grüneberg (* 1908), von Angehörigen des SA-Sturms 33 an der Ecke Hebbelstraße/Schloßstraße in Berlin getötet.Bernhard Sauer: Goebbels Rabauken. S. 127.März 1931Bäckerlehrling (Kommunist)Ernst Nathan (* 1914) wurde im März 1931 von einem Nationalsozialisten erschossen14. März 1931Politiker (KPD), Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft Ernst Henning (* 1892), in Hamburg-Kirchwerder von den drei SA-Mitgliedern Albert Jensen, Hans Höckmeier und Otto Bammel überfallen und erschossen, sein Begleiter Louis Cahnbley und eine unbeteiligte Frau wurden dabei schwer verletzt17. März 1931Scheer: Blut und Ehre, S. 225.KommunistArbeiter. Bei einem Überfall von Nationalsozialisten auf ein Arbeiterlokal in Jassel getötet.25. März 1931Emil Julis Gumbel: Auf der Suche nach Wahrheit, 1991, S. 78. Siehe auch Berliner Tageblatt vom 27. März 1931.KommunistGruber, ein Jungkommunist, wurde in Ahlen hinterrücks bei einem nationalsozialistischen Überfall von einem Nationalsozialisten durch einen Schuss in die Schläfe getötet.27. März 1931Maximilian Scheer: Blut und Ehre, 1937, S. 225.Kommunist Kleinfeld, ein Arbeiter in Berlin, wurde von Nationalsozialisten getötet.11. April 1931Kommunist Radtke, ein Arbeiter in Chemnitz, wurde von Nationalsozialisten getötet.15. September 1931Maximilian Scheer: Blut und Ehre, 1937, S. 226Kommunist Korn wurde in Tempelburg getötet.16. September 1931Maximilian Scheer: Blut und Ehre, 1937, S. 226Kommunist Der Arbeiter Jooksch wurde in Völpke von Nationalsozialisten getötet.12. November 1931„Besonders jetzt tu deine Pflicht!“ – Kurze biografische Darstellungen über antifaschistische Widerstandskämpfer, die in der Stadt und im Kreis Potsdam lebten und wirkten; Herausgeber: Kreiskomitee Potsdam der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, 1988.Schlosser (Jungkommunist)Herbert Ritter (* 1914), in Nowawes von dem SA-Mitglied Günter Gustrau erschossen.9. Dezember 1931 KommunistBei einem Marsch des SA-Sturms 33 durch Berlin-Charlottenburg bei einer Auseinandersetzung mit Kommunisten vor dem Kommunisten-Lokal Ahlerts Festsäle von dem SA-Führer Hans Maikowski mit zwei anderen Kommunisten niedergeschossen und als einziger der drei tödlich getroffen.
1932