Project Pitchfork ist eine Band aus Hamburg, die 1989 gegründet wurde und seit Beginn der 1990er-Jahre zu den populärsten Vertretern im Electro-Wave-Umfeld zählt. Seit Mitte der 1990er-Jahre verzeichnet die Band auch Szene-übergreifend Erfolge und jedes seit 1994 veröffentlichte Werk erreichte die deutschen Albumcharts.
Die Band wurde zweimal für den Echo nominiert: 1998 in der Kategorie „Musik-Video des Jahres national“ und 2002 in der Kategorie „Best Alternative Act national“.
Geschichte 1989–1994: Erste Erfolge in der Wave-Szene Projektgründung mini|Peter Spilles, Schlüsselfigur hinter Project Pitchfork. Die künstlerische Grundlage von Project Pitchfork bildete das Projekt Demoniac Puppets, das Peter Spilles unter diversen Pseudonymen führte und aus einem noch früheren Projekt mit dem Namen Black Planet hervorging. Auf den etwa sechs verschiedenen Audiokassetten, die Spilles veröffentlichte und in Hamburger Diskotheken verteilteStefan Brunner: The History of Project Pitchfork – Teil 1, Orkus Musikmagazin, Ausgabe 9/2000, September 2000, S. 39, von denen jedoch nur Embryonal Thoughts (1988) und Feary Tales (1989) Bekanntheit erlangten, waren bereits Lieder und Liedgerüste enthalten, die später auf den Frühwerken „Dhyani“ und „Lam-'bras“ Verwendung fanden. Dazu gehören beispielsweise die Tracks Lie on Grass und Imaginary Product. Versatzstücke letztgenannter Songs finden sich in Go Further auf dem Album „Lam-'bras“ wieder. Ein weiterer Teil dieser Aufnahmen, wie Nightmare(s), wurde zu Beginn der 1990er-Jahre noch live gespielt bzw. einer Special Edition des 1994er Albums „IO“ beigelegt.
Dirk Scheuber verbrachte seine Jugend in der DDR und verließ diese 1986.Volker Gebhart: Interview mit Project Pitchfork, Vertigo Musikmagazin, Ausgabe 2/92, S. 19, April 1992Claus Müller: Interview mit Project Pitchfork, Orkus Musikmagazin, Ausgabe 12/1 Dezember 1996/Januar 1997, S. 14 Er und Spilles lernten sich Ende 1988 auf einem Konzert der Gruppe Girls Under Glass in Hamburg kennenVolker Gebhart: Interview mit Project Pitchfork, Vertigo Musikmagazin, Ausgabe 2/92, S. 17, April 1992 und führten Demoniac Puppets bis 1989 gemeinsam weiter.Dirk Scheubers Name erscheint auf dem Inlay des Demoniac-Puppets-Demos „Feary Tales“. Kurz darauf benannten sie das Projekt in Project Pitchfork um. Der Bandname Pitchfork (wortwörtlich „Heugabel; Mistgabel“) symbolisiert das „Aufwühlen (der Gedanken der Menschen)“ und steht für die sozialkritische Seite der Band.Glasnost Wave-Magazin: Interview mit Project Pitchfork, Ausgabe 24/1990, S. 23, November/Dezember 1990Zone Musikmagazin: Interview mit Project Pitchfork, Ausgabe 13/92, Januar 1992, S. 8Frank Keil: Interview mit Project Pitchfork, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 9/95, S. 17, September 1995 Der Namenszusatz Project soll verdeutlichen, dass es sich dabei um ein offenes, zielstrebiges Projekt handelt, an dem auch Gastmusiker mitwirken können. Zentrale Figur dieses Projekts ist Peter Spilles, der bereits im Alter von 14 Jahren erste musikalische Gehversuche unternahm.Daniel Büchner: Interview mit Project Pitchfork, Orkus Musikmagazin, Ausgabe 6/97, S. 28, Juni 1997 In seinem zeitweilig als „The Hall of Light“ betitelten Homestudio wurden die meisten Werke ausgearbeitet und vorproduziert. Dazu nutzte er in den ersten Jahren eine Roland W-30 Sampling Workstation und ab 1993 den Akai S-3000, einen digitalen 16-Bit-Stereo-Sampler.Michael Irmer: Interview mit Project Pitchfork, Electronic Disease, Ausgabe 13/94, S. 13, Spätsommer 1994Daniel Büchner: Interview mit Project Pitchfork, Orkus Musikmagazin, Ausgabe 6/97, S. 31, Juni 1997 Dirk Scheuber wirkte zunächst nur selten an den Alben, wie bspw. „Dhyani“, mit. Von ihm stammen unter anderem das Stück Vietnam und der Text zu Lost Youth of a Prisoner, das die negativen Erfahrungen in Ostdeutschland verarbeitet und die Unterdrückung Andersdenkender durch autoritäre/totalitäre Regime thematisiert.Sven Freuen: Interview mit Project Pitchfork, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 3/91, März 1991, S. 9 Stärker wurde sein Einfluss ab dem 1997er Album „!Chakra:Red!“.Joe Asmodo: Interview mit Project Pitchfork, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 2/97, Februar 1997, S. 17
Patricia Nigiani, eigtl. Linda Patricia Nigiani Degl'innocenti, ist chinesisch-italienischer Abstammung und lebte mehrere Jahre in Saudi-Arabien, wo sie eine englische Schule besuchte. Nigiani ist multikulturell geprägt. Ihr Interesse gilt der Musik, der Bildenden Kunst und der Philosophie. Sie war mit Spilles liiert, half bei TextübersetzungenVolker Gebhart: Interview mit Project Pitchfork, Vertigo Musikmagazin, Ausgabe 2/92, S. 22, April 1992 und kreierte das Coverartwork des Debütalbums („Communion“-MotivZone Musikmagazin: Interview mit Project Pitchfork, Ausgabe 13/92, Januar 1992, S. 7) und der Maxi-Single „Psychic Torture“. Gesanglich aktiv wurde sie in der Band erstmals im Sommer 1991.Astrid Anke: Interview mit Patricia Nigiani, Entry Musikmagazin, Ausgabe Oktober/November 1996, S. 20 Über Nigianis Mitgliedschaft gibt es widersprüchliche Aussagen. Obgleich sie auf den 1994er Promotion- und Presse-Fotos der Band erscheint, in früheren Interviews als Mitglied bestätigt wirdMichael Irmer: Interview mit Project Pitchfork, Electronic Disease, Ausgabe 13/94, S. 11, Spätsommer 1994 und im Booklet zum Album „IO“ als Mitwirkende am Songwriting Erwähnung findet,Scans zum Booklet des Albums „IO“, auf www.discogs.com wird ihre Beteiligung und ihr Einfluss auf das Projekt heute weitgehend dementiert.
Die ersten Werke Ihr erstes Live-Konzert gaben Project Pitchfork am 15. Februar 1990 in der Hamburger Diskothek „Kir“. Dort lernten sie den Resident-DJ und zukünftigen Produzenten Matthias Rewig kennen. In den NHB Studios der Hansestadt produzierte dieser die erste Veröffentlichung der Band, die 9-Track-Demo-Kassette „K.N.K.A.“ (ein Akronym der Textzeile „Killing Nature, Killing Animals“), die im August 1990 erschien.Frank Keil: Interview mit Project Pitchfork, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 9/95, September 1995, S. 16 Rewig vermittelte die Band anschließend an den Alster Musikverlag (AMV Talpa) weiter.Sven Freuen: Interview mit Project Pitchfork, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 3/91, März 1991, S. 8 Ihren ersten regulär erhältlichen Titel veröffentlichten Project Pitchfork im November gleichen Jahres auf der Compilation „German Mystic Sound Sampler Volume I“. Darauf vertreten sind sie mit einer Alternative-Version des Songs 2nd Step.
Nach einigen Konzerten wurde das Nürnberger Plattenlabel Hypnobeat Records auf die Band aufmerksam. Dort veröffentlichten Pitchfork im März 1991 ihr Debüt-Album „Dhyani“, das sie aufgrund des geringen Budgets in nur drei Tagen aufgenommen hatten.Zone Musikmagazin: Interview mit Project Pitchfork, Ausgabe 12/91, November 1991, S. 16 Einige Songs des Demo-Tapes „K.N.K.A.“ wurden dafür in überarbeiteten Versionen übernommen. Der Name des Albums geht auf Venerable Dhyani Ywahoo alias Pema Sangzin Khandro, der Initiatorin der „Sunray Meditation Society“, einer kontemplativen Gemeinschaft des tibetischen Buddhismus in Bristol, Vermont, USA, zurück. Schon mit diesem Erstlingswerk erlangte das Duo den Status eines der erfolgversprechendsten Newcomer der ausklingenden Electro-Wave-Bewegung der frühen 1990er-Jahre.Thomas Danninger: The Sun Rises Every Morning – Interview mit Project Pitchfork, Sub Line Musikmagazin, Ausgabe 11/92, S. 35, November 1992 Von „Dhyani“ wurden innerhalb kurzer Zeit etwa 7.000 Exemplare verkauft. Beeinflusst zeigten sich Pitchfork seinerzeit durch Gruppen wie The Human League, Ultravox, OMD, Alien Sex Fiend, The Invincible Spirit, Invisible Limits, Dead Can Dance, Einstürzende Neubauten, Test Dept. aber auch Jean Michel Jarre.Glasnost Wave-Magazin: Interview mit Project Pitchfork, Ausgabe 24/90, S. 22, November/Dezember 1990Volker Gebhart: Interview mit Project Pitchfork, Vertigo Musikmagazin, Ausgabe 2/92, S. 18, April 1992Robert Rosowski / Michaela Böttcher: Interview mit Project Pitchfork, Entry Musikmagazin, Ausgabe 6/95, S. 26/28, Winter 1995
Eine Kategorisierung als Gothic-Band lehnten Project Pitchfork ab. Sie selbst umschrieben ihre Musik als „positiv-mystische Attacke auf den Electro Wave“.Zone Musikmagazin: Werbung für das Album Lam-'bras, Ausgabe 14/92, März 1992, S. 7
Im April 1991 gingen Pitchfork zusammen mit Girls Under Glass auf Deutschland-Tour. Weitere Auftritte mit Gruppen wie Love Like Blood, yelworC und Das Ich folgten. In dieser Zeit sang Patricia Nigiani ihren ersten Song Comedy of Life ein, der im September gleichen Jahres auf der Single „Precious New World“ erschien. Die Single wurde in einer schwarzen, auf 500 Einheiten limitierten Box zusammen mit einem Logo-Sticker und einem Bandfoto verteilt. Die MCD „Psychic Torture“, die neben Precious New World und einem Remix zu K.N.K.A. auch zwei neue Songs enthält, folgte einen Monat später. Nach einem Konzert in Hamburg war eine Zusammenarbeit mit Tommi Stumpff geplant, die aufgrund vertraglicher Bindungen jedoch nicht realisiert werden konnte. Am 27. September absolvierte die Band einen Auftritt zusammen mit Pink Turns Blue, The Fair Sex und In the Nursery beim „1. Night of Darkness“-Festival in der Kulturfabrik Krefeld. Am 11. Oktober war sie zusammen mit X Marks the Pedwalk im Haus der Einheit (heute Kraftwerk e. V.) in Chemnitz zu sehen. Dabei kam es zu einem Übergriff durch rechtsextreme Skinheads, die den Konzertraum während der Abbauarbeiten stürmtenJoe Asmodo: Interview mit Project Pitchfork, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 2/97, Februar 1997, S. 16 und Mitglieder beider Bands (sowohl Dirk Scheuber als auch Jörg Böhme von X Marks the Pedwalk) tätlich angriffen und verletzten. Die Polizei schritt nicht ein.Hysterika: Interview mit X Marks the Pedwalk, Ausgabe 1/92, S. 15, 1992 Der letzte Auftritt dieses Jahres fand am 29. Dezember in der Frankfurter Batschkapp zusammen mit Love Is Colder Than Death statt.
Etablierung in den Clubs Im Februar 1992 erschien das zweite Album „Lam-'bras“ („Weg und Erkenntnis“). Der darauf vertretene Titel Conjure entwickelte sich zu einem Hit. Ein dazugehöriger Clip wurde auf dem Video „Va I Luce Eno Nol Si Unir“ veröffentlicht. Den Track Floating Dolphins sang Patricia Nigiani ein. Er repräsentiert den Beginn des bald darauf realisierten Seitenprojekts Aurora.Side Line Music Magazine: Interview mit Aurora, Ausgabe 7/93, S. 7 Ein weiterer, früher Song dieses Projekts ist Crusaders, der in einer Demo-Version auf der Compilation „040 – Hamburg Strikes Back!“ erschien. Ebenfalls darauf enthalten ist eine Demo-Aufnahme des Pitchfork-Songs Inside als „Cellar Version 1988“. Im April gingen Pitchfork erneut auf Tour und nahmen zusammen mit And One und Oomph! an einem Festival des Veranstalters Moonchild am 18. April in Leipzig teil. Auf dieser Tour wurden Project Pitchfork von der Gruppe Trial begleitet, die den Support übernahm. Ein weiterer Auftritt folgte am 23. August zusammen mit Placebo Effect im Rahmen der Documenta IX in Kassel. Am 25. September spielte die Band ihr erstes internationales Konzert in Brüssel, Belgien.