Die Kreuzerhöhungskirche in Ostrykół ist ein Bauwerk aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und eine der wenigen erhaltenen masurischen Holzkirchen. Bis 1945 war sie zentrales Gotteshaus für das evangelische Kirchspiel in Ostrokollen (1938–1945: Scharfenrade) in Ostpreußen und ist heute Filialkirche der römisch-katholischen Pfarrei in Prostki ().

Geographische Lage Ostrykół am Flüsschen Ełk () liegt im südlichen Osten der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren nordwestlich von Prostki (Prostken) und ist über die Landesstraße 65 zu erreichen. Die nächste Bahnstation ist Prostki an der Bahnstrecke Korsze–Ełk–Białystok.

Der Standort der Kirche befindet sich in der südöstlichen Ortsmitte. 150px|mini|Der stattliche Turm der Kirche Ostrykół

Kirchengebäude Bereits am 2. Januar 1538 wurde befohlen, in Ostrokollen eine Kirche „zu fundieren“.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 106. So wurde hier schon sehr bald nach Ortsgründung im Jahr 1538 eine Kirche errichtet. Es handelte sich um eine Holzkirche, die jedoch im Ansturm der Tataren 1656 nach der „Schlacht von Prostken“ zusammen mit anderen Gebäuden des Dorfes in Flammen aufging.

Eine neue Holzkirche wurde im Jahr 1667 erbautWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 125, Abb. 576., basilikaähnlich dreischiffig mit Chor und – etwas jüngerem – Westturm. Bogenartige Obergeschosse schließen sich im Innenraum organisch an den Chor an.

Mitten im Kirchenraum stellte man auf einem Querbalken ein Kruzifix auf, das etwa 1700 angefertigt worden war. Der Altaraufsatz mit gewundenen Säulen und Ohrmuschelformen zeigt in seinem Hauptbild den gekreuzigten Christus, im Obergeschoss ein Bild der Himmelfahrt. Das Werk wurde etwa 1680 geschaffen. Aus dem Jahr 1690 stammt die Kanzel.

Zur Innenausstattung gehören ein Taufengel mit Schale sowie mehrere Hirschkopfleuchter aus der Zeit um 1700, außerdem ein Dreisitz aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Orgel wurde 1799 erbaut. Das Geläut der Kirche bestand aus zwei Glocken.

Das Kirchengebäude wurde 1933/35 umfassend renoviert. Es überstand den Zweiten Weltkrieg einigermaßen unbeschadet. Im Jahre 1990 fand eine Innenrenovierung statt.

Das Gotteshaus stand nahezu 300 Jahre im Dienst der evangelischen Kirche und ist heute Andachtsstätte der römisch-katholischen Kirche, die das Bauwerk im Innern den veränderten liturgischen Zwecken anpasste. Am 14. April 1999 wurde die Kirche erneut geweiht und erhielt den Namen „Kościół Podwyższenia Krzyża Świętego“ (). Sie ist heute neben einer Kapelle in Sokółki (Sokolken, 1938–1945 Stahnken) eine Filialkirche der Pfarrei in Prostki.Parafia Prostki/Bistum Ełk

Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte 150px|mini|Historisches Bild der Kirche Ostrokollen (Scharfenrade) Die lutherische Reformation fasste in Ostrokollen schon frühzeitig FußWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 494. mit der Errichtung eines Kirchengebäudes und einem dazugehörigen weitflächigen Kirchspiel. Erster Geistlicher der reformatorischen Lehre war Nikolaus Papa, dem 1560 Leonhard Choinowski folgte. Danach versahen hier zeitweise zwei Pfarrer gleichzeitig ihren Dienst.

Bis 1945 gehörte das Kirchspiel Ostrokollen, dessen Kirch- und Pfarrort im Jahr 1910 nach Prostken () verlegt wurde, zum Kirchenkreis Lyck in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Bei der Volkszählung im Jahr 1925 registrierte man in der Pfarrei 5.900 Gemeindeglieder. Das Kirchenpatronat oblag staatlichen Behörden.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung brach nach 1945 das Leben der evangelischen Kirchengemeinde ein. Heute halten sich die wenigen hier lebenden evangelischen Kirchenglieder zur Kirchengemeinde in der Kreisstadt Ełk (Lyck), einer Filialgemeinde der Pfarrei in Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Ostrokollen neben dem Pfarrort (bis 1910 Ostrokollen, ab 1910 Prostken) zahlreiche Dörfer, Orte und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort

Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName *Bobern Bobry Lipinsken (ab 1935) Lindenfließ Lipińskie Małe *Borken Borki Miechowen Niederhorst Miechowo *Dlugossen Langheide Długosze *Mylussen Milussen Miłusze *Dombrowsken (ab 1927)Eichensee Dąbrowskie Niedzwetzken (ab 1936)Wiesengrund Niedźwiedzkie Eiche (Forst) Dąb *Popowen Wittingen Popowo Glinken Glinki Preußisch Höhe Gorczitzen (ab 1928)Deumenrode Gorczyce *Prostken Prostki *Hellmahnen Helmany Schikorren Kiefernheide Sikory Ostrokolskie Kobylinnen, DorfKobylinnen, Gut Kobilinnen, DorfKobilinnen, Gut KobylinekKobylin Sdunken Ulrichsfelde Zdunki Krupinnen Kleinwittingen Krupin Sokolken Stahnken Sokółki *Langseebis 1897 Dlugochorellen Długochorzele Soltmahnen Sołtmany Linde (Forst) Lipinka Zielasken Schelasken Żelazki

Pfarrer An der Kirche Ostrokollen resp. Scharfenrade amtierten bis 1945 als evangelische Geistliche:

Nicolaus Papa, vor 1560 Leonhard Choinowski, 1560 Albert Kozik a Kozikowski, 1619–1626 Johannes Boretius, ab 1621 Georg Hoffmann, 1626–1664 Johann Gera, 1664–1680 Sebastian Foedorowitz, bis 1679 Augustin Foedorowitz, 1679–1711 Johann Georg Trentowius, 1682–1684 Paul Olschewius, 1685–1710 Michael Grodzki, 1711–1747 Georg Coglenius, 1713–1729 Johann Chr. Gregorowius, 1729–1742 Martin Jagodzinski, 1742–1743 Gottfried Ludwig Hoffmann, 1743–1759 Georg M. Cuchlowius, 1747–1798 Thimotheus Gisewius, 1759–1762 Georg Joseph Rosocha, 1762–1772 Christ. Fr. Krupinski, 1773–1780 Georg Fr. Cuchlowius, 1780–1790 Andreas Frenzel, 1790–1799 Johann Friedrich Hecht, 1791–1809 Johann Jacob Paulini, ab 1799 Johann Jacob Stern, 1808–1812 Carl Cölestin Schrage, 1809–1829 Sigismund Fr. Pianka, 1812–1821 Hermann Skrodzki, 1823–1825 Jacob Schiweck, 1827–1841 Johann Ferd. Aug. Szambor Ski, 1829–1832 Gustav Eduard Salkowski, 1835–1841 Johann Friedrich Rhein, 1841–1845 August Ferdinand Kob, 1845–1856 Christoph Skupch, 1846–1856Angehöriger des Corps Masovia Friedrich Leopold Montzka, 1856–1867 Johann Zbrzezny, 1857–1861 Carl Reuter, 1861–1873 Hermann Friedrich Schrage, 1867–1887 Franz Borchert, 1873–1876 Heinrich Rutkowski, 1876–1879Rutkowski, Masure und Sohn des Aweydener Pfarrers Heinrich Rutkowski, sprach 1895 beim Festakt des Corps zum 65. Stiftungsfest in der Aula der Albertus-Universität. Theodor Albert Czymmeck, 1880–1882 Johann Michael Ebel, 1884–1894 Daniel Joh. Herm. Rutkowski, 1888–1914 Alfred Gottlieb Petersdorff, 1894–1906 Otto Ernst Fr. Walther, 1915–1919 Eduard Bachor, 1919–1945 Eberhard Romahn, 1940–1941

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Ostrokollen aus der Zeit vor 1945 haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie (DZfG) in Leipzig verwahrt: Taufen: 1832 bis 1874 Trauungen: 1832 bis 1874 Begräbnisse: 1832 bis 1874

Römisch-katholisch Vor 1945 gab es im Bereich des Kirchspiels Ostrokollen nur wenige katholische Kirchenglieder. Sie waren in die Pfarrkirche St. Adalbert in Lyck () im Bistum Ermland eingepfarrt.Ostrokollen

Aufgrund der nach 1945 erfolgenden Neuansiedlung polnischer Bürger, die fast ausnahmslos katholischer Konfession waren, begann sich in Ostrykół wieder neues kirchliches Leben zu regen. In Prostki wurde 1962 offiziell eine katholische Pfarrei eingerichtet, der Ostrykół als Filialkirche (neben der Kapelle in Sokółki) zugeordnet wurde. Sie ist Teil des Dekanats Ełk – Matki Bożej Fatimskiej im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen.

Weblinks

Die Holzkirche in Ostrykół in 3D

Einzelnachweise

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