mini|Schloss Rochsburg im März 2020 Das vermutlich im späten 12. Jahrhundert gegründete Schloss Rochsburg steht auf einem dreiseitig von der Zwickauer Mulde umflossenen Felssporn über dem Dorf Rochsburg, einem Stadtteil von Lunzenau in Sachsen. Es befindet sich im Landschaftsschutzgebiet Mulden-Chemnitztal und wird vollständig umschlossen vom FFH-Gebiet Mittleres Zwickauer Muldental, vom Vogelschutzgebiet Täler in Mittelsachsen sowie vom Naturschutzgebiet Um die Rochsburg.

Die mittelalterliche Gesamtanlage und ihre Untergliederung in Hauptburg, Vorburg und zwei Zwingeranlagen ist noch gut zu erkennen. In seiner heutigen Erscheinung stammt das Schloss jedoch aus der Spätgotik und der Renaissance. Seine Hauptbauphasen datieren ab 1470 und ab 1548; es handelt sich um ein bedeutendes Beispiel der Renaissancearchitektur in Sachsen. Schloss Rochsburg zählt deshalb zu den bedeutendsten sächsischen Burgen und ist somit gleich zweifach als hochrangiges Denkmal eingestuft – einmal als Burg und zudem als Schloss (Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen, Denkmaldokument Nr. 09307167 und Nr. 09236464): „heutige Gestalt vor allem durch Wiederaufbau in der Mitte des 16. Jahrhunderts unter Wolf II. von Schönburg (1532 - 1581) geprägt, einer der bedeutendsten und prägnantesten sächsischen Feudalsitze, insbesondere durch die Verbindung zu Arnold von Westfalen und der Besitzerfamilie von Schönburg herausragende Bedeutung für die sächsische Kunst- und Landesgeschichte, zudem von hohem städtebaulichen (ortsbildprägenden) und landschaftsgestaltenden Wert.“

Über Jahrhunderte bildete die Rochsburg den namensgebenden Mittelpunkt im sächsischen Amt Rochsburg.

mini|Schloss Rochsburg von Norden, um 1860, Holzschnitt (11 × 18 cm) mini|Schloss Rochsburg von Süden, um 1830, kolorierte Lithografie (26 × 36 cm) mini|Örtliche Infotafel (Lageplan)

Geschichte mini|Schloss Rochsburg, Hof mit Brunnen

Die erste urkundliche Erwähnung eines „Gunteros de Rochsberg“ (gestorben um 1220) findet sich 1195 in einer wettinischen Urkunde über einen fünf Jahre zurückliegenden Vorgang. Obwohl dieser „Gunteros de Rochsberg“ seit den 1190er Jahren mehrmals erwähnt wird, ist nicht sicher, ob die Burg bereits vor 1200 errichtet wurde. Auch im frühen 13. Jahrhundert erscheint der Name der Herrschaft Rochsburg mehrmals in Urkunden. Vermutlich war Gunteros de Rochsberg ein wettinischer Beamter, der mit dem benachbarten Gau Rochlitz in Verbindung stand.Die Burggrafschaft Altenburg, S. 561 1283 ist das Jahr der ersten Erwähnung der Burggrafen von Altenburg als wettinische Lehnsnehmer der Rochsburg. Die früheste direkte urkundliche Erwähnung eines „castrum Burggravii Rochsberg“ findet sich in einer Urkunde des Burggrafen Dietrich II. von Altenburg (1291 bis 1303, Rochsburger Linie) vom 22. Juli 1296. Hier wird die Rochsburg als bevorzugter Wohnort des Burggrafen genannt.R. Hofmann: Zur Baugeschichte der Rochsburg. In: Schönburgische Geschichtsblätter. Bd. 3, Waldenburg 1896/1897.

Durch Heirat kam die Anlage 1329 an Otto von Leisnig, dessen Nachfahr Albrecht II. von Leisnig sich durch Finanzsorgen dazu genötigt sah, die Herrschaft Rochsburg am 10. März 1448 an Heinrich, Herrn zu Gera, zu veräußern. Die Herren zu Gera verpfändeten ihre neuerworbene Grundherrschaft bereits vier Jahre später an Zschaslaw von Schönfeld für 1500 Schock Freiberger Groschen über eine Zeit von fünf Jahren. Da dieser sein Geld nicht zurückerhielt, wurde Rochsburg wettinisches Amt und Zschaslaw von Schönfeld sein Amtmann. Am 28. Oktober 1467 nahm der Graf von Hohnstein die Rochsburg im Handstreich. Was ihn dazu bewegt hatte, konnte bisher noch nicht ergründet werden. Zwei Jahre lang blieb er unbehelligt, ehe 1469 kursächsische Truppen die Abwesenheit des Grafen zur Rückeroberung nutzten.

Die Anlage ging 1470 gegen Zahlung von 4000 Gulden als Pfand an den politisch einflussreichen kurfürstlichen Ratgeber und Oberhofmarschall Hugold IV. von Schleinitz (1435–1490), der ab 1470 umfangreiche, 12 Jahre währende Aus- und Umbaumaßnahmen zu einem Schloss einleitete.Die Rechnungen für den Umbau ab 1470 sind im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden erhalten (Loc. 10361), dazu: Donath, Matthias: Schloß Rochsburg und der sächsische Schloßbau des 15. und 16. Jahrhunderts. In: Matthias Donath (Hrsg.): Schloß und Herrschaft Rochsburg. Beucha 2006, S. 59–75, hier: S. 60. Es entstand unter Einbeziehung der älteren, einzeln stehenden Bauten eine geschlossene Vierflügelanlage nach dem Vorbild des ab 1468 modernisierten kurfürstlichen Schlosses zu Dresden. Ein kunstvoller Treppenturm auf rechteckigem Grundriss erschloss nun die Obergeschosse. Dieser Große Wendelstein gilt als eines der ersten von vornherein innen liegend geplanten Treppenhäuser in Schlossanlagen. Diese Arbeiten betreute der Oberlandesbaumeister Arnold von Westfalen, einer der bedeutendsten Architekten seiner Zeit in Mitteleuropa. Doch allzu lange konnte sich Hugold IV. von Schleinitz nicht an der Rochsburg erfreuen. Nach langwierigen Verhandlungen vor dem Landesgericht erging 1488 der Beschluss, dass er das Schloss gegen Rückzahlung seiner 4000 Gulden Pfandsumme und weiteren 4000 Gulden als Entschädigung für die Baukosten an Herzog Albrecht von Sachsen zurückzugeben habe.

Wieder verwalteten Vögte das nunmehr herzogliche (albertinische) Amt Rochsburg. Im Jahr 1503 brannte die Rochsburg völlig aus, Unachtsamkeit in der Küche war die Ursache. Die Brüder Heinrich und Götz von Ende auf dem benachbarten Kriebstein nutzten die Gunst der Stunde und tauschten ihre Herrschaft Kriebstein gegen die Rochsburger Grundherrschaft ein.

Als kurfürstliche Truppen 1547 während des Schmalkaldischen Krieges das schwach besetzte Schloss plünderten und niederbrannten, verkaufte Heinrichs Sohn Wolf von Ende Schloss und Herrschaft Rochsburg für 60.000 Gulden an die drei Herren Georg, Hugo und Wolf II. von Schönburg, die damit ihre umfangreichen Besitzungen im oberen Tal der Zwickauer Mulde erweiterten. Diese bauten die ruinierte Anlage schon ein Jahr später nicht nur wieder auf, sondern gaben ihr mit den Zwerchhäusern und neuen Fenstergewänden das Aussehen, das heute noch die Anlage prägt. Eine Inschrift in der Kapelle erinnert an diesen Wiederaufbau von 1548 bis 1553.Die Inschrift ist zitiert bei Wolf-Dieter Röber: Die Rochsburg. In: Schönburgische Burgen und Schlösser im Tal der Zwickauer Mulde. Sax-Verlag, Beucha 1999, S. 88. Auch die Schäden eines weiteren Brandes im Jahr 1582 behoben die Schönburger unter Wolf III. zügig; damals wurden fast alle hölzernen Decken in den Schiffskehlenformen erneuert, die noch heute zu sehen sind. Auch der erhaltene Fachwerkwehrgang im Nordzwinger stammt noch aus dieser Zeit. 1574 entstand vor den Toren des Schlosses ein zweigeschossiges Lusthaus auf rundem Grundriss, das heute das letzte erhaltene Beispiel dieses Bautyps in Sachsen darstellt. 1637 wurde Christian Ernst von Schönburg durch Kauf alleiniger Besitzer der Rochsburg. Sein besonderes Augenmerk lag auf der Ausgestaltung der Gartenanlage des Schlosses.

Im Jahr 1570 hatte Wolf von Schönburg (Lebensdaten?) Paul Held als Hofprediger nach Rochsburg berufen. Wolf war in zweiter Ehe mit Johanna Freiin von Scharfenberg verheiratet. Nach 1570, aber vor 1588, verstarb dieser Wolf von Schönburg. Im Jahr 1790 zogen Bauern aus der Gegend von Burgstädt vor die Rochsburg und verlangten Einsicht in das Frohnregister, um herauszufinden, ob die von ihnen verlangten Abgaben korrekt sind. Es wird ihnen verweigert.Horst Schwabe: "Mein Burgstädt" (Reihe: Impressionen & Informationen, Wanderrouten, Stadtbeschreibungen, Geschichte), Riedel Verlag, Röhrsdorf/Chemnitz 1993, S. 79 u. S. 17/81

Zunehmende finanzielle Schwierigkeiten bewogen den damaligen Besitzer Graf von Schönburg-Waldenburg 1911 dazu, der Öffentlichkeit einige Räume im Schloss als kleines Museum zugänglich zu machen. Außerdem wurden ab Mitte der 1920er Jahre einige Zimmer als Herberge an katholische Gäste vermietet. Im März 1932 wurde dann eine anfänglich rein katholische Jugendherberge mit insgesamt 50 Plätzen in der Hauptburg eröffnet. Die Jugendherberge wurde 1934 durch die Hitlerjugend übernommen, die dort schon im folgenden Jahr ein Schulungslager einrichtete, bevor die Herberge von der Hitlerjugend schließlich als Wehrertüchtigungslager genutzt wurde. Im August 1948 wurde die Jugendherberge, ab 1951 unter dem Namen „Heinrich Heine“, wiedereröffnet. 1960 wurde die Kapazität von 150 auf 170 Plätze erweitert. Die höchste Auslastung wurde 1967 mit 36.340 Übernachtungen erreicht.Chronik der Jugendherberge „Heinrich Heine“ Rochsburg anläßlich des 40-jährigen Jubiläums der Wiedereröffnung am 8. Mai 1948. Typoscript, 1988, Archiv Museum Schloss Rochsburg, S. 7; Die Rochsburg und ihre Umgebung. Ein historischer Abriß. Hrsg. vom Museum Schloß Rochsburg, Heine-Druck, Glauchau 1974, S. 18; und Aussagen von Anwohnern. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss auch als Auslagerungsort für wertvolle Kulturgüter genutzt.

Die Rochsburg blieb von 1548 bis 1945 im Besitz des 1700 in den Grafenstand erhobenen Geschlechts von Schönburg. 1945 wurde die Adelsfamilie im Rahmen der Bodenreform enteignet, und die Anlage kam an das Land Sachsen. Drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Museum auf erweiterter Grundfläche wieder eröffnet und zeigt seither Einrichtungsgegenstände aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Auch die Jugendherberge öffnete in jenem Jahr wieder ihre Pforten und wurde 1998 endgültig geschlossen.

Im Jahr 1952 übernahm der damalige Landkreis Rochlitz die Rochsburg. Nachdem dieser 1992 im Landkreis Mittweida aufging, führte zunächst Mittweida die Nutzung weiter, seit 2002 der Landkreis Mittelsachsen. Das Museum im Schloss wird seit 2009 von der Mittelsächsischen Kultur gGmbH betrieben.

Am 28. Oktober 1980 wurde das Burgareal als Bodendenkmal eingetragen. Volkmar Geupel vermerkt für das Areal 1983 keine Funde.Bodendenkmal Burgareal "Schloß"/"Schloßberg"/"Rochsburg" (S. 68), in Volkmar Geupel: Die geschützten Bodendenkmale im Bezirk Karl-Marx-Stadt. Hrsg. Heinz-Joachim Vogt, Kleine Schriften des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden, Heft 3, Dresden 1983, ISSN 0232-5446

Von 1991 bis 1997 wohnte Joachim Graf von Schönburg-Glauchau (1929–1998) mit seiner Familie im Südflügel der Rochsburg.

Seit 2015 befindet sich im Wirtschaftshof des Schlosses die Schokoladenmanufaktur Choco Del Sol, die vor Ort Bean-to-Bar Schokoladen herstellt und vermarktet sowie jährlich das internationale EuroBean Chocolate Festival veranstaltet.Schokoladenmanufaktur Choco Del Sol, abgerufen am 13. September 2019.

Bauliche Kurzbeschreibung Die Anlage besteht (nach dem Umbau von 1470–1482) im Bautyp einer Kastellanlage aus einer vierflügeligen Kernburg mit den in die Anlage integrierten Resten eines spätromanischen Saal- oder Wohnbaus und dem um 1200 bzw. im frühen 13. Jahrhundert errichteten Bergfried in ihrem Zentrum. Die dicken, mehrschaligen Bruchsteinmauern der Burg sitzen teilweise unmittelbar auf dem Fels des Bergsporns (Gneisschiefer) auf; die Gebäudeecken sowie ausgezeichnete Architekturteile wie Fenster- und Türgewände sind aus dem für das Gebiet charakteristischen roten Rochlitzer Porphyrtuff gearbeitet. Die Zwerchhäuser wie auch die oberen Teile des Bergfrieds sind teilweise aus Backsteinen im Klosterformat ausgeführt worden. Dieser Rundturm wurde um 1620 unter Johann Georg von Schönburg um zwei zusätzliche Turmgeschosse auf 42 Meter Höhe in Backsteinmauerwerk aufgestockt und mit einer spitz zulaufenden barocken Turmhaube versehen. Erst 1842 wurde im Bergfried eine Treppe angelegt, die vom damals neu eingebrochenen Hofeingang ins erste Obergeschoss führt. Der ursprüngliche Zugang befand sich in etwa 10 Metern Höhe über dem Innenhof.Matthias Donath (Hrsg.): Schloß und Herrschaft Rochsburg. Beucha 2006, S. 85–88.