Das Kloster Mariental war ein Konvent der Dominikanerinnen in Steinheim an der Murr. Es wurde 1254 durch Elisabeth von Blankenstein (geb. von Steinheim) und ihren Gemahl Berthold von Blankenstein gestiftet und gegründet. Wahrscheinlich war bereits hier die später erfolgte Inkorporation in den Dominikanerorden vorgesehen. Ab dem späten 13. Jahrhundert galt Mariental, das damals auch die Herrschaft über den Ort Steinheim innehatte, als reichsunmittelbar. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts zählte es zu den reichsten Klöstern Württembergs. Infolge der württembergischen Reformation wurde das Kloster 1582 aufgelöst, nachdem die Nonnen sich zuvor mehrere Jahrzehnte trotz starkem und zum Teil militärischem Druck von Seiten Württembergs geweigert hatten, ihren alten Glauben aufzugeben.
mini|König Adolf von Nassau übernimmt die Vogtei des Klosters Steinheim, 25. Juni 1294.
Die Zeit bis zur Stiftung und Gründung 1254 Im Jahr 1235 erhielt Elisabeth von Steinheim nach einer Rechtsstreitigkeit zwischen den Grafen Alwig und Berthold von Sulz sowie Elisabeths Vater Albert von Steinheim das Patronatsrecht der Kirche in Steinheim.
Nach der ersten Ehe Elisabeths von Steinheim (während der sie den Namen Elisabeth von Hohenriet bzw. Elisabeth von Heinriet trug"Grabplatte der Burcsint von Heinriet" DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 11 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0001106 [abgerufen am 25. Februar 2017]), folgte eine zweite Ehe mit Berthold von Blankenstein. Damit diese zweite Ehe vor der Kirche Gültigkeit erhielt, war die Genehmigung des Papstes Innozenz IV. erforderlich, die am 4. April 1251 erteilt wurde."Papst Innozenz IV. erlaubt auf Bitte des Grafen von Württemberg die Ehe des Berthold von Blankenstein mit Elisabeth von Steinheim", Württembergisches Urkundenbuch Band XI., Nr. N5602, Seite 484, Lyon, 4. April 1251. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] Am selben Tag genehmigte der Papst auch die Gründung des Klosters in Steinheim."Papst Innozenz IV. beauftragt auf Fürsprache des Grafen (Ulrich) von Württemberg den Propst der Kirche von Beutelsbach, dem edeln Mann Berthold von Blankenstein, des Grafen Genossen, die Einverleibung des Patronatrechts an der Kirche zu Steinheim in das von Berthold neu zu gründende Augustiner-Nonnenkloster daselbst zu gestatten", Württembergisches Urkundenbuch Band IV., Nr. 1196, Seite 263-264, Lyon, 4. April 1251. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] Aufgrund der Datumsgleichheit und des Umstands, dass Elisabeth von Steinheim bereits einmal verheiratet war, geht man davon aus, dass die Ehegenehmigung durch die Klostergründung unterstützt werden musste.
Im Jahr 1254 fand schließlich die Schenkung des Klosters statt.Ritter Berthold von Blankenstein und seine Gattin Elisabeth gründen das Kloster Steinheim/Murr und stiften diesem die Steinheimer Pfarrkirche, ein Viertel des Steinheimer Zehnten, einen Freihof, 10 Jauchert Reben und den Ort Jux mit Äckern, Wiesen, Weiden und Wäldern. Klostergründungs- und Stiftungsurkunde, Württembergisches Urkundenbuch Band XII., Nr. 5877, Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] Die Stiftung umfasste u. a. das Patronat der Kirche in Steinheim, den Ort Jux (Spiegelberg) und weitere Besitzungen. Als Grundlage des Zusammenlebens im Kloster wurde die Augustinusregel festgeschrieben."Der erwählte Bischof Heinrich von Speyer bestätigt die Gründung des noch zu bauenden Klosters in Steinheim durch den edlen Ritter Berthold von Blankenstein und seine Gattin Elisabeth, die Schenkung des Patronats der Kirche in Steinheim und anderer genannter Besitzungen insbesondere des Ortes Jux an dieses Kloster und verleiht demselben die Augustiner Regel unter Hinzufügung verschiedener weiterer Rechte und Begünstigungen", Württembergisches Urkundenbuch Band V., Nr. 1316, Seite 83-84, 31. Dezember 1254. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017]"Propst Berthold in Beutelsbach bestätigt in Vollziehung eines Auftrags Papsts Innozenz IV. vom 4. April 1251 die Einverleibung der von Berthold von Blankenstein geschenkten Pfarrkirche in Steinheim an das von demselben neu gestiftete Kloster daselbst", Württembergisches Urkundenbuch Band V., Nr. 1365, Seite 133-134, 18. November 1254. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017]"Der Reichsbannerträger Graf Hartmann von Grüningen genehmigt die von Seite des Edlen Berthold von Blankenstein und dessen Gemahlin Elisabeth, einer Ministerialin des Grafen, erfolgte Schenkung des Patronatrechts der Kirche zu Steinheim und anderer Besitzungen, insbesondere von Jux, zum Besten der Gründung des Klosters in Steinheim, sowie die Schenkungen seiner Vasallen und Leute an dieses Kloster", Württembergisches Urkundenbuch Band V., Nr. 1434, Seite 198-199, 4. März 1257. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017]
Eine Nonne des Klosters trug den Namen Burcsint von Heinriet, deren Mutter eine geborene Blankenstein war. Somit war Elisabeth von Steinheim zweimal mit dieser Nonne verwandt: Einmal über Elisabeths ersten Mann Gerung von Heinriet (Gerung von Hohenriet) und ein weiteres Mal über ihren zweiten Ehemann, Berthold von Blankenstein.
Der Aufschwung des Klosters nach 1254 In den Jahren nach der Gründung erwarb das Kloster weitere Güter im nahen Umkreis. Unter anderem wurden folgende beurkundete Käufe getätigt:
5. Oktober 1255: Die Priorin und die Nonnen des Klosters kauften Markgraf Rudolf von Badens Hof für 100 Pfund Heller und 40 Mark Silber."Markgraf Rudolf von Baden verkauft der Priorin und den Nonnen in Steinheim seinen Hof daselbst für 100 Pfund Heller und 40 Mark Silber unter Vorbehalt eines zehnjährigen Einlösungsrechts", Württembergisches Urkundenbuch Band V., Nr. 1361, Seite 128-129, 5. Oktober 1255. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] Dieser Hof bildete den baulichen Grundstock des Klosters. An das für damalige Verhältnisse sehr große Gebäude wurde direkt die spätere Klosterkirche angeschlossen. Eine Mauer des heutigen Klostermuseums wurde auf dieses Gebäude zurückgeführt. 1260: Das Stifterehepaar befreite das Kloster von allen Vogteirechten."Der Freie Berthold von Blankenstein und seine Gattin Elisabeth befreien das von ihnen gegründete und mit Gütern, so insbesondere der Pfarrkirche des Orts, ausgestattete Kloster Steinheim von allem Vogteirecht unter Verbot der Wahl eines anderen Vogts bei ihren Lebzeiten, bezeichnen die Grenzen, innerhalb deren das neue Kloster gebaut werden darf, und treffen verschiedene Bestimmungen über Besitzungen und Rechte desselben", Württembergisches Urkundenbuch Band VI., Nr. N40, Seite 476-478, um 1260. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] 1260: Stifter Berthold von Blankenstein verpflichtete sich gegenüber der Priorin des Klosters wegen des Rückkaufs von Besitzungen seiner Frau Elisabeth und möglichen Schadenersatzes für den Markgrafen Rudolf von Baden."Berthold von Blankenstein verschreibt sich gegen die Priorin und den Konvent der Schwestern in Steinheim wegen des Rückkaufs der Besitzungen seiner Gattin Elisabeth und wegen etwaigen Ersatzes für das durch den Markgrafen Rudolf von Baden von denselben zurückgekaufte Gut", Steinheim 1260, Württembergisches Urkundenbuch Band V, Nr. 1571, Seite 328-329. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] 13. Oktober 1261: Das Kloster wurde gemäß einer Verfügung von Papst Urban IV. zu einem Dominikanerkloster."Papst Urban IV. übergibt das Kloster Steinheim dem Meister und Prior des Predigerordens in deutschen Landen und verleiht diesem Kloster die Privilegien dieses Ordens", Viterbo, 13. Oktober 1261", Württembergisches Urkundenbuch Band VI., Nr. 1633, Seite 24-25. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] 24. Mai 1262: Bischof Heinrich von Speyer bewilligte die Einverleibung des Augustiner-Nonnenklosters Steinheim in den Dominikanerorden und seine Unterstellung unter den Meister und Prior dieses Ordens in deutschen Landen."Bischof Heinrich von Speyer bewilligt die Einverleibung des Augustiner-Nonnenklosters Steinheim in den Predigerorden und seine Unterstellung unter den Meister und Prior dieses Ordens in deutschen Landen", leobw Landeskunde entdecken online [abgerufen am 24. Februar 2017] 9. Juni 1262: Priorin Sabina und der Konvent von Steinheim versprachen allen auf ihrer Kirche als der ehemaligen Pfarrkirche in Steinheim haftenden Verpflichtungen gegen den Bischof von Speyer und den Archidiakon, Propst von St. Guido, getreulich nachzukommen."Priorin Sabina und Konvent von Steinheim versprechen allen auf ihrer Kirche als der ehemaligen Pfarrkirche in Steinheim haftenden Verpflichtungen gegen den Bischof von Speyer und den Archidiakon, Propst von St. Guido, getreulich nachzukommen", leobw Landeskunde entdecken online [abgerufen am 24. Februar 2017] 21. Februar 1265: Vier Tage vor seinem Tod beurkundete Graf Ulrich von Württemberg, dass sein Getreuer, der Edle Berthold von Blankenstein, den Hof zu Steinheim, der einst des Markgrafen von Baden gewesen, auf sein Absterben dem Kloster Steinheim als frei angefallen erklärt habe."Graf Ulrich von Württemberg beurkundet, dass sein Getreuer, der Edle Berthold von Blankenstein, den Hof zu Steinheim, der einst des Markgrafen von Baden gewesen, auf sein Absterben dem Kloster Steinheim als frei angefallen erklärt habe", Württembergisches Urkundenbuch Band VI., Nr. 1792, Seite 183, 21. Februar 1265. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 25. Februar 2017] 25. April 1269 erwarb Elisabeth von Blankenstein, mittlerweile verwitwet, gegen die Überlassung der Hälfte ihrer Güter an die Lehensherren Graf Gottfried von Löwenstein und Graf Hartmann von Grüningen (heutiges Markgröningen), die andere Hälfte zu freiem Eigentum und schenkte diese dem Kloster."Die Grafen Gottfried von Löwenstein und Hartmann von Grüningen beurkunden ihre mit Elisabeth, der Witwe des Edlen Berthold von Blankenstein, getroffene Übereinkunft, dass dieselbe über die Hälfte ihres Güterbesitzes, abgesehen von der Vogtei zu Steinheim, frei verfügen dürfe, worauf Elisabeth diese Hälfte dem Kloster Steinheim schenkt", Württembergisches Urkundenbuch Band VII., Nr. 2064, Seite 23-26, 25. April 1269. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] 17. Februar 1270: Das Kloster Steinheim verkaufte dem Spital in Esslingen 24 Jauchert Acker und eine Wiese für 15 Pfund 5 Schilling Heller."Das Spital in Esslingen kauft vom Kloster Steinheim 24 Jauchert Acker und eine Wiese samt 15 Schilling Heller Einkünfte zu Korb um 15 Pfund 5 Schilling Heller", Württembergisches Urkundenbuch Band VII., Nr. 2124, Seite 70, <Datum>. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 25. Februar 2017] 7. November 1271: Für den Verkauf der Vogtei über Steinheim an das Kloster erhielt der Bischof Berthold zu Würzburg als Ersatz das Dorf Glattbach und einen Hof in Weihingen."Graf Konrad von Vaihingen dankt dem Bischof Berthold, dem Propst…und Kapitel zu Würzburg, dass sie dem Kloster Steinheim die Vogtei daselbst überlassen haben, und überträgt ihnen zum Ersatz das Dorf Glattbach bei Vaihingen und einen Hof in Weihingen", 7. November 1271, Württembergisches Urkundenbuch Band VII., Nr. 2235, Seite 157-158. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 21. Februar 2017] 11. November 1271: Das Kloster Steinheim bezahlte 200 Pfund Heller für die Vogtei über Steinheim."Graf Konrad von Vaihingen übergibt der Priorin und dem Konvent von Steinheim die von ihm um 200 Pfund Heller an sie verkaufte Vogtei in Steinheim, Sigebotsbuch und Lehrhof unter der Burg", Eselsberg, 11. November 1271, Württembergisches Urkundenbuch Band VII., Nr. 2236, Seite 158-159. Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 21. Februar 2017]