Die Augsburger Localbahn GmbH (AL) ist ein Augsburger Eisenbahnverkehrsunternehmen und Eisenbahninfrastrukturunternehmen, das im Jahre 1889 gegründet wurde. Sie betreibt ein Gleisnetz von 40 Kilometer Länge im Augsburger Stadtgebiet (Augsburger Ringbahn), das die Industriegebiete in den Stadtteilen Haunstetten, Lechhausen und Göggingen erschließt und zu dem ein kleiner Rangierbahnhof gehört. Auf diesem eigenen Netz und bis Ende 2018 auch auf Gleisen der Deutschen Bahn in der Umgebung von Augsburg betreibt die AL Güter- und Werksverkehr mit einem Transportvolumen von insgesamt 670.000 Tonnen pro Jahr (Stand 2024).

Geschichte 1840–1860: Vorgeschichte und allgemeine Verkehrsentwicklung in Augsburg Am 8. Oktober 1840 wurde die Bahnstrecke München–Augsburg eröffnet. Der erste Augsburger Bahnhof wurde als Kopfbahnhof am Roten Tor hinter der „Schüleschen Kattunfabrik“ errichtet, die später zur Textilfabrik „Nagler und Sohn“ umfunktioniert wurde. In dem ehemaligen Bahnhof war zwischenzeitlich die Militärreitschule untergebracht, seit 1920 befindet sich dort das Straßenbahndepot. Im Jahr 1847 folgte die Eröffnung der Bahnstrecke Augsburg–Donauwörth. Während des Baus der Strecke entstand der Oberhauser Bahnhof, doch es wurde schnell klar, dass man die beiden Bahnlinien verbinden sollte und so wurde bereits am 1. Juli 1846 der Augsburger Zentralbahnhof (heute Augsburg Hbf) eingeweiht. Damit war eine wichtige Nord-Süd-Verbindung von München über Augsburg und Donauwörth nach Nürnberg geschaffen, das Herzstück der Ludwig-Süd-Nord-Bahn. 1847 war die Strecke Augsburg–Kaufbeuren fertiggestellt, 1852 gab man den weiteren Abschnitt bis Kempten frei, 1875 feierte man die Eröffnung der Paartalbahn nach Ingolstadt.

1860–1885: Gründungsversuche Bereits 1866 gab es ein Pferdebahn-Projekt, das die Augsburger Industrie an die Staatsbahn anbinden sollte. In den Jahren 1871 und 1872 wurde die Konzession zur Anlegung einer „Lokomotiv-Güterbahn“ in Augsburg durch eine englische Gesellschaft erworben, jedoch noch nicht mit dem Bau begonnen. Ein Jahr später unternahm das Augsburger Bankhaus Heinzelmann einen neuen Versuch, dieser scheiterte ebenfalls. 1884 nahm sich Heinrich von Buz, Vorstand der Maschinenfabrik Augsburg, der Gründungsbemühungen an. Die bayerische Staatsbahn zeigte kein Interesse zum selbständigen Bau und Betrieb, somit war eine Privatgründung nötig.

1885–1890: Gründung und Bau Einige Augsburger Unternehmer, allen voran Heinrich von Buz (langjähriger Generaldirektor der späteren MAN AG und 29 Jahre lang Gründungsvorstand der Localbahn) und Viktor Martini, erster Vorsitzender des Aufsichtsrates der Localbahn, nahmen sich der Herausforderung an, gegen viele Widerstände die Güterbeförderung in Augsburg zu beschleunigen. Als die Güter vom Bahnhof noch mit Pferdewagen durch die Stadt transportiert wurden, kam es immer wieder zu Engpässen, teilweise brauchten Kohlenlieferungen eine Woche vom Bahnhof zur Fabrik. Verständlich, dass sich die Kutscher und Gastwirte (denn die Kutscher kehrten entlang der Strecke ein) gegen die Pläne einer Güterbahn wehrten. Die Staatsbahn erkannte schließlich, dass es ohne Güterbahn nicht geht, denn der Rangieraufwand und die Stellfläche, die die einzelnen Güterwagen einnahmen, bis sie letztlich ent- oder beladen werden konnten, war enorm. Die einzelnen Waggons wurden zum Teil sieben Tage auf Abstellgleisen immer wieder rangiert, bis sie schließlich zum Be- oder Entladen an die Reihe kamen.

1885 berieten 15 Firmen über die Errichtung einer normalspurigen Industriebahn auf Initiative von Heinrich von Buz. Im Jahr 1886 erfolgte die Vergabe eines Projektauftrages an Georg Krauß (Chef der Lokomotivfabrik Krauss & Comp.) und Ingenieur Ritter von Schwind zur Ausarbeitung einer Bahnanlage. Im selben Jahr wurde ein Konzessionsgesuch eingereicht.

Zu den Gründern gehörten elf Firmen, ein Bankhaus und sieben Privatpersonen, die der Industrie nahestanden.

Augsburger Buntweberei, Vormals L. A. Riedinger AG Augsburg Augsburger Gasbeleuchtungsgesellschaft Augsburger Kammgarn-Spinnerei Union AG Vereinigte Zündholz und Wichsefabriken, Augsburg Baumwollspinnerei am Stadtbach AG, Augsburg G. Haindl’sche Papierfabriken, Augsburg (später Haindl, jetzt Teil von UPM-Kymmene) Spinnerei und Weberei am Sparrenlech Kahn & Arnold, Augsburg Martini und Co., Augsburg Maschinenfabrik Augsburg AG (heute MAN) Mechanische Baumwoll Spinnerei und Weberei Augsburg (SWA) Zwirnerei und Nähfadenfabrik Göggingen AG, Göggingen Bankhaus Friedrich Schmid & Co., Bankhaus Augsburg

Am 24. Januar 1889 wurde die Konzession erteilt, knapp zwei Monate später, am 22. März 1889 kam es zum Vertragsabschluss zur Gründung der Aktiengesellschaft Augsburger Localbahn. Zu Beginn des nächsten Monats, am 1. April 1889, wurde die Gesellschaft in das Handelsregister eingetragen. Erster Vorstand der Gesellschaft war Kommerzienrat Heinrich von Buz, erster Aufsichtsratsvorsitzender Kommerzienrat Viktor Martini. Es wurde ein Vertrag mit der Stadtgemeinde Augsburg zur Benutzung von städtischem Grund und Boden, der so genannten Servitutvertrag, geschlossen. Ein Jahr darauf folgte ein Abkommen mit den königlich bayerischen Staatsbahnen über Bau und Betrieb der Augsburger Localbahn. Unter der technischen Leitung von Georg Hennch wurde am 9. Oktober 1890 die Schlussschiene in die Stammlinie Ringbahn eingelegt.Günther Grünsteudel, Georg Hennch. In Stadtlexikon Augsburg. Wißner-Verlag, 2. Auflage.

1890–1910: Betriebsaufnahme Am 10. November 1890 fuhr der erste Zug in die Maschinenfabrik Augsburg ein. Am 1. Mai 1891 wurde der offizielle Bahnbetrieb auf dem Ring, der Linie I, aufgenommen. Knapp drei Jahre später, am 21. August 1893 wurde der Betrieb um die Linie II nach Göggingen und Pfersee erweitert. Die Linie III nach Haunstetten wurde schließlich am 13. September 1899 eingeweiht. Um 1900 hatte die Bahn bereits 28 Anschließer und beförderte 340.000 Tonnen Ladung pro Jahr.

Auf der Haunstetter Linie III fuhren ab dem 1. Mai 1901 auch Personenzüge. Ausgangsbahnhof der Züge nach Haunstetten war der Augsburger Hauptbahnhof. Die Strecke war im Reichskursbuch als Strecke 303i Augsburg–Haunstetten eingetragen. Im ersten Jahr wurden bereits 75.453 Personen befördert. Als die Straßenbahn nach Haunstetten fertiggestellt war, wurde die Personenbeförderung aufgegeben. Die Linie III war damit die einzige Strecke der Augsburger Localbahn mit planmäßigem Personenverkehr.Zintl, Bayerische Nebenbahnen, S. 141

Im Jahr 1910 wurde die Linie I durch ein Lechhochwasser stark beschädigt.

1910–1950: Betriebsübernahme und weiterer Ausbau Am 1. August 1913 übernahm die Augsburger Localbahn auf der Linie I die Betriebsführung und den Stückgutverkehr von der Bayerischen Staatsbahn. Dafür wurden von Krauss drei Lokomotiven der bayerischen Gattung D VIII angeschafft. Gründungsvorstand Heinrich von Buz starb am 8. Januar 1918, Nachfolger wurde Direktor Heinrich Pfeifer (Betriebsdirektor der Maschinenfabrik Augsburg). Im Jahr 1922 waren drei eigene Dampflokomotiven auf der Linie I in Betrieb, drei Jahre später begann man mit dem Bau der Stammlinie nach Lechhausen. Ein Jahr später, 1926, erfolgte der Bau der größten Localbahnbrücke mit einer Spannweite von 118 Metern. Die ungefähr 300 Tonnen schwere Stahlbrücke über den Lech ruhte auf drei Stützpfeilern und war für Lastzüge der Klasse E zulässig. Als erstes wurde die Textilfabrik Prinz mit der neuen, über den Lech reichenden Linie erschlossen. Die Eröffnungsfahrt fand am 2. November statt. Zum 31. Dezember 1927 wurde der Personenverkehr nach Haunstetten wegen der Inbetriebnahme der Straßenbahn eingestellt. 1930 begann man mit dem Bau einer eigenen Reparaturwerkstätte. Von den 51 eigenen Brücken mussten wegen steigender Belastung sechs verstärkt und drei erneuert werden.

In den Jahren 1933–1935 übernahm die Localbahn den gesamten Betrieb auf allen Linien. Die bisher einzelnen Linien II und III wurden durch den Bau des Rangierbahnhofs West miteinander verbunden. Erst 1948/49 erfolgte durch den Bau einer freitragenden, 75,4 Meter langen und 347 Tonnen schweren Stahlbrücke aus Kriegsbeständen über die Wertach, die ursprünglich die Beresina in Russland überspannen sollte, die Verbindung zu Linie I. Im Jahr 1936 feierte man die größte Tagesleistung seit Bestehen der Localbahn mit 362 beförderten Wagen, 73 Gleisanschließern und 90 Anschlussbenutzern. 1937 stieg das Jahrestransportaufkommen auf 115.163 Eisenbahnwagen, nach der Anschaffung einer weiteren D VIII waren fünf eigene Dampflokomotiven im Einsatz.

Zwei Jahre später, 1939, feierte man 50-jähriges Jubiläum mit 82,126 km eigenen Gleisanlagen: Linie I 49,731 km; (Ring) Linie II 16,321 km; (Göggingen, Pfersee) Linie III 14,360 km; (Haunstetten) Linie IV 1,714 km; (Lechhausen)     (Die km-Angaben beziehen sowohl Streckengleise als auch Nebengleise mit ein.) mini|Namensaktie über 1000 RM der Augsburger Localbahn vom 1. Juni 1942 Weiterhin gehörten zum Bestand 51 Bahnbrücken, fünf Lokomotiven (davon vier Nassdampf- und eine Heißdampf-), vier Packwagen, 62 offene und 50 gedeckte Güterwagen, 29 X-Wagen sowie drei Sprengwagen. 105 dieser Güterwagen waren im Reichsbahn-Güterwagenverband eingestellt. Die Jahresfracht betrug 670.433 Tonnen.

Anno 1941 wurde die erste Diesellok in Dienst gestellt. Nach Kriegsende, vom 28. April bis zum 6. Juni 1945, wurde der Betrieb wegen schwerer Kriegsschäden eingestellt. Von 1946 bis 1948 wurden mit speziellen Seitenwandwaggons der Localbahn 185.500 Tonnen Trümmerschutt abtransportiert; diese wurden am Rosenauberg zu einem Stehwall aufgeschüttet; die Grundlage für das Augsburger Rosenaustadion (Fußballstadion) wurde so errichtet. Die provisorischen Gleise wurden dafür mitten durch die Stadt verlegt. In den Jahren 1948 und 1949 erfolgte durch den Bau der oben erwähnten Wertachbrücke der Lückenschluss zwischen Linie I und II. Der Betrieb konnte reibungslos vom Ringbahnhof aus gesteuert werden.

1950–1975: Schrittweise Modernisierung mini|Aktueller Ausbauzustand des Gleisnetzes Im Jahr 1955 wurden erstmals Blinklichtanlagen an der Siebentisch- und Gentnerstraße eingesetzt. Ein Jahr später folgte der Einsatz von fünf neuen Diesellokomotiven des Typs Krauss-Maffei ML 440 C, 46 Tonnen Eigengewicht, 440 PS (324 kW), MAN-Motor und Sprechfunk. Der Dampfbetrieb ging mit der Ausmusterung von neun Dampfloks und einer Diesellok zu Ende. Ein neuer Transportrekord mit der größten je transportierten Jahresfracht wurde aufgestellt: Die Beförderungsleistung betrug 864.000 Tonnen. 1958 ging die erste magnetisch von der Lokomotive aus gesteuerte Blinklichtanlage für Schienenverkehr in Deutschland, (eine Localbahn-Siemens-Entwicklung) in Betrieb. Eine weitere Diesellok Krauss-Maffei ML 440 C und weitere Blinklichtanlagen an der Haunstetter, Inneren Ufer-, Berliner Allee und Otto-Lindenmeyer-Straße gingen ebenfalls in Betrieb.

Im Jahr 1960 betrug die Jahresfracht 859.000 Tonnen, das Unternehmen hatte 175 Beschäftigte. Ein Jahr darauf wurde das Unternehmen Augsburger Localbahn AG in eine GmbH umgewandelt. Anno 1962 entstand die Rangieranlage RVI in Lechhausen. Drei Jahre später begann der Einsatz der ersten tragbaren Sprechfunkgeräte. Eine Verkehrssignalanlage ging an der Friedberger Straße in Betrieb, 1966 eine weitere an der Luitpoldbrücke. Seit 1971 werden die Weichen im Bahnhof West elektrisch angetrieben, zugleich gingen die Kohletransporte drastisch zurück. Im Jahr 1975 erhielten die Lokomotiven einen Funk-Alarm-Empfänger für die Feuerwehrvorwarnung, damit die oft langen Güterzüge bei einem Feuerwehreinsatz nicht die Straßenübergänge blockierten.

1975–1998: Beginn des Rückbaus und weitere Modernisierung mini|Ehemaliges Bahngleis am Rand des Haunstetter Ortskernes