Dispatches ist ein Sachbuch im Stile des New Journalism des US-amerikanischen Schriftstellers Michael Herr (1940–2016), der von seinen Erfahrungen als Kriegsberichterstatter für das US-amerikanische Männermagazin Esquire und das Musikmagazin Rolling Stone im Vietnamkrieg berichtet. Das 1977 von Alfred A. Knopf, Inc. und Vintage Books publizierte Werk war das erste seiner Art in der amerikanischen Literatur, das die Kriegserfahrungen von Infanteristen im Vietnamkrieg in den Mittelpunkt stellte und dokumentierte. Der Verlag Rogner & Bernhard veröffentlichte 1979 eine von Benjamin Schwarz übersetzte deutsche Fassung mit dem Buchtitel An die Hölle verraten. Der englische Originaltitel Dispatches [] bedeutet Kriegsberichte.
Entstehung Michael Herr (1940–2016) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Von 1967 bis 1969 berichtete er 18 Monate lang als Korrespondent vom Zweiten Indochinakrieg. Als Anhänger romanartiger Reportagen im Stile des New Journalism verstand sich Herr als subjektiver Bestandteil seiner Erzählungen. Als solcher mied er die täglichen Pressekonferenzen der US-Regierung und hielt sich stattdessen bevorzugt bei den kämpfenden Infanterieeinheiten im Felde auf, um deren Ängste, Erschöpfung und Drogenmissbrauch zu dokumentieren. Herr tat sich mit dem englischen Fotojournalisten Tim Page und dem Fotografen Sean Flynn zusammen und bereiste mit den Transporthubschraubern der United States Army und Navy die verschiedenen Stützpunkte und Operationsgebiete. Im Winter 1968 strandeten die Reporter während der Belagerung und Schlacht um Khe Sanh in der dortigen Combat Base.
Für den Esquire verfasste Herr die fünf Artikel „Hell Sucks“ (1968), „Khesanh“ und „Conclusion at Khesanh“ (beide in 1969), „The War Correspondent: A Reappraisal“ (1970) und „High on War“ (1977).
Nach der Rückkehr aus Vietnam schrieb der Autor seine Erinnerungen über fünf Jahre in Form einer Denkschrift nieder, deren Veröffentlichung mehrere Verlage in Deutschland anfangs ablehnten. In dem Buch werden auch die befreundeten Kriegsberichterstatter Dana Stone und Dale Dye erwähnt.
Sprache und Stil Nach Ansicht des Tagesspiegels hörte Michael Herr Der Publizist Michael Naumann beschreibt Herrs Sprachstil als :
Nach Meinung von Adam Bernstein in der Washington Post ist das Buch (deutsch: ).
Das Buch ist in die sechs Kapitel „Breathing In“, „Hell Sucks“, „Khe San“, „Illumination Rounds“, „Colleagues“ und „Breathing Out“ gegliedert.
Kritiken Der Journalist C. D. B. Bryan bezeichnete Dispatches 1977 im Book Review der New York Times als bestes über den Vietnamkrieg geschriebenes Buch. Auch der englische Schriftsteller John le Carré bezeichnete es als (deutsch: ), und der indisch-britische Autor Salman Rushdie sekundierte: .
Dispatches wurde 2009 in die Buchreihe Everyman’s Library aufgenommen und als „zeitgenössischer Klassiker“ neu aufgelegt. Der Literaturkritiker Robert McCrum von der britischen Tageszeitung The Guardian führte 2016 Dispatches in der „Liste der 100 besten Sachbücher“ auf.
Rezension Nach dem Erfolg des Buches arbeitete Michael Herr für die Filmindustrie in Hollywood. Er schrieb die Voice-over-Monologe von Captain Willard für den Kriegsfilm Apocalypse Now (1979) von Regisseur Francis Ford Coppola und war zusammen mit Regisseur Stanley Kubrick und Drehbuchautor Gustav Hasford maßgeblich am Drehbuch von Full Metal Jacket (1987) beteiligt. Von den in Dispatches beschriebenen Soldaten wurden mehrere Grundlage für Charaktere in den zwei US-amerikanischen Spielfilmen.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigte Staaten) Kategorie:Sachliteratur Kategorie:Vietnamkrieg in Kunst und Literatur