Bei dem Todesfall durch Exorzismus in Frankfurt am Main wurde am 5. Dezember 2015 eine damals 41-jährige Koreanerin von Familienangehörigen im Verlauf einer spirituellen Teufelsaustreibung in einem Zimmer des Hotels InterContinental in Frankfurt am Main erstickt. Von diesem „grausamen Tötungsdelikt“ berichtete die Frankfurter Staatsanwaltschaft erstmals ausführlich am 9. Dezember 2015Exorzismus: Tote bei Teufelsaustreibung. Auf: fr.de vom 9. Dezember 2015.Frau bei Ritual getötet: Teufelsaustreibung – was treibt die Täter an? Auf: fnp.de vom 10. Dezember 2015.Frau stirbt bei „Teufelsaustreibung“. Auf: faz.net vom 9. Dezember 2015. und gab bekannt, dass es sich bei den Tätern um eine 44 Jahre alte Frau, ihren 21-jährigen Sohn, ihre 19 Jahre alte Tochter und zwei 15-jährige Jungen handele. Schon kurz darauf berichteten neben den drei in Frankfurt erscheinenden Zeitungen auch andere europäische Medien sowie – zumeist auf Grundlage eines Artikels der Nachrichten- und Presseagentur Associated Press – Medien in Amerika, Asien und Australien über das Geschehen,Five South Koreans held over 'exorcism' death in Germany. Auf: theguardian.com vom 9. Dezember 2015. Germany 'exorcism' death: Five S Koreans held in Frankfurt. Auf: bbc.com vom 10. Dezember 2015. German police arrest 5 people in exorcism death probe. Auf: euronews.com vom 10. Dezember 2015.South Korean family charged with murder over brutal hotel exorcism. Auf: thejournal.ie vom 9. Dezember 2015. Korean woman dies in apparent exorcism ritual in Germany, five arrested. Auf: dailysabah.com vom 10. Dezember 2015.Five arrested in Germany after woman dies in apparent hotel exorcism. Auf: upi.com vom 10. Dezember 2015. Germany: Korean woman dies in apparent exorcism; 5 arrested. Auf: sandiegouniontribune.com vom 10. Dezember 2015.Exorcism Ritual Kills Mom at German Hotel; 5 Korean Relatives Arrested. Auf: nbcphiladelphia.com vom 20. Dezember 2015.Germans hold Koreans for exorcism gone wrong. Auf: koreajoongangdaily.joins.com vom 11. Dezember 2015. Korean woman dies in exorcism rite in Germany, 5 held. Auf: thehindu.com vom 10. Dezember 2015.Exorcism Gone Bad Leads to Death of Korean Woman In Germany. Auf: rokdrop.net vom 12. Dezember 2015.Woman found dead after family perform exorcism in German hotel. Auf: news.com.au vom 10. Dezember 2015. und auch der ein Jahr später begonnene Strafprozess wurde international wahrgenommen.Five relatives accused of murdering a mother during botched EXORCISM – including her 16-year-old son – appear in court in Germany. Auf: dailymail.co.uk vom 10. Oktober 2016. Korean family accused of murdering their 41-year-old mother in hotel room exorcism because she was ‘possessed by the devil’ go on trial in Germany. Auf: thesun.co.uk vom 10. Oktober 2016. Five on trial over woman's 'exorcism' death in Germany. Auf: independent.ie vom 10. Oktober 2016.Trial of Korean family accused of ‘exorcism’ murder begins in Germany. Auf: globalnews.ca vom 10. Oktober 2016.Germany: 5 SKoreans on trial over woman's exorcism death. Auf: ksl.com vom 10. Oktober 2016. . Im Original publiziert auf foxnews.com am 10. Oktober 2016. Im Original veröffentlicht auf: ctvnews.ca vom 10. Oktober 2016. Germany: 5 South Koreans on trial over woman’s exorcism death. Auf: indianexpress.com vom 10. Oktober 2016.S. Korean woman gets six years over exorcism death in Germany. Auf: capitalfm.co.ke vom 21. Februar 2017. . Im Original publiziert auf KPTV am 20. Februar 2017. Germany: 5 South Koreans convicted in fatal exorcism case. Auf: dailyherald.com vom 20. Februar 2017.South Korean woman gets six years over exorcism death in Germany. Auf: newindianexpress.com vom 20. Februar 2017. S.Korean woman gets 6 years over exorcism death in Germany. Auf: business-standard.com vom 20. Februar 2017. . Im Original publiziert auf straitstimes.com am 21. Februar 2017.

Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen Vier Tage nach dem Tod der 41-jährigen Koreanerin gab die Frankfurter Staatsanwaltschaft erste Ermittlungsergebnisse bekannt. Demnach erklärten die mutmaßlichen Täter, darunter auch der 15 Jahre alte Sohn des Opfers, die 41-Jährige sei „verwirrt und schreiend durch das Hotelzimmer gelaufen“. Dieses Verhalten habe man dahingehend interpretiert, „dass sie von Dämonen besessen“ sei, weswegen man mit einem Exorzismus begonnen habe. Unklar sei, „ob das mit Zustimmung der 41-Jährigen“ geschah. Im Verlauf des Exorzismus sei die schließlich Getötete wiederholt auf Bauch und Brustkorb geschlagen worden. Um ihre Schreie zu unterdrücken, sei ihr ein Handtuch in den Mund gestopft worden. Die Obduktion der Leiche habe ergeben, dass die Frau erstickt sei: „Ihr Körper war von Hämatomen übersät, in ihrem Mund steckte ein Kleiderbügel.“ Den Ermittlungen zufolge „fügten die Beschuldigten dem Opfer über einen Zeitraum von mindestens zwei Stunden Schmerzen und Qualen zu, wobei ihr Handeln von einer gefühllosen und unbarmherzigen Gesinnung getragen war“, berichtete die Staatsanwaltschaft. Ein Ermittlungsrichter habe daher gegen die fünf koreanischen Staatsbürger Haftbefehl wegen Mordes erlassen: Es liege das Mordmerkmal der Grausamkeit vor.

Einem Bericht der Frankfurter Rundschau zufolge hatte die Gruppe nach der Tat einen koreanischen evangelischen Pfarrer der Frankfurter Zion-Gemeinde auf ihr Zimmer gerufen. Als dieser den von Hämatomen übersäten Leichnam gesehen habe, sei er zur Rezeption des Hotels gelaufen und habe die Polizei verständigt. Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass die koreanische Gruppe „vermutlich aus dem Umfeld evangelischer Sektierer“ stamme. Die Verhafteten seien gemeinsam mit der Getöteten und mehreren anderen Koreanern sechs Wochen vor der Tat nach Deutschland eingereist und hätten danach – bis zum Einzug ins InterContinental-Hotel – in Sulzbach bei Frankfurt ein gemietetes Haus bewohnt.Evangelische Sektierer als Exorzisten. Auf: fr.de vom 10. Dezember 2015. Ergänzend wurde berichtet, dass Teufelsaustreibungen in Südkorea „sowohl von einigen christlichen Priestern als auch von traditionellen Schamanen praktiziert“ werden, jedoch ohne dass dabei jemand zu Schaden komme.Exorzismus: In Südkorea nicht unüblich. Auf: fr.de vom 9. Dezember 2015.

Im Juni 2016 wurde schließlich von der Frankfurter Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen die fünf weiterhin Inhaftierten erhoben. Im Verlauf des Exorzismus habe die Gruppe der Geschädigten „über einen Zeitraum von mindestens zwei Stunden körperliche Schmerzen und Qualen zugefügt, die über das für die Tötung erforderliche Maß weit hinausgingen“. Die grausame Behandlung der Geschädigten habe zu ihrem Tod durch Ersticken geführt.Mordanklage nach „Teufelsaustreibung“. Auf: fnp.de vom 17. Juni 2016.

Hauptverhandlung Am 10. Oktober 2016 begann das Gerichtsverfahren mit der öffentlichen Hauptverhandlung vor der 3. großen Jugendkammer des Landgerichts Frankfurt am Main gegen die fünf an der Tat beteiligten Personen unter dem Vorsitzenden Richter Ulrich Erlbruch. Wie vier Monate zuvor bei Bekanntgabe der Anklage warf die Staatsanwaltschaft der Cousine des Opfers, dem zum Zeitpunkt der Tat 15 Jahre alten Sohn des Opfers, dessen gleichaltrigem Cousin sowie dem Sohn und der Tochter der Cousine des Opfers die Tötung ihrer Verwandten vor und begründete die Bewertung der Tat als gemeinschaftlich begangenen Mord mit dem Merkmal der Grausamkeit. Die Gerichtsverhandlung fand gemäß des Jugendgerichtsgesetz (JGG) vor einer Jugendkammer statt, weil zwei der fünf Angeklagten Minderjährige und zwei weitere Heranwachsende waren.Mordprozess um Teufelsaustreibung – Angeklagte äußern sich nicht. Auf: tagesspiegel.de vom 10. Oktober 2016. Zum Schutz der vier Jugendlichen ordnete das Gericht die Verpixelung von Film- und Fotoaufnahmen ihrer Gesichter an,Scharmützel im „Exorzismus-Prozess“. Auf: fnp.de vom 2. November 2016. lehnte den Ausschluss der Öffentlichkeit aber mehrfach ab.

Die Rekonstruktion des Geschehens durch die Staatsanwältin ergab laut Anklage, dass die Koreaner nach Deutschland eingereist seien, um im Rhein-Main-Gebiet ein Import-Export-Geschäft zu eröffnen. Als ersten Wohnsitz in Deutschland habe man in Sulzbach am Taunus eine Doppelhaushälfte gemietet. Dieses Haus habe sich jedoch als von Dämonen besiedelt entpuppt, denen die Gruppe offenbar mit Brandopfern – man fand unter anderem diverse verbrannte Handys – und an den Fenstern ausgestreutem Granulat beizukommen versuchte.Die netten Exorzisten von nebenan. Auf: fr.de vom 10. Oktober 2016. Weil aber alle spirituellen Rituale nichts bewirkten, sei man schließlich vor den Sulzbacher Dämonen nach Frankfurt geflüchtet und habe im Frankfurter Hotel InterContinental zwei Zimmer gemietet.Exorzisten-Prozess: Dämonen in Zimmer 433. Auf: sueddeutsche.de vom 10. Oktober 2016. In der Nacht zum 5. Dezember 2015 habe sich dort jedoch die später Verstorbene ebenfalls als besessen erwiesen, weswegen in Zimmer 433 eine Teufelsaustreibung vorgenommen worden sei.

Das Auffinden der Leiche beschrieben der vom Pfarrer um 8.45 Uhr alarmierte Notarzt und dessen Rettungsassistent als Zeugen: Die Koreanerin sei am Vormittag des 5. Dezember 2015 vermutlich bereits einige Zeit tot gewesen. Sie lag bekleidet mit dem Rücken auf dem Boden und habe blaue Flecken im Gesicht und an den Händen gehabt. Außerdem seien ihre Mundwinkel eingerissen gewesen. Um die Tote seien kleine Flaschen aus der Minibar im Halbkreis angeordnet gewesen.Frau erstickt bei mutmaßlicher Teufelsaustreibung – Notarzt schildert Einsatz. Auf: stern.de vom 17. November 2016. Ein Rechtsmediziner berichtete ebenfalls von zahlreichen Einblutungen im Körper der Frau und rekonstruierte den Eintritt des Todes auf die Zeit zwischen 6.30 und 8.50 Uhr.Exorzismus-Prozess: Experte schließt Selbsttötung der Koreanerin aus. Auf: fnp.de vom 18. Januar 2017.

Am 15. November 2016 trug erstmals einer der Angeklagten, der zum Tatzeitpunkt 21-jährige, auf Anraten seiner beiden Verteidiger eine detaillierte Schilderung der Geschehnisse in Zimmer 433 vor; seine Einlassung fasste er so zusammen: „Keiner hat mit ihrem Tod gerechnet.“Exorzismus-Prozess: „Keiner hat mit Tod gerechnet.“ Auf: fnp.de vom 15. November 2016. Alle seien überrascht und entsetzt gewesen. Zuvor habe sich die Gruppe in Sulzbach nicht wohl gefühlt. Alle hätten in diesem Haus schlecht geschlafen, die Kinder hätten Alpträume gehabt, weswegen die Frauen in stundenlanges, heftiges Beten verfallen seien. Nach dem Umzug ins Hotel am 4. Dezember 2015 sei die Situation aber nicht besser geworden. Die später Getötete sei zunächst auf- und abgelaufen und habe heftig gebetet. Im Verlauf der Nacht sei ihr Zustand immer schlimmer und schlimmer geworden: Sie sei gegen sich selbst gewalttätig geworden und habe sich blutende Wunden in die Zunge gebissen. In einer Gerichtsreportage der Frankfurter Neuen Presse hieß es: „In ihrer Verzweiflung habe die Familie ihr den Kopf und die Arme festgehalten und ein Tuch in den Mund gesteckt, um sie zu beruhigen. Dass dies zum Tod führen könnte, damit habe weder er selber noch seine Angehörigen gerechnet, die sich bis auf kurze Unterbrechungen durchgehend in dem Zimmer aufgehalten hätten.“Exorzismus-Prozess: 22-jähriger Mitangeklagter schildert die Tötung als ein Versehen. Auf: fnp.de vom 16. November 2016.