Die Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica), auch als Portugiesischer Kirschlorbeer bezeichnet, ist eine Kirsche aus der sehr artenreichen Gattung Prunus in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die Pflanze ist in Südwesteuropa heimisch.
Beschreibung Vegetative Merkmale Die Portugiesische Lorbeerkirsche ist ein immergrüner Baum oder Strauch, der im Alter von 30 bis 40 Jahren Wuchshöhen von 3 bis 8, selten bis 20 Metern erreicht. Als Busch oder Strauch bleibt sie deutlich kleiner und kompakter bei maximal 3 bis 4 Metern. Die Rinde junger Zweige und die Blattstiele sind kahl und dunkelrot. Die wechselständig und zweizeilig am Zweig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die einfache, kahle, glänzend dunkelgrüne, drüsenlose Blattspreite ist länglich-lanzettlich und gekerbt-gesägt.
Generative Merkmale Die Blütezeit liegt im Juni. Viele Blüten sind in einem aufrecht-abstehenden traubigen Blütenstand angeordnet. Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Kronblätter sind weißlich und 4 bis 7 Millimeter lang. Die bei Reife schwarz-purpurfarbenen Kirschen sind eiförmige Früchte mit spitzem oberen Ende.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 64.
Systematik Die Erstveröffentlichung von Prunus lusitanica erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 473. Das Art-Epitheton lusitanica verweist auf die römische Provinz Lusitania der Römischen Kaiserzeit als eine der Herkunftsregionen.
Je nach Autor gibt es etwa drei Unterarten: Prunus lusitanica subsp. azorica : Dieser Endemit kommt nur auf den Azoren vor. Prunus lusitanica subsp. hixa : Sie kommt auf den Kanarischen Inseln und auf Madeira vor. Prunus lusitanica subsp. lusitanica: Die oft auch als Festlandsart bezeichnete autonyme Art kommt in Portugal, Spanien, Südfrankreich und Marokko vor.
Natürliche Vorkommen, Gefährdung Die Portugiesische Lorbeerkirsche kommt in Südfrankreich, auf der Iberischen Halbinsel, in Marokko, auf den Azoren, Madeira und den Kanarischen Inseln vor. Sie wächst dort insbesondere in feuchten Wäldern, Gebirgsschluchten und an schattigen Bächen in mittleren Höhenlagen meistens zwischen 500 und 900 m Meereshöhe, steigt aber auch bis 1300 m Meereshöhe auf. Sie bevorzugt gut durchlässige, kieshaltige, aber nicht kalkhaltige Böden in feuchten gemäßigten Klimazonen mit viel Regen und Nebel.
Zeigerwerte nach Ellenberg oder Landolt liegen für die Portugiesische Lorbeerkirsche nicht vor. Es gibt jedoch Zeigerwerte nach Julve aus einer nach dem Ellenberg-Prinzip an die Flora Frankreichs angepassten Datenbank „Baseflor“, die den Ellenberg-Werten der Pontischen Lorbeerkirsche sehr ähneln. Es gibt jedoch einen markanten Unterschied beim Lichtwert, der die Portugiesische Lorbeerkirsche als heliophile Lichtpflanze ausweist, während die Pontische Lorbeerkirsche als Schattenpflanze charakterisiert ist.
Die Art wird von der International Union for Conservation of Nature aktuell (Rote Liste, Version 2025-2) bezogen auf ihr gesamtes Verbreitungsgebiet als „nicht gefährdet“ eingestuft. In einigen Teilen ihres insgesamt großen, aber fragmentierten Verbreitungsgebietes kommt sie nicht häufig vor und ist teilweise durch Lebensraumveränderungen, invasive Arten und Veränderungen der Wasserverhältnisse bedroht. Zum Grad der Populationsfragmentierung und zur Größe der afrikanischen Population liegen keine ausreichenden Daten vor. In der Berner Konvention ist die endemische Unterart azorica im Anhang I/S. 23 der „streng geschützten Arten“ gelistet und entsprechend auch im Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geführt.
Erdgeschichtliche Herkunft Die Portugiesische Lorbeerkirsche wird in vielen Publikationen als eine Reliktart aus einem Erdzeitalter vor ca. 60 Millionen Jahren beschrieben, das früher als Alttertiär und heute als Paläogen bezeichnet wird. In dieser Zeit herrschte im heutigen Mitteleuropa ein tropisches Klima, das sich anschließend abkühlte, bis die Temperaturen während der Eiszeiten, die den Alten Kontinent mit Gletschern bedeckten, ihren Tiefpunkt erreichten. Damit verbunden waren große Veränderungen der Flora und Fauna; sehr viele Arten mussten sich vor dem Eis zurückziehen oder starben aus. Die Halbinseln Südeuropas spielten dabei eine wichtige Rolle als Rückzugsgebiete für kältebedrohte Arten, wo sie an wärmebegünstigten Standorten geeignete Bedingungen zum Überleben vorfanden. Die Portugiesische Lorbeerkirsche hat auf diese Weise die Eiszeiten überlebt und kann nun bedingt durch die Globale Erwärmung die Wanderung zurück in nördlichere Gefilde antreten.
Verwechslungsmöglichkeiten Die Portugiesische Lorbeerkirsche kann insbesondere verwechselt werden mit der (Pontischen) Lorbeerkirsche Prunus laurocerasus. Erkennungsmerkmale der Portugiesischen Lorbeerkirsche sind rote Jungtriebe, rote Blattstiele (bei Schattentrieben zumindest in der unteren Hälfte) sowie gesägte Blattränder; in botanischen Beschreibungen überwiegt die Aussage, dass zerquetschte Blätter keinen auffälligen Geruch abgeben, aber auch die gegenteilige Aussage ist zu finden. Erkennungsmerkmale der (Pontischen) Lorbeerkirsche sind grüne Jungtriebe, grüne Blattstiele sowie ganzrandige oder gesägte Blattränder; zerquetschte Blätter geben einen Geruch von Bittermandeln ab. Die bei der Pontischen Lorbeerkirsche meistens sehr auffälligen extrafloralen Nektarien fehlen.
Darüber hinaus gibt es Ähnlichkeiten mit Glanzmispeln, mit dem Echten Lorbeer (Laurus nobilis) und dem mit Wuchshöhen von 0,5–1 m deutlich kleiner bleibenden Lorbeer-Seidelbast (Daphne laureola).
Ökologie Die Portugiesische Lorbeerkirsche kommt mit verschiedensten, auch kalkhaltigen Bodenarten zurecht, wobei sie Böden mit annähernd neutralem pH-Wert bevorzugt; Salz und Staunässe werden nicht vertragen. Als heliophile Lichtpflanze gedeiht sie am besten an sonnigen Standorten, auch Halbschatten wird vertragen. Als Winterhärte wird meist die USDA-Klimazone 7 (bis −17 °C), teilweise auch 6 (bis −23 °C) angegeben.
Die Blüten der Portugiesischen Lorbeerkirsche sind einfach und für Insekten aller Größen und Rüssellängen leicht zugänglich aufgebaut. Die Ergiebigkeit der Blüten wird angegeben mit einem Wert von 3 (gut) sowohl für den Pollenwert wie auch den Nektarwert. Die Blüten werden von Honigbienen, über 30 Wildbienen-Arten (inkl. Hummeln) und einigen Schmetterlingsarten besucht. Ebenfalls über 30 Insektenarten nutzen die Portugiesische Lorbeerkirsche als Raupenfutterpflanze.
Wie bei der Pontischen Lorbeerkirsche werden die Früchte von diversen Vogelarten gefressen, insbesondere von Amseln und Drosseln, wegen der im Vergleich nur etwa halb so großen Fruchtgröße aber auch gerne von Mönchsgrasmücken. Außerdem fressen Stare, Eichelhäher und Tauben im Herbst die Früchte. Auch verschiedene Säugetierarten wie Wildschweine, Rehe, Füchse und andere Fleischfresser sowie verstreuende und Vorräte anlegende Nagetiere nutzen dieses Nahrungsangebot.
Toxizität Alle Pflanzenteile der Portugiesischen Lorbeerkirsche enthalten als Schutz gegen Fressfeinde cyanogene Glycoside. Daraus bildet sich insbesondere beim Zerkauen und Verzehr von Samen und Blättern giftige Blausäure, die die Cytochrom-c-Oxidase der Atmungskette hemmt und die Zellatmung zum Erliegen bringen kann. Nach dem Verzehr von Blättern oder zerkauter Samen kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen und Krämpfen kommen und bei mehr als marginalen Mengen auch zum Tod durch Herz- oder Atemstillstand führen. Die meisten Quellen stufen die Portugiesische Lorbeerkirsche daher als ebenso stark giftig wie die (Pontische) Lorbeerkirsche ein, nur eine Quelle klassifiziert sie als nur moderat giftig. Unzerkaut und anderweitig unbeschädigt geschluckte Samen sind dagegen ungefährlich, da die cyanogenen Glykoside ohne Entstehung von Blausäure wieder ausgeschieden werden.
Auch für Haus- und Nutztiere können Blätter und Samen der Portugiesischen Lorbeerkirsche gefährlich werden: Als kritische Menge für Schafe werden 0,2 kg Blätter pro Tier angegeben, für Rinder und Pferde 0,5–1 kg. Randbepflanzungen und Schutzhecken von Pferdekoppeln und Viehweiden sollten daher frei von Portugiesischen Lorbeerkirsch-Sträuchern gehalten werden.
Invasivität Einige Verwilderungen wurden schon vor 2018 aus der Westschweiz gemeldet, offiziell ist die Art in der Schweiz aber weiterhin als „kultiviert und selten verwildert“ eingestuft. In den „Naturschutzfachlichen Invasivitätsbewertungen 2025“ des deutschen Bundesamtes für Naturschutz wird sie gar nicht erwähnt.
Krankheiten und Schädlinge Die an Portugiesischer Lorbeerkirsche auftretenden Pflanzenkrankheiten und Schädlinge sind weitgehend deckungsgleich mit denen der (Pontischen) Lorbeerkirsche. Viele davon werden von ungünstigen Standortbedingungen oder gärtnerischen Fehlern wie z. B. Staunässe oder zu tiefem Einpflanzen stark begünstigt.
Unter den Pilzerkrankungen werden meist Wurzelfäule, Blattfleckenkrankheit, Echter Mehltau, Falscher Mehltau und Schrotschusskrankheit genannt, die teilweise mit Fungiziden behandelt werden können. Andere Quellen beschreiben die Portugiesische Lorbeerkirsche dagegen als resistent gegen die Schrotschusskrankheit. Aus Großbritannien wird auch eine Empfindlichkeit gegenüber Silberblatt- bzw. Bleiglanz-Krankheit berichtet, die vom Violetten Knorpelschichtpilz verursacht wird.
Wenn Schmetterlinge und andere Insektenarten die Pflanze als Raupenfutterpflanze in Anspruch nehmen und es daraufhin zu einem Raupenfraß kommt, sind die Schäden in der Regel moderat und von naturbewussten Gärtnern gerne in Kauf genommen. Einige Käferarten aus der Gattung der Dickmaulrüssler können dagegen auch größere Schäden anrichten: Die geschlechtsreifen Käfer verursachen den so genannten Buchtenfraß an den Blättern; ihre Larven leben unterirdisch und ernähren sich auch von den Wurzeln.
Nutzung Gärtnerische Nutzung Die heute bedeutsamste Nutzungsform der Portugiesischen Lorbeerkirsche ist zumindest in Süd- und Mitteleuropa ihre gärtnerische Verwendung, die sich in die folgenden drei Verwendungsvarianten untergliedern lässt:
Sichtschutzgehölz als Hecke oder Gruppenpflanzung (vorherrschende Verwendungsvariante) Ziergehölz in Einzelstellung oder Gruppenpflanzung ohne Formschnitt (seltenere Verwendungsvariante) Formschnittgehölz in Einzelstellung, Gruppenpflanzung oder als Kübelpflanze (seltenere Verwendungsvariante)
Im Gegensatz zur (Pontischen) Lorbeerkirsche eignet sich die Pflanze wegen ihres höheren Lichtbedarfs nicht zur Unterpflanzung größerer Bäume oder Baumbestände. Zu ihrer Schnittverträglichkeit liegen widersprüchliche Angaben vor.
Laub und Schnittgut der Portugiesischen Lorbeerkirsche gelten als kompostierbar, ansonsten ist eine Entsorgung über die Grüne Biotonne oder bei größeren Mengen über eine Grünschnitt-Annahmestelle ratsam. Keinesfalls darf das Schnittgut illegal in der freien Natur entsorgt werden, da es Wurzeln schlagen und anwachsen kann; Zuwiderhandlungen werden mit empfindlichen Bußgeldern geahndet.
Sorten Die bekanntesten fünf der im deutschsprachigen Raum erhältlichen Portugiesischen Lorbeerkirschsorten sind im Abschlussbericht der Bundesgehölzsichtung 2017–2022 mit ihren wesentlichen Eigenschaften inklusive Winterhärte und Fruchtbildung beschrieben. Weitere Informationen zu einzelnen Sorten sind auch in einer englischsprachigen dendrologischen Enzyklopädie zu finden.
Verwendung der Früchte