Die Deutsche Glasfaser Holding GmbH ist ein 2011 gegründetes Telekommunikationsunternehmen. Der im Handelsregister eingetragene Sitz der Gesellschaft ist Borken, Nordrhein-Westfalen, die Verwaltungszentrale befindet sich in Düsseldorf. Das Unternehmen betreibt den Ausbau von FTTH-Glasfasernetzen bis in die Wohnung und ist Telekommunikationsdiensteanbieter in den Bereichen Internet, Fernsehen und Telefonie.

Geschichte Gegründet wurde Deutsche Glasfaser im Jahr 2011 von der niederländischen privaten Investmentgesellschaft Reggeborgh, die in den Niederlanden mit der Unternehmenstochter Reggefiber schon einige Jahre zuvor im Bereich des FTTH-Ausbaus tätig war und dabei ca. 2,5 Millionen Glasfaseranschlüsse anlegte, was etwa 30 % der niederländischen Haushalte umfasste. Zunächst wurde der Glasfaserausbau schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern realisiert.

Ab 2015 war der amerikanische Investor Kohlberg, Kravis, Roberts und Co. Mehrheitsgesellschafter, neben der Reggeborgh-Gruppe als Minderheitsanteilseigner. Deutsche Glasfaser standen dadurch etwa 1,5 Mrd. Euro Investitionskapital für die Expansion in Deutschland in den folgenden Jahren zur Verfügung. Darüber hinaus sollen auch Fördergelder beantragt werden. Seit 2016 verfolgt das Unternehmen den deutschlandweiten Ausbau von Glasfasernetzen.

Im Juli 2017 kündigte Deutsche Glasfaser die Übernahme der Unser Ortsnetz GmbH an. Die Marke Unser Ortsnetz wurde aufgegeben und Bestandskunden in die Technologie der Deutschen Glasfaser migriert.

Im Mai 2020 erlaubte das Bundeskartellamt die Übernahme der Deutschen Glasfaser durch den schwedischen Finanzinvestor EQT und den kanadischen Pensionsfonds Omers sowie die Fusion der Deutschen Glasfaser mit ihrem Mitbewerber inexio Informationstechnologie und Telekommunikation GmbH mit Sitz in Saarlouis. Das fusionierte Unternehmen ist nach der Deutschen Telekom und Vodafone der drittgrößte Glasfaseranbieter Deutschlands. Nach der Übernahme kam es zu einer Reihe an Wechseln in der Führungsspitze des Unternehmens. So verließ, unter anderen, der langjährige Geschäftsführer Uwe Nickl Deutsche Glasfaser. Sein Nachfolger Thorsten Dirks wurde anderthalb Jahre später, im August 2022, vom aktuellen Geschäftsführer Andreas Pfisterer abgelöst.

Ende 2022 gab das Unternehmen bekannt, dass im Rahmen einer Kooperation Vodafone ab Herbst 2023 Zugänge über das Netz der Deutschen Glasfaser anbieten werde. Inzwischen wurde die Zusammenarbeit aufgrund von Problemen jedoch ausgesetzt. Seit Oktober 2025 werden jedoch Zugänge über eine Partnerschaft mit 1&1 vermarktet.

Seit August 2024 ist die Deutsche Glasfaser Mitglied bei der Clearingstelle Urheberrecht im Internet.

Seit 2024/25 wurden Kennzahlen über die Gruppe bekannt, die das Unternehmenswachstum sowie die Erreichung selbstgesteckter Ziele erheblich in Frage stellte. Nach ersten Entlassungen im Januar 2024 folgten im Herbst 2025 weitere. Umfangreiche Verhandlungen mit Anteilseignern und Banken endeten mit der Ende April 2026 veröffentlichten Mitteilung über den Erfolg einer Restrukturierung. Diese spricht von einem Kapitalzufluss durch die Gesellschafter EQT und Omers in Höhe von 1, 2 Milliarden Euro, welche zu einer Verdichtung bei den Anschlusszahlen bereits ausgebauter Gebiete verwendet werden solle. Mitte 2026 verlautbarte, dass die Gesellschaft vor der Restrukturierung fällige Zinszahlungen in Höhe von 162 Mio. EUR nicht habe leisten können.

Zum 1. Juli 2026 gab das Unternehmen die Trennung von Geschäftsführer Andreas Pfisterer bekannt, der nur noch für eine Übergangsphase bereitstehe und das Unternehmen verlasse. Bis zu einer Neubenennung eines CEO sei das Beiratsmitglied Jens Schulte-Bockum mit der Transformation des Unternehmens beauftragt. Die Abberufung wurde am 15. September 2026 im Handelsregister vollzogen.

Tätigkeitsfeld Das Unternehmen baut und betreibt ein eigenes Breitband-Glasfasernetz, das bis zu den einzelnen Wohnungen verlegt ist, d. h. auf der „Letzten Meile“ nicht auf die Anmietung von Leitungen der Deutschen Telekom AG angewiesen ist. Dieses steht anderen Telekommunikationsanbietern als offenes Netz zur Verfügung (sog. Open Access Network). Der Ausbau erfolgt in Kooperation mit den Kommunen und konzentriert sich auf Außenbezirke großer Ballungsräume. Vor dem Ausbau führt das Unternehmen zeitlich begrenzte Nachfragebündelungen durch. Erst wenn in dieser Phase eine gewisse Prozentzahl der Haushalte im potenziellen Ausbaugebiet einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser als Provider abschließen, findet der Ausbau statt. Oft gründen sich Bürgerinitiativen, die als Vermittler zwischen Bürgern, Lokalpolitikern und dem Unternehmen agieren.

Deutsche Glasfaser ist Mitgliedsunternehmen im Bundesverband für Breitbandkommunikation, der sich für den deutschlandweiten Ausbau von Glasfasernetzen und faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Telekommunikationsmarkt einsetzt, sowie im Verband der Anbieter für Telekommunikations- und Mehrwertdienste.

Als Internet-Service-Provider vermarktet es Internet-, TV- und Telefoniedienstleistungen für Privatkunden. Im Februar 2017 hatte das Unternehmen entsprechend der Branchenorganisation FTTH Council Europe 70.000 Haushalte an sein Netz angeschlossen von etwa 235.000 daran anschließbaren Haushalten. Im Mai 2019 hatte das Unternehmen, nach eigenen Meldungen, 300.000 Vertragskunden und etwa 500.000 anschließbare Haushalte. Hinsichtlich der Breitbandversorgung auf dem Land wird die Deutsche Glasfaser inzwischen als wichtiger Wettbewerber der Deutschen Telekom gesehen.

Kritik Laut Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) steigerten sich die Beschwerden gegenüber 2020 im Jahr 2022 auf mehr als das Vierfache und der Trend übermäßiger Steigerung setzte sich 2023 fort.Christian Sachsinger: Glasfaser-Chaos – Pleiten und Pannen sorgen für Frust BR24

Insbesondere im Paderborner Umland kam es in der Vergangenheit zu Problemen mit der Deutsche Glasfaser. So wurde in Buke (Altenbeken) laut der Gemeinde schlecht gearbeitet. Auch in den Paderborner Ortsteilen Dahl, Benhausen und Neuenbeken kam es zu Problemen, teilweise mit fünfjährigen Wartezeiten.

2022 und 2023 wurden im Landkreis Böblingen in sehr vielen Ortschaften neue Projekte begonnen. Diese wurden alle nicht beendet, sondern sind auch teilweise mehr als ein Jahr nach Beginn als Straßenbauruinen mit offenen oder nur notdürftig geschlossenen Löchern Teil des Ortsbildes geworden. Von der DGF gibt es keine Erklärung und Aufarbeitung hierzu.Gäubote, 8.1.24, Boden für die Zukunft bereitet. Gäubote 23.11.2023, Auch Telekom ruft Ärger hervor. Gäubote, 23.10.2023, Unzufrieden mit den Arbeiten. Auch 2025 führte ein Ausbaustopp aufgrund der Insolvenz des Baupartners in 19 Ortschaften in Rheinland-Pfalz zu enttäuschten Reaktionen.https://www.golem.de/news/rheinland-pfalz-deutsche-glasfaser-gibt-ausbau-in-vielen-doerfern-auf-2503-194544.htmlteltarif.de: Ausbau abgesagt: Kein Highspeed für 19 Dörfer, abgerufen am 26. März 2024

Im März 2025 kam es zu einem mehrtägigen Netzausfall in den Gemeinden Bornich und Weisel, da die Deutsche Glasfaser eine Stromrechnung nicht rechtzeitig beglich, und der Energieversorger daraufhin die Stromversorgung eines Glasfaserhauptverteilers stoppte.

Auszeichnungen Wirtschaftsverband FTTH Council Europe: FTTH Operator Award 2017 Bester Regionaler Festnetzanbieter Connect Test 2022

Einzelnachweise

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