Das Unternehmen Rheinübung war der Deckname einer deutschen Militäroperation der deutschen Kriegsmarine im Seekrieg des Zweiten Weltkriegs. Die Operation sollte den Druck auf die Nachschubtransporte zu den britischen Inseln erhöhen und den U-Boot-Krieg unterstützen. Im Verlauf des Unternehmens wurden bei zwei Seegefechten der britische Schlachtkreuzer Hood und das deutsche Schlachtschiff Bismarck versenkt.
Vorplanungen Die Operationsführung des Unternehmens Rheinübung (Kampfgruppe Bismarck/Prinz Eugen) oblag dem Flottenchef, Admiral Günther Lütjens. Das ursprünglich eingeplante Schlachtschiff Gneisenau (Kapitän zur See Otto Fein) fiel aufgrund von Reparaturarbeiten infolge eines Torpedotreffers aus. Die Ausarbeitung der Operationsanweisungen oblagen den Marinegruppenkommandos West (Generaladmiral Alfred Saalwächter) und Ost (Generaladmiral Rolf Carls).Horst Boog, Werner Rahn, Reinhard Stumpf, Bernd Wegner: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 6: Der globale Krieg: Die Ausweitung zum Weltkrieg und der Wechsel der Initiative 1941–1943. Militärgeschichtliches Forschungsamt 1990, S. 374.
Lütjens stand einer weiteren Atlantikoperation mit Dickschiffen von Anfang an skeptisch gegenüber, für ihn barg die Unternehmung zu viele Risiken. Diese Befürchtungen teilte er dem Oberbefehlshaber der Marine, Großadmiral Erich Raeder, am 26. April 1941 in einer Besprechung mit. Lütjens schlug vor, dass die Operation so lange hinausgezögert werden sollte, bis die Tirpitz (Kapitän zur See Karl Topp), die Scharnhorst (Kapitän zur See Kurt Caesar Hoffmann) und die Gneisenau wieder einsatzbereit wären. Damit stünde ein schlagkräftiger Kampfverband zur Verfügung. Der geplante Einsatz nur zweier und noch dazu so unterschiedlich leistungsstarker Schiffe würde die Erfolgsaussichten im Atlantik gefährden.Horst Boog, Werner Rahn, Reinhard Stumpf, Bernd Wegner: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 6: Der globale Krieg: Die Ausweitung zum Weltkrieg und der Wechsel der Initiative 1941–1943. Militärgeschichtliches Forschungsamt 1990, S. 375.
Raeder stimmte Lütjens’ Bedenken zu, sah sich aber außerstande, an der momentanen Situation etwas zu ändern. Im Dialog einigten sich der Flottenchef und sein Vorgesetzter auf eine Defensivtaktik. Beiden Offizieren ging es in erster Linie darum, den militärischen Druck auf die britischen Schifffahrtsverbindungen aufrechtzuerhalten und die wenigen großen Überwasserschiffe dabei möglichst lange einsetzen zu können. Um den Verlust oder eine Beschädigung der Bismarck zu verhindern, sollten Kämpfe mit schweren Überwassereinheiten aber möglichst vermieden werden. Lütjens erwähnte, dass die eigentliche Gefahr für die Schiffe in seinen Augen nicht von Überwassereinheiten, sondern von Torpedoflugzeugen ausgehe, die von gegnerischen Flugzeugträgern aus operierten.Jochen Brennecke: Schlachtschiff Bismarck. Koehlers Verlagsgesellschaft, 6. Aufl. 2003, ISBN 3-7822-0877-3, S. 105–107.
Als Hitler am 5. Mai 1941 Gotenhafen besuchte, um die beiden Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse zu besichtigen, berichtete Lütjens ihm von diesen Bedenken. Offensichtlich konnte der Admiral Hitler überzeugen. Am Ende des Gesprächs waren sich beide darüber einig, dass ein Verlust der prestigeträchtigen Schiffe unter allen Umständen zu vermeiden wäre. Allerdings erteilte Hitler keine Anordnungen, welche die Unternehmung verschieben oder abbrechen hätten können.
Am 12. Mai richtete sich Lütjens’ Flottenstab vorübergehend auf der Bismarck ein. Zunächst sollte damit die Zusammenarbeit zwischen Flottenstab und dem neuen Flaggschiff in einer Übung vertieft werden, in der verschiedene Gefechtsbilder gefahren wurden. Nach der Überwindung verschiedener technischer Probleme konnte sich der Stab am 18. Mai 1941 endgültig an Bord einschiffen. In der Nacht des Folgetages lief die Operation an.Malte Gaack, Ward Carr: Schlachtschiff Bismarck Teil 3: Das wahre Gesicht eines Schiffes. Books on Demand 2012, S. 399.
Verlauf mini|Die schwedische Gotland, die den Verband meldete Am 18. Mai 1941 lief die Bismarck aus Gotenhafen mit Ziel Atlantik aus. Begleitet wurde sie von dem schweren Kreuzer Prinz Eugen und den drei Zerstörern Z 10 Hans Lody, Z 16 Friedrich Eckoldt, Z 23, sowie den Sperrbrechern 13 und 31 und der 5. Minensuchflottille.
Beim Passieren des Kattegats am 20. Mai sichtete eine Hawker Osprey vom schwedischen Flugzeugkreuzer Gotland den Schiffsverband. Die Gotland informierte die eigene Flotte mit einem kurzen Funkspruch über die Sichtung.Curt Borgenstam, Per Insulander, Bertil Åhlund: Kryssare: med svenska flottans kryssare under 75 år (1:a), CB Marinlitteratur, 1993, ISBN 91-970700-6-8. S. 93 Die Briten fingen diesen Funkspruch ab und verstärkten daraufhin ihre Aufklärung. Der Pilot eines Aufklärungsflugzeugs vom Typ Spitfire sichtete die Großkampfschiffe am Vormittag des 21. Mai, als die Prinz Eugen und die Zerstörer bei Bergen Treibstoff an Bord nahmen und der Anstrich der Bismarck verändert wurde.
Am 22. Mai setzten die Bismarck und die Prinz Eugen ihre Fahrt fort, die Zerstörer blieben zurück. Der an Bord des Flaggschiffes Bismarck befindliche Flottenchef Admiral Günther Lütjens beabsichtigte, durch die Dänemarkstraße zwischen Grönland und Island in den Atlantik auszubrechen.
Die britische Home Fleet unter dem Kommando von Admiral John Tovey hielt einen Durchbruch an dieser Stelle für unwahrscheinlich, weshalb nur zwei Schwere Kreuzer im näheren Umkreis positioniert waren. Die Suffolk sichtete den deutschen Verband am 23. Mai um 19.22 Uhr auf 7 Seemeilen. Unterstützt wurde sie durch die Norfolk, die kurzzeitig von den deutschen Schiffen unter Feuer genommen wurde, sich aber in eine Nebelbank flüchten konnte. Die britischen Kreuzer ließen sich nicht auf den ungleichen Kampf ein und sollten nur per Radar Fühlung halten, um die zwei eigenen Großkampfschiffe heranzuführen, die noch 300 Seemeilen entfernt waren.
Gefecht in der Dänemarkstraße
mini|Die Hood nach der Modernisierung Admiral Tovey hatte die ihm zur Verfügung stehenden schweren Einheiten in zwei Geschwader aufgeteilt. Der Verband unter dem Kommando von Vizeadmiral Lancelot Holland, bestehend aus dem Schlachtkreuzer Hood, dem unlängst in Dienst gestellten Schlachtschiff Prince of Wales und sechs Zerstörern, war südlich von Island postiert und wurde nun zum südlichen Ausgang der Dänemarkstraße beordert, um den deutschen Verband abzufangen. Die Begleitzerstörer konnten die Geschwindigkeit der beiden Großkampfschiffe nicht halten und fielen zurück. Als die Suffolk gegen Mitternacht meldete, den Kontakt zu den deutschen Schiffen verloren zu haben, drehte der britische Kampfverband nach Norden und die Zerstörer erhielten Befehl, sich aufzufächern und sich so an der Suche nach den deutschen Schiffen zu beteiligen.
Um 5:35 Uhr kamen beide Geschwader in Sichtweite zueinander. Holland war bestrebt, die Distanz zwischen den beiden Geschwadern schnell zu verringern, da die relativ schwachen Panzerdecks der Hood auf große Entfernung durch Steilfeuer gefährdet waren. Auf 23 km Entfernung eröffneten die Briten um 5:52 Uhr das Gefecht. Die Hood beschoss zunächst irrtümlich die Prinz Eugen, die zu der Zeit an der Spitze des deutschen Verbandes lief. Die deutschen Schiffe hatten am Vortag ihre Positionen gewechselt, weil das vordere Radar der Bismarck durch die Erschütterungen der schweren Artillerie während des Beschusses auf die Norfolk ausgefallen war. Die Silhouetten der deutschen Schiffe waren außerdem durch die schlechten Sichtverhältnisse leicht verwechselbar. Auf der Prince of Wales wurde der Irrtum früh erkannt und der Befehl zum Zielwechsel gegeben.
Lindemann erteilte um 5:55 Uhr mit den Worten „Ich lasse mir doch mein Schiff nicht unter dem Arsch wegschießen. Feuererlaubnis.“ eigenmächtig die Feuererlaubnis für die Bismarck und überging damit seinen Vorgesetzten Lütjens. Lütjens nahm diese Insubordination widerspruchslos hin.Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg: Schlachtschiff Bismarck. Flechsig Verlag 2005, S. 120. Die deutschen Schiffe konnten sich schnell einschießen. Bereits die dritte Salve der Bismarck lag deckend bei der Hood. Den ersten Treffer auf der Hood erzielte die Prinz Eugen mit ihrer vierten Salve. Eine 20,3-cm-Granate detonierte in der Bereitschaftsmunition der 10,2-cm-Geschütze; der daraufhin ausbrechende Brand erlosch aber schnell wieder.
Die Briten brauchten länger, um sich einzuschießen; erst die siebente Salve der Prince of Wales war deckend. Ihre Besatzung war noch nicht eingespielt, da sie sich auf ihrer ersten Einsatzfahrt befand und die Probefahrten noch nicht abgeschlossen waren. mini|Explosion der Hood (Foto des Bundesarchivs) mini|Die sinkende Hood, davor die Prince of Wales. Gemälde von J.C. Schmitz-Westerholt. Admiral Holland gab um 6:00 Uhr den Befehl, zu drehen, sodass auch die achteren Türme der Hood eingesetzt werden konnten. Bis dahin hatte die Hood nur mit den vorderen Türmen geschossen, da die hinteren Türme durch die Aufbauten kein freies Schussfeld nach vorne hatten. Während dieser Drehung traf eine 38-cm-Granate aus der fünften Salve der Bismarck um 6:01 Uhr das Schiff, kurz darauf explodierte die achtere Munitionskammer der Hood. Von der darauffolgenden gewaltigen Detonation wurde der Schlachtkreuzer in Stücke gerissen und sank in weniger als drei Minuten. 1.415 Mann starben bei der Explosion, unter ihnen auch Vizeadmiral Holland. Nicht mehr als drei überlebten.
Die Prince of Wales, nun auf sich alleine gestellt, entging durch ein kurzfristiges Ausweichmanöver einem Zusammenstoß mit der sinkenden Hood knapp. Ohne dieses Manöver wäre die Prince of Wales wohl in die deckende sechste Salve der Bismarck gelaufen, die sich beim Einschlag der fünften Salve bereits in der Luft befand. Erschwerend kam für das britische Schlachtschiff hinzu, dass mehrere Rohre der schweren Artillerie wegen Fehlern in der unfertigen Stromversorgung ausgefallen waren. Nachdem sie vier Treffer durch die Bismarck und drei durch die Prinz Eugen erhalten hatte und unter anderem eine Granate der Bismarck auf der Kommandobrücke eingeschlagen und bis auf den Kommandanten und den Obersignalmeister alle dort Anwesenden getötet hatte, drehte die Prince of Wales ab und zog sich in selbst erzeugte Rauchschleier zurück. Lütjens weigerte sich, Lindemann die Verfolgung zu gestatten, ohne dies zu begründen. Lindemann wiederholte seine Bitte, diesmal mit mehr Nachdruck. Lütjens hatte vom deutschen Marinebefehlshaber, Großadmiral Erich Raeder, den ausdrücklichen Befehl, unnötige Gefechte mit der Royal Navy zu vermeiden, vor allem, wenn sie zu weiteren Schäden führen könnten. Er brach das Gefecht ab, anstatt die Prince of Wales zu verfolgen und befahl einen Kurs von 270°, genau nach Westen. Die Bismarck hatte während des Gefechts 93 ihrer 353 panzerbrechenden Granaten abgefeuert.
Die Kreuzer HMS Suffolk und HMS Norfolk, die die deutschen Schiffe seit dem Vortag verfolgt hatten, waren während des Gefechts außer Schussweite. Dennoch feuerte die Suffolk zwischen 6:19 Uhr und 6:25 Uhr sechs Salven.
Die Prinz Eugen erlitt keine Beschädigungen. Die Bismarck erhielt von der Prince of Wales drei Treffer, wobei ein Brennstoffbunker im Vorschiff zerstört wurde, worauf 1000 Tonnen Brennstoff ausliefen und verbleibendes Bunkeröl durch Seewasser verunreinigt wurde. Zudem wurde einer der Kesselräume der Bismarck und ein Generatorraum mit Turbogeneratoren geflutet. Die Höchstgeschwindigkeit von 30 Knoten konnte nicht mehr erreicht werden. Ferner kam man nicht mehr an die noch intakten Treibstoffbunker im Vorschiff heran.
Verfolgung und Untergang der Bismarck
mini|Kurse der beteiligten Schiffe und Verbände. Die eingezeichneten Staatsgrenzen entsprechen nicht der Situation von 1940.