mini|Everardo González erhielt 2018 den Ariel in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ für La libertad del diablo (Devil’s Freedom) Everardo González Reyes (* 1971 in Fort Collins, Colorado, Vereinigte Staaten) ist ein mexikanischer Dokumentarfilmregisseur, Produzent, Kameramann und Drehbuchautor. Obwohl in den Vereinigten Staaten geboren, besitzt er die mexikanische Staatsangehörigkeit und zählt seit den 2000er-Jahren zu den international am häufigsten rezipierten Vertretern des mexikanischen Dokumentarfilms.
Ausbildung González absolvierte ein Studium der Sozialen Kommunikation (Comunicación Social) an der Universidad Autónoma Metropolitana (UAM) in Mexiko-Stadt und anschließend ein Studium der Kinematografie am Centro de Capacitación Cinematográfica (CCC). Nach eigenen Angaben gelangte er über eine Ausbildung zum Fotografen und eine Übung im Rahmen der Filmhochschule, dem CCC, zum Dokumentarfilm, aus der sein Erstlingswerk hervorging.
Berufliches Wirken Im Jahr 2007 gründete González die in Mexiko-Stadt ansässige Produktions- und Verleihfirma Artegios, die sich auf internationale Dokumentarfilmproduktionen spezialisiert hat und deren Schwerpunkt auf der Veröffentlichung dokumentarischer Werke in Mexiko und Lateinamerika liegt. Darüber hinaus ist er Gründer der Mexican Documentary Net, eines Zusammenschlusses, der sich der Verbesserung der Arbeitsbedingungen mexikanischer Dokumentarfilmschaffender sowie der sozialen, politischen und kulturellen Wirkung des Genres widmet. González ist Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) sowie der Academia Mexicana de Artes y Ciencias Cinematográficas (AMACC).
Neben seiner Regiearbeit war González auch als Kameramann für Spielfilme anderer Regisseure tätig. So übernahm er die Bildgestaltung für den von Carlos Carrera inszenierten Spielfilm El traspatio (Das Paradies der Mörder) (2009), für den er einen Ariel in der Kategorie „Beste Fotografie“ erhielt, sowie für La jaula de oro (2013) von Diego Quemada-Diez. Für das Fernsehen arbeitete er an der von Enrique Krauze produzierten Reihe México Nuevo Siglo mit.
Filmisches Werk Sein Regiedebüt als Langfilmdokumentarist gab González mit La canción del pulque (2003), einer Hommage an das traditionelle mexikanische Nationalgetränk Pulque, seine Konsumenten und die mexikanische Musik. Der Film wurde beim Festival Internacional de Cine en Guadalajara mit dem Mayahuel jeweils in den Kategorien „Beste Kamera“ und den „Bester Schnitt“ ausgezeichnet und erhielt 2004 den Silbernen Ariel in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“. Vor diesem Langfilm entstanden mittellange Dokumentationen, wobei La canción del pulque (2003) als erste größere Arbeit gilt. 2006 folgte Jalisco es México.
Mit Los ladrones viejos: las leyendas del artegio (2007) porträtierte González eine Generation von Dieben in Mexiko-Stadt, die in den 1960er-Jahren für aufsehenerregende Raubzüge bekannt waren. Der Film erhielt den Mahayuel in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ beim Festival in Guadalajara sowie 2008 den Silbernen Ariel jeweils in den Kategorien „Bester Schnitt“ und „Bester Dokumentarfilm“.
2011 produzierte er zwei Dokumentationen. El cielo abierto ist eine Auseinandersetzung mit der Figur des 1980 ermordeten salvadorianischen Erzbischofs Óscar Romero. Cuates de Australia (internationaler Titel: Drought) beobachtet das zyklische Leben auf eines durch anhaltende Dürre geprägten Rancho in der Sierra von Coahuila im Nordosten Mexikos. Cuates de Australia erhielt 2012 den Preis José Rovirosa sowie den Ariel in der Kategorie „Bester Dokumentarischer Langfilm“ und wurde auf der DocuWeeks in New York City und Los Angeles gezeigt.
Der Dokumentarfilm El Paso (2015) befasst sich mit den Familien mexikanischer Journalisten, die aufgrund von Bedrohungen im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Drogenhandel ins Exil gehen mussten und politisches Asyl suchen. Der Film wurde beim 13. Festival Internacional de Cine de Morelia (FICM) im Oktober/November 2015 gezeigt, wo er eine Mención Especial in der Kategorie „Bester Dokumentarlangfilm“ erhielt.
Mit La libertad del diablo (internationaler Titel: Devil’s Freedom) (2017), dessen Drehbuch González gemeinsam mit dem Journalisten Diego Enrique Osorno verfasste, wandte er sich dem Gewaltphänomen in Mexiko im Kontext des Krieges gegen den Drogenhandel zu. Formales Merkmal ist die Verwendung hautfarbener Masken, die alle im Film auftretenden Protagonisten, gleich ob Opfer oder Täter, tragen. Der Film wurde bei der Berlinale 2017 mit dem Filmpreis von Amnesty International ausgezeichnet und erhielt zudem Preise beim Festival Internacional de Cine de Guadalajara.
2018 inszenierte González für Netflix Originals Latin America die Produktion Un Abrazo de 3 Minutos. Für die Op-Docs-Reihe der New York Times entstand der Kurzfilm Children of the Narco Zone, der für einen News & Documentary Emmy Award nominiert wurde.
Sein Dokumentarfilm Una jauría llamada Ernesto (2023) beschäftigt sich mit Jugendlichen, die in organisierte Verbrechen verstrickt sind, und verdichtet die Aussagen anonymer junger Sicarios zu einer fiktionalen Figur namens „Ernesto“. Das Rechercheteam umfasste neben González die Journalisten Óscar Balderas und Daniela Rea. Der Film feierte Premiere beim Hot Docs Canadian International Documentary Festival, wo er eine lobende Erwähnung in der Kategorie „Bester internationaler Dokumentarfilm“ erhielt, sowie beim mexikanischen Ambulante Gira de Documentales. Am 9. November 2023 startete er in den mexikanischen Kinos. Bei den Premios Ariel 2024 war er in den Kategorien „Bester Dokumentarfilm“ und „Beste Originalmusik“ nominiert.
Filmografie (Auswahl) 2003: La canción del pulque 2007: Los ladrones viejos: las leyendas del artegio 2011: El cielo abierto 2011: Cuates de Australia (Drought) 2015: El Paso 2017: La libertad del diablo (Devil’s Freedom) 2018: Un Abrazo de 3 Minutos 2018: Children of the Narco Zone 2023: Una jauría llamada Ernesto
Weblinks
Einzelnachweise Una jauría llamada Ernesto auf der Website der Ambulante Gira de Documentales, abgerufen am 12. Mai 2026.
El Paso auf der Website von Artegios, abgerufen am 11. Mai 2026.
Everardo González (Mexico) auf dafilms.com, abgerufen am 11. Mai 2026. González Reyes, Everardo im Diccionario de Directores del Cine Mexicano, abgerufen am 11. Mai 2026. Everardo González auf der Website des Double Exposure Festival, Investigative Film Festival, abgerufen am 12. Mai 2026. Los ladrones viejos bei Filmaffinity, abgerufen am 11. Mai 2026. Cuates de Australia bei Filmaffinity, abgerufen am 11. Mai 2026. Everardo Gonzalez Reyes im Talent Guide bei Film Independent, abgerufen am 11. Mai 2026.
Diego Enrique Osorno auf der Website des International Film Festival Rotterdam, abgerufen am 11. Mai 2026.
González Reyes; Everardo auf der Website des Festival Internacional del Cine en Morelia, abgerufen am 11. Mai 2026. Pulque Song auf der Website des Festival Internacional del Cine en Morelia, abgerufen am 11. Mai 2026.
Everardo González auf der Website des Semana Internacional de Cine de Valladolid International Film Festival (SEMINCI), abgerufen am 11. Mai 2026. Everardo González in der Sistema de Información Cultural (SIC), abgerufen am 11. Mai 2026. Los ladrones viejos: Las leyendas del artegio: The Old Thieves in der Sistema de Información Cultural (SIC), abgerufen am 11. Mai 2026.
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Kameramann Kategorie:Mexikaner Kategorie:Geboren 1971 Kategorie:Mann