Werk ohne Autor (internationaler Titel Never Look Away) ist ein deutscher Spielfilm von Florian Henckel von Donnersmarck aus dem Jahr 2018. Thema des Dramas ist das Leben eines Künstlers, angelehnt an die Biografie von Gerhard Richter. Die Hauptrollen spielen Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci und Ina Weisse.

Die Weltpremiere fand im Rahmen des Wettbewerbs der 75. Internationalen Filmfestspiele von Venedig statt.Deutscher Film „Werk ohne Autor“ für Goldenen Löwen nominiert. Bei: dw.com, 25. Juli 2018, abgerufen am 16. August 2018. In den deutschen Kinos startete der Film am 3. Oktober 2018.Werk ohne Autor filmstarts.de, abgerufen am 5. Oktober 2018 Am 28. Dezember 2020 wurde der Film erstmals im Ersten ausgestrahlt.

Werk ohne Autor wurde als deutscher Beitrag für die Oscarverleihung 2019 eingereicht und schließlich von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in den Kategorien Bester Fremdsprachiger Film und Beste Kamera nominiert.

Handlung 1937 besucht der fünfjährige Kurt Barnert mit seiner jungen, kunstsinnigen Tante Elisabeth die Wanderausstellung Entartete Kunst in Dresden. Beiden gefallen die ausgestellten, vom Nazi-Regime verpönten Werke. Bald darauf muss das Kind mitansehen, wie ebendiese Tante wegen vermeintlicher Schizophrenie in eine psychiatrische Anstalt zwangseingeliefert wird. Niemals wegsehen ist der Rat, den sie ihm wiederholt mit auf den Weg gibt und damit seine Weltwahrnehmung prägt: Alles, was existiere und geschehe, sei es wert, angesehen zu werden. Später wird sie dem Leiter der Dresdener Frauenklinik, SS-Obersturmbannführer und Professor der Frauenheilkunde Carl Seeband vorgeführt, der angesichts ihres verzweifelten Widerstandes gegen eine Sterilisation ihre Ermordung anordnet. Während ihr Neffe aus der Ferne die Luftangriffe auf Dresden sieht, wird die Tante in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein vergast.

Nach dem Krieg wird Seeband vom NKWD verhaftet, im Speziallager inhaftiert und wegen seiner Rolle bei den Euthanasie-Morden vom Lagerkommandanten Murawjow brutal verhört. Doch nachdem Seeband die schwierige Geburt von Murawjows Sohn zu einem guten Ende geführt hat, wird er freundschaftlich behandelt und vor weiterer Verfolgung in Schutz genommen.

Kurt Barnert findet Arbeit in einer Fabrik für Schilder- und Bannermalerei. Als man dort sein künstlerisches Talent erkennt, wird er als Vertreter der Arbeiterschaft an die Dresdener Kunstakademie geschickt, wo er Malerei studiert. Sein Professor, ein Kommunist aus Überzeugung, versucht die Studenten zum Sozialistischen Realismus hinzuführen. Kurt zeigt zwar große Begabung, kann sich aber mit der das Ich verneinenden Ideologie nicht anfreunden. Er hat das Gefühl, sich durch diese Art der Malerei von seinem eigenen Stil zu entfernen und eine entfremdete Arbeit zu machen.

Kurt lernt die junge Elisabeth kennen, die an der Akademie Mode- und Textilgestaltung studiert. Sie erinnert ihn an seine Tante, selbst der Vorname ist derselbe. Zur Unterscheidung bittet er sie um einen Spitznamen und darf sie von da an Ellie nennen. Sie verlieben sich ineinander und haben heimlich Sex, schließlich mietet Kurt ein Zimmer im Haus von Ellies Eltern. Ellies Vater ist Carl Seeband, der sich nun ganz in den Dienst der sozialistischen Ideologie der DDR gestellt hat. Kurt weiß nicht, dass Seeband den Mord an seiner Tante angeordnet hat, ebenso wenig weiß Seeband, dass Kurt der Neffe eines seiner Opfer ist. Der Professor sieht den jungen Mann allerdings als genetisch minderwertig und Gefahr für seine Blutlinie an. Als sich herausstellt, dass Ellie schwanger ist, beendet er die Schwangerschaft mit vorgetäuschter medizinischer Indikation, um die beiden zu entzweien. Dennoch heiraten Kurt und Ellie.

Nach seinem Studium in Dresden bekommt Kurt mehrere Aufträge für große Wandfresken im sozialistischen Stil, die er nur widerstrebend ausführt, weil er das Geld braucht. Bei Murawjows Rückversetzung nach Moskau verlassen Ellies Eltern die DDR, um sich einer strafrechtlichen Verfolgung zu entziehen. Kurt und Ellie entschließen sich wenig später, ebenfalls über West-Berlin in den Westen zu fliehen, wenige Monate vor dem Mauerbau.

Sie gehen von Berlin nach Düsseldorf, nachdem Kurt erfahren hat, dass sich dort gerade eine ganz neue Kunstrichtung entwickelt; er wird von dem exzentrischen Professor Antonius van Verten an der Kunstakademie angenommen. Hier kommt er in Berührung mit der modernen Kunst der bundesdeutschen Nachkriegszeit, bei der die Malerei zwar keine Rolle mehr spielt, sonst aber alles möglich scheint. Van Verten arbeitet mit Fett und Filz und erinnert auch äußerlich an Joseph Beuys, Kurts Mentor Günter Preusser spickt Holzgegenstände mit Nägeln. Kurt bleibt bei der Leinwand, wenn seine Gemälde auch sehr abstrakt und experimentell werden. Als Professor van Verten nach einer sonst bei seinen Studierenden nicht üblichen Inaugenscheinnahme von Kurts Arbeiten und einer eigenen persönlichen Offenbarung urteilt, dass sie kein Ausdruck seiner eigenen Innerlichkeit seien, verbrennt Kurt seine bisherigen Arbeiten und brütet vor leerer Leinwand. Zum Geldverdienen stellt ihm sein Schwiegervater, der wieder einen ranghohen Posten in der Frauenheilkunde innehat, einen "angemessenen" Job in einer Frauenklinik in Aussicht, die sich als Treppenputzen entpuppt – eine offene Verhöhnung, denn an einem solchen Putzjob war bereits Kurts Vater verzweifelt, ein Lehrer, der in der DDR Berufsverbot hatte.

Ellie arbeitet als Näherin in der Bekleidungsindustrie. Nach mehreren Fehlgeburten erfährt sie, dass sie aufgrund der zurückliegenden Abtreibung keine Kinder bekommen kann.

Als Kurt eine Zeitungsmeldung liest, der zufolge der ranghöchste nationalsozialistische Gutachter für Euthanasie-Morde, Dr. Burghart Kroll, verhaftet worden sei, fängt er an, das Schwarz-Weiß-Foto dieses NS-Verbrechers fotorealistisch abzumalen und dann leicht zu verfremden. Nach dem Foto des Gutachters, der – ohne dass Kurt dies weiß – Seebands Vorgesetzter war, wendet er sich weiteren Fotos zu: den Passfotos seines Schwiegervaters, einem Bild seiner Tante, wie sie ihn als kleines Kind in den Armen hält, sowie verschiedenen Collagen. Als Seeband bei einem Besuch in Kurts Atelier ein Gemälde sieht, das eine Collage seines Gesichts mit dem des verhafteten Obergutachters sowie dem Gesicht von Kurts ermordeter Tante darstellt, verliert er die Fassung und verlässt das Atelier. Dabei bleibt unklar, ob Kurt verstanden hat, welchen Zusammenhang sein Bild aufdeckt. Er versteht jedoch, dass er mit diesen Bildern seine Vergangenheit verarbeiten kann, und verfolgt die eingeschlagene künstlerische Richtung weiter.

Obwohl das Ehepaar die Hoffnung, ein Kind zu bekommen, bereits aufgegeben hat, wird Ellie schwanger. Kurt fotografiert seine Frau als Akt, die Treppe hinabsteigend, und verarbeitet das Bild zu einem fotorealistischen, leicht verfremdeten Gemälde.

Bei Kurts erster Ausstellung in der Kunsthalle Wuppertal rufen seine Gemälde Anerkennung hervor, werden jedoch auch missverstanden und fehlinterpretiert, zumal Kurt zu seinem eigenen Schutz sagt, die Bilder seien zufällig ausgewählt und hätten keinen Bezug zu ihm persönlich, so auch das Bild, das seine schwangere Frau zeigt. So bescheinigt man ihm zwar künstlerisches Talent, bezeichnet seine Malerei aber als Werk ohne Autor, da er anonyme Vorlagen lediglich bearbeite, selbst Automatenfotos verwendete, so dass man kaum von Urheberschaft im eigentlichen Sinn sprechen könne. Kurt stört das nicht; er hat gelernt, auf die Wirkungskraft aufrichtiger Kunst zu vertrauen. Er weiß, dass die Journalisten und das Publikum sein Werk instinktiv verstehen werden, ganz wie er selbst die Dinge unbewusst versteht, die er in seinen Werken verarbeitet. Somit schafft er auf anderer Ebene tatsächlich ein Werk ohne Autor.

Ob Seeband für seine Verbrechen in der NS-Zeit und danach an seiner Tochter zur Rechenschaft gezogen wird, bleibt offen.

Produktion Entstehung und Hintergrund Der Regisseur Henckel von Donnersmarck ließ sich beim Drehbuch zu Werk ohne Autor von wahren Begebenheiten inspirieren.Werk ohne Autor. In: Moviepilot, abgerufen am 18. Februar 2017 Die Hauptfigur des Kurt Barnert orientiert sich an der Lebensgeschichte des deutschen Künstlers Gerhard Richter. Dessen Tante Marianne Schönfelder wurde 1938 wegen vermeintlich vorliegender Schizophrenie im Rahmen des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses in der Dresdner Frauenklinik zwangssterilisiert und am 16. Februar 1945 im Rahmen der zweiten Phase der nationalsozialistischen Euthanasie, der Aktion Brandt, ermordet. Im Gegensatz zu den realen Umständen des Todes von Marianne Schönfelder, die in der Anstalt Großschweidnitz durch systematische Unterernährung ermordet wurde, zeigt der Film die Ermordung von Barnerts Tante (Elisabeth May) in der Gaskammer der Aktion-T4-Vernichtungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Heinrich Eufinger, der Vater von Richters erster Ehefrau Marianne (Ema), war als SS-Obersturmbannführer und damaliger Direktor der Frauenklinik verantwortlich für die Zwangssterilisationen in Dresden; anders als Prof. Carl Seeband im Film hat Eufinger den Euthanasie-Mord von Richters Tante jedoch nicht angeordnet. Opfer und Täter sind von Richter mehrfach porträtiert worden,Gerhard Richter, 2012, Aunt Marianne (Tante Marianne) (abgerufen am 8. Oktober 2018). offenbar ohne dass ihm diese Hintergründe bewusst waren. Das Bild Tante Marianne gehört, wie alle Werke Richters, zu den hoch gehandelten Gemälden des 20. Jahrhunderts.Abbildung Gerhard Richter. Werkverzeichnis, Nr. 87 Im Film tauchen zudem weitere Figuren auf, die an Weggefährten Richters wie Sigmar Polke, Günther Uecker (Barnerts Ateliernachbar Günter Preusser) oder Joseph Beuys (Barnerts Professor Antonius van Verten) erinnern. Als Vorlage diente das Buch Ein Maler aus Deutschland. Gerhard Richter. Das Drama einer Familie von Jürgen Schreiber.Oscar-Preisträger dreht in Kunstakademie. In: Rheinische Post, abgerufen am 25. August 2018

Produziert wurde der Film von Pergamon Film und der Wiedemann & Berg Filmproduktion.Eine Geschichte so groß wie das Leben: Drehstart für den neuen Film von Florian Henckel von Donnersmarck. Bei: Presseportal.de, 21. Juni 2016 Die Produzenten waren Jan Mojto, Quirin Berg, Florian Henckel von Donnersmarck, Max Wiedemann und Christiane Henckel von Donnersmarck. Als Koproduzenten fungierten die ARD Degeto und der Bayerische Rundfunk. Den Verleih übernahm Walt Disney Studios Motion Pictures Germany.

Die Entstehung des Films wurde durch das Medienboard Berlin-Brandenburg (100.000 Euro Verleihförderung), die Filmförderungsanstalt (630.000 Euro), den FilmFernsehFonds Bayern (250.000 Euro), die Film- und Medienstiftung NRW (400.000 Euro), die Mitteldeutsche Medienförderung (400.000 Euro), den Deutschen Filmförderfonds (2.560.000 Euro) und den Tschechischen Staatlichen Kinematografie Fonds gefördert.

Als Kameramann engagierte Henckel von Donnersmarck Caleb Deschanel. Den Filmschnitt übernahm Patricia Rommel, die vom Co-Editor Patrick Sanchez Smith unterstützt wurde. Der Soundtrack wurde vom Briten Max Richter komponiert. Für das Szenenbild zeichnete Silke Buhr verantwortlich, für das Kostümbild Gabriele Binder.

Besetzung

Dreharbeiten mini|Dreharbeiten im Juli 2016 in Dresden Die Dreharbeiten fanden zwischen Juni 2016 und Januar 2017 in Berlin, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Polen, Tschechien und Italien statt. Dabei gab es wiederholt Beschwerden wegen massiver Überschreitung der zulässigen Arbeitszeiten.

Marketing Anfang Februar 2017 wurde ein erster Teaser-Trailer veröffentlicht.Werk ohne Autor Teaser Trailer. In: YouTube vom 2. Februar 2017 Der offizielle Trailer folgte im September 2018.

Rezension

Kritiken

Deutschland Ulf Poschardt, Chefredakteur der Welt, zeigte sich begeistert und betitelte Werk ohne Autor als „ein bildungsbürgerliches Meisterwerk“.