mini|Romuald Hengstler als junger Mann Romuald Hengstler (* 31. März 1930 in Deißlingen; † 15. Februar 2003 in Rottweil) war ein deutscher Maler, Zeichner, Grafiker und Kunstpädagoge.

Werdegang Hengstler studierte von 1952 bis 1954 an der Stuttgarter Kunstakademie bei Karl Rössing. 1957 erhielt er in Baden-Baden den Kunstpreis der Jugend, 1962 den Kunstpreis der Jugend in Stuttgart. mini|Das Gemälde o.T. 1994 mini|Das Gemälde o.T. 1996 mini|Das Gemälde 22-95- aus dem Jahr 1995 1962 entstanden die ersten Bilder seines Strukturtyps, den er ständig perfektionierte. Er wandte sich der skripturalen Malerei zu, schuf aber durch Verdichtung einen farbigen Bildkörper, der nicht auf das Ausfüllen von Formen und Farben verzichtete. Sich überlagernde Schichten – vorläufige, gelungene und weniger gelungene Zustände – protokollierte er sorgsam. Später begünstigte der Erfolg der Konzeptkunst Romuald Hengstlers Malerei. Allein die Aufzeichnung des Verlaufs der Zeit – Datumsbilder – schien zu genügen. Hengstler zeigte hier ein prinzipiell anderes Verständnis des Sichtbarwerdens von Zeit. Durch vertikale Überlagerung sanken gewesene Komplexe Schicht um Schicht ab. Unbeugsam lehnte er dabei den opportunen Abschluss von Bildern ab.

Bedeutung Die internationale Kunstszene ab 1960 war bestimmt durch Künstler wie Mark Tobey, Jackson Pollock, On Kawara, Roman Opalka und Hanne Darboven. Von dieser internationalen Kunstszene bestärkt, entwickelte Romuald Hengstler einen selbständigen künstlerischen Weg im Kunstraum Rottweil.

Spätestens mit der Gründung von Forum Kunst, dessen Beirat Hengstler angehörte, entstand mit ihm und den Künstlern Erich Hauser, Franz Bucher und Felix Schlenker ein Zentrum der Gegenwartskunst.Schwäbische Zeitung # 117, 5. Mai 1970.Schwäbische Zeitung # 255, 4. November 1977. Man sprach von der Viererbande. Jürgen Knubben publizierte dies 2006 als Beginn der Moderne im Kunstraum Rottweil.

Bei der Vernissage zur Ausstellung Zeitfolge bezeichnete Robert Kudielka Hengstler als den bedeutendsten Künstler der Moderne im Kunstraum zwischen Stuttgart und Zürich.Südwest Presse, 11. Juni 2011.

Werk Tuschezeichnungen Vom 15. Oktober 1976 bis 9. Februar 1977 schuf Hengstler 112 Tuschezeichnungen, die er Briefe nannte.Schwäbische Zeitung # 278, 30. November 1977. Hengstlers Grafische Tagebücher halten fest, was sich späteren Erinnerungen entziehen könnte. Auf jedem Einband steht der Titel der Woche, jede Woche enthält sieben datierte Briefe und jeder Brief besteht aus einer stenogrammartigen Federzeichnung auf Chamois Bütten.Schwäbische Zeitung # 293, 21. Dezember 1982. Hengstler stellte in wenigen Jahren mehr als 150 Wochen-Bücher fertig.Schwäbische Zeitung # 293, 21. Dezember 1982.

Ölmalerei Mit seiner Ölmalerei fing in der Zeit 1976/1977 ein Wechsel der Gewichtung an. Die Rückseiten der Bilder eroberten die Vorderseiten.Prof. Dr. Kudielka – Zeichen und Zahl, S. 11. Hengstler perfektionierte die von ihm angewandte Methode der Schichtung.Schwäbische Zeitung # 266, 17. November 1995. Aus gitterartigen Strukturen entstanden komplexe Farbräume mit einer bedeutenden Tiefendimension.

Meine Bilder entstehen in der Auseinandersetzung mit dem vorausgegangenen Bildzustand…ein Bild ist erst fertig, wenn es mich nicht mehr braucht. (Zitat Hengstler).

Kudielka stellte dazu fest: Ein Bild war erst dann fertig, wenn es sich aus der Tiefe der Verdichtung zu öffnen anfing.Zeichen und Zahl, S. 14. Romuald Hengstler hat mit seiner Systematik den Malprozess in die Zukunft bewegt. Auf den Rückseiten der Ölgemälde notierte er die Farben, die er verwendete und das dazugehörige Datum. Kudielka stellte fest, dass die Rückseite gewissermaßen der Kalender Hengstlers sei. Hengstler machte eine Aufzeichnung (Notation) seiner einzelnen Malschritte, um sie für alle offenzulegen.

Die Bilder des Künstlers haben keine Titel. Die Werke sind ausschließlich mit Zahlen versehen (Beispiele: Bild # 04/64 Öl auf Leinwand 145 × 125 cm, Sammlung: Christina Sigle); Bild # 25/73 Öl auf Leinwand 180 × 170 cm, Nachlass: Romuald Hengstler.

Bretterbilder Hengstlers Bretterbilder, Öl auf Holz, entstanden 1988 mit unterschiedlichen Größen. Hier zeigt er, wie souverän er mit dem Kriterium der Offenheit in der Verdichtung umzugehen verstand (Beispiele: Bretterbild # 2-5 (35 × 205 cm); Bretterbild # 8 Vorder- und Rückseite (26 × 200 cm)).

Kalender 1995 gestaltete Romuald Hengstler mit seinem Namensvetter, dem Poeten Hans Hengstler, einen Kalender mit historischen Ortsansichten von Deißlingen. Hans Hengstler trug mit Gedichten und Sprüchen im Lokalkolorit zur Gestaltung bei.

Glasmalerei Romuald Hengstler war ein Meister der Glasmalerei. Georg Meistermann, Schöpfer eigener bedeutender Farbfenster, stellte Hengstler in die erste Reihe der modernen Glasmalerei. In Hengstlers Kunst der Glasmalerei geht es nicht um das Abbilden, sondern um das Offenbaren, um die Transparenz einer anderen Wirklichkeit.Rottweiler Zeitung # 19 vom 14. Mai 2005.

Hengstlers jüngste Werke brachten eine deutliche Umkehrung: erst setzte er die Grenzen, dann die Struktur. Chromatische Flächen von bestehender Exaktheit und Lebendigkeit (…) zeugen von einer kultivierten Farbtechnik.Schwäbische Zeitung # 50 vom 1. März 1969.

Rottweil war ab 1962 die Hochburg der Glasmalerei. Namhafte Künstler begegneten sich in der Glaswerkstatt in Rottweil bei Derix (Päpstliche Hofglasmalerei seit 1908). Emil Kiess erzählt über die Glasmalerei und den Begegnungen in der Glaswerkstatt Rottweil mit den Künstlern Romuald Hengstler, Josef Bücheler und Gotthard Glitsch.Schwarzwälder Bote vom 4. April 2013. Die Fenster im früheren Kreiskrankenhaus Rottweil sind noch figürliche Fenster des Künstlers. Auch für den Kindergarten Geislingen fertigte er eine figürliche Keramikgestaltung. Er wandte sich aber dann von der Figürlichkeit ab, weil sie ihm zu altbacken war. Bereits zur Moderne gehören Fenster im Spital Rottweil mit einem ganz dichten Bleinetz. Typisch für Hengstler sind die Fenster der Kirche in Spaichingen-Hofen und im Franziskusheim Schwenningen. Von 1960 bis 1990 führte er insgesamt 38 Projekte mit den Derix Glasstudios aus.

Architekturbezogene Arbeiten (Auswahl) Bleiglasfenster der Krankenhauskapelle in Rottweil Bleiglasfenster und Mosaiken in der Augustinerkapelle in Rom Bleiglasfenster der Evangelischen Pauluskirche in Deißlingen Bleiglasfenster und Chorwandgestaltung der Katholischen Kirche in Prad (Südtirol) Bleiglasfenster der Katholischen Kirche in Zimmern ob Rottweil Bleiglasfenster in der Krankenhauskapelle in Villingen Betonglaswände der Katholischen Kirche in Gosheim Bleiglasfenster der Katholischen Kirche in Empfingen Beton- und Bleiglasfenster der Katholischen Kirche in Deißlingen Betonglasfenster der Katholischen Kirche in Aldingen Betonglasfenster der St. Bruder-Klaus-Kirche in Villingen

Holzdecke und Bleiglasfenster in der Krankenhauskapelle RottweilRottweiler Zeitung # 63 vom 16. März 1988.

Beton- und Bleiglasfenster mit Chorraumgestaltung der Franziskuskirche in Schwenningen Chorraumgestaltung und Bleiglasfenster der Katholischen Kirche in Spaichingen-Hofen Betonglasfenster und Chorraumgestaltung der Katholischen Kirche in Ebingen Außenwandgestaltung und Kapelle mit Wandteppich im Kinderkrankenhaus in Schwenningen Bleiglasfenster der Einsegnungshalle in Mittelzell (Reichenau) Wandmalerei im Kulturhaus der Stadt Lüdenscheid Plastik im Außenbereich am Berufsschulzentrum in Schramberg-Sulgen Quelle:Zeichen und Zahl 2012 (Seite 67)

Narrenfigur für die Narrenzunft Deißlingen mini|Die Figur des Hageverwürgers der Deisslinger Fasnet, 1961 geschaffen von Romuald Hengstler Romuald Hengstler schuf in den 1960er Jahren gemeinsam mit Albert Haller die Figur des Deißlinger Hagenverwürgers. 1993 ergänzte er die Narrenfigur um das „Hoarn“. Hengstler schuf Kleidle und Larven für den Fasnetsverein.Schwarzwälder Bote vom 14. Februar 2009.

Zu dem von Otto Sauter komponierten Hagenverwürger Marsch (1954) schuf der Künstler Romuald Hengstler einen Text, der alle auffordert: Vu hott, wischd-kummet hear ihr Narre! (Von links und rechts kommen die Narren!)

Kommunalpolitiker Laut Protokoll vom 15. Dezember 1964 kam Romuald Hengstler als Nachrücker für Herrn Schumpp auf der Liste der CDU für die verbleibende Amtszeit von rund einem Jahr in den Gemeinderat von Deißlingen. Bei der Gemeinderatswahl am 7. November 1965 wurde er mit 1116 Stimmen auf Platz eins der CDU in den Gemeinderat gewählt. Er war ab 1964 Mitglied des Verwaltungsausschusses, ab 1965 Mitglied des Bauausschusses, des Schätzungsausschusses und des Ausschusses Deißlinger Anzeiger.

Hengstler war eine volle Wahlperiode im Deißlinger Gemeinderat und schied im November 1971 aus.

Ausstellungen Öffentliche Sammlungen Staatsgalerie Stuttgart Ministerium für Wiss. und Kunst Stuttgart Landkreis Rottweil Stadt Rottweil Stadt Schwenningen Augustinermuseum Freiburg Museum Gelsenkirchen-Buer Berliner Nationalgalerie (Ankauf einer Privatsammlung von Hengstler)

Einzelausstellungen (Auswahl) 1966: Saba-Studio Villingen 1967: Kleine Galerie Schwenningen 1968: Galerie Kröner Freiburg 1969/1971: Galerie im Kolpinghaus Stuttgart 1973: Forum Kunst Rottweil 1975: Kunstverein Tuttlingen 1975: Kunstverein Gelsenkirchen 1976: Kleine Galerie Tübingen 1976: Art Basel mit der Galerie Schießel Freiburg 1977: Galerie W. Storms München 1978: Galerie Nr. 6 Leonberg bei Stuttgart 1978: Galerie Hilger und Schmeer Duisburg 1979: Galerie Cuenca Ulm 1979: Galerie im Kolpinghaus Stuttgart 1979: Ausstellungsraum Obier-Recklingshausen 1982: Galerie und Verlag Beatrix Wilhelm Leonberg bei Stuttgart 1983: Städtische Galerie Lüdenscheid 1984: Städtische Galerie im Franziskaner VS-Villingen 1988: Galerie des Landkreises Waldshut 1988: Haus Knubben Rottweil 1988: Galerie Hartl und Klier Tübingen 1988: Kreuzkirche Nürtingen 1989: Galerie „Arte’rie“ Wiesenbach/Baden 1990: Galerie Keller VS-Villingen 1991: Galerie Hartl und Klier Tübingen 1993: Galerie im Turm Donaueschingen 1994: Galerie in der Sebastianskirche Ulm 1995: Galerieforum VS-Villingen 1995: Forum Kunst Rottweil 2000: Galerie Wohlhüter Leibertingen 2004: Galerie Wohlhüter Leibertingen 2005: Forum Kunst Rottweil, Ausstellung zum 75. Geburtstag Romuald Hengstler 2005: Galerie Zeherith Deißlingen-Lauffen 2008: Galerie im Griesbad Ulm 2011: Kunstraum Donau Neckar Tuttlingen und VS-Schwenningen (Volksbank Donau-Neckar eG) 2012: Martinikirche Siegen

Ausstellungsbeteiligungen Seit 1964: Künstlerbund Baden-Württemberg und Deutscher Künstlerbund 1957: Kunstpreis der Jugend Baden-Baden 1962: Kunstpreis der Jugend Stuttgart 1967: Woche junger Künstler Rottweil 1971: Deutscher Künstlerbund Stuttgart 1973: Deutscher Künstlerbund Berlin 1973: Gesellschaft der Freunde Junger Kunst Baden-Baden 1974: Künstler machen Fahnen für Rottweil 1974: Druckgraphik nach 1960 Freiburg 1976: Deutscher Künstlerbund Mannheim 1977: Deutscher Künstlerbund Frankfurt 1977: Kunstraum Rottweil 1977: Landespavillon Stuttgart 1977: Galerie Walter Storms München 1978: Künstler arbeiten im Kunstverein Gelsenkirchen 1978: Kunstmarkt Düsseldorf mit Galerie Hilger und Schmeer 1979: Art (I) Basel mit der Galerie Waldshut. Künstler machen Koffer für Rottweil. 1980: Art (II) Basel 1993: Für Franz, Forum Kunst Rottweil 1997: Magie der Zahl, Staatsgalerie Stuttgart 2003: Der Narrenspiegel, Forum Kunst Rottweil 2006: Viererbande, Kunst Raum Rottweil, Dominikanermuseum 2009: Kunst & KsK Kunst Raum Rottweil, Dominikanermuseum 2011: Erinnerung, Galerie Wohlhüter-Leibertingen

Literatur Romuald Hengstler. Zeichen und Zahl. hrsg. von Jürgen Knubben, Bernhard Rüth und Christina Sigle, Bonn 2012 (mit Texten von Robert und Susanne Kudielka), ISBN 978-3-00-037679-5.