Die Malpighiengewächse (Malpighiaceae) sind eine Familie in der Ordnung der Malpighienartigen (Malpighiales) der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida). Von den etwa 1300 Arten in etwa 77 Gattungen sind die meisten in den Tropen Südamerikas verbreitet. Nur etwa 150 Arten in etwa 17 Gattungen kommen in der Alten Welt vor.

Beschreibung mini|links|Illustration aus Flore médicale des Antilles, ou, Traité des plantes usuelles, 1822, Tafel 110 von Byrsonima crassifolia mini|Illustration aus Fragmenta botanica, figuris coloratis illustrata, Tafel 83 von Bunchosia argentea mini|links|Illustration aus Berliner allgemeine Gartenzeitung, 1857 von Galphimia hirsuta mini|Illustration aus Plantae Asiaticae rariores, or, Descriptions and figures of a select number of unpublished East Indian plants, Tafel 13 von Aspidopterys hirsuta mini|links|Illustration aus Plants of the coast of Coromandel Coast Tamil Nadu Andhra Pradesh India Flora Fruits Flowers, 1795 von Hiptage benghalensis mini|Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, 1805, Tafel 809 von Carolus sinemariensis

Vegetative Merkmale Es sind meist verholzende Pflanzen: Sträucher, Bäume und Lianen, aber auch ausdauernde krautige Pflanzen. Eine große Zahl von Arten sind Kletterpflanzen, einige davon sind windend. Das Sekundäre Dickenwachstum ist oft anomal.

Die meist gegenständig, selten wirtelig oder wechselständig angeordneten Laubblätter sind meist in Blattstiel und Blattspreite gegliedert; selten sind die Laubblätter sitzend. Die einfachen Blattspreiten besitzen meist einen glatten Blattrand. Auf den Blattstielen oder auf den Blattunterseiten sind oft Drüsen vorhanden. Es sind meist Nebenblätter, die frei oder unterschiedlich verwachsen sind und von winzig bis über 14 Zentimeter lang sein können und sie können sehr unterschiedlich geformt sein, vorhanden; nur bei wenigen Gattungen und Arten fehlen sie.

Generative Merkmale Die end- oder seitenständigen Blütenstände sind sehr unterschiedlich aufgebaut; oft sind es Trauben oder Rispen, wobei die Blüten oft in doldigen oder schirmtraubigen Teilblütenständen angeordnet sind. Die Blütenstiele sind oft gut entwickelt. Die Blütenstiele sitzen bei vielen Gattungen an einem „Gelenk“ auf den kurzen Seitenachsen (Peduncle, Floriferis). Es sind meist Trag- und Deckblätter vorhanden.

Die Blüten sind je nach Art sehr unterschiedlich groß mit Durchmessern von etwa 6 Millimetern bis etwa 4 Zentimetern. Die Blüten sind meist zwittrig; wenigen Gattung sind diözisch oder funktional diözisch. Oft sind die Blüten mehr oder weniger zygomorph, bei einigen Gattung sind sie radiärsymmetrisch. Die Blüten sind meist fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die meist fünf haltbaren Kelchblätter sind und meist in der Knospe dachziegelartig überlappend und frei oder nur an ihrer Basis verwachsen. Bei den meisten Arten der Neuen Welt sind auf allen oder an den vier seitlichen Kelchblättern auf der Außenseite zwei (selten nur eine) große mehrzellige Drüsen (Öldrüsen) vorhanden; bei den meist Arten der Alten Welt sind Drüsen der Kelchblätter stark reduziert in Zahl und Größe oder fehlen sogar. Die fünf freien und sich dachziegelartig überlappenden Kronblätter sind meist genagelt und ihr oberes Ende ist oft gefranst. Die Blütenfarben sind meist gelb, rosafarben oder weiß, selten sind sie blau. Das obere Kronblatt unterscheidet sich oft von den vier seitlichen. Meist befinden sich zehn Staubblätter in einem Kreis, bei Lasiocarpus sind es 15 und bei wenigen Gattungen sind weniger als zehn Staubblätter vorhanden. Die Staubblätter sind auf dem Blütenboden zwischen den Kronblättern und dem Fruchtknoten inseriert. Staubfäden sind immer erkennbar, sie können kurz bis lang sein, alle gleich oder verschieden, vollständig frei oder teilweise verwachsen sein. Die alle gleichen oder verschiedenen Staubbeutel bestehen aus vier Theken und öffnen sich meist durch einen Längsschlitz (longitudinal) entlang der inneren Kante jeder Theka; bei wenigen Gattungen öffnen sich mehr oder weniger am oberen Ende mit Poren oder sehr kurzen Schlitzen. Es sind selten zwei oder vier, meist drei, meist oberständige Fruchtblätter vorhanden, sie können frei bleiben oder zu einem Fruchtknoten verwachsen. Jedes freie Fruchtblatt oder jede fertile Fruchtknotenkammer enthält eine hängende anatrope Samenanlage. Es sind meist gleich viele Griffel wie Fruchtblätter vorhanden, sie können vollständig frei oder verwachsen sein; bei wenigen Gattung ist die Anzahl an Griffeln reduziert.

An der Frucht sind oft noch die Kelch- und Staubblätter erhalten. Es werden fleischigen oder trockenen Früchte gebildet, die sich nicht öffnen. Die fleischigen Früchte sind die oft Steinfrüchte oder Beeren. Diese Früchte sind bei Reife gelb, rot oder blau bis schwarz. Die trockenen Früchte sind oft Samara (Flügelnüsss), die bei Reife in, oft drei, Teilfrüchte zerfallen. Die Teilfrüchte besitzen Aerenchym oder anderes Gewebe oder sind geflügelt. Jedes Fruchtfach oder Teilfrucht enthält nur einen Samen. Die Samen enthalten kein Endosperm.

Chromosomensätze In der Familie Malpighiaceae ist die niedrigste Chromosomengrundzahl x = 6 und dies ist wohl die ursprünglichste Chromosomengrundzahl, denn sie wurde bei den drei Gattungen der Galphimia-Klade (Galphimia, Lophanthera, Verrucularia) gefunden, die in der Nähe der Basis des phylogenetischen Stammbaumes stehen. Am häufigsten sind Chromosomengrundzahl von x = 10 und x = 12 oder ein Vielfaches davon zu finden. Es kommt auch x = 8 bei Ectopopterys, x = 9 bei Cordobia und x = 17 bei Camarea vor.

Inhaltsstoffe und Ökologie

Bei einigen Arten akkumulieren Pflanzenteile Gifte, welche zum Fischfang genutzt wurden.

Das Auftreten bei neotropischen Arten von Öldrüsen in den Blüten auf den Außenseiten der Kelchblätter ist eine besondere Koevolution mit den Bestäubern. Einige Gattungen der Apidae und solitärlebende Centridini (Epicharis, Centris) sind Bestäuber. Bienen der Centridini besitzen an vier Beinen Haarbüschel, die sie dazu benutzen, um das Öl der Öldrüsen zu sammeln, während sie sich mit ihren Mandibeln an der schmalen Basis des oberen Kronblattes (dieses wird Fahne genannt) festhalten. Diese Fahnen (oberes Kronblätter) haben oft eine besondere von den anderen Kronblättern abweichende Farbe und diese kann sich im Verlauf der Anthese verändern. Diese Fahnen weisen nach oben, weil sich die Blüten um 36° gedreht haben. Dieses Öl wird überwiegend von weiblichen Insekten gesammelt, die es als Nahrung für ihre Brut verwenden. Andere Insekten Arten sammeln die Pollen, dabei gibt es auch einige Koevolutionen. Bei den paläotropischen Arten gibt es ganz unterschiedliche Veränderungen in der Blütenmorphologie und Anpassungen an ihre Bestäuber.

mini|Samara von Acridocarpus natalitius

Malpighiaceae sind mit etwa 400 Arten an Kletterpflanzen eine der drei ökologisch wichtigsten Gruppen von Lianen in der Neotropis.

Die bei Reife auffällige gefärbten Steinfrüchte und Beeren werden durch Vögel (Zoochorie) ausgebreitet. Die Teilfrüchte besitzen Aerenchym oder anderes Gewebe um durch Wasser (Hydrochorie) ausgebreitet zu werden oder sind geflügelt zur Ausbreitung über den Wind (Anemochorie). Die Samen werden nie aus den Früchten freigesetzt und so ist die Diaspore immer die Frucht oder Teilfrucht.

Systematik und Verbreitung mini|Acridocarpus natalitius mini|Byrsonima crassifolia mini|Camarea ericoides mini|Dinemandra ericoides mini|Zweig mit Samara von Diplopterys pubipetala mini|Blütenstand von Heteropterys chrysophylla mini|Ausschnitt eines Blütenstandes von Hiptage benghalensis mit stark zygomorphen Blüten mini|Janusia anisandra mini|Lophanthera lactescens mini|Malpighia coccigera mini|Pterandra pyroidea mini|Sphedamnocarpus pruriens mini|Stigmaphyllon blanchetii mini|Tetrapterys phlomoides mini|Tristellateia australasiae mini|Verrucularina glaucophylla

Die Familie Malpighiaceae wurde am 4. August 1789 durch Antoine Laurent de Jussieu in Genera Plantarum, Seite 252 unter der Bezeichnung „Malpighiae“ aufgestellt. Typusgattung ist Malpighia Malpighiaceae nom cons. wurde 1999 in James L. Reveal: Vascular Plant Family Nomenclature: Fate of Suprageneric Proposals at the St. Louis Nomenclature Session for the XVI International Botanical Congress im Appendix IIB konserviert gegenüber Malpighiaceae (veröffentlicht in Notions Elém. Bot., 1782, S. 280).

Die Familie der Malpighiaceae wurde von Takhtajan 1997 in die Ordnung der Vochysiales und von Cronquist 1981 in die Polygalales gestellt. Bei APG III und IV wird die Familie Malpighiaceae in der Ordnung der Malpighiales eingeordnet.

Die Systematik der Familie Malpighiaceae wird kontrovers diskutiert und von den Autoren unterschiedlich in Unterfamilien und Tribus gegliedert. Die Familie Malpighiaceae wird seit 2010 in zwei Unterfamilien gegliedert und enthält 64 bis 68 Gattungen mit 1250 bis 1300 Arten: Unterfamilie Malpighioideae : Sie ist in die Tribus Tricomarieae , Hiraeeae , Rhynchophoreae , Banisterieae , Gaudichaudieae gegliedert. Unterfamilie Byrsonimoideae : Sie enthält die Tribus Byrsonimeae mit den drei Gattungen Blepharandra , Byrsonima , Diacidia

Die Familie Malpighiaceae umfasst folgende Gattungen:

Acmanthera : Die etwa sieben Arten kommen in Brasilien vor. Acridocarpus (Syn.: Anomalopterys , Anomalopteris orth. var., Rhinopterys ): Die etwa 37 Arten kommen vom tropischen bis südlichen Afrika, in Madagaskar, auf der Arabischen Halbinsel, im Iran und in Neukaledonien vor. Adelphia : Sie wurde 2006 aufgestellt und die etwa vier Arten sind in der Neotropis von Mexiko über Zentralamerika bis Südamerika und in Jamaika verbreitet. Aenigmatanthera : Sie wurde 2006 aufgestellt und die nur zwei Arten sind in Brasilien und Bolivien verbreitet. Alicia : Sie wurde 2006 aufgestellt und die nur zwei Arten sind im tropischen Südamerika verbreitet. Amorimia : Sie wurde 2006 aufgestellt und die etwa 15 Arten sind im tropischen Südamerika verbreitet. Aspicarpa (Syn.: Acosmus ): Die etwa elf Arten gedeihen in einem disjunkten Areal im subtropischen Nord- und Südamerika. Aspidopterys : Die etwa 24 Arten sind vom Indischen Subkontinent über den Himalaja, Tibet und der südlichen Volksrepublik China bis Indochina und Malesien weitverbreitet. Banisteriopsis : Die etwa 61 Arten sind von Mexiko über Zentralamerika und auf wenigen karibischen Inseln bis ins tropische Südamerika verbreitet, beispielsweise: Banisteriopsis caapi Barnebya : Die nur zwei Arten kommen im östlichen Brasilien vor. Blepharandra (Syn.: Callyntranthele ): Die etwa sechs Arten kommen im tropische Südamerika vor. Brachylophon : Die nur zwei Arten kommen auf der thailändischen Halbinsel, der Malaiischen Halbinsel, auf Borneo sowie Sumatra vor. Bronwenia : Sie wurde 2007 aufgestellt und enthält etwa zehn Arten, die davor in Banisteriopsis enthalten waren; sie sind von Mexiko über Zentral- bis Südamerika verbreitet. Bunchosia (Syn.: Malacmaea ): Die etwa 86 Arten sind in der Neotropis von Mexiko über Zentralamerika und Karibische Inseln bis Südamerika weitverbreitet, Darunter: Bunchosia glandulifera : Aus dem nordwestlichen und nördlichen Südamerika Burdachia (Syn.: Carusia , Tetrapodenia ): Die etwa drei Arten kommen im tropischen Südamerika von Kolumbien und Venezuela bis Peru, Guyana und das nördliche Brasilien vor. Byrsonima (Syn.: Alcoceratothrix ): Die etwa 160 Arten sind in der Neotropis in subtropischen bis tropischen Gebieten weitverbreitet. Darunter: Byrsonima crassifolia : Zentralamerika, Karibische Inseln, nördliches Südamerika Calcicola : : Sie wurde 2007 aufgestellt und enthält nur zwei Arten, die davor in Mascagnia eingeordnet waren und in Mexiko verbreitet sind. Callaeum (Syn.: Cabi ): Die etwa elf Arten sind in der Neotropis von Mexiko über Zentral- bis Südamerika weitverbreitet. Camarea (Syn.: Cryptolappa ): Die etwa neun Arten im östlichen Südamerika in Paraguay, Guyana, Suriname und Brasilien vor.