Das Kraftwerk Graz-Puntigam (auch Murkraftwerk Graz) ist ein Laufwasserkraftwerk der Energie Steiermark am Fluss Mur.Einreichprojekt zum UVP-Verfahren - Murkraftwerk Graz. Land Steiermark, abgerufen am 15. Februar 2017. Es befindet sich im südlichen Stadtgebiet von Graz, etwa 600 Meter flussaufwärts der Puntigamer Brücke.

Das Kraftwerk

Erste konkrete Pläne für ein Kraftwerk in der Gegend entstanden 2009.Grazer Murkraftwerk offiziell in Betrieb. In: orf.at. 9. Oktober 2019, abgerufen am 9. Oktober 2019. Im Jänner 2017 wurde mit dem Bau des Kraftwerks begonnen.Murkraftwerk: Baustart mit Ombudsmann In: orf.at. 29. Dezember 2016, abgerufen am 15. Februar 2017. Im Juni 2019 wurde mit dem teilweisen Probebetrieb der Turbinen begonnen.Murkraftwerk: Erste Turbine angelaufen. In: orf.at. 24. Juni 2019, abgerufen am 24. Juni 2019.Bauarbeiten im Finale: Über Turbine im Murkraftwerk Graz läuft bereits Wasser. In: kleinezeitung.at. 25. Juni 2019, abgerufen am 1. Juli 2019. Der Regelbetrieb wurde am 9. Oktober 2019 aufgenommen.

Das Kraftwerk hat eine installierte Leistung von 17,7 MW und produziert ein Regelarbeitsvermögen von 82 GWh an elektrischer Energie pro Jahr. In: e-steiermark.com, abgerufen am 15. Februar 2017. Die geplante Stauhöhe beträgt 9,65 Meter bei einer Durchflussmenge von 200 m³/s.

Das Kraftwerk liegt 9 km flussabwärts des 15,6-MW-Laufkraftwerk Weinzödl, das seit 1982 in Betrieb ist. Die freie Fließstrecke reicht bei Hochwasser etwa bis zur Murinsel, bei Niedrigwasser weiter, etwa bis zum Augarten. Ab dem Kraftwerk Puntigam folgt 5 km flussabwärts das 18-MW-Laufkraftwerk Gössendorf, das seit 2012 in Betrieb ist. Wasser des etwa 20 km langen Grazer Mühlgangs umgeht die Kraftwerke Weinzödl, Puntigam und Gössendorf.

Die kolportierten Kosten für den Kraftwerksbau belaufen sich auf rund 80 Millionen Euro, an denen die Energie Steiermark mit 37,5 % und die Energie Graz mit 12,5 % beteiligt sind. Mitte Februar 2017 wurde bekannt, dass die Verbund AG mit einem Anteil von 12,5 % in die Kraftwerksgesellschaft einsteigt. Die Verbund AG galt schon einmal als 50-Prozent-Partner, zog sich aber 2016 zurück. Zudem soll sie die Betriebssteuerung übernehmen.Murkraftwerk: Verbund steigt mit 12,5 Prozent ein. In: kurier.at. 16. Februar 2017, abgerufen am 16. Februar 2017.

Mit Stand 2017 betreibt die Verbund AG 19 andere Wasserkraftwerke an der Mur und 40 Wasserkraftwerke in der gesamten Steiermark. Gesteuert und überwacht werden diese in der Zentralwarte in Pernegg südlich von Bruck an der Mur.Murkraftwerk: VERBUND beteiligt sich am Murkraftwerk Graz und übernimmt die künftige Betriebsführung. In: ots.at. 16. Februar 2017, abgerufen am 16. Februar 2017.

Wegen der Wasseraufstauung – die Stauwurzel soll auf Höhe der Grazer Murinsel liegenWer plant das Murkraftwerk Graz-Puntigam? Architektur Steiermark, 10. August 2010, abgerufen am 15. Februar 2017. – mussten Dämme aufgeschüttet werden, die am Kraftwerksstandort mehr als drei Meter hoch sind. Diese sollen flussaufwärts bis Höhe Seifenfabrik reichen und dabei gleichmäßig niedriger werden. In: e-steiermark.com. Abgerufen am 15. Februar 2017 (PDF; 19 MB).

Gleichzeitig mit dem Bau des Murkraftwerkes wird auch ein zentraler Speicherkanal (auch Sammel- und Entlastungskanal) um weitere 80 Millionen Euro errichtet. Dieser soll für eine Verbesserung der Wasserqualität sorgen und verhindern, dass Fäkalien in die Mur gelangen. Bei starkem Regen vermischt sich derzeit Regenwasser mit Fäkalien aus der überlaufenen Grazer Kanalisation. Abwasser mitsamt Fäkalien werden dann in die Mur gespült.Indirekte Entscheidung über Murkraftwerk. In: orf.at. 22. September 2016, abgerufen am 15. Februar 2017.Speicherkanalbau: Grazer Naturschützer schlagen Alarm. In: derstandard.at. 1. März 2016, abgerufen am 15. Februar 2017. Der simultane Bau von Kraftwerk und Speicherkanal soll beiden Projekten finanzielle Vorteile bringen.

Erst am 12. Juli 2022 wurde der 3,2 m breite Geh- und Radweg über das Kraftwerk geöffnet.Geh- und Radweg freigegeben. Kleine Zeitung, Print, 13. Juli 2022, S. 20.

Kritik { "type": "FeatureCollection", "features": [

"type": "Feature", "properties": {"title": "Murkraftwerk Graz-Puntigram"}, "geometry": { "type": "Point", "coordinates": [ 15.44309, 47.03986 ]

] }Schon während erster Planungsphasen gab es von Seiten der Bevölkerung Bedenken an dem Bauvorhaben. Neben wirtschaftlichen Aspekten waren bzw. sind Befürchtungen um weitreichende ökologische Veränderungen Reibungspunkte. Naturschützer kritisieren beispielsweise, dass durch die Murstufe und die dadurch verlangsamte Fließgeschwindigkeit des Wassers Laichgründe und Lebensräume von Fischbeständen zerstört werden.Sorge um Fischbestand in der Mur. In: orf.at. 21. Juni 2016, abgerufen am 15. Februar 2017. Baumrodungen führten zu Konflikten, nicht zuletzt resultierend aus den variierenden Angaben über die zu fällenden Bäume seitens der Auftraggeber (800 Bäume) und Gegner (17.000 Bäume).Murkraftwerk: Die ersten Bäume sind gefallen. In: kurier.at. 6. Februar 2017, abgerufen am 15. Februar 2017.

Die Bürgerinitiative Rettet die Mur sammelte Unterschriften für eine Volksbefragung und konnte im September 2016 den Antrag dafür mit der benötigten Anzahl von Unterschriften einreichen. Der Gemeinderat wies die Forderung zurück mit der Begründung, dass die Entscheidung nicht im Wirkungskreis der Stadt liege, da ein Landeskonzern das Kraftwerk baue. Einsprüche dagegen wurden vom Landesverwaltungsgerichtshof und vom Verwaltungsgerichtshof in Wien abgewiesen.

Seit Beginn der Baumrodungen Anfang Februar 2017 wurde die Baustelle von Aktivisten mehrmals besetzt und es wurden Proteste gegen das Projekt organisiert.Murkraftwerk: Protestcamp geräumt., In: orf.at. 10. Februar 2017, abgerufen am 15. Februar 2017.Murkraftwerk: Aktivisten besetzten Baustelle. In: orf.at. 15. Februar 2017, abgerufen am 15. Februar 2017.Blockade kostet bis zu 2000 Euro pro Stunde. In: kleinezeitung.at. 13. Februar 2017, abgerufen am 15. Februar 2017.

Den Auftraggebern zufolge wurden umfangreiche Maßnahmen zur Minimierung von ökologischen Schäden vorgenommen. Der Fischbestand soll geschont und das Gehölze wieder aufgeforstet werden. Es soll darüber hinaus zu einer gesamten Aufwertung im Bereich um das neue Kraftwerk kommen. In: e-steiermark.com, abgerufen am 15. Februar 2017 (PDF; 3,78 MB).

Zwangsarbeiterlager Liebenau Da das Baustellengelände im direkten Umfeld des ehemaligen Standorts des Zwangsarbeiterlager Graz-Liebenau liegt, wurde vom Betreiber Energie Steiermark und der Stadt Graz eine Studie zur Geschichte des Lagers in Auftrag gegeben. Die Bauarbeiten wurden von Archäologen des Bundesdenkmalamtes begleitet.

Im September 2020 wurde eine leuchtende Gedenktafel enthüllt.Lager Liebenau: Gedenktafel + digitaler Rundgang auf /www.graz.at/. Im Oktober 2022 wurde eine Stolperschwelle am linken Uferbegleitweg verlegt.

Bombenfunde beim Bau Am 28. März 2018 wurde eine atypisch geformte 50-Kilogramm-Bombe beim Gasrohrsteg gefunden. Im Umkreis von 200 Metern wurde die Angergasse und der Radgehweg an der Mur einige Zeit gesperrt.Fliegerbombe bei Murkraftwerksbau entschärft. In: orf.at. 28. März 2018, abgerufen am 12. November 2018.

Am 18. Juni 2018 wurde eine 250-Kilogramm-Fliegerbombe ohne Aufschlagzünder gefunden.Fliegerbombe beim Murkraftwerk entdeckt. In: orf.at. 19. Juni 2018, abgerufen am 12. November 2018.

Am Morgen des 9. November 2018 wurde am rechten Ufer von einem Baggerfahrer eine 250-Kilogramm-Sprengbombe gefunden. Die Bauarbeiten wurden bis zu ihrem Abtransport am Vormittag unterbrochen.Fliegerbombe bei Grazer Murkraftwerk gefunden. In: orf.at. 9. November 2018, abgerufen am 12. November 2018.

Brand Samstag, 25. April 2020, kurz vor Mitternacht kam es auf der Baustelle zu einem Brand, bei dem mehrere Kabeltrommeln und Baumaterial betroffen war und der von der Grazer Feuerwehr rasch gelöscht werden konnte. In Ermangelung anderer Brandursachen geht die Polizei von Brandstiftung aus.Brandstiftung bei Murkraftwerk-Baustelle orf.at, 26. April 2020, abgerufen am 26. April 2020.

Bildergalerie

Weblinks

Beschreibung des Kraftwerks auf der Webseite der Energie Steiermark. Website der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk

Einzelnachweise

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