Dame Alice Joan Metge, DBE (geboren am 21. Februar 1930 in Auckland; gestorben am 17. September 2025), war eine neuseeländische Sozialanthropologin, Erzieherin, Dozentin und Schriftstellerin. Sie war an der University of Auckland in der Erwachsenenbildung tätig, zudem forschte und lehrte sie an der Victoria University of Wellington über die Kultur und die sozialen Strukturen der Māori. Ihre anthropologischen Hauptgebiete waren neben der Kultur der Māori die Probleme der interkulturellen Kommunikation.
Jugend und Familie Alice Joan und ihre jüngere Schwester Dorothy Mary sind die Töchter von Cedric Leslie Metge und Alice Mary Rigg; beide Eltern arbeiteten als Lehrer. Der Großvater väterlicherseits stammte aus Navan, nordwestlich von Dublin, und emigrierte aus Irland nach Neuseeland. Seine Vorfahren waren Schotten, Iren, Engländer und ursprünglich Hugenotten, die aus Frankreich nach Irland geflohen waren.Dale Husband: Joan Metge: On Maori and Pakeha, E-Tangata, 28. Juni 2015; abgerufen am 16. Februar 2017.
Die Familie lebte während der DepressionTe Ara – the Encyclopedia of New Zealand: The Depression of the Thirties; abgerufen am 22. Februar 2017. und bis etwa 1940 in Auckland und zog dann nach Pukekohe, wo Joan Metge zum ersten Mal in Kontakt mit Māori – ungelernten Wanderarbeitern in Gärten und im Ackerbau – kam und sich des ökonomischen und sozialen Unterschieds zwischen Māori und Pākehā, Neuseeländern mit europäischen Wurzeln, bewusst wurde. Zu dieser Zeit äußerte sich der Rassismus in Neuseeland darin, dass es etwa 40 Gesetze „zum Besten der Māori“ gab, die deren Leben einschränkten und sie legal wie Minderjährige einstuften.So durften Māori beispielsweise keinen Alkohol kaufen oder nur colour bars (Bars für Farbige) besuchen, was einen Alkohol-Schwarzmarkt mit überhöhten Preisen bedingte.
Einige Jahre später zog die Familie erneut um, diesmal nach Matamata, in dessen Umgebung es einige Māori-Gemeinden gab. Wiederum Jahre später zogen die Eltern nach Orakei, einem Vorort von Auckland, und Metge nutzte ihr Elternhaus als Basis für ihre Studien über die Land-Stadt-Migration.Dame Joan Metge: Whakapapa – New Zealand Anthropology: Beginnings, Sites – A Journal of Social Anthropology and Cultural Studies (2013), Bd. 10(1).
Akademische Ausbildung Geografie mini|Stammesgebiete der Ihre Eltern ermöglichten Joan Metge eine Ausbildung an der University of Auckland, wo sie ab 1948 zuerst Geographie mit besonderem Aspekt auf Anthropologie studierte. Metge graduierte 1952 zum Master of Arts with first-class honours mit einem Thema zur geographischen Verteilung der Māori in Nord-Neuseeland (Daten der Volkszählungen von 1926, 1936 and 1951 und den jährlichen Berichten des Department of Maori Affairs).
Anthropologie Das Department of Anthropology der Universität wurde erst 1951 unter dem Australier Ralph Piddington mit den Fächern Physische Anthropologie, Soziale Anthropologie und Archäologie etabliert; später kam noch Māori-Sprache und Linguistik hinzu.
Nach dem Master-Abschluss arbeitete Metge als Junior Lecturer in Geographie und war eine der ersten Studentinnen im neuen Fachbereich Anthropologie unter Piddington, bei dem sie Systematik und field work (Forschung im Außeneinsatz) lernte. Drei ihrer Mitstudenten waren Māori, und durch einen von ihnen, Wiremu (Bill) Tawhai, zum Iwi Te Whānau-ā-Apanui im östlichen Teil der Bay-of-Plenty-Region der Nordinsel zugehörig, erhielt sie weiteren Zugang zur Māori-Kultur.
Land-Stadt-Migration der Māori Mit einem Stipendium und unter Aufsicht von PiddingtonWegen der Forschung in den Städten vor Ort musste sie einige Universitätskurse zurückstellen und Piddington setzte sich für diese besondere Erlaubnis ein. widmete sie sich ab 1953 zwei Jahre lang dem Thema der Land-Stadt-Migration der Māori (fälschlich als urban drift bezeichnet). Über das Department of Māori Affairs bekam sie die Möglichkeit, als Schreibhilfe (Māori Welfare Officer ehrenhalber) für die neu gegründete Māori Women’s Welfare League zu arbeiten und Kontakte mit Māori-Haushalten zu etablieren, die sie nach deren Zustimmung im Rahmen ihrer Studie befragte.
1955 verbrachte Metge, unterstützt durch ein Stipendium der Carnegie Social Science Research, fünf Monate in einer Landgemeinde, die ernsthaft durch Abwanderung in die Stadt gefährdet war. Nach eigenen Angaben lernte sie in dieser Zeit mehr über das Sozialleben der Māori als zuvor in ihren zwei Jahren in der Stadt.
Ihre Arbeit wurde nicht nur als positiver Fortschritt im Verständnis gesehen, sondern auch kritisiert. Der Reverend Maharaia Winiata (1912–1960)Te Ara - the Encyclopedia of New Zealand: Maharaia Winiata; abgerufen am 16. Februar 2017., ein promovierterDie Promotion hatte er in Edinburgh abgeschlossen. Sozialanthropologe und politischer Māori-Aktivist, kritisierte sie 1955 öffentlich während einer Präsentation ihrer Daten, dass sie als Pākehā weder das Recht habe, die Māori-Kultur darzustellen, noch das Verständnis haben könne, sie überhaupt zu verstehen.
Da zu dieser Zeit keine Anthropologie-Promotionen in Neuseeland möglich waren, begab sich Metge im September 1955 für etwas mehr als zwei Jahre an die London School of Economics and Political Science (LSE). Während ihres Aufenthalts hatte sie die Möglichkeit, von den führenden britischen Anthropologen zu lernen und war besonders beeindruckt von Max Gluckman (1911–1975), Mary Douglas (1921–2007) und Victor Turner (1920–1983). 1958 promovierte sie mit A New Maori Migration unter dem Neuseeländer Raymond Firth und ihre Doktorarbeit wurde 1964 gemeinsam von den Universitätsverlagen in London und MelbourneMelbourne übernahm die Bezahlung. publiziert.
Berufliche Karriere Metge entschied sich gegen eine akademische Laufbahn in England und kehrte 1958 nach Neuseeland zurück. Sie übernahm gelegentliche Arbeiten für Piddington und erweiterte und überarbeitete ihre eigene Forschung unterstützt durch ein Stipendium der amerikanischen Carnegie Foundation. Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden später publiziert.Joan Metge: The Maoris of New Zealand, London (1967), Routledge and Kegan Paul, S. 173–201.
University of Auckland 1961 nahm sie das einzige Angebot an, das sie erhielt: Suburban Tutor/Organiser in Adult Education (etwa: Organisator und Tutor der Erwachsenenbildung im Stadtumfeld). Sie war damit Angestellte der Auckland University und führte halb administrative, halb lehrende Tätigkeiten durch. Sie arbeitete zusammen mit Matiu Te Auripo Te Hau (1912–1978), einem bekannten Erziehungswissenschaftler und Māori-Gemeinschaftsführer und später mit Te Kapunga Matemoana „Koro“ Dewes (1930–2010), einem Pionier in der Erziehung der Māori und Verfechter der Māori-Sprache. Metge gab Kurse über die Gesellschaft und Kultur der Māori für Nicht-Māoris und baute in diesen Jahren mit jüngeren Māori-Tutoren ein gemeinsames Netzwerk auf, das viele Iwi umfasste.
Victoria University of Wellington Unzufrieden, da sie keine Möglichkeit hatte, die Effizienz ihrer Lehrertätigkeit in der Erwachsenenbildung verfolgen zu können, nahm Metge 1965 ein Angebot als Dozentin an der Victoria University in Wellington an. Zusammen mit Wiremu Parker,Te Ara - the Encyclopedia of New Zealand: Wiremu Parker; abgerufen am 21. Februar 2017. einem Māori-Rundfunksprecher, Übersetzer und Lehrer in der Erwachsenenbildung, plante und gab sie Anfängervorlesungen zu Māori-Studien. Dieses Programm baute sie in den nächsten Jahren weiter aus.
1967 wurde der niederländische Anthropologe Jan Pouwer (1924–2010) als Professor an die Victoria University of Wellington berufen, ein Anhänger der Schule von Claude Lévi-Strauss (1908–2009). Metge entdeckte dabei für sich die anthropologischen Konzepte des Strukturalismus, Korrelation und Opposition, Mediation und Transformation (von Mythenmodellen). Zu letzterem Thema entwickelte Metge eine andere Sichtweise.Joan Metge: Myths are for Telling, oral präsentiert an der Cambridge University (1971), publiziert als Time and the Art of Maori Storytelling, The Journal of New Zealand Studies, Bd. 8(1), S. 3–9 (1998) Unter Pouwer konzipierte Metge Vorlesungen für das 3. Studienjahr (Anthropologie in komplexen Gesellschaften, Kontemporäre Māori-Gesellschaft und -Kultur). 1976 kehrte Jan Pouwer in die Niederlande zurück und die amerikanische Anthropologin Ann Chowning übernahm seinen Lehrstuhl.
In den 1970er und 1980er Jahren erfolgte ein Umschwung in den Beziehungen zwischen Māori und Pākehā. Junge Māori-Aktivisten forderten Reparationen für die Verletzung von Tino rangatiratanga (die komplette Unabhängigkeit der Māori) im Vertrag von Waitangi. 1981 untersuchte Metge mit einem Captain James Cook FellowshipRoyal Society of New Zealand: Captain James Cook Fellowship; abgerufen am 21. Februar 2017. die derzeitige Rolle des WhānauTe Ara - the Encyclopedia of New Zealand: Tribal organisation: Whānau; abgerufen am 21. Februar 2017., eines erweiterten Familienverbandes, unter den Māori. Als Neuerung zeichnete sie die Interviews per Tonbandgerät auf und ließ die abgeschriebenen Texte von ihren Interviewpartnern gegenlesen. Trotzdem war sie erneut vereinzelten Angriffen von Seiten der Māori ausgesetzt, die ihr vorwarfen, ihre akademische Karriere durch die „Ausnutzung naiver Māori“ voranzutreiben.
Ende 1987 verließ Metge die Victoria University of Wellington und ging in den frühen Ruhestand.
Aktivitäten als Privatperson Metge zog nach Kotare, in den Südwesten der Nordinsel. Sie beteiligte sich an der Argumentation der Te Runanga o Te Rarawa und Te Runanga o Muriwhenua von Land- und Fischereiansprüchen, die vor dem Waitangi Tribunal vorgetragen wurden. In diesem Zusammenhang wurde Metge formell in den Māori-Stamm Te Rarawa aufgenommen.Catherine Masters: Cultural explorer helps bridge divide, NZ Herald, 10. Juli 2010; abgerufen am 17. Februar 2017.
Seit den späten 1980er Jahren verfolgte sie weitere Buchprojekte.
Von ihr stammt das metaphorische Bild, dass „die Beziehungen zwischen den Menschen Neuseelands wie ein Tau mit vielen Fasern ist, das, wenn es verwoben/zusammengearbeitet ist, eine starke Nation schafft.“
Privatleben Metge blieb unverheiratet und kinderlos, aber über die Jahre war sie WhāngaiTe Ara - the Encyclopedia of New Zealand: Whāngai – customary fostering and adoption; abgerufen am 17. Februar 2017. (Pflegemutter) für vier Teenager-Jungen, drei Māori und ein Pākehā. Bezüglich der Familien ihrer erwachsenen Zöglinge bezeichnete sie sich selber als „Großmutter“ und „Urgroßmutter“.
Zitat
Auszeichnungen und Ehrungen 1987: Ernennung zur Dame Commander of the Order of the British Empire für ihre Dienste in der Anthropologie anlässlich der Queen’s Birthday HonoursLondon Gazette (supplement), No. 50950, 12 June 1987. Abgerufen am 22. Februar 2017. 1997: Verleihung der ersten Te-Rangi-Hiroa-Medaille der Royal Society of New Zealand für ihre Forschungen in den SozialwissenschaftenTe Rangi Hiroa Medal - Recipients. Royal Society of New Zealand. Abgerufen am 22. Februar 2017. 2001: Verleihung des Ehrendoktors (Doctor of Letters, LittD) von der University of Auckland 2006: Verleihung des Asia-Pacific Mediation Forum Peace Prize auf Suva, Fiji 2015: Prime Minister’s Awards for Literary Achievement for Non-fiction In Anerkennung ihres Beitrags in den Sozialwissenschaften hat die Royal Society of New Zealand im Jahr 2006 die Verleihung der Dame Joan Metge Medal ins Leben gerufen. Alle zwei Jahre wird sie an eine neuseeländische Person für herausragende Leistungen in der Lehre, Forschung und/oder anderen Tätigkeiten in den Sozialwissenschaften verliehen, die zum Aufbau von Kapazitäten und zur positiven Beziehungen zwischen Forschungsteilnehmern beitragen. Zusätzlich gibt es einen Dame Joan Metge & Professor Charmian J O’Connor Post-Doctoral Research Award, der für neuseeländische Frauen konzipiert ist, die ein Projekt beenden möchten und dabei eine berufliche Verbindung mit einem Forschungsinstitut in Auckland haben.
Bibliographie Joan Metge: