mini|300px|Dorfpartie in Aura

Aura an der Saale (auch Groß-Aura, amtlich: Aura a.d.Saale→ frühere Schreibweisen) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen sowie Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Euerdorf.

Geografie Lage Der Ort liegt am linken Ufer der Fränkischen Saale etwa sieben Kilometer südwestlich der Kreisstadt Bad Kissingen und ist die kleinste Gemeinde des Landkreises.

Gemeindegliederung Außer dem Hauptort gibt es keine weiteren Gemeindeteile.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkung Aura an der Saale und Euerdorfer Forst (Gemarkungsteil 1). Die Gemarkung Aura hat eine Fläche von 6,690 km². Sie ist in 1556 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4299,49 m² haben.

Name Etymologie Der Ortsname besteht aus dem althochdeutschen Bestimmungswort ur, das Auerochse bedeutet und dem althochdeutschen Grundwort aha für Wasserlauf. Als Erklärung ergibt sich daraus ein Wasserlauf, an dem Auerochsen lebten.

Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen umfassen: 1071 Vrouua 1123 Vrowa 1140 Urowa 1158 Uraugia 1165 Vrowa 1200 Urahe 1218 Vrbach 1321 Vraowe 1389 Vraw 1505 Aura 1799 Aura an der Saale

Geschichte Anfänge von Aura an der Saale zu Beginn der Neuzeit mini|links|Aura vom Süden aus gesehen Vom Bamberger Bischof Otto wurde zwischen 1108 und 1113 in Aura ein Benediktinerkloster (Uraugia) errichtet. Ab 1394 unterstand das Kloster Aura den Bischöfen von Würzburg. 1564 wurde es zugunsten der hochstiftlichen Kammer des Hochstiftes Würzburg aufgehoben.

Über die Frühzeit des Ortes bzw. der Gemeinde ist wenig bekannt. Zum einen wurde sie bisher noch wenig erforscht, zum anderen sind erst für die Zeit ab etwa dem 17. Jahrhundert Informationen überliefert; das älteste erhaltene Dokument ist eine Gotteshausrechnung aus dem Jahr 1627. Viele Informationen beispielsweise über die Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges auf Aura sind durch die Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen.

Trotz eines finanziellen Gewinns für das Hochstift Würzburg durch die Auflösung des Klosters Aura hatte das Hochstift durch Misswirtschaft und Kriege mit hohen Schulden zu kämpfen. Aus dem Sprengel des Klosters wurde das Klosteramt Aura, das Klostergebäude später Sitz des Amtes Aura-Trimberg. Dieses umfasste die ehemaligen Eigendörfer des Klosters, Aura, Garitz und Wittershausen, sowie 52 weitere Ortschaften und reichte im Norden bis nach Brendlorenzen bei Bad Neustadt an der Saale, im Süden bis nach Reuchelheim bei Arnstein.

Das Auraer Weistum, das sich in den Salbüchern von 1580 und 1632 sowie im Rothen Buch der Gemeinde Aura von 1650 erhalten hat, regelte das geltende Gewohnheitsrecht. Es sprach die ehemals vom Kloster Aura ausgeübte vogteiliche Obrigkeit nun dem Würzburger Fürstbischof sowie die hohe Gerichtsbarkeit dem Zent Aura-Trimberg zu und regelte die Leistung von Frondiensten, das Schankrecht, die große Zehnt auf Wein und Getreide sowie die kleine Zehnt auf Obst und Gemüse, die Wahl des Schultheißen, den Viehtrieb, das Schafehüten und den Erhalt der Wege. Das Gebiet des Zents Aura-Trimberg wurde von den Bauern als Lehen bewirtschaftet.

Nach den Unruhen des Bauernaufstandes von 1525 und des Zweiten Markgrafenkrieges (1552–1554) folgte eine Periode des Friedens im Hochstift Würzburg und damit auch in Aura. Auswirkungen auf Aura hatte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Dreißigjährige Krieg. So musste die Bevölkerung beim Durchmarsch der schwedischen Truppen in den Jahren ab 1631 den Soldaten Verpflegung und Quartier zur Verfügung stellen; es kam auch zu Beschlagnahmungen von Naturalien und Geld sowie zu Übergriffen auf die Bevölkerung. Ferner mussten aus Geldmangel die Bauarbeiten an der geplanten Kirche in Aura gestoppt werden, nachdem Fürstbischof Johann Gottfried I. von Aschhausen aus Anlass des Krieges ein ständiges Heer von 10.000 Mann installierte. Ein weiterer Grund für den Baustopp war der plötzliche Tod des Fürstbischofs im Jahr 1622.

Nach Auflösung des Klosters Aura war dessen letzter Abt, Leonhard Gneitzheimer, eine Zeitlang Pfarrer von Aura. Danach wurden Aura und Wittershausen Filialen von Euerdorf; ab 1622 wurden Benefiziaten aus Euerdorf in Aura eingesetzt. Von diesen wurde Aura auch betreut, nachdem es im Jahr 1668 selbstständige Pfarrei wurde. Zwischen 1690 und 1695 entstand ein neues Pfarrhaus aus den Steinen der abgerissenen Türme der Klosterkirche. Die Klosterkirche selbst wurde die Pfarrkirche von Aura.

Nach einer Phase des Friedens erlebte Aura weitere kriegsbedingte Belastungen in den Kriegen gegen die Türken und gegen den französischen König Ludwig XIV., im Pfälzischen Erbfolgekrieg, im Österreichischen Erbfolgekrieg, im Siebenjährigen Krieg und in den Koalitionskriegen. Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden finanzielle Belastungen für Aura, als die Einwohner nach den Koalitionskriegen Kriegssteuern an die Franzosen entrichten mussten. Im Jahr 1742 wanderten mehrere Einwohner aus Aura, Oberthulba und Wittershausen nach Ungarn aus, das bessere Lebensbedingungen versprach.

Trotz der kriegsbedingten Unruhen stellten sich im Hochstift Würzburg viele Fortschritte ein, die sich auch auf Aura auswirkten. So entstanden im Ort ein neues Zenthaus (1752) und im Jahr 1754 eine Schule, die heute als Rathaus dient. Eine Neuregelung der Schulordnung in den Jahren 1774/75 mit Einführung der Schulpflicht vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr verbesserte die Bildungssituation.

Zu Zeiten des Fürstentums Würzburg, gesichert 1804, lag Aura im Landgerichts- und Rentamtsbezirk Euerdorf.

Aura lag von 1500 bis 1806 im Fränkischen Reichskreis.

Bayerisches Königreich mini|Die Fränkische Saale in Aura. Das Oberamt des Hochstiftes Würzburg wurde nach dessen Säkularisation 1803 zugunsten Bayerns im Frieden von Preßburg 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen und fiel mit diesem 1814 endgültig an Bayern. Das Amt Aura-Trimberg wurde im Jahr 1814 durch ein Landgericht älterer Ordnung in Euerdorf ersetzt. Ebenfalls in Euerdorf entstand das neue Rentamt. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Ein harter Winter in den Jahren 1816/17 verschärfte die Lebensbedingungen; im Jahr 1817 kam Hunger hinzu. Für einige wurde zum Überleben bezahlte Zwangsarbeit vor allem im Straßenbau erforderlich. Die sozialen Reformen von Staatsminister Maximilian von Montgelas schafften etwas Ordnung in das Gemeindeleben. Aura hatte keinen Nutzen von der Industriellen Revolution, so dass viele Einwohner dem Existenzminimum nahe waren. Andererseits war Aura von den Hungersnöten als Folge der Missernten um 1830 nicht so stark betroffen wie andere Gebiete Unterfrankens, da fast alle Einwohner von Aura ihre Grundnahrungsmittel selbst anbauten und Kleinvieh hielten.

1841 entdeckte der von 1837 bis 1851 in Aura wirkende Pfarrer Josef Vorbeck im Buntsandstein von Aura die ersten versteinerten Fährten-Abdrücke von Landwirbeltieren (Chirotherium) in Franken und übersandte diese im September 1841 an die königliche Kreis-Regierung in Würzburg. Die Fährten wurden der mineralogischen Sammlung der Universität Würzburg überlassen und von dem Würzburger Professor für Mineralogie Ludwig Rumpf 1842 und 1843 bekannt gemacht und beschrieben.Ludwig Rumpf: Fährten-Abdrücke aus dem Bunten Sandsteine zu Aura an der Saale; lebender Frosch im Muschelkalk bei Höchberg; Bruchstück eines Geweihes vom Steinberge bei Würzburg; Trigonotreta fragilis und Placodus gigas Agass. aus dem hiesigen Muschelkalk; Dolomit als oberstes Glied der Muschelkalk-Formation ist dem Keuper-Gebilde angehörig. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde, 1842, 450–451 Archive, Tafel VIII ArchiveLudwig Rumpf: Ueber Thierfährten im bunten Sandstein bei Aura; Hufeisenähnliche Abdrücke im Bunten Sandstein von Elfershausen. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde, 1843, 705–707 Archive

Am 1. Juli 1862 entstand das Kreis-Bezirksamt Hammelburg, der Vorläufer des heutigen Landratsamtes Hammelburg, als das Landgericht älterer Ordnung in Euerdorf mit dem Landgericht älterer Ordnung in Hammelburg vereint wurde.

Im Rahmen des Deutschen Krieges von 1866 waren zwei bayerische Eskadrone des 2. Ulanen-Regiments der 1. leichten Kavallerie-Brigade in Euerdorf sowie jeweils eine Eskadron in Aura und in Wittershausen einquartiert. Sie zogen am 9. Juli 1866 nach Kissingen, sobald dieses als Ziel der preußischen Truppen identifiziert wurde. Zur Mittagszeit des 10. Juli vertrieben die Preußen, sich von Wittershausen über Aura nach Euerdorf bewegend, die restlichen, unter Generalmajor Herzog Ludwig von Bayern noch in Aura verbliebenen bayerischen Truppen. Heimatchronist Max Wörner berichtet in diesem Zusammenhang von einem Aufeinandertreffen zweier bayerischer Soldaten mit zwei preußischen Soldaten, wobei einer der bayerischen Soldaten durch eine preußische Kugel zu Tode kam und an der östlichen Ecke der Friedhofsmauer bestattet wurde. Auf bayerischer Seite kämpften 13 Männer aus Aura. Durch die Kampfhandlungen entstanden zahlreiche Schäden auf dem Auraer Gebiet. Die Bevölkerung des Ortes musste die preußischen Truppen mit Verpflegung versorgen, die teilweise bis zum Februar 1867 in Aura einquartiert war.

Während des Deutsch-Französischen Krieges wurden 20 Männer aus Aura zum Kriegsdienst eingezogen; fünf von ihnen hatten bereits im Deutschen Krieg als Soldaten gedient. Nach der Reichsgründung setzte sich ein Nationalgefühl nach der Niederlage der Franzosen erst allmählich etwa zur Zeit der Reichstagswahlen am 3. März 1871 ein. Am 5. März 1871 fanden ein Trauergottesdienst für die im Krieg Gefallenen sowie ein Dankgottesdienst für die Reichsgründung statt.

Wohl am 17. August wurde die Freiwillige Auraer Feuerwehr gegründet; das älteste noch erhaltene Protokollbuch stammt aus dem Jahr 1881. Diesem Protokollbuch zufolge war die Feuerwehr in eine Pflichtfeuerwehr und eine Freiwillige Feuerwehr eingeteilt.

Der nach der Gründerfieber im Kaiserreich einsetzende Gründerkrach machte sich auch in Aura durch Preissteigerungen bemerkbar, die die Kleinbauern des Ortes dazu zwangen, zusätzliche Arbeit im Handwerk, meist in Schweinfurt, anzunehmen. Die tägliche Arbeitszeit betrug 12 Stunden bei sechs Arbeitstagen in der Woche. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wanderten Auraer Bürger nach Amerika aus.

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik Im Gegensatz zu größeren Nachbargemeinden wie Bad Kissingen und Hammelburg, deren Einwohner zu Beginn des Ersten Weltkrieges größere Lebensmittelvorräte anlegten, hatte sich die Landbevölkerung und damit auch Aura laut bezirksamtlicher Bekanntmachung vom 2. August 1914 mit Nahrungsmitteln aus eigenem Anbau zu versorgen. Die Kriegsbegeisterung der Großstädte wich in Aura der Sorge um die in den Krieg eingezogenen Männer des Ortes. Ab 1916 mussten Hausschlachtungen genehmigt werden und der Bierkonsum wurde eingeschränkt. Die Menschen ernährten sich hauptsächlich von Kartoffeln und Steckrüben. Im Wald mussten Bucheckern, Eicheln, Kastanien und Obstkerne zur Herstellung von Fett und Öl gesammelt werden. Während der verzweifelten Siegesbemühungen des deutschen Militärs in der Endphase des Krieges wurde in der Bevölkerung der Wunsch nach Frieden immer größer.

Am 16. November 1918, kurz nach der Ausrufung der Republik vom 11. November, wurde in Hammelburg ein aus 38 Mann bestehender Arbeiter- und Bauernrat gegründet, an dem Aura mit sieben Vertretern, u. a. dem Bürgermeister, beteiligt war. Er wirkte bei den Wahlen für den bayerischen Landtag am 12. Januar 1919 und für die deutsche Nationalversammlung am 19. Januar 1919 mit; im Juni folgten Gemeinde- und Bezirkswahlen.