Alphonse Kann (geboren 14. März 1870 in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben 1948 in London) war ein französischer Kunstsammler. mini|Portrait von Peter Pitt-Millward, Alphonse Kann in Saint-Germain-en-Laye

Leben Alphonse Kann wurde in eine jüdische Bankiersfamilie geboren.Vita Alphonse Kann im Auktionskatalog Artcurial 2017 Die Familie zog, als er zehn Jahre alt war, nach Paris, wo er am Lycée Condorcet ein Schulfreund von Marcel Proust wurde. Der erwachsene Kann soll ein Vorbild für die Figur des „Charles Swann“ im Prousts Werk Eine Liebe von Swann gewesen sein.

Kann wurde zum Bankier ausgebildet und arbeitete auch bei Verwandten in London. Mit dreißig Jahren zog er sich aus dem Geschäft zurück und widmete sich dem Kunstsammeln, was auch schon Verwandte getan hatten. Er sammelte zunächst Werke Alter Meister. Er verkaufte dann allerdings in zwei Auktionen einen Großteil seiner Altmeister-Sammlung und konzentrierte sich auf Maler der Moderne.

Kann emigrierte 1938 nach London und ließ seine Sammlung im Stadtpalast in Saint-Germain-en-Laye zurück. Nach der deutschen Eroberung Frankreichs wurde seine Sammlung von den Deutschen konfisziert. Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg verschleppte die Sammlung, und dessen stellvertretender Direktor Bruno Lohse legte eine akribische sechzigseitige Inventarliste mit 1400 Gegenständen an.Thomas Buomberger, Guido Magnaguagno (Hrsg.): Schwarzbuch Bührle. Raubkunst für das Kunsthaus Zürich? Zürich : Rotpunkt, 2015, ISBN 978-3-85869-664-9. Die Werke erhielten das Sigel „Ka“. Die erste Wahl unter den Bildern ging in den Bestand des geplanten Führermuseums, die zweite Wahl hatte Hermann Göring, der die Bilder der Moderne, die als Entartete Kunst galten, im Kunsthandel gegen Altmeister tauschte, dadurch gerieten bereits während des Krieges Bilder Kanns in der Kunsthandel der USA und der Schweiz.

Im Jahr 1947 wurden 725 Werke aus deutschen Depots an Kann zurückerstattet. Andere Werke aus Sammlungen und Museen wie der Zürcher Bührle Stiftung, dem Minneapolis Institute of Art und dem Centre Georges-Pompidou wurden trotz der Markierung durch das ERR erst spät identifiziert, und Kanns Erben wurden sukzessive entschädigt.

Literatur Bettina Wohlfahrt: Sammlung im Sturm der Geschichte. Bericht über Auktion bei Artcurial. In: FAZ, 11. Februar 2017, S. 15

Weblinks Catalogue des tableaux, dessins, pastels, principalement du XVIIIe siècle, Collection de M. A. Kann, Galerie Georges Petit, Paris 1920 Collection of Alphonse Kann Paris, Part 1, Objects of Art, American Art Association Inc., New York D’Alphonse à Hélène Kann, Auktionskatalog bei Artcurial, 22. Februar 2017 Vincent Noce: Collection majeure. Alphonse Kann, ami de Proust, fut un amateur plus qu’éclairé. In: Libération, 9. April 1998

Einzelnachweise

Kategorie:Kunstsammler Kategorie:Restitution von NS-Raubkunst Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Emigrant zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1870 Kategorie:Gestorben 1948 Kategorie:Mann Kategorie:Emigrant aus Österreich-Ungarn im Vereinigten Königreich