Die Aphorismen (griechisch Ἀφορισμοί, Aphorismoí), lateinisch später auch SententiaeVgl. etwa Gerhard Baader: Die Antikerezeption in der Entwicklung der medizinischen Wissenschaft während der Renaissance. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil (Hrsg.): Humanismus und Medizin. Acta humaniora, Weinheim 1984 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission für Humanismusforschung. Band 11), ISBN 3-527-17011-1, S. 51–66, hier: S. 58. genannt, sind eine Textsammlung innerhalb des Corpus Hippocraticum. Sie gehören zu den weitestverbreiteten Teilen der hippokratischen Schriften, d. h. sie sind seit der Antike oft kommentiert und herausgegeben worden.
Inhalt In sieben Kapiteln (bzw. Büchern), die der koischen Ärzteschule zugerechnet werden,Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer. 1989, S. 176. sind 422 kurze Aussagen über unterschiedlichste medizinische Gebiete und Themen (so über Nosologie, Therapie, Physiologie und Gynäkologie) Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer. 1989, S. 176. überliefert. Die bekannteste Sentenz der Aphorismen ist Vita brevis, ars longa („Die Kunst ist lang, das Leben kurz“), wie sie etwa in Goethes Faust (Der Tragödie erster Theil, 558 f.) vom Famulus Wagner zitiert wird („Ach Gott! die Kunst ist lang; Und kurz ist unser Leben“).
Nachwirkung Die Aphorismen sind literaturgeschichtlich namensgebend für die Tradition der Aphorismen als literarische Gattung. Dominierende Themen der Schrift sind therapeutische und prognostische, auf die Einschätzung des Krankheitsverlaufs bezogene Themen.
Übersetzung Erste im Mittelalter verbreitete Übersetzungen ins Lateinische stammen von Constantinus Africanus (eine an den Universitäten benutzte frühmittelalterliche Übersetzung aus dem Arabischen)Vgl. etwa Karl Gottlob Kühn: Magni Hippocratis opera omnia. 3 Bände. Leipzig 1827 (= Medicorum Graecorum operae quae extant. Band 21–23). und von Burgundio oder Niccoló (eine direkte Übersetzung aus dem Griechischen). Eine 1490 fertiggestellte Übersetzung durch Poliziano hatte dieser nicht drucken lassen.Gerhard Baader: Die Antikerezeption in der Entwicklung der medizinischen Wissenschaft während der Renaissance. 1984, S. 58.
Literatur Hans Gossen: Hippokrates 17. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band 8,2, 1913, Sp. 1801–1853, v. a. 52. Aphorismoi, Sp. 1844–1846.
Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer. Philipp Reclam jun., Leipzig 1979 (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771); 6. Auflage ebenda 1989, ISBN 3-379-00411-1. Mit Teilübersetzungen.
Weblinks Hippokrates: Ἀφορισμοί, in: Perseus Digital Library (altgriechisch). Hippokrates: Aphorismi, in: Perseus Digital Library (englisch). Hippokrates: Aphorisms. in: The Internet Classics Archive (englisch).
Einzelnachweise
Kategorie:Medizin (Altertum) Kategorie:Wissenschaft (griechische Antike)