Die Form ist eine 1977 von Philippe Fichot ursprünglich als BDSM-Live-Act gegründete französische Musikformation, in der seit 1986 neben Fichot auch seine Lebensgefährtin Éliane P. mitwirkt. Der Klang reicht von minimalistisch elektronisch bei früheren Werken über düster apokalyptische Stimmungen bis hin zu komplexen Melodieführungen bei späteren Werken.

Die Form wird mit zu den Pionieren und Avantgardisten elektronischer Musik gezählt. Zudem gelten Die Form auch als Vertreter der Industrialmusik der 1980er-Jahre, da einige Alben bzw. Nebenprojekte in dieses Genre musikalisch hineinreichten. In der Bandgeschichte wurde mit unterschiedlichen musikalischen Stilen und Richtungen experimentiert. Die Musik blieb aber rein elektronisch (mit Ausnahme des poppig durchwachsenden Album „Poupée Mécanique“ von 1987). Neben ungewöhnlichen Soundcollagen gehörten von Anfang an auch die photographischen Arbeiten Fichots zum Gesamtkunstwerk von Die Form. Hier wird die Vorliebe Fichots für das Skurril-Morbide deutlich. Thematisch beschäftigt sich Die Form mit sexual-erotischen Vorstellungen des Menschen, allerdings nicht von einem voyeuristischen, sondern eher von einem psychologischen Standpunkt aus. Fichot sagte einmal, Die Form sei ein Projekt auf der Suche nach der „ewigen Schönheit“. Dabei kann man einen starken Bezug der Band zum Sadomasochismus, Fetisch, später aber auch Tod und Trauer ausfindig machen.

Geschichte Das Werk von Die Form lässt sich in mehreren unterschiedlichen Phasen unterteilen: Zeichneten sich zunächst Songs wie Sex by Force oder Masochist noch industriell-experimentell, so wandelte sich das Klangbild Mitte der 1980er-Jahre ins Elektronisch-poppige (Poupée Mécanique 1987) und wechselte Ende der 1980er-Jahre erneut ins Experimentelle und in ein vom Industrial geprägtes Soundgewand der Anfangstage (Photogrammes 1989), bevor Die Form Anfang der 1990er-Jahre mit ihrem Album Corpus Delicti (1991) ins Technopop- bzw. EBM-lastige Lager umstiegen.

Anfang der 1990er-Jahre zeigte sich das Projekt vom Siegeszug des Techno inspiriert, das Album Confessions mit dem Hit Silent Order dürfte für diese Stilmenage stehen: Tanzbar, technoid und doch verspielt.

Kurz darauf änderte sich erneut der Stil des Projekts. Mit Suspiria de Profundis, dem ersten Teil der sogenannten Trilogy of Passions, wurde mit Songs wie Cantique ein Stil eingeschlagen, dem die Band bis heute fast durchgängig treu blieb: Ruhig, melodiös, klassisch inspiriert und fast schon theatralisch. Die Trilogy of Passions (Suspiria de Profundis, L’âme èlectrique, Duality) sollte den Durchbruch für Die Form darstellen.

Neben dem Musikstil war auch die Live-Performance der Gruppe Veränderungen unterworfen. Bestachen die ersten Live-Shows durch Brutalität und Gewalt, wandelten sich diese mehr in Richtung S/M und Fetisch. Ab Trilogy of Passions boten sie dem Publikum Butoh-Shows.

Die Form spielte Pfingsten 1996 erstmals auf dem alljährlich stattfindenden Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. Im Jahr 2007 war Die Form nach acht Jahren Bühnenabstinenz erstmals wieder live in Deutschland zu sehen. Im März 2007 trat die Band beim Dark-Dance-Treffen in Lahr/Schwarzwald auf und präsentierte ihre neue Show. Außerdem spielten sie im Juni 2007 ein Konzert beim Bachfest Leipzig. Am 24. Januar 2008 wurde ein Album mit Bach-Interpretationen veröffentlicht. 2009 trat die Band erneut beim Wave-Gotik-Treffen auf.

Aufgrund der Nachfrage nach den Anfangsarbeiten, speziell den Kassetten, wurde Anfang 2010 über das Label Vinyl on Demand (VOD) eine Retrospektive über diese Schaffensepisode veröffentlicht. Die 6-LP-Box Chronology beinhaltet viele einzelne Stücke der Anfangszeit und zahlreicher Nebenprojekte (Eva-Johanna Reichstag, D.F. Sadist School, Krylon Hertz etc.).

Die Form haben andere Bands inspiriert. Neben ihren regulären Alben veröffentlichten sie ein Dutzend Kassetten. Ende 2005 wurde das Fotobuch The Visionary Garden veröffentlicht.

Neben Die Form existieren oder existierten noch zahlreiche Nebenprojekte, beispielsweise Elektrode oder D.F. Sadist School. Vertrieben wird ihre Musik über das eigene Label BainTotal.

Diskografie 1982: Die Puppe 1984: Some Experiences with Shock 1987: Poupée Mécanique 1988: Archives & Doküments (die 3-LP-Box wurde aufgrund des Begleitbuchs am 29. Dezember 1999 indiziert) 1989: Photogrammes 1991: Corpus Delicti 1991: Archives & Documents 2 1992: Confessions 1993: Ad Infinitum 1994: Suspiria de Profundis 1995: L’âme èlectrique 1996: Vicious Circles: The Best Of 1997: Duality 1998: Histories I&II (Greatest Hits) 2000: Extremum/XX 2001: Die Puppe II (Re-Release) 2001: Some Experiences With Shock (Re-Release) 2001: Corpus Delicti 2 (Re-Release) 2001: AKT – Sideprojects & Experimental Collection 2003: Archives & Documents 3 2004: InHuman 2006: ExHuman 2008: Bach Project 2009: Noir Magnétique 2010: Chronology – The Bain Total Years 77–85 2014: Rayon X 2017: S(p)lit/Fluxus (zusammen mit Mama Baer) 2017: Baroque Equinox 2021: Mental Camera

Zwischen 2001 und 2002 erschien die komplette Diskographie von Die Form remastered bei Trisol. Außer den Aufgeführten unterscheiden sich die restlichen Alben nur durch Bonustracks und werden daher nicht nochmal extra aufgeführt.

Maxis und EPs 1984: Heart Of The Monster EP 1988: Face to Face, Vol. 1 (Split-LP mit Asmus Tietchens) 1990: Savage Logic (MCD) 1992: Tears of Eros EP 1994: Silent Order (Re-Versions) (Remix-MCD) 1994: Rose Au Coeur Violet EP 1996: Phenomena of Visitation (MCD) 1998: The Hidden Cage/Spiral (MCD) 1999: Rain of Blood EP 1999: Automatic Love 2 (Split-MLP in Sägeform mit NUNS) 2000: Deep Inside (MCD) 2003: Zoopsia (MCD) 2008: Her[t]z Frequenz 2014: Schaulust 2017: Psychic Poison

Bücher 1995: The Visionary Garden 2005: The Visionary Garden 2: Mémoire(s) d’un œil mécanique (erschienen bei Ultra Mail Prod.)

Nebenprojekte

D.sign – Projekt mit Philippe Fichot, Éliane P. & Marc Verhaeghen (Klinik) 1988: D.sign (MCD)

D.F.sadist school 1990: Les 120 Journées de Sodome (Die Form Side-Project 1) 1991: Bacterium (Split-CD mit Etant Donnés) 1995: The Visionary Garden (Die Form Side-Project 6) 2005: The Visionary Garden (Re-Release inkl. 1 Videotrack, nur erhältlich mit dem gleichnamigen Fotobuch)

Societe Anonyme – Die Form Solo Project 1991: S.A. 123 (Die Form Side-Project 2)

Sombre Printemps 1991: Ambient & Film Music (Die Form Side-Project 3) 2011: Ambient & Film Music 1+2

Elektrode 1993: Die Operative Maschine (Die Form Side-Project 4)

Ukiyo – Die Form und Aube 1994: Ukiyo (Die Form Side-Project 5)

DIE FORM ÷ FINE AUTOMATIC 2015 : Vol. I + Vol. II

DIE FORM ÷ MUSIQUE CONCRÈTE 2015 : Cinema Obscura

OUTRE MONDES 2024 : Outre Mondes (Ph. Fichot Solo Project)

Kassetten – als Die Form oder unter Pseudonymen 1977: unreleased 1978: K.01 I (2 verschiedene Cover) 1978: K.02 KRYLON HERTZ I (C.20, and re-issue C.30) 1980: ENDLESS K7 1: FINE AUTOMATIC Caddy Musak 1980: ENDLESS K7 2: FINE AUTOMATIC Freezer Musak 1980: ENDLESS K7 3: FINE AUTOMATIC Flipper Musak 1981: ENDLESS K7 4: DIE FORM Disabled Landscape 1981: K.04 Virgin Flavour 1981: K.05 KRYLON HERTZ Smuggle Death 1981: K.06 'Eva-Johanna REICHSTAG & DIE FORM : Memorial 78–79 1982: K.08 FINE AUTOMATIC (C.60) (re-issue from the endless cassettes) 1982: K.10 CAMERA OBSCURA 1 1982: K.11 CAMERA OBSCURA 2 1982: K.12 CAMERA OBSCURA 3 & DIE FORM Final Edition 1982: K.14 Le Plomb des Cartes / La Loge Infernale 1983: K.16 MENTAL CODE Flexible Music Vol. 2/3 1983: K.19 Excisions (3 verschiedene Covers) 1983: K.20 Archives & Doküments 1 1985: K.22 Du coeur humain 1985: K.25 Red Action (co-production B.T./T.M., other side by KOSA) 1985: K.27 FINE AUTOMATIC / D.F. SADIST SCHOOL OrgasMechanism 1985: K.28 GRAPH 4 Messe Basse (one side cassette, poems soundtrack) 1985: K.29 HURT D.F. SADIST SCHOOL (one side cassette) 1987: K.30 Archives & Doküments 2 Die Puppe (C.50) (re-issue of the first LP / 1982) 1987: K.31 Archives & Doküments 3 Some Experiences With Shock (re-issue of the 2nd LP / 1984) 1987: K.32 Es lebe der Tod (C.50) 1986: K.X. X.ACTION (SADIST SCHOOL 1.984) [Changed to K.33 around 1988] 1986: K.F. Fetish 1 (C.50) [Changed to K.34 around 1988. Most tracks were later re-released on the releases of Archives and Documents on CD and LP] 1986: K.04 Virgin Flavour 2 C.60 (re-issue, total remix extra-track) 1986: K.14 Le Plomb des Cartes / La Loge Infernale (C.90) (re-issue, total remix extra-track) 1989: K.35 Flexible Music vol.1 (guest : DZ LECTRIC) 1998: Limited Documents Vol. 1 (incl. unveröffentlichte Tracks von 1982–1986, limited edition von 300 Kopien mit einem Originalfoto)

Weblinks https://www.dieform.net/ Philippe Fichot Photography http://www.dieform.de.vu/ http://www.dieform.info/ http://www.dieform.info/baintotal (Guide Bain Total Guide) http://www.lipsheim.org/foret/die_form/discographie.htm

Kategorie:BDSM Kategorie:Französische Band Kategorie:Post-Industrial-Band