Der Eurasische Wolf (Canis lupus lupus), von manchen deutschen Autoren als Europäischer Grauwolf bezeichnet, ist eine Unterart des Wolfes (Canis lupus), der zur Familie der Caniden gehört.

Merkmale Der Eurasische Wolf erreicht eine Widerristhöhe von etwa 70 bis 90 Zentimetern und eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 140 Zentimetern. Das Gewicht liegt meist zwischen 30 und 50 Kilogramm. Zwischen Wölfinnen und Wolfsrüden besteht ein Geschlechtsdimorphismus: Rüden sind meistens größer und schwerer als Fähen. Im Gegensatz zu wolfsähnlichen Haushunden sind Wölfe hochbeiniger und haben eine gerade Rückenlinie, während sie bei Hunden oft zur Rute hin abfällt. Die Rute des Eurasischen Wolfs ist buschig und gerade. Wölfe haben tendenziell kleinere Ohren, die zudem innen dicht behaart sind.

Das Fell Eurasischer Wölfe ist gelblichgrau, graubraun oder dunkelgrau gefärbt. Die Unterseite des Fangs und die Kehle sind heller, die Rückseiten der Ohren erscheinen leicht rötlich. Die Rückenfärbung weist in den meisten Fällen einen dunklen bis schwarzen Sattelfleck auf. Ebenfalls dunkler gefärbt sind oftmals die Rutenspitze und die Vorderseite der Vorderläufe.

Das die Verteilung der Pigmente bestimmende Gen auf dem Agoutilocus ist stets aw das sich im Phänotyp als die typische Wildfarbe wolf-sable ausgeprägt. Die einzelnen Haare weisen eine Bänderung auf, die das Fell meliert aussehen lassen.Sheila M. Schmutz: , 2010Alaska Fur ID: Bänderung bei WolfshaarenSheila M. Schmutz: Agouti Sequence Polymorphisms in Coyotes, Wolves and Dogs Suggest Hybridization Im Unterschied zu Unterarten wie Tundrawolf und Polarwolf kommen keine Aufhellungsfaktoren vor, die das Fell zu beige oder weiß aufhellen, und anders als beim Timberwolf keine Gene für schwarze Exemplare.

mini|Eurasischer Wolf im Wildpark Lüneburger Heide mini|Variante des Italienischen Wolfs mini|Variante des iberischen Wolfs Da junge erwachsene Wölfe nach dem Verlassen ihres Herkunftsrudels manchmal sehr weite Strecken als Wanderwölfe zurücklegen, bevor sie in einem weit entfernten Gebiet einen Paarungspartner finden, mit dem sie zu standorttreuen Wölfen werden und sich fortpflanzen, ist es bei dieser Tierart oft schwierig, eine Abgrenzung zwischen Unterarten vorzunehmen. Populationsgenetische Analysen zeigten auf der Basis von drei genetischen Merkmalen eine Reichweite von 650 bis 850 km. Das bedeutet, die genetische Vielfalt einer Wolfspopulation kann von bis zu 850 km entfernten Populationen beeinflusst werden. Aus morphologischen und molekulargenetischen Untersuchungen kennt man Unterscheidungskriterien, wobei aber auch Merkmalsüberschneidungen festgestellt werden. Hieraus ergibt sich beim Canis lupus lupus eine große Variationsbreite innerhalb Eurasiens. Dementsprechend findet man Individuen mit sehr unterschiedlichen äußeren Merkmalen.Bondarev Aleksandr Jakovlevich: Morphologische Merkmale des Wolfs (Canis lupus) in West- und Zentralsibirien. In: Zeitschrift Vestnik der Staatlichen Landwirtschaftlichen Universität Altai, 2012Bondarew Aleksandr Jakowlewitsch, Jekaterina Andrejewna Worobjewskaja, Dmitri Wladislawowitsch Politow: Über die genetische Differenzierung des sibirischen Wolfs. In: Zeitschrift Vestnik der Staatlichen Landwirtschaftlichen Universität Altai, 2013.

Vorkommen mini|Die Verbreitung des Eurasischen Wolfes in der Alten Welt

Der Eurasische Wolf ist über weite Teile Eurasiens verbreitet. Der größte Teil seines Lebensraums befindet sich in Russland und im asiatischen Teil des eurasischen Kontinents. Die Vorkommen in Osteuropa bilden mit den Wölfen in Estland, Lettland, Litauen, Ostpolen, den Karpaten und der Ukraine eine ausgedehnte baltisch-osteuropäische Population, die sich stetig nach Westen ausbreitet.Henryk Okarma, Sven Herzog: Handbuch Wolf - Verhalten, Biologie, Wanderrouten und Bestände. Kosmos-Verlag, Stuttgart 2019, Seite 18–19. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Ostsibirien über den europäischen Teil Russlands bis nach Skandinavien sowie über Osteuropa (Polen, Tschechien und die Slowakei) bis nach Mitteleuropa und Westeuropa (Frankreich) sowie nach Südosteuropa (Griechenland, Bulgarien, Rumänien) und Südeuropa (Italien, Spanien). Der in Italien hauptsächlich vorkommende Italienische Wolf gilt bei manchen Autoren als eigene Unterart, wird aber von anderen dem Canis lupus lupus zugeordnet. Durch das Wanderverhalten der Wölfe lassen sich die Unterarten nicht immer durch Zuordnung zu bestimmten Gebieten klar voneinander abgrenzen. Auf der Arabischen Halbinsel gibt es Populationen des Arabischen Wolfs, der heute dem Eurasischen Wolf zugeordnet wird.

Der Eurasische Wolf besiedelt verschiedene Lebensräume, von Wäldern bis zu offenen Graslandschaften in verschiedenen Klimazonen von der subpolaren Zone bis in die Subtropen. Die Größe der Reviere von Wolfsrudeln variiert zwischen 100 und 300 Quadratkilometern in Mitteleuropa und 2500 Quadratkilometern in höheren Breiten.

Fortpflanzung Eurasische Wölfe werden mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif. Paarungszeit ist vom Spätwinter bis in den März. Die Tragzeit dauert ungefähr neun Wochen. Ein Wurf besteht meist aus vier bis sechs Welpen, die vom gesamten Rudel großgezogen werden. Nach ein bis drei Jahren verlassen die Jungtiere ihr Rudel, siedeln sich in einem neuen Revier in der Nähe ihres alten Rudels an oder wandern fort.

Ernährung Als Großraubtiere erbeuten Eurasische Wölfe vorwiegend Huftiere wie Rehe, Rothirsche, Damwild, Wildschweine, Hasen und in einigen Regionen auch Elche und Wisente.Zibignev Glowacinsky, Piotr Profus: Potential Impact of wolves (Canis lupus) on prey populations in Eastern Poland. Institute of Nature Conservation, Polish Academy of Sciences. 17. Januar 1996, Seite 31–512WŁodzimierz Jȩdrzejewski, BogumiŁa Jȩdrzejewska, Henryk Okarma, Krzysztof Schmidt, Karol Zub, Marco Musiani: Prey Selection and Predation by Wolves in BiaŁowieŻa Primeval Forest, Poland. In: Journal of Mammalogy, Band 81, Ausgabe 1, Februar 2000, Seite 197–212. Bevorzugt werden Jungtiere, aber auch ältere und kranke Tiere, die weniger schnell fliehen können und einfacher zu überwältigen sind. Auch Nutztiere wie Schafe, Ziegen, Rinder, vor allem Kälber, sowie Pferde, vor allem Fohlen, zählen zur Beute.DBBW: Anteil Nutztierarten 2019Frankfurter Rundschau: Jakutien eröffnet die Jagd auf WölfeHannoversche Allgemeine: Pferdehalter in Sorge: Wolf tötet trächtiges Pony und verletzt FohlenPro Pferd: Pferdehalter alarmiert: Wolfsrudel tötet zwei GroßpferdeSchermbeck online: Pferd in Hünxe am Bergschlagweg vom Wolf gerissen. 11. Oktober 2021Heimat Report: Insgesamt hat der Wolf im Schermbecker Wolfsgebiet fünf Pferde/Ponys gerissen. 22. Oktober 2021.

Phylogeografie der Wölfe in Europa Durch Kombination von Daten mehrerer Studien konnten die phylogenetischen Beziehungen und die geografische Verteilung der anhand der mitochondrialen DNA unterscheidbaren Haplotypen von 947 europäischen Wölfen analysiert und die DNA-Sequenzen der heutigen Wölfe mit Sequenzen von 24 fossilen europäischen Wölfen verglichen werden. Es gibt mehrere Gruppen von Haplotypen, teils in getrennten Vorkommen, teils mit Überschneidungen innerhalb der europäischen Subpopulationen. Die Häufigkeiten bei den Wölfen in Südwesteuropa (Iberischer Wolf) unterscheiden sich von denen in Osteuropa. Canis lupus italicus wird teilweise als eigene Unterart angesehen. Eine der Haplogruppen des eurasischen Wolfs gibt es auch bei den Wölfen in Nordamerika. Eine Übereinstimmung bei den Veränderungen der Haplogruppenhäufigkeit bei den spätpleistozänen Wölfen in Europa und Nordamerika deutet darauf hin, dass diese mit ökologischen Veränderungen nach dem letzten glazialen Maximum zusammenhängen.Małgorzata Pilot, Wojciech Branicki et al.: Phylogeographic history of grey wolves in Europe. In: BMC Evolutionary Biologie, 2010.Henryk Okarma, Sven Herzog: Handbuch Wolf - Verhalten, Biologie, Wanderrouten und Bestände. Kosmos-Verlag, Stuttgart 2019, Seite 22.Ettore Randi: Mammal Review 2011, Volume 41, No. 2, 99–111

Canis lupus communis Mit dem als Russischer Wolf bezeichneten Canis lupus communis ist nicht der in Russland in sehr hohen BestandszahlenWill N. Graves, Valerius Geist: Wolves in Russia - Anxiety through the ages. Detselig Enterprises LTD, Calgary Alberta Canada 2007, Seite 55–66. weit verbreitete Eurasische Wolf gemeint, sondern eine Unterart in Sibirien mit besonders großen Exemplaren,Ronald M. Nowak: Another look at wolf taxonomy. In: Ludwig N. Carbyn, Steven H. Fritts, Dale R. Seip (Hrsg.): Ecology and conservation of wolves in a changing world. Canadian Circumpolar Institute, University of Alberta, Edmonton 1995, S. 375–397 (PDF 1,5 MB) die von manchen Autoren aber dem Eurasischen Wolf zugerechnet wird.

Wiederbesiedlung Mittel- und Westeuropas Deutschland

mini|Bestandsentwicklung 2000 bis 2024 Seit Ende des 20. Jahrhunderts ist der Eurasische Wolf auch in Deutschland wieder heimisch. Aus Polen kommend verbreiteten sich Wölfe zunächst in Sachsen und im südlichen Brandenburg. Über Sachsen-Anhalt erreichten sie dann Niedersachsen. Außerdem leben wenige Wolfsrudel in Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland nach weit über einem Jahrhundert wieder die ersten Wolfswelpen in Freiheit geboren. Im April 2016 ging man von etwa 40 Wolfsrudeln aus, die sich innerhalb von vier Jahren auf 128 Rudel und 35 standorttreue Paare vermehrt haben.

Die Gründertiere in der Lausitz hatten den in Nordost-Europa regelmäßig vorkommenden Haplotyp HW01. Das ist der vorherrschende Haplotyp in Deutschland. Deutlich seltener ist HW02, den bis vor einigen Jahren nur einzelne aus Polen eingewanderte Rüden aufwiesen. Im Monitoringjahr 2012/13 wurde in Niedersachsen die erste Fähe mit HW02 bestätigt, deren Nachkommen ihn weitervererben. Auch Wölfe mit dem Haplotyp HW22, der für die italienischen Wölfe kennzeichnend ist, wurden in Deutschland bestätigt. Im Sommer 2017 zog im Bayerischen Wald ein aus zwei verschiedenen Populationen stammendes Wolfspaar erstmals Welpen auf.DBBW: Woher kommen die Wölfe in Deutschland? Paarungen von Eurasischen Wölfen verschiedener Haplotypen aber auch gemeinsame Fortpflanzung von Eurasischen Wölfen mit Wölfen aus der italienischen Population bzw. deren Nachkommen sind im Artenschutz erwünscht, denn genetische Vielfalt ist eines der Kriterien für den Erhaltungszustand einer Wolfspopulation.Anne Jarausch, Verena Harms, Gesa Kluth, Ilka Reinhardt, Carsten Nowak: How the west was won: genetic reconstruction of rapid wolf recolonization into Germany’s anthropogenic landscapes. In: Heredity, Band 127, Seite 92–106, 2021Christophe Dufresnes, Christian Miquel et al.: Howling from the past: historical phylogeography and diversity losses in European grey wolves. Proceedings of the Royal Society B - Biological Sciences, 1. August 2028.Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland −2.4. Lebensfähige Population Seite 15–16

Frankreich Die nach Frankreich eingewanderten Wölfe, die sich ebenfalls schnell vermehren, stammen zum überwiegenden Teil aus dem Apennin mit Exemplaren des (Canis lupus italicus), die über die Westalpen in die Region Auvergne-Rhône-Alpes kamen,Valeria Salvatori, John Linnell: Report on the conservation status and threats for wolf (Canis lupus) in Europe. Straßburg, 7. November 2005. Seite 10. und zum anderen Teil aus der Karelisch-Baltischen Population, deren Westrand sich inzwischen bis in den Norden und Westen Frankreichs verlagert hat, mit den Haplotypen der in Ost- und Nordosteuropa lebenden Eurasischen Wölfe. Seit 2019 leben in Frankreich 80 Wolfsrudel mit rund 530 vom Monitoring erfassten Tieren.Philippe Gagnebet: La population de loups augmente moins rapidement que les années précédentes. In: Le Monde - Planète - Biodiversité, 2. Juli 2020.Observatoire du Loups.fr: Carte de dispersion du loups en France

Schweiz