mini|hochkant=1.1|Dorfkirche Zurow (2020). mini|hochkant|Turm (2023) mini|hochkant|Blick zur Orgel mit Empore (2014). Die evangelische Dorfkirche in Zurow ist eine gotische Kirche im Osten des Landkreises Landkreis Nordwestmecklenburg in der Propstei Wismar im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

Geschichte Das Kirchdorf Zurow (Zurowe) wurde am 15. Juni 1303 erstmals in einem Vertrag zwischen Fürst Heinrich von Mecklenburg und Willekinus Hanenzagel (Hanenstert) urkundlich erwähnt.MUB. Band V. (Schwerin 1869) Nr. 2870, MUB. Band VI. (1870) Nr. 4241. Schon damals mögen die Stralendorffs, von denen einer zu den Schwiegersöhnen des reichen Bürgers Hanenzagel aus Wismar und Lübeck gehörte, in Zurow begütert gewesen seinFriedrich Crull: Das Geschlecht der Hahnenzagel. In: MJB 34 (1869), S. 153.; nachweislich seit 1336.MUB. VIII. (1873) Nr. 5640. Die stattliche Kirche von Zurow war mit ihrem Turm schon im Mittelalter, besonders um 1488 Tagungsort von Landtagsversammlungen der Stände; ab 1412 dann auch noch Mittelpunkt einer angesehenen Kalandsbruderschaft, die erst 1553 aufgelöst wurde. Die Kirche wurde zum Zielpunkt für heimliche Wallfahrten zu einem als wundertätig verehrten Marienbild von überlokaler Bedeutung.Friedrich Crull: Der Kaland zu Zurow und das Siegel der Kirchen-Juraten daselbst. In: MJB 36 (1871) S. 224–227. Nach der Kirchenvisitation von 1541/42 wurde dem bleibenden vormals papistischen Prediger Joachim Wintershagen verboten, „die Kapelle mit dem Marienbild weiter aufzuschließen und darin Gotteslästerung zu lehren.“

Kirchenpatronat der örtlichen Gutsherren Bereits 1390 gab es die Stiftung einer Vikarei derer von Stralendorff in der Kirche zu Zurow. Das beschriebene Marienbild war für den Kirchenpatron von Stralendorff eine ergiebige Quelle von zusätzlichen Einkünften. Über 1541 hinaus hatten die von Stralendorff zu Trams das Kirchenpatronat. Bis ins 17. Jahrhundert blieb Gut Zurow letztlich im Besitz der Familien von Stralendorff. Erst 1637 erwarb Berthold von Bülow, der mit den von Stralendorff verwandtschaftlich verbunden war, das Gut in Zurow für 7100 Gulden.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Zurow. Leipzig / Schwerin 1898, S. 255. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts folgten ständig Besitzwechsel, so die von Raven, von Krügsheim - später genannt von Kriegsheim . und die von Sittmann,Hr. v. Sittmann (Zurow in Mecklenburg), Unpagniert, In: 2. Beilage des Berliner Börsen-Couriers. Nr. 172, Berlin, Donnerstag, 4. April 1889. um nur einige zu nennen. Die Familie von Sittmann agierte teils nur als Gutspächter, stellten zugleich den Standesbeamten im Dorf.Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin. Amtliche Beilage. Jahrgang 1885, №. 8, Bärensprung, Ausgegeben Schwerin, Mittwoch, den 25. Februar 1885, S. 52.

Baugeschichte Im Kirchenbuch von Pastor Johann Bauer ist vermerkt: „1639 wurde die schöne Spitze des Kirchturms durch Gottes Wetter umgeschlagen, und hat also dieses Wetter der Kirche großen Schaden getan. Und weilen in diesen gefährlichen und beschwerlichen Kriegsläuften nicht hat bauen können, so ist im Jahre 1649 im Herbst wieder zu bauen ein Anfang gemacht und ein Dach wieder auf den Turm gemacht worden. Auch haben die Soldaten das Uhrwerk und zwei Glocken aus der Kirche geraubt und alle Stühle verbrannt. Gott gebe ferner Gnade.“Gustav Willgeroth: Zurow, Präpos. Lübow. 1925, S. 1238.

Das Pfarrhaus von 1766 wurde 1843 durchgebaut. Die Kirche wurde 1862 umfassend restauriert und dabei wurden auch die Gewölbemalereien im Chor freigelegt.

Äußeres Die Dorfkirche in Zurow ist ein aufwändiger, einschiffiger gotischer Backsteinbau vom Ende des 14. Jahrhunderts, der erkennbar von den Pfarrkirchen in Wismar beeinflusst ist. Sie besteht aus einem dreijochigen Schiff mit Fünfachtelchorschluss. Die Dachkonstruktion über dem Kirchenschiff ist als Kehlbalkendach mit doppelter Kehlbalkenlage und aussteifenden aufgeblatteten Kreuzstreben ausgeführt.

Der quadratische Westturm aus dem 15. Jahrhundert besaß ursprünglich einen Spitzhelm, der nach dem Blitzschlag 1639 einstürzte. Danach wurde der Turm durch ein längs ausgerichtetes Satteldach abgeschlossen, wobei zwei der ehemaligen Schmuckgiebel verloren gingen. Eine Besonderheit war die aus dem 17. Jahrhundert stammende schwere Deckung aus Biberschwanzziegeln. Die konisch zulaufenden, im unteren Teil bis zu 4 cm dicken und 40 cm langen Ziegel mit großen Nasen an der Unterseite konnten bei der notwendigen Instandsetzung 2006 nicht wieder verwendet werden.Jens Amelung: Zurow, Lkr. Nordwestmecklenburg, Kirche. In: KulturERBE, 4. Schwerin 2008, S. 216–217. Am Turm wurden auch Formsteine und glasierte Terrakotten verwandt. Das reich geschmückte Obergeschoss wird dem Wismarer Baumeister Hermann Münster zugeschrieben.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 221. Im Glockengeschoss befinden sich gekuppelte Spitzbogenfenster. Der Turmabschluss wird durch ein längsgerichtetes Satteldach zwischen maßwerkverzierten Giebeln gebildet.

Das außen von zwölf Strebepfeilern gestützte Kirchenschiff ist einheitlich mit einem verkröpften Sockelprofil und einem Kaffgesims gegliedert. Die Gewölbe mit dem Einsetzen der Schlusssteine werden auf 1382 und der Bau des Chors dendrochronologisch auf 1381Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 364. datiert. Der Sakristeianbau auf der Nordseite besitzt einen kleinen, blendengegliederten Giebel. Die Kirche wird durch ein reich mit Birnstäben gegliedertes Südportal erschlossen; ein ähnliches Westportal ist im Turm verborgen. Die stark einsturzgefährdete Sakristei konnte 2004 saniert werden.

Die gestalterische Nähe zu den Kirchen Wismars drückt sich besonders im äußeren Bauschmuck aus. So zeigen die Turmgiebelstücke in mehreren Lagen Vierpassfriese und Rosetten aus schwarz glasierten Ornamentziegeln, baukünstlerischer Zierrat, der insbesondere an der Wismarer Georgenkirche und Nikolaikirche in großem Umfang verwendet wurde.

Inneres mini|hochkant|links|Blick zum Chor (2014). Das Innere der Kirche wird durch drei Kreuzrippengewölbe mit laubwerkgeschmückten Schlusssteinen abgeschlossen. Ein Kaffgesims läuft unter den Fensterbänken entlang. Die Schlusssteine sind mit Blattwerk verziert.

Gewölbemalereien mini|hochkant|Gewölbemalerei im Chor (2014). Am Chorgewölbe sind Malereien aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erhalten, die bei einer Restaurierung 1862 durch den Maler Carl Cunow aus Wismar umfassend erneuert wurden. In der Mitte ist Christus als Salvator mundi mit erhobenen Händen dargestellt, die Lilie der Gnade und das Schwert des Gerichts im Munde, innerhalb einer Mandorla auf einem Regenbogen thronend und umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten. In der anstoßenden nördlichen Kappe findet sich eine weibliche Heilige mit Nimbus, die Mutter Gottes; neben ihr in der anderen Hälfte der Kappe ein kniender Ritter mit dem Stralendorffschen Schilde und dem Spruchband: leue moder gades bidet. Schild und Schrift wurden verkehrt herum aufgetragen. Auf der südlichen Kappe innen ein heiliger Bischof mit Nimbus, Mitra und Stab. Auf der anderen Hälfte der Kappe befindet sich eine kniende weibliche Gestalt mit dem Bülowschen Wappen und dem Spruchband: here bidet vor mj.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Zurow. 1898, S. 261–263. Friedrich Crull vermutete, dass die Malereien unmittelbar nach Vollendung des Chorbaus ausgeführt worden sind und es sich bei den Darstellungen um die Urheber des Baues handelt. Die Malereien könnten zwischen 1350 und 1370 ausgeführt worden sein.Friedrich Crull: Gewölbemalereien in der Kirche zu Zurow. 1864, 2. 202–207.

Altar mini|hochkant|links|Altar. Der Flügelaltar aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts zeigt im Schrein eine geschnitzte Marienkrönung zwischen Anna selbdritt und dem Apostel Johannes, erkennbar an seinem Heiligenattribut, dem Kelch. In den Flügeln stehen in zwei Reihen übereinander sechs männliche Heilige, die die zwölf Apostel dargestellt. Die rechte untere Figur war verlorengegangen und wurde erkennbar neu nachgefertigt als ein lutherischer Pastor im schwarzen Talar mit „Beffchen“, Stola, Kelch und Kirchenmodell. Auf der Predella befindet sich ein Gemälde von 1681, das den Schmerzensmann zwischen Engeln und Wappen zeigt. Auf der Rückseite der Kastenflügel befinden sich stark beschädigte Darstellungen aus der Passionsgeschichte: auf dem linken Flügel oben Christi Geißelung, unten die Kreuzigung; auf dem rechten Flügel oben die Teilung des Rockes durch Kriegsknechte, unten Pilatus, der sich die Hände wäscht.Zur nachreformatorischen Geschichte des Hochaltarretabels sowie zur Ergänzung der Pastorenfigur siehe Burkhard Kunkel: Die Kunst der lutherischen Kirchen im 16. Jahrhundert. Medien, Mitteldinge, Monumente – eine Geschichte der materiellen Kultur. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-7861-2848-9, S. 40, 201, 249 und S. 347.

Kanzel Die Kanzel mit Schalldeckel aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts zeigt in den Brüstungsfeldern beschädigte Malereien mit neutestamentlichen Szenen. Im Jahr 1974 wurde ein Taufengel wieder aufgefunden und im Eingangsbereich der Kirche aufgehängt.

Glocke Die Glocke von 1462 ist mit Ritzzeichnungen verziert: die Mutter Gottes mit dem Kind auf dem Arm, vor ihr ein Fuchs, der eine Gans im Maul trägt. Auf der anderen Seite sind ein heiliger Bischof und Hammer und Zange, um die sich eine Schlange windet, zu sehen. Sie ist mit einer Minuskelinschrift versehen, darunter die Namen der drei heiligen Könige. Sie stammt von dem Gießer Clawes Duncker, ist auf den Ton fis1+3 gestimmt und zweimal mit einem Glockengießerzeichen versehen. Im Jahr 1994 wurde der Glockenstuhl mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz saniert und die seit 1956 geschädigte Glocke geschweißt.Informationstafel an der Kirche

Eine größere Glocke wurde 1864 vom Glockengießer Peter Martin Hausbrand in Wismar gegossen. Sie trägt neben dem Namen des damaligen Pastors A. Köpke noch die Namen von „A. Lange zv Zvrow, Chr. Köster zv Ravensrvh und S. Fratscher zv Kalenberg“.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Zurow. Leipzig / Schwerin 1898, S. 261. Sie ist nicht mehr vorhanden.Claus Peter: Die Glocken der Wismarer Kirchen und ihre Geschichte. 2016, S. 221.

Ehemalige Ausstattung Nach dem Inventar von 1811 befanden sich im Chor einige Kelche von 1617, Oblatenschachteln und eine Taufschale von 1716.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Zurow. 1898. S. 264. Von alten Messgewändern sind noch drei Gewebe vom grünen Seidensamt mit verschiedenen Granatapfelmotiven im rechteckigen Format vorhanden, an einer Kante sind Fransenborte angesetzt. Diese Decke befindet sich heute im Staatlichen Museum Schwerin. Seit 1944 waren sie im Salzbergwerk Grasleben ausgelagert und kamen 1961 aus dem zentralen Kunstgutlager in Celle nach Schwerin zurück.Kristina Hegner: Aus Mecklenburgs Kirchen und Klöstern. 2015, S. 275. Inv.-Nr. KH 595, 596, 597. Bei der Restaurierung im Innern der Kirche wurde 1862 ein an einer Kirchentür befestigt gewesener „vortrefflicher eiserner Türklopfer in geschmiedetem Flechtmuster entfernt und ins Antiquarium nach Schwerin versetzt.“Friedrich Crull: Gewölbemalereien in der Kirche zu Zurow. In: MJB 29 (1864) S. 206.

Orgel mini|hochkant|Orgel. mini|hochkant|Spielschrank.