Die Immenburg oder Imburg ist ein Flurstück im Areal der Externsteine, beziehungsweise im FFH-Schutzgebiet Externsteine in Horn-Bad Meinberg, Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen. Es befindet sich unmittelbar nordöstlich des Naturdenkmals und linksseitig der Wiembecke und dem oberen Wiembecketeich.
mini|Forstkarte von 1833 mit einem Flurstück bezeichnet als Imburg. Die Flurbezeichnung Immenburg ist spätestens seit dem 19. Jahrhundert bekannt. So nennt eine Forstkarte aus dem Jahre 1833 die Bezeichnung Imburg.
Der Horner Kaufmann und Bürgermeister und (dilettantische) Laienforscher Gotthilf August Benjamin Schierenberg ließ sich im nationalen Überschwang der Zeit nach Reichsgründung 1871 und seine damals für sich neuentdeckte Faszination von den mythologischen Texten der Edda dazu verleiten diese auf die Örtlichkeit der Externsteine zu fabulieren.Ludger Kerssen: Das Interesse am Mittelalter im Deutschen Nationaldenkmal. (= Arbeiten zur Frühmittelalterforschung Band 8). Walter de Gruyter, Berlin/New York 1975 [Reprint 2014], ISBN 978-3-11-084067-4, S. 123 ff. (Google-Buchsuche). Völlig bar jeder philologischer und historischer Fachkenntnisse und Methoden entnahm er aus bestimmten Passagen der nordischen Texte Götter/Personen- und Ortsnamen, um die Externsteine und Umgebung als das „Germanische Olympia“ darzustellen und als Wohnort der nordisch-germanischen Götter zu beweisen. Die Immenburg dichtete er 1875 zu Heimdalls Himinbjörg als Wächter von Asgard.Gotthilf A. B. Schierenberg: Ein historischer Spaziergang von Tropaea Drusi über den Exterstein nach dem Campus Idistavisus. In: Beilage zum Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der Deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine, Band 23, Mittler, 1875, Seite 1–23, hier 19. Für ihn passend deutete er dazu den Namen der „Wiembecke“ absurderweise als „Wieh-bach“ von altsächsisch/althochdeutsch wīh für „heilig, Heiligtum“ (wie altnordisch vé), also als das Gewässer das im Heiligtum oder dem Heiligen Bezirk entspringt.vergleiche Albrecht Greule: Deutsches Gewässernamenbuch. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2014, ISBN 978-3-11-019039-7, S. 590–591 zum Namen „Wiembeke“ bei Lemgo. In seinem Eifer und Sendungsbewusstsein ob seiner „Entdeckungen“, wandte er sich unter anderen an dem damaligen führenden Experten für die „Germanische Altertumskunde“ Karl Müllenhoff, der sich weigerte, sich mit Schierenbergs Elaboraten zu befassen.Erich Kittel: Die Externsteine als Tummelplatz der Schwarmgeister und im Urteil der Wissenschaft. Detmold 1965, S. 12–17.
1934 und 1935 wurden unter Leitung des Münsteraner Geologen und aktiven NSDAP-Mitglieds Julius Andree mit Hilfe des Reichsarbeitsdienstes umfangreiche archäologische Ausgrabungen im Bereich um die Externsteine durchgeführt, deren Dokumentation seit 1945 aber nur noch unvollständig ist. Diese Grabungen werden von der heutigen wissenschaftlichen Archäologie in der Regel als „initiierte archäologische Zweckforschung“ angesehen. Teile einer Umwallung mit Holzkonstruktion wurden von Andree im Rahmen dieser Grabungen auf dem Flurstück Immenburg entdeckt und untersucht.Wilhelm Teudt: Germanische Heiligtümer: Beiträge zur Aufdeckung der Vorgeschichte. Verlag Diederichs, vierte Auflage, 1936, Seite 63.Julius Andree: Die Externsteine. Eine germanische Kultstätte. Münster, dritte Auflage, 1939, Seite 58–63. Andree beschrieb seine Funde erst in seinem Bericht über die Externsteine in dritter Auflage 1939, hierbei aber mit einem mehrseitigen Exkurs.Friedrich Focke: Beiträge zur Geschichte der Externsteine. W. Kohlhammer, 1943, Seite 18.Freerk Haye Hamkens: Der Externstein. Wege und Irrwege der Forschung. Weeke Horn, 2000, Seite 212 ff.
Wilhelm Teudt schrieb bereits 1936: Dabei ging Teudt verbunden mit dem Zeitgeist davon aus, dass die Externsteine als Heiligtum verehrt worden waren. Von der Fachwissenschaft werden Teudts Thesen abgelehnt. Sie beeinflussen aber heute noch esoterische und neuheidnische Kreise.Uta Halle: „Die Externsteine sind bis auf weiteres germanisch!“. Prähistorische Archäologie im Dritten Reich. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2002 (= Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 68), ISBN 3-89534-446-X
mini|Querschnitt durch zwei nebeneinander liegende Wälle. Unten: mögliche Rekonstruktion der Wälle. Aus: Teudt, Germanische Heiligtümer, 1936. Zitiert nach: Andree, 1939, Abb. 50.
Andree veröffentlichte 1939:
Literatur Erich Kittel: Die Externsteine als Tummelplatz der Schwarmgeister und im Urteil der Wissenschaft. In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde Band 33, 1964. Wieder als unveränderter Sonderdruck, NHV, Detmold 1965. (Digitalisat)
Einzelnachweise
Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Geographie (Horn-Bad Meinberg)