Die Beziehungen zwischen Portugal und den Vereinigten Staaten beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Portugal und den USA. Die Länder unterhalten offizielle direkte Beziehungen seit 1783. Portugal gehörte zu den ersten drei Staaten, die die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten anerkannten. Das 1795 eröffnete US-Konsulat in Ponta Delgada auf den Azoren ist das älteste Konsulat der USA überhaupt, und der Kongress stieß nach der Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten am 4. Juli 1776 mit portugiesischem Madeirawein auf die Unabhängigkeit der USA an.Thomas Jefferson and Madeira: A History and Tasting, Website der Smithsonian Institution, abgerufen am 31. Mai 2022
Die heutigen Beziehungen werden maßgeblich geprägt durch die gemeinsame Mitgliedschaft in der NATO und der bedeutenden portugiesischen Diaspora an Ost- und Westküste der USA. Ein wichtiger Gegenstand der luso-amerikanischen Beziehungen ist die strategisch wichtige US Air Base in der Base Aérea das Lajes auf den Azoren.
Beide Länder sind Gründungsmitglieder u. a. der NATO, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Zudem sind sie Partner in einer Vielzahl internationaler Organisationen wie der UNO, der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem IWF oder der Weltbank. Seit 2021 haben die Vereinigten Staaten auch Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP).
Die portugiesischen Spuren im Alltag der USA sind vielfältig, wenn auch häufig kaum bewusst. So ist der Mount San Antonio bei Los Angeles nach Antonius von Padua benannt, dem portugiesischen Heiligen und Stadtpatron seiner Geburtsstadt Lissabon, das Pflaster rund um das John-Lennon-Denkmal Strawberry Fields im Central Park in New York ist dem traditionellen portugiesischen Straßenpflaster angeglichen, in Orten an der Ostküste gehen einige traditionelle Straßenumzüge auf die portugiesischen Einwanderergemeinden zurück, und eine Vielzahl bekannter Persönlichkeiten der US-Gesellschaft haben portugiesische Vorfahren. Auch im Unabhängigkeitskrieg machten sich Portugiesen verdient, und die jungen Vereinigten Staaten eröffneten danach ihr erstes ausländisches Konsulat in Portugal (1795 in Ponta Delgada). Angesichts der zahlenmäßig geringen Bedeutung der portugiesischen Einwanderung im Vergleich zu den großen Einwanderernationen der USA ist das vergleichsweise kleine Portugal jedoch weiterhin ein kaum bekanntes Land in der breiten US-amerikanischen Bevölkerung. Im Gegenzug ist US-amerikanische Popkultur in Portugal wie in allen westlichen Ländern prägend, die dortige Politik Gegenstand der alltäglichen Berichterstattung in portugiesischen Medien, und die Existenz einer bedeutenden portugiesischen Gemeinde in den USA im Allgemeinen weit bekannt.
Geschichte mini|150px|Cipriano Ribeiro Freire war 1794 der erste portugiesische Botschafter in den USA Bis 1942 Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpften auch portugiesischstämmige Pioniere für die Unabhängigkeit, darunter Francis Salvador (1747–1776), Sohn portugiesischer Sepharden, der 1776 in einer Schlacht in South Carolina fiel.
Das Königreich Portugal erkannte die unabhängigen USA bereits am 15. Februar 1783 an. Zusammen mit Frankreich und den Niederlanden war Portugal damit unter den einzigen drei Staaten, die noch vor dem Pariser Friedensvertrag vom 3. September 1783 und damit dem Ende des britisch-amerikanischen Unabhängigkeitskriegs die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten anerkannten.Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten des diplomatischen Instituts im portugiesischen Außenministerium, abgerufen am 6. Februar 2017 Hintergrund war die noch neue Regierung unter Königin D. Maria I., die eine größere Handlungsfreiheit gegenüber dem alten Verbündeten Portugals, dem Vereinigten Königreich zeigen wollte.Lajes são uma das três bases que EUA nunca abandonarão – „Lajes sind eine der drei Basen, die die USA niemals verlassen werden“, Artikel vom 22. Februar 2016 der portugiesischen Zeitung Diário de Notícias, abgerufen am 6. Februar 2017
Am 30. Oktober 1794 akkreditierte sich der erste portugiesische Botschafter in Washington.
Auf die 1824 erfolgte, auch im Zusammenhang mit der Monroe-Doktrin stehende, US-amerikanische Anerkennung der Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal erfolgte keine nennenswerte Reaktion von portugiesischer Seite. mini|150px|Einer der ersten drei portugiesischen Ukulele-Hersteller auf Hawaii, Anzeige vom 13. September 1899 Ab etwa 1849 setzte eine kontinuierliche portugiesische Einwanderung in die USA ein, insbesondere an die nördliche Ostküste (besonders Neuengland), die südliche Westküste (besonders Kalifornien) und nach Hawaii (Siehe unten, Kapitel Portugiesische Einwanderung in die USA). Der Portugiese João Fernandez brachte dabei 1879 eine Cavaquinho-Variante von Madeira nach Hawaii mit. Das Instrument wurde danach international als Ukulele bekannt.
Im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) waren auch portugiesischstämmige Personen engagiert, etwa Francis B. Spinola, der als Brigadegeneral der Nordstaatenarmee wirkte.
Die 1910 ausgerufene Republik Portugal wurde direkt nach der folgenden gesetzgebenden Versammlung am 19. Juni 1911 durch die USA anerkannt.
Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) gehörte Portugal nach der deutschen Kriegserklärung 1916 den Alliierten an, zusammen mit den USA, nachdem diese 1917 dem deutschen Kaiserreich den Krieg erklärten.
Seit 1942 Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) blieb Portugal neutral. Es unterhielt zwar auch zu den Achsenmächten Beziehungen, etwa durch Wolfram-Lieferungen an die deutsche Kriegsindustrie, jedoch näherte sich Portugal immer weiter der Anti-Hitler-Koalition an. So gestattete Portugal seinem ältesten Verbündeten, dem Vereinigten Königreich, ab 1943 die Nutzung der Lajes-Basis, seit 1944 nutzen die US-Streitkräfte die Basis. Zudem war das neutrale Portugal eine wichtige Durchgangsstation für zahllose Flüchtlinge, die vor Nazideutschland auch in die USA flohen.
Nach dem Krieg wurden die USA und Portugal 1949 beide Gründungsmitglieder der NATO. Jedoch hielt das autoritäre Estado Novo-Regime an dem historischen Portugiesischen Kolonialreich fest, während insbesondere in Afrika eine allgemeine Dekolonisationswelle einsetzte. Dies brachte Portugal zunächst Ablehnung durch den jungen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy ein (ab 1961). Infolge der zunehmenden Ost-West-Spannungen nach der Kubakrise 1962 verbesserte sich die Beziehung zur antikommunistischen Salazar-Diktatur wieder. mini|150px|Auf Barrosos Einladung (links) trafen sich die Regierungschefs Blair (Großbritannien), Aznar (Spanien) und der amerikanische Präsident Bush 2003 auf den Azoren zur Vorbereitung des Irakkriegs Nach der portugiesischen Nelkenrevolution am 25. April 1974 ging bereits am folgenden 29. April in der portugiesischen Botschaft in Washington eine Note des US State Department ein, mit der die USA die portugiesische Revolutionsregierung anerkannten und die unverändert fortbestehenden diplomatischen Beziehungen bestätigten. Der starke linke Charakter der Revolution und Kontakte einzelner MFA-Offiziere zum Ostblock ließen die USA zunächst jedoch in abwartende Distanz zur neuen Führung gehen. Die einsetzende US-amerikanische Förderung separatistischer Tendenzen auf den Azoren und die amerikanische Präsenz in Lajes, inklusive den als Bedrohung empfundenen Besuchen von NATO-Kriegsschiffen in Lissabon,Regisseur João César Monteiro zeigte in seinem semi-dokumentarischen Que Farei Eu com Esta Espada? 1975 sowohl die Anti-NATO-Demonstrationen als auch die in Lissabon vor Anker liegenden NATO-Schiffe, hier zu sehen ab der dritten Minute auf YouTube, abgerufen am 6. Februar 2017 erhöhten den Druck auf Portugal, sich der Nähe der USA nicht zu entziehen. In der Folge intensivierten sich die Beziehungen wieder, insbesondere nachdem sich die eher bürgerlichen Kräfte innerhalb der Revolutionsgremien durchsetzten.
Mit dem Beitritt Portugals zur EU 1986 und den folgenden umfassenden Privatisierungen und Marktöffnungen galt Portugal fortan als wieder fest im westlichen Verteidigungsbündnis und Wirtschaftsraum verankert. Insbesondere unter José Manuel Barroso sowohl als Außenminister als auch später als Ministerpräsident wurden die Beziehungen zu den USA ausgesprochen gut. So befürwortete er im Gegensatz zu seiner Bevölkerungsmehrheit die Invasion im Irak 2003 und trieb in Portugal Privatisierungen weiter voran.
Heute gelten die luso-amerikanischen Beziehungen als weniger intensiv, aber weiterhin gut. Der portugiesische Hochschullehrer und Historiker Tiago Moreira de Sá, ein Spezialist der portugiesisch-amerikanischen Geschichte, vertritt in seinem 2016 erschienenen Buch über die Geschichte der luso-amerikanischen Beziehungen die Ansicht, dass die USA zuletzt ihren Blick etwas weg von Europa und Portugal wandten, die Basis von Lajes aber weiter zu den drei wichtigsten und vermutlich niemals aufzugebenden internationalen Stützpunkten der USA zählt, neben Diego Garcia im Indischen Ozean und die Andersen Air Force Base auf Guam im Pazifik.
Diplomatie mini|150px|Die portugiesische Botschaft in Washington Portugiesische Vertretungen in den USA Am 30. Oktober 1794 akkreditierte sich mit Cipriano Ribeiro Freire der erste Diplomat in der portugiesischen Botschaft in Washington. Sie hat heute ihren Sitz in der Massachusetts Avenue Nr. 2012.
Daneben unterhält Portugal Generalkonsulate in Boston, New Bedford, New York, Newark, San Francisco und Providence.
Außerdem sind portugiesische Honorarkonsulate in Chicago, Hawaii, Houston, Indianapolis, Los Angeles, Miami, Naugatuck, New Orleans, Palm Coast, Phoenix, Tulare und in Puerto Rico tätig.
US-amerikanische Vertretungen in Portugal David Humphreys, ein Offizier der Amerikanischen Revolution und Vertrauter George Washingtons, nahm am 21. Februar 1791 als erster Botschafter der USA seinen Dienst in Lissabon auf. Sein Nachfolger John Quincy Adams wurde später der sechste Präsident der USA. Während des Zweiten Weltkriegs war George F. Kennan Botschafter in Lissabon und erreichte die Nutzung der Lajes-Basis für die alliierte Seite.Webseite zu den portugiesisch-amerikanischen Beziehungen der US-amerikanischen Botschaft in Portugal (englisch), abgerufen am 9. Februar 2017
1944 wurde die bisherige US-amerikanische Legation zur vollen Botschaft erhoben. Sie residierte seit 1791 in verschiedenen Gebäuden und ist heute in einem architektonisch eingebundenen Neubau auf dem Gelände der historischen Quinta do Pinheiro an der Avenida das Forças Armadas untergebracht. (englisch und portugiesisch), Website der Botschaft der USA in Portugal, abgerufen am 9. Februar 2017
Neben der Botschaft in Lissabon unterhalten die USA bereits seit 1795 ein Konsulat in Ponta Delgada, der Hauptstadt der Azoren-Insel. Es ist das älteste Konsulat der Vereinigten Staaten überhaupt. bei der Botschaft der USA in Portugal, abgerufen am 9. Februar 2017
Partnerstädte 1970 gingen Ponta Delgada, Hauptstadt des portugiesischen Azorenarchipels, und der kalifornische Ort San Leandro die erste Städtefreundschaft zwischen Portugal und den Vereinigten Staaten ein. Insgesamt bestehen inzwischen 52 Partnerschaften dieser Art oder werden angestrebt (Stand 2012). Insbesondere die portugiesischen Gemeinden an der Ostküste, in Kalifornien und auf Hawaii haben ihren Ursprung in der historischen Zuwanderung portugiesischer Seeleute überwiegend von den Azoren und Madeira in die USA und bilden den wichtigsten Anknüpfungspunkt für die meisten portugiesisch-US-amerikanischen Städtefreundschaften.
Portugiesische Diaspora Portugiesische Einwanderung in die USA mini|150px|Portugiesischer Stierkampf in Thornton (Kalifornien) Zahlen