200px|mini|Alexander Hamilton, Autor des Federalist-Artikel Nr. 1
Der Federalist-Artikel Nr. 1 ist ein Essay von Alexander Hamilton, der eine Reihe von 85 Aufsätzen einleitet, die 1787–88 in den Zeitungen „Independent Journal“, „New-York Packet“ und „Daily Advertiser“ erschienen und unter dem Namen Federalist Papers bekannt geworden sind. Artikel Nr. 1 wurde am 27. Oktober 1787 im Independent Journal unter dem Pseudonym „Publius“ veröffentlicht.
Geschichtlicher Hintergrund Debatte über die Verfassung Die 1777 verabschiedeten Konföderationsartikel (Articles of Confederation) der Vereinigten Staaten hatten sich schon wenige Jahre nach ihrer Ratifizierung 1781 als unzureichend erwiesen, um den Staatenbund zu regieren. 1787 war die Philadelphia Convention einberufen worden, um die Artikel zu überarbeiten, hatte im Ergebnis aber eine neue Verfassung entworfen. Im September 1787 wurde der Entwurf zur Ratifizierung an Verfassungskonvente in den einzelnen Staaten geleitet. Vom gleichen Monat an wurde der Verfassungsentwurf Gegenstand einer intensiv geführten öffentlichen Debatte. Gegner der Föderation („Anti-Federalists“) agitierten in Zeitungsartikeln gegen die Ratifizierung des Entwurfs. Diesen entgegneten auf Seiten der Föderalisten die Aufsätze von Alexander Hamilton, James Madison und John Jay.
Hamiltons Einschätzung der Situation im September 1787 In einer privaten Aufzeichnung vom September 1787 schrieb Hamilton seine Einschätzung der aktuellem Situation nieder. Für den Erfolg des Verfassungsentwurfs spreche das hohe Ansehen General George Washingtons, ebenso das Interesse der Wirtschaft an einer Regierung, die den Handel regulieren, schützen und ausweiten könne, ferner das Bedürfnis der vermögenden Bürger nach Schutz vor Gewalt im Inneren und Einschränkungen ihres Vermögens. Für die Verfassung spreche auch das Interesse der Gläubigerstaaten der USA an einer Regierung, die die Schulden des Landes bedienen könne. Generell sei sich die breite Bevölkerung des Unvermögens der bestehenden Konföderation bewusst, den Bestand der Union zu garantieren, sowie der Notwendigkeit der Union für ihren Schutz und ihren Wohlstand. Generell herrsche ein ausgeprägtes Bedürfnis nach einem Wechsel vor; die Einstellung gegenüber den Vorschlägen des Verfassungskonvents sei positiv.
Gegen den Erfolg der Verfassungsinitiative spreche die Ablehnung zweier oder dreier wichtiger Delegierter im Konvent, die ihren persönlichen Einfluss geltend machen wollten, sowie einer nicht genau zu bestimmenden Anzahl von Regierungsbeamten in den Bundesstaaten, die von einer starken Zentralregierung nur eine Beschränkung ihrer persönlichen Macht erwarten könnten. Ferner könnten weitere Amtsinhaber aus dem ehrgeizigen Bedürfnis heraus, selbst eine Rolle bei den Veränderungen zu spielen und damit ihre eigene Person aufzuwerten, sich gegen die Verfassung aussprechen. Hoch verschuldete Personen könnten sich gegen eine Regierung aussprechen, die Schulden wirksam eintreibt. Bedenken tragen könnten weiter Menschen, die nicht wollen, dass die gesamte demokratische Staatsgewalt in die Hände einiger Weniger gelegt werde, und zuletzt die Interessen fremder Staaten, die nicht wollten, dass eine energische Zentralregierung die Einzelstaaten leite.
Die Diskussion um die Verfassung könne solche Feindseligkeit in der Bevölkerung erwecken, dass dieser Umstand zusammen mit der wirklichen Notwendigkeit politischer Veränderungen sogar einen Bürgerkrieg hervorrufen könne. Infolgedessen könnte die Union zerfallen und ganz unterschiedliche Regierungsformen bis hin zur Monarchie in einzelnen Staaten entstehen. Auch wenn kein Bürgerkrieg ausbreche, könnten sich einzelne Staaten in unterschiedlichen Konföderationen zusammenschließen. Eine Wiedervereinigung mit Britannien unter der Monarchie eines Mitglieds des britischen Königshauses erschien Hamilton möglich, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich.
Von der Wahl George Washingtons zum Präsidenten der Vereinigten Staaten erwartet sich Hamilton die Auswahl geeigneter Staatsbeamter und eine gute Regierung, welche das Vertrauen und die Zustimmung der Bürger wiederherstellen und die Rolle der Bundesregierung gegenüber den Regierungen der Bundesstaaten weiter stärken könne. Demgegenüber berge eine schwache Zentralregierung die Gefahr, dass im Konflikt zwischen Zentrale und Einzelstaaten die Union letztlich zerbrechen würde. Diese Möglichkeit sieht Hamilton als die wahrscheinlichste an. Insgesamt rechnete er mit einer Zeitspanne von acht bis neun Monaten bis zur Ratifizierung der Verfassung.
Inhalt Verfassungsdiskussion als historische Zeitenwende Hauptziel des Aufsatzes ist, die Bürger davon zu überzeugen, dass das in den Articles of Convention definierte politische System in dieser Form nicht beibehalten werden könne. Dies könne vielen als überzogene Forderung erscheinen; es könne schwierig sein, jemanden davon zu überzeugen, ein bestehendes politisches System aufzugeben, sofern es nicht vollständig versagt habe. Hamilton war sich der Schwere der Entscheidung bewusst, vor der die Menschen damals standen. In der Einleitung des Aufsatzes drückt er es folgendermaßen aus:
Motive und Argumente in der politischen Diskussion Bewusst ist sich Hamilton aber auch der Einseitigkeit der gegnerischen Argumente. Federalist Nr. 1 gesteht zu, dass Meinungen nie vollständig objektiv sind, wenn bedeutende Themen diskutiert werden. Hamilton schreibt:
Hamilton untersucht eingehend die verschiedenen Tendenzen der Argumentation. Er identifiziert nicht nur Standpunkte mit eindeutig zerstörerischer Absicht, sondern berücksichtigt auch die große Zahl von Personen, die trotz guter Absicht offenkundiger Einseitigkeit unterliegen. Sogar solche Menschen, die sich selbst für unparteiisch halten, können häufig im Grunde voreingenommen sein:
Die Diskussion möglicher die Debatte bestimmender Beweggründe führt gleichzeitig ein Schlüsselthema der gesamten Aufsatzsammlung ein, nämlich die Beziehung zwischen Motiv und Argumentation in der Politik. Hamilton legt dar, dass politische Beweggründe für die Stichhaltigkeit des Arguments bedeutungslos sind. Argumente stehen und fallen aufgrund ihrer eigenen Stärke und können durch das Wissen um die dahinter stehenden Motive weder mehr, noch weniger Gewicht erhalten. Aufgrund der Bedeutungslosigkeit persönlicher Beweggründe im Hinblick auf die Stichhaltigkeit ihrer Argumentation hätten sich die Autoren der „Federalist Papers“ entschieden, unter Pseudonymen zu veröffentlichen.
Warnung vor Demagogie und Machtstreben Hamilton sah voraus, dass die Anti-Federalists die Debatte fortsetzen würden, und dass die Verfassung der Vereinigten Staaten die Meinungen weiterhin spalten würde. Ausdrücklich warnt er vor der Stigmatisierung der jeweiligen Kontrahenten in der Debatte:
Hamilton weist darauf hin, dass die Stärke eines politischen Systems und die Sicherung der persönlichen Freiheit eng miteinander verbunden sind. Hinter der Maske des „besonderen Eifers für die Rechte des Volkes“ verberge sich häufiger ein gefährliches Machtstreben, als hinter dem nachdrücklichen Eintreten für politische Stabilität und individuelle Freiheit:
Unterstützung der neuen Verfassung Ausdrücklich und bewusst einseitig argumentierend, ermutigt der Federalist-Artikel Nr. 1 die Bevölkerung, die neue Verfassung anzunehmen:
Schlüsselbegriffe der Federalist-Artikel Hamilton stellt abschließend sechs Schlüsselbegriffe vor, die in den nachfolgenden Federalist-Artikeln diskutiert werden sollen:
Der Nutzen der Union für das Wohl [des Staates New York];Federalist Paper No. 1: „The utility of the union to your political prosperity;“ Die fehlende Fähigkeit der Konföderation, die Union aufrechtzuerhalten;Federalist Paper No. 1: „The insufficiency of the present confederation to preserve that union;“ Die Notwendigkeit einer mindestens ebenso starken Regierung wie der vorgeschlagenen, um dieses Ziel zu gewährleisten;Federalist Paper No. 1: „The necessity of a government at least equally energetic with the one proposed, to the attainment of this object;“ Die Übereinstimmung der vorgeschlagenen Verfassung mit den Grundsätzen der republikanischen Regierungsform;Federalist Paper No. 1: „The conformity of the proposed constitution to the true principles of republican government;“ Die Übereinstimmung den Verfassungen der einzelnen Bundesstaaten;Federalist Paper No. 1: „Its analogy to your own state constitution;“ Die zusätzliche Sicherheit, die eine Verfassung dem Erhalt der Regierungsform [in den einzelnen Staaten] der Freiheit und des Wohlstands verleihen würde.Federalist Paper No. 1: „The additional security which its adoption will afford to the preservation of that species of government, to liberty, and to prosperity.“
Literatur
Weblinks mini|Federalist-Artikel Nr. 1 als Hörbuch
The Federalist No. 1 Text
Einzelnachweise
#:1 Kategorie:Historisches Dokument der Vereinigten Staaten Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigte Staaten) Kategorie:Literatur (18. Jahrhundert) Kategorie:Essay Kategorie:Sachliteratur (Politik) Kategorie:Alexander Hamilton