miniatur|Christian Roeckenschuss um 2005 Christian Roeckenschuss (* 1929 in Dresden; † 2011 in Berlin) war ein deutscher Maler und Vertreter der Konkreten Kunst und des Minimalismus. Er war Mitglied in der Künstlergruppe Systhema.
Leben und Werk mini|Acrylglas-Relief in Berlin-Märkisches Viertel, 1973
Christian Roeckenschuss studierte 1949/50 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden Gesang und Klavier. Nach der Übersiedlung nach Berlin-West aus politisch-ideologischen Gründen setzte Roeckenschuss sein Studium an der Hochschule der Bildenden Künste fort (1951–1957). Er orientierte sich an der abstrakten Avantgarde der 1910er bis 1930er Jahre sowie an den klaren Formen von Bauhaus und De Stijl. Zwischen 1950 und 1958 führten ihn Studienreisen und die Suche nach einer eigenen Formensprache weltweit durch zahlreiche Länder. Schon früh waren Tendenzen seines Kunstkonzeptes erkennbar. Erste kleinformatige Ölkreide-Entwürfe mit klaren geometrischen Formen entstanden 1956. Die Festlegung auf das quadratische Format und auf eine mathematisch kalkulierte Genauigkeit wurde deutlich, wobei er sich an Vorbildern der Hard-Edge-Malerei orientierte.
Beeinflussungen, sich in Richtung Minimalismus und Konkreter Kunst zu entwickeln, gingen auch von abstrakt-konkret arbeitenden Künstlern wie Antoine Pevsner und Hans Arp aus. Beide lernt Roeckenschuss während eines Studienaufenthalts in Paris kennen. Später folgte ein Austausch mit Lucio Fontana, den er in Mailand besuchte.
Seit 1957 arbeitete Christian Roeckenschuss freischaffend in Berlin. In den 1950er Jahren zählte er zu den wenigen geometrisch-abstrakt arbeitenden Künstlern der Stadt. „Weg vom Persönlichen und Begrenzten, hin zum Universalen und zur Kühle der technischen Zeit.“Interview der Zeitschrift Berliner Illustrierte Zeitung, Ausgabe 9/1961. lautet Roeckenschuss' künstlerisches Credo.
Quadrate, Rechtecke und mit Zirkel und Lineal entworfene Formate, oft in Signalfarben, kennzeichnen viele seiner Bilder. 1958/1959 entstanden die so genannten Zielscheibenbilder – Kreiskonstruktionen, bei denen sich Kreisformen spielerisch in Segmente auflösen. In den 1960er Jahren experimentierte Christian Roeckenschuss mit Materialien aus dem Modellbau- beziehungsweise Schreibwarenbedarf. Er arbeitete mit Rastern, Schablonen auf Holz, Papier und Plexiglas. Ebenfalls in den 1960er Jahren setzte sich Roeckenschuss mit Aspekten von Lichtbrechungen und Lichtspiegelungen auseinander. Durch die Beschäftigung mit OP-Art und ZERO ist sein Œuvre fundamental mit Gesichtspunkten der Bewegung und der Illusion des Raumes verbunden.
Die Auseinandersetzung mit der räumlichen und ästhetischen Wirkung von Farbe wird unter anderem in Kunst-am-Bau-Projekten der 1980er Jahre in Berlin und Lübeck sichtbar, insbesondere aber in der ab 1975 bis zu seinem Tod andauernden Arbeit an der Serie der Séquences Chromatiques („Farbstreifenverläufe“).„Sucht man sich den abstrakten Kompositionen und Farbverläufen zu nähern, so kann ein Schlüssel in der Musikalität im Denken und Empfinden von Klängen, Harmonien und Sequenzen liegen. Ist es doch neben der Poesie vor allem die Musik, die für Roeckenschuss von Bedeutung ist und sich in seiner Kunst in der Ebene spiegelt, die sich unter der planen Oberfläche seiner Gemälde befindet.“ Renate Wiehager in: Minimalism Germany 1960. Daimler Art Collection, Berlin, 2010, S. 80.
In der Spätphase seines Lebens fertigte Roeckenschuss Arbeiten aus industriell hergestellten Folien. 2011 starb er an den Folgen eines Sturzes in Berlin.
Internationale Anerkennung erlangte Roeckenschuss infolge seiner zahlreichen Auslandsausstellungen. Seine Bedeutung für den Minimalismus und die Konstruktive Kunst wird fortlaufend durch die Ausstellungen bei der Daimler Art Collection hervorgehoben. Mit der retrospektiv angelegten Ausstellung „Minimalism Germany 1960“ im Haus Huth wird er als bedeutender deutscher Minimalist der Nachkriegszeit gewürdigt.
„Systhema“ In den Nachkriegsjahren war Roeckenschuss Mitglied der internationalen Künstlergruppe Systhema, zu deren Künstlern unter anderem George Rickey, Jan Kotík, Johannes Geccelli, Klaus Schoen oder Frank Badur zählten.
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1963: 120 Zeichnungen in Pastell, Deutsches Kulturinstitut Brüssel 1975: Galleria Method, Bergamo 1976: Galerie Suzanne Bollag, Zürich 1977: Galleria Vismara, arte contemporanea, Mailand 1978: Neuer Berliner Kunstverein 1979: Centre Culturel Allemand, Paris 1981: Bilder, Reliefs, kleine Formate, Galerie Christel, Stockholm 1984: réperes, Place des Vosges, Paris 1986: Farbsequenzen, neue Bilder, Galerie Der Spiegel, Köln 1999: Farbsequenzen, Mies van der Rohe Haus, Berlin 2015: Zurück in die Zukunft, Galerie Köppe Contemporary, Berlin 2017: Minimalist und Konkreter Poet, Köppe Contemporary, Berlin 2019: Vom Entwurf zum Werk, Köppe Contemporary, Berlin
Ausstellungsbeteiligungen 1962: peintures, sculptures, petits formats, Galerie Hautefeuille, Paris 1962: Neue Tendenzen, Galerie Orez, Den Haag 1962: Junge Stadt sieht Junge Kunst, Wolfsburg 1963: ars viva, Leverkusen und Kulturkreis im bdi, Köln 1963: Deutsche Maler, Galerie Vendöme, Brüssel 1964: 13 Konkrete, Kunstverein Ulm 1965: XX. Salon des Realites Nouvelles, Musée d’Art Moderne, Paris 1965: New tendency 3, Museum of Contemporary Art Zagreb 1966: Junge Generation, Akademie der Künste, Berlin 1967: L’art vivant, Musee Saint-Paul de Vence 1968: visuell-konstruktiv, Kunstverein Berlin 1969: exposition internationale des sculptures, Antwerpen 1970: El salón de corrientes constructivistas, Barcelona 1973: Multiples, Neuer Berliner Kunstverein, Berlin 1976: espositione additiva di artisti internazionali, Galleria Method Bergamo 1977: Gruppe Systhema, Amos Anderson Museum, Helsinki 1977: Berlin now – contemporary art 1977, Denise Rene Gallery, New York 1977: Dt. Künstlerbund, 25. Jahresausstellung, Frankfurt am Main 1977: Systhema, Galerie Bossin, Berlin 1978: XXXII. salon des realites nouvelles, Paris 1978: systhema, Galerie Krüll, Krefeld und Galerie Loeb, Bern 1978: Konkrete Konzepte, Galerie Bossin, Berlin 1980: summer exhibition, Redfern Gallery, London 1981: Graphic Design Study Collection, Museum of Modern Art, New York 1983: Gefühl und Härte, Galerie Konstruktiv Tendens, Stockholm 1986: 30 Jahre Konkrete Kunst, Galerie Suzanne Bollag, Zürich 1987: Kunst am Bau, Projekte, Entwürfe, Modelle, Staatliche Kunsthalle, Berlin 1988: Berlin – Kulturstadt Europas, Berlinische Galerie, Berlin 1989: Acchrochage, Galerie Konstruktiv Tendens, Stockholm 1990: Neuerwerbungen, Berlinische Galerie, Berlin 1990: Ausgebürgert – die uns fehlen, Albertinum, Dresden 1990/1992: Konkrete Kunst, Sammlung Gomringer, Museum Ulm und Galerie Objekta, München 1992: Sammlung Gomringer, Museum Ingolstadt 1992: Kaleidoskop, Haus am Waldsee, Berlin 2004: Minimalism & After III, Daimler Contemporary, Berlin 2006: Eine Generation – drei Positionen, Forum Konkrete Kunst, Erfurt 2010: Minimalism Germany 1960s, Daimler Contemporary, Berlin 2017: Serielle Formationen. Frankfurt 1967, Daimler Contemporary, BerlinAusstellungswebseite 2017: Konträre Positionen im Dialog, Galerie Object40, Berlin 2019: Licht im/als Bild, Daimler Art Collection, Stuttgart
Sammlungen / Museen Berlinische Galerie, Berlin MoMA Museum of Modern Art, New YorkMoMA, Museum of Modern Art: Department of Painting and Sculpture: Artists Records Daimler Art CollectionDaimler Art Collection Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt Musée des Ursulines de MâconJoconde, Portail des collections des musées de France Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.)/ Satoru Sato Art Museum, Tome, Präfektur Miyagi, Japan
Veröffentlichungen / Kataloge Visuell, konstruktiv: Henryk Berlewi, Erich Buchholz, Bernd Damke, Manfred Gräf, Wolf Kahlen, Wolfgang Ludwig, Christian Roeckenschuss, Göta Tellesch. Dt. Ges. für Bildende Kunst, Berlin 1968. Christian Roeckenschuss: Strukturen, Reliefs, Engramme, 1965–1972. Galerie der Spiegel, Köln 1973. Christian Roeckenschuss. Galleria Method, Eurgrafika, Bergamo 1975. Christian Roeckenschuss: Vismara arte contemporanea Milano. Galleria Vismara arte, Mailand 1977. Christian Roeckenschuss: Bilder, Reliefs, kleine Formate 1975–1978. Katalog der Ausstellung Neuer Berliner Kunstverein, Berlin 1978. Christian Roeckenschuss: tableaux, reliefs, petit formats 1975 – 1978. Centre Culturel Allemand, Paris 1979. Christian Roeckenschuss: pitture, rilievi, miniature 1975 – 1978. Vismara arte contemporanea Milano, Mailand 1980. Christian Roeckenschuss – colour sequences, paintings, reliefs, small works 1975-1978. Goethe-Institut, London 1980. Gisela von Bruchhausen: Christian Roeckenschuss. Galerie Heinz Teufel, Mahlberg 1994, ISBN 978-3-927141-11-7. Renate Wiehager: Minimalism and After III. Neuerwerbungen. DaimlerChrysler Collection, Berlin 2004. Renate Wiehager: Minimalism Germany 1960s. Daimler Art Collection, Berlin 2010. Renate Wiehager: Minimalism and After. Tradition und Tendenzen minimalistischer Kunst von 1950 bis heute (Daimler Art Collection). Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2010, ISBN 978-3-7757-2386-2. Christian Roeckenschuss: Minimalismus und Farbfeldmalerei – Papierarbeiten und Gemälde 1956–1962. Galerie Köppe Contemporary, Berlin 2016
Weblinks
Christian Roeckenschuss auf artfacts Homepage zu Christian Roeckenschuss (Verfasser: Köppe Contemporary) Christian Roeckenschuss in der Deutschen Nationalbibliothek Christian Roeckenschuss bei der Daimler Art Collection
Einzelnachweise
Kategorie:Künstler der Konkreten Kunst Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1929 Kategorie:Gestorben 2011 Kategorie:Mann